mini|Die Großen Antillen in der Karibik mini|Die Großen Antillen im amerikanischen Doppelkontinent Dieser Artikel beschäftigt sich mit der spanischen Sprache auf den Großen Antillen. Diese umfassen die Inseln Kuba, Hispaniola und Puerto Rico, wobei auf Hispaniola nur im östlichen Teil der Insel, der Dominikanischen Republik, generell Spanisch gesprochen wird, im Westen (Haiti) nur von einer kleinen Minderheit. Viele sprachliche Besonderheiten sind auf diesen Inselgebieten sehr ähnlich bzw. identisch, weshalb sie hier zusammengefasst werden. Einige dieser Merkmale beschränken sich nicht ausschließlich auf die Großen Antillen, sondern können auch in nahe liegenden Gebieten der Karibik bis hin zu den karibischen Küstenregionen des Festlandes gebräuchlich sein.
Kuba: Die circa 11,4 Millionen Bewohner Kubas sprechen Spanisch, das als offizielle Landessprache durch Artikel 2 der Verfassung von 1992 festgelegt ist.Constitución de La República de Cuba – Kubanische Verfassung (spanisch), Website der Kubanischen Regierung, abgerufen am 31. Oktober 2013. Haiti: Amtssprachen in Haiti sind Creol und Französisch. Es gibt in Haiti jedoch bedeutende Minderheiten, die Spanisch entweder als Muttersprache oder als Fremdsprache sprechen. Die Gruppe der Muttersprachler besteht hauptsächlich aus etwa 200 bis 250 tausend Personen mit haitianischen Wurzeln, die im Zuge des Antihaitianismo ihre Dominikanische Staatsbürgerschaft verloren haben und nach Haiti ausgewiesen wurden. Die Gruppe der in Haiti lebenden Einwohner, die Spanisch als Fremdsprache sprechen, umfasst hauptsächlich die Bevölkerung im Bereich der Grenze zur Dominikanischen Republik, sowie haitianische Gast- und Wanderarbeiter. Dominikanische Republik: Von den 9,7 Millionen Einwohnern sprechen fast alle Spanisch. Es ist jedoch nicht als offizielle Sprache in der Verfassung festgelegt.Johannes Kabatek, Claus D. Pusch: Spanische Sprachwissenschaft: Eine Einführung. Narr Francke Attempto Verlag, Tübingen 2009, ISBN 978-3-8233-6658-4, S. 21. Puerto Rico: In der Verfassung von 1952 wurde keine offizielle Sprache genannt, jedoch mussten Parlamentsmitglieder Spanisch und Englisch lesen und schreiben können. Jetzt sprechen die etwa vier Millionen Einwohner von Puerto Rico Spanisch und Englisch. Im Jahr 1991 wurde Spanisch zur Staatssprache erklärt, zwei Jahre später dann auch Englisch. Als Muttersprache der meisten gilt jedoch Spanisch, bei nur etwa zwei Prozent gilt Englisch als Muttersprache.
Geschichtlicher Überblick Die Karibik vor den Konquistadoren mini|Verteilung der indigenen Völker auf den Antillen zur Zeit der Ankunft von Kolumbus Bevor die Europäer die Karibik entdeckten, lebten dort viele verschiedene Völker. Eine der ältesten Bevölkerungsgruppen waren wahrscheinlich die Ciboneyes, welche zwischen 10 000 und 8000 v. Chr. aus dem Norden über Florida auf die karibischen Inseln kamen. Die größte und stärkste Gruppe wurde später durch die Taíno gebildet, welche zu der Sprachfamilie der Aruak gehörten. Ihr Hauptsiedlungsgebiet war Hispaniola. Ursprünglich kamen sie jedoch vom lateinamerikanischen Festland (Region des Orinoko) und erreichten im Jahr 1000 bis 1200 n. Chr. viele verschiedene Inseln der Großen- und Kleinen Antillen.Michael Zeuske: Kleine Geschichte Kubas. Verlag C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-49422-2, S. 10 ff.
Eroberung durch Kolumbus Die Expansion der Spanier über den Atlantik begann im Jahr 1492. Zu dieser Zeit herrschten in Spanien die Katholischen Könige Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón. Das Jahr 1492 war geprägt von vielen Ereignissen, die die spanischen Königreiche stärkten und somit die Ausbreitung der spanischen Sprache in Lateinamerika begünstigten.
Zu Beginn des Sprachkontaktes und der Verbreitung der spanischen Sprache in Lateinamerika stand die Schiffsreise von Christoph Kolumbus.Georg Bossong: Die romanischen Sprachen: Eine Vergleichende Einführung. Helmut Buske Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-87548-518-9, S. 78. Am 17. April 1492 schlossen die katholischen Könige einen Vertrag mit dem aus Genua stammenden Seefahrer. Er sollte eine verkürzte Handelslinie nach Indien finden und dabei neu entdeckte Inseln und Länder für die spanische Krone in Besitz nehmen.Hans-Joachim König: Kleine Geschichte Lateinamerikas. Reclam, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-15-017062-5, S. 16 f.
Am 27. Oktober 1492 erreichte Kolumbus nicht Indien, sondern Kuba, die größte Insel der Großen Antillen.Michael Zeuske: Kleine Geschichte Kubas. Verlag C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-49422-2, S. 13. Von dort an breiteten sich die Europäer über den gesamten südlichen Teil des amerikanischen Kontinents aus. Die neu eroberten Landflächen in Zentral- und Südamerika wurden zwischen Portugal und Spanien im Vertrag von Tordesillas im Jahr 1494 aufgeteilt. Dabei ging der größte Teil an das spanische Königreich, weshalb sich später in den meisten ehemaligen Kolonien Spanisch als Amtssprache durchsetzte.Georg Bossong: Die romanischen Sprachen: Eine Vergleichende Einführung. Helmut Buske Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-87548-518-9, S. 78 f.
Sklavenimport Kurz nach der Expansion der Europäer nach Amerika begann auch der dortige Sklavenhandel. Nachdem die Eroberer bereits die indigenen Völker zu Teilen als Arbeitssklaven eingesetzt hatten, begannen sie, Sklaven von außerhalb zu importieren. Die Massensklaverei nahm ihren Anfang in der Karibik.Michael Zeuske: Schwarze Karibik. Sklaven, Sklavereikultur und Emanzipation. Rotpunktverlag, Zürich 2004, ISBN 3-85869-272-7, S. 125. Besonders davon betroffen waren die Inseln Jamaika, Hispaniola, Puerto Rico und Kuba. Die aus Afrika stammenden Sklaven wurden in der Karibik von den Kolonialmächten Spanien, Portugal, Großbritannien, Frankreich, Holland und Dänemark hauptsächlich zur Arbeit in der Landwirtschaft eingesetzt. Im Zentrum stand dabei die Zuckerrohrproduktion, welche von 1680 bis 1886 ihren Höhepunkt hatte.Michael Zeuske: Schwarze Karibik. Sklaven, Sklavereikultur und Emanzipation. Rotpunktverlag, Zürich 2004, ISBN 3-85869-272-7, S. 11 f.
Sprachliche Einflüsse Theorien zur Beeinflussung der spanischen Varietät auf den Großen Antillen Zur Ausbildung der sprachlichen Besonderheiten gibt es verschiedene Positionen: einerseits, dass das amerikanische Spanisch und dessen Besonderheiten sich selbständig und unabhängig von Dialekten des spanischen Festlandes entwickelt haben, andererseits wird auch behauptet, das amerikanische Spanisch wurde durch die Sprache der unteren sozialen Schichten der Spanier, welche bei der Eroberung Amerikas die Mehrheit bildeten, geprägt, des Weiteren existiert die Meinung, es wurde durch regionale Besonderheiten der Varietäten in Spanien beeinflusst. Am häufigsten diskutiert wurde aber die Annahme, dass das amerikanische Spanisch durch regionale Besonderheiten des andalusischen Dialekts beeinflusst wurde, da sich in der amerikanischen sowie in der andalusischen Varietät viele Gemeinsamkeiten finden lassen.Johannes Kabatek, Claus D. Pusch: Spanische Sprachwissenschaft: Eine Einführung. Narr Francke Attempto Verlag, Tübingen 2009, ISBN 978-3-8233-6658-4, S. 272 f.
Zur andalusischen Varietät Im Jahr 1492 bildeten sich in Spanien aufgrund der historischen Ereignisse zwei Hauptvarietäten des Kastilischen heraus: in Zentral- und Nordspanien die kastilische Varietät, in Südspanien und auf den Kanaren eine andalusische Varietät, die auf dem Kastilischen basiert.Georg Bossong: Die romanischen Sprachen: Eine Vergleichende Einführung. Helmut Buske Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-87548-518-9, S. 79.
Das amerikanische Spanisch wurde Anfang des 16. Jahrhunderts durch die spanischen Varietäten des Andalusischen und Kanarischen geprägt, da von dort die Schiffe nach Amerika starteten. Das Spanisch aus Andalusien und den Kanaren, das mit den Einwandern nach Amerika kam, wird auch atlantisches Spanisch genannt. Daraus entwickelt haben sich verschiedene Varianten, die bis heute von der Mehrheit der spanischsprachigen Welt zur Kommunikation verwendet werden.
Das kastilische Spanisch hat jedoch durch sein historisches Prestige, z. B. durch das Verfassen der ersten kastilischen Grammatik durch Nebrija, immer noch einen maßgebenderen Einfluss und wird daher nicht durch die Sprecherzahl beeinflusst.
Indigene Einflüsse Als die Konquistadoren die Großen Antillen erreichten, lebten dort hauptsächlich die Taíno.John M. Lipski: Latin American Spanish. Longman, London 1994, ISBN 0-582-08761-9, S. 328. Dieses indigene Volk hatte keine Schriftkultur, und ihre Sprache Taíno, welche der Sprachfamilie der Aruak angehörte, wurde mit ihnen verdrängt und fast ausgelöscht. Einige kulturelle Praktiken und viele Begriffe z. B. Ortsnamen, Bezeichnungen der für die Konquistadoren neuartigen Pflanzen, Namen fremder Nahrungsmittel usw., wurden von den Eroberern übernommen, da sie im Kastilischen keine Worte dafür hatten.Michael Zeuske: Kleine Geschichte Kubas. Verlag C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-49422-2, S. 10.
Einflüsse afrikanischer Sprachen Der Sklavenimport aus Afrika in die Karibik begann mit den europäischen Eroberern und hielt bis ins 19. Jahrhundert an. Es war den Sklaven untersagt, ihre Sprachen öffentlich zu benutzen. Später wurde im sogenannten „Código Carolíneo Negro“ von 1794 die geringere Wertschätzung der afrikanischen Herkunft gesetzlich festgelegt und Schwarzen und Mulatten der ersten Generation die Bildung untersagt.Gerardo Lorenzino: El Español Caribeño: antecedentes sociohistóricos y lingüísticos. In: Matthias Perl u. a.: América negra : panorámica actual de los estudios lingüísticos sobre variedades hispanas, portuguesas y criollas. Vervuert, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-89354-371-6, S. 29. Dennoch lassen sich auch heute noch viele Spuren der afrikanischen Kultur und Sprachen finden.John M. Lipski: Latin American Spanish. Longman, London 1994, ISBN 0-582-08761-9, S. 230. Da der Sklavenimport in den karibischen Regionen unterschiedlich intensiv war, prägte sich die afrikanische Kultur und Sprachen ungleichmäßig aus.Gerardo Lorenzino: El Español Caribeño: antecedentes sociohistóricos y lingüísticos. In: Matthias Perl u. a.: América negra : panorámica actual de los estudios lingüísticos sobre variedades hispanas, portuguesas y criollas. Vervuert, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-89354-371-6, S. 28.
Kuba In Kuba war der Sklavenhandel im Vergleich zu den Nachbarinseln besonders groß. In weniger als einem Jahrhundert wurden Millionen Sklaven nach Kuba transportiert. Anfang des 16. Jahrhunderts waren 40 % der kubanischen Bevölkerung aus Afrika stammende Sklaven.John M. Lipski: Latin American Spanish. Longman, London 1994, ISBN 0-582-08761-9, S. 227 f. Es wurden viele kulturelle Bräuche und Wörter aus Afrika überliefert, sowie die afrikanische Religion Yoruba bzw. der durch das Vermischen mit dem Christentum resultierende Synkretismus Santería. Diese Religionen werden auch heute noch in Kuba praktiziert. Bis ins 20. Jahrhundert sprachen die noch in Afrika geborenen Bewohner Kubas ein Pidgin mit afrikanischen und spanischen Elementen. Einige der afrikanischen Wörter wurden dadurch bis heute am Leben erhalten. Während des 19. Jahrhunderts gab es auf Kuba einige Arbeiter aus Curaçao. Sie brachten das spanisch-afrikanische Kreol Papiamentu nach Kuba, welches sich mit den bereits bestehenden Sprachen der Afro-Kubaner vermischte.
Dominikanische Republik