mini|Stolperstein am Haus, Landshuter Straße 15, in Berlin-Schöneberg Alfred Lansburgh (* 27. März 1872 in London; † 11. September 1937 in Berlin) war zunächst Bankmitarbeiter, dann Publizist (Pseudonym: Argentarius). Seine grundlegenden Werke über das Geldwesen werden bis heute verkauft, in wissenschaftlichen Arbeiten zitiertCaroline Fohlin: Regulation, Taxation, and the Development of the German Universal Banking System, 1884-1913 SSRN eLibrary.Carl-Ludwig Holtfrerich: german Inflation1914-1923 - Google BooksGerald D. Feldman, The Great Disorder: Politics, Economics, and Society in the German Inflation, 1914–1924. New York: Oxford University Press, 1993. xix + 1011 pp. $125.00 cloth. und an Universitäten als Fachliteratur verwendet.

Leben Lansburgh entstammte einer jüdischen Familie, kam nach der Geburt in London bereits als Kind mit seinen Eltern nach Berlin, wo er bald Vollwaise wurde. Er besuchte dort das renommierte Französische Gymnasium, ohne allerdings Abitur abzulegen. Er war mit Kurt Tucholsky befreundet.Streiter gegen die Inflation, www.faz.net 22. Oktober 2021

Alfred Lansburgh war zunächst Mitarbeiter der Berliner Handelsgesellschaft, ehe er 1903 zum „Ratgeber auf dem Kapitalmarkt“ als Redakteur wechselte. 1907 gründete er den Bank-Verlag, in dem er von 1908 bis 1934 die Zeitschrift Die Bank herausgab. Infolge des Schriftleitergesetzes vom 4. Oktober 1933 wurde sein Verlag 1934 „arisiert“. Im September 1937 verübte Lansburgh Suizid.

Werner Lansburgh, der später als Autor verschiedener Bücher bekannt wurde, war sein Sohn.

Werk Alfred Lansburgh war ein scharfer Kritiker der Großbanken sowie deren Einfluss auf die Märkte und Politik des Landes.Lothar Gall (u. a.): Die Deutsche Bank 1870–1995, Verlag C.H. Beck, München, 1995, ISBN 3-406-38945-7 Ab 1910 bemühte er sich erfolglos um einen Zusammenschluss von kleinen Stadt- und Provinzbanken, um einen Gegenpol zu den mächtigen Großbanken zu schaffen.

Er hat zwischen 1908 und 1931 über siebenhundert Texte verfasst, wovon manche bis heute große Popularität genießen.Seven Greek pastoral scenes: for four-part chorus of women's voices, soprano and alto solos, oboe, harp, and strings, or piano accompaniment: op. 74

Seine fruchtbarsten Jahre waren zwischen 1921 und 1923, als die ständig zunehmende Inflation in der Weimarer Republik zu immer größeren wirtschaftlichen Problemen führte. In diesen Jahren veröffentlichte er mit den Büchern Vom Gelde: Briefe eines Bankdirektors an seinen Sohn (Grundlegendes über Geld und Wirtschaft), Valuta (über internationalen Geldverkehr und Außenwirtschaft) und Währungsnot (Ursachen der Inflation) eine in sich geschlossene Lehre vom Gelde, wie es im Band Valuta heißt. Alle Bücher sind in Form von fiktiven Briefen an seinen Sohn geschrieben.

Gedenken Am 15. Oktober 2022 wurde vor seinem ehemaligen Wohnort, Berlin-Schöneberg, Landshuter Straße 15, ein Stolperstein verlegt.

Rezeption Lenin bezog sich in seinen Aufsätzen immer wieder auf LansburghW.I. Lenin: Der Imperialismus II und bezeichnete ihn als den kompetentesten unter den bürgerlichen Schwachköpfen. Doosie, bitte melden!Werner Lansburghs Lehr- und Liebesbriefe. In: Die Zeit. 1981.

Die New York Times bezog sich in den 1920er-Jahren auf ihn als gut bekannten Ökonomen.NEW GERMAN BANK RATE AND MARKET - Reichsbank's 10 Per Cent. Charge Still Below That of Private Banks. FALL OF WIRTH MINISTRY Financial Circles Had Expected It, and Strongly Approve the Selection of Cuno. - NYTimes.com

Auf der Geheimkonferenz der Friedrich List-Gesellschaft im September 1931 über Möglichkeiten und Folgen einer Kreditausweitung, zu der Lansburgh von Reichsbankpräsident Hans Luther eingeladen worden war, argumentierte Lansburgh gegen den Lautenbach-Plan, gegen Kreditausweitung sowie generell gegen Kreditwirtschaft und relativiert die deflationäre „Krisis“.Knut Borchardt, Hans Otto Schötz (Hrsg.): Wirtschaftspolitik in der Krise. Die (Geheim-)Konferenz der Friedrich List-Gesellschaft im September 1931 über Möglichkeiten und Folgen einer Kreditausweitung. Baden-Baden 1991, S. 195 f. Damit unterstütze Lansburgh die Politik von Reichskanzler Heinrich Brüning und Reichsbankpräsident Hans Luther. Sein Sohn Werner Lansburgh spekuliert später über Selbstvorwürfe seines Vaters, weil dessen „orthodoxe ökonomische Vorstellungen im Sinne der Manchester School“ in der Krise unfreiwillig dazu beigetragen haben könnten, dass sich der Nationalsozialismus durchsetzen konnte. Lansburgh war ein klassisch Liberaler.Uwe Dathe: Walter Euckens Weg zum Liberalismus (1918-1934). In: Ordo. Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft. Band 60. Stuttgart 2009, S. 74.

Seine Bücher, vor allem der Band Vom Gelde, werden seit den 1980er Jahren neu aufgelegt und speziell seit der Finanzkrise von 2008/2009 in weiten Kreisen als Grundlage zu Überlegungen über ein gesundes Geldsystem angesehen. (PDF; 2,3 MB)

Literatur Jan Greitens: Alfred Lansburgh (1872–1937). Metropolis, Weimar (Lahn) 2021, ISBN 978-3-7316-1481-4 (Beiträge zur Geschichte der deutschsprachigen Ökonomie; 49).

Weblinks

Website zu Alfred Lansburgh

Einzelnachweise

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