Hedwig Potthast (* 5. Februar 1912 in Köln; † 22. SeptemberMichael Wildt mit Katrin Himmler: Himmler privat – Briefe eines Massenmörders, Piper Verlag, 2014, S. 385. 1994 in Baden-Baden) war die Privatsekretärin und Geliebte des Reichsführers SS Heinrich Himmler.
Leben Vor 1945 Hedwig Potthast war die Tochter eines Kaufmanns. Nach dem Abitur verließ sie ihr Elternhaus und absolvierte auf der Handelsschule in Mannheim eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin, um später als Sekretärin zu arbeiten. Sie arbeitete nach dem Ende ihrer Ausbildung zunächst in Koblenz.Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, S. 482. Durch Kurt Freiherr von Schröder, Teilhaber am Bankhaus Stein und einer der Mitbegründer des „Freundeskreises Reichsführer SS“, lernte sie Heinrich Himmler kennen.Himmlers Geliebte. Ab 1934 war sie am Geheimen Staatspolizeiamt Berlin tätig. Von Anfang 1936 bis Anfang 1941 war Potthast Himmlers Privatsekretärin und in dieser Funktion insbesondere für Himmlers Patenschaften und Geschenkvergabe zuständig.
Beide gestanden sich Ende 1938 ihre Liebe ein, und ab 1940 führten sie eine außereheliche Beziehung. Himmlers Ehefrau Margarete, mit der er die Tochter Gudrun hatte, erfuhr spätestens im Februar 1941 von dieser Beziehung und war darüber verbittert.Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, S. 484. Die Eltern von Hedwig Potthast lehnten diese außereheliche Beziehung dauerhaft ab.Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 240. Potthast nahm ihren Wohnsitz zunächst in Berlin-Grunewald und ab 1943 in Brückentin nahe dem Gutshof von Oswald Pohl, mit dessen Ehefrau Eleonore sie befreundet war. Auch Lina Heydrich und Gerda Bormann zählten zu ihren Freundinnen.Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 241. Ab Sommer 1944 lebte sie in Schönau am Königssee. Himmler hatte dort Haus Schneewinkellehen bauen lassen.Der Spiegel 4/1967 / Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf, Teil 14: Fortsetzung Machtkämpfe der SS. Heinrich Himmler und Hedwig Potthast bekamen zwei Kinder: einen Sohn, Helge (* 15. Februar 1942 im Sanatorium Hohenlychen, nach unterschiedlichen Quellen entweder † 2. August 2005 oder Ende 2025 noch lebend) und eine Tochter, Nanette-Dorothea (* 20. Juli 1944 ebenda, † 18. September 2019 in Wedel). Himmler erkannte die Vaterschaft für Nanette-Dorothea laut Geburtsurkunde an. Über die „Zweit-Ehe“ Himmlers mit Potthast ist darüber hinaus nur wenig bekannt. Wahrscheinlich sah sich das Paar aufgrund von Himmlers Tätigkeit als Reichsführer SS auch nur selten. Über Himmlers Dienstgeschäfte war Potthast aller Wahrscheinlichkeit nach, ebenso wie Himmlers Ehefrau, nicht informiert. Ihre Beziehung zu Himmler unterlag während der NS-Zeit der Geheimhaltung.Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 246. Potthast traf Himmler zuletzt Mitte März 1945, danach telefonierten beide noch bis zum 19. April 1945 beinahe täglich.Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, S. 753.
Nachkriegszeit Bei Kriegsende befand sie sich am Achensee, und nachdem sie am 23. Mai 1945 über das Radio von Himmlers Tod erfahren hatte, lebte sie vorübergehend bei Eleonore Pohl in Rosenheim. Im Juni/Juli 1945 wurde sie dort von Angehörigen der US-Armee verhaftet und für mehrere Tage in München verhört. Danach war sie kurzzeitig im Anwesen Lindenfycht des Ehepaares Himmler in Gmund am Tegernsee untergebracht, wo zu diesem Zeitpunkt Hilde, die Schwägerin Himmlers, lebte. Später wohnte sie in Teisendorf im Berchtesgadener Land. Bis in die 1950er Jahre hielt sie von dort Kontakt mit der Familie von Heinrich Himmlers Bruder, Gebhard Ludwig, und zu seinem ehemaligen engen Vertrauten Karl Wolff. Ab 1953 wohnte Potthast mit ihren Kindern in der Nähe von Baden-Baden.
Erst lange nach Kriegsende erfuhren Hedwig Potthasts Kinder, wer ihr Vater war; die Nachricht wurde ihnen dem Vernehmen nach auf Wunsch ihrer Mutter von Joachim Peiper, der mit einer ihrer Freundinnen verheiratet war, überbracht. Umgekehrt erfuhr auch Heinrich Himmlers eheliche Tochter Gudrun erst nach Kriegsende von ihren Halbgeschwistern. Der Versuch einer Kontaktaufnahme ihrerseits scheiterte jedoch an der Ablehnung Potthasts.Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 265.
Hedwig Potthast heiratete später und nahm damit einen neuen Familiennamen an. Ihr Sohn Helge, der ebenfalls den Zunamen seines Stiefvaters annahm, wurde später Jurist und starb ledig und kinderlos, nach anderen Quellen lebt er Ende 2025 noch. Nanette-Dorothea wurde 1971 unter dem Zunamen Staeck als Ärztin promoviert und praktizierte anschließend in Norddeutschland. Sie starb 2019. Sie hatte einen Sohn, der sich 2025 über den Spiegel an die Öffentlichkeit wandte.Der Spiegel. Abgerufen am 19. Oktober 2025. Er berichtete, dass er mit 47 Jahren durch Zufall erfahren hatte, wer sein Großvater war.
Der ehemalige Spiegel-Redakteur Peter-Ferdinand Koch interviewte sie 1987, wobei sie sich über Himmlers Verantwortung für NS-Gewaltverbrechen ausschwieg.Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 266 f.
Literatur Michael Wildt, Katrin Himmler (Hrsg.): Himmler privat – Briefe eines Massenmörders. Piper, München/Zürich 2014, ISBN 978-3-492-05632-8. Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, ISBN 978-3-88680-859-5. Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-10-033629-1.
Filme Himmler privat – Liebesgrüße aus dem Rassenwahn, ZDF-Dokumentation (2014) The illegitimate children of Heinrich Himmler., Prod.: Mark Felton (2024) Hedwig Potthast, Himmler's other woman., Prod.: Mark Felton (2024) Henrik Lenkeit: »Mein Großvater war ein Massenmörder«, Prod.: Spiegel TV (2026)
Weblinks
Udo Robel: Der rote Reiter – Himmlers Geliebte. Katrin Himmler: Lebensborn – vom Elite- zum Verbrecherkind. In: Die Welt. Schäferstündchen mit "Häschen". In: Die Welt, 31. Januar 2014.
Einzelnachweise
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