mini|Der Lubagürtel Der Lubagürtel ist ein mittelalterlicher Gürtel mit Bezug zur ältesten Sagengeschichte Lübecks.
Der Ledergürtel von 125 cm Länge und 8 cm Breite, der dicht mit Beschlägen aus Eisen besetzt ist, die durch das Leder hindurch vernietet sind, war bis in das 19. Jahrhundert eine Reliquie des Amtes der Fischer in Lübeck. Er wurde traditionell einmal jährlich vom Ältermann der Fischer zur Morgensprache angelegtHeinrich Christian Zietz: Ansichten der Freien Hansestadt Lübeck und ihrer Umgebungen. Friedrich Wilmans, Frankfurt am Main 1822, Weiland, Lübeck 1978 (Repr.), S. 157 (Fußnote) und befindet sich seit 1882 als Leihgabe der Gothmunder Fischer in Lübecker Museumsbesitz und ist im St. Annen-Museum magaziniert.Inventarnummer 3507
Der Lübecker Heimatforscher Johannes Warncke ordnete ihn dem ausgehenden 14. Jahrhundert zu. Der Gürtel bezieht sich auf die Vorgründungsgeschichte der Stadt Lübeck und die an diesem Platz bestehende Burg Bucu, die von der Sagengestalt des Fischers Luba durch List von einer Belagerung durch Budivoj, einen Sohn des Nakoniden Gottschalk, befreit worden sein soll. Die Sage wurde erstmals durch den Lübecker Chronisten Heinrich Rehbein im 16. Jahrhundert schriftlich niedergelegt und zieht sich durch die Lübecker Chronistik wie durch die Geschichte des Lübecker Fischeramtes.Nachweise bei Johannes Warnke, S. 169
Dabei sind die Darstellungen uneinheitlich, es wird auch berichtet, dass der Gürtel bei der jährlichen Morgensprache im Gasthaus to dem Drakensteen in einer Schüssel herumgezeigt wurde. Dieses Gasthaus lag gegenüber dem Lübecker Rathaus in der Breiten Straße mit der alten Hausnummer Joh. Q. 953, heute Nr. 77. Der Krug wurde spätestens seit 1442 to dem Drakensteen benannt und vom Amt der Fischer wie von anderen Lübecker Handwerksämtern für Zusammenkünfte als Amtshaus genutzt. Nach Wilhelm Brehmer wurde es von 1377 bis 1704 so benannt.Wilhelm Brehmer: Lübeckische Häusernamen. H. G. Rathgens, Lübeck 1890, S. 24 Warnke sieht in dem Namen einen Hinweis auf den mittelalterlichen Brauch des Drachenstichs, der heute noch in Furth im Wald fortlebt, aber in Lübeck wohl durch die Reformation aus dem Gedächtnis entfallen sei.Johannes Warnke, S. 170 ff. Er verwies dazu auch auf das Drakenfeest in Beesel an der Maas, wo der Drache am Drachenstein seinen Todesstich erwartet.Draaksteken; heute immaterielles Kulturerbe der Niederlande; auch im belgischen Mons wird der Brauch heute noch praktiziert, siehe Ducasse de Mons Das Grundstück Breite Straße 77 wurde 1820/1830 mit einem klassizistischen Geschäftshaus über den mittelalterlichen Kellern neu überbautEigentümergeschichte (PDF; 1,1 MB) beim Archiv der Hansestadt Lübeck und steht seit 1994 unter Denkmalschutz.Klaus J. Groth: Weltkulturerbe Lübeck - Denkmalgeschützte Häuser, Schmidt-Römhild, Lübeck 1999, S. 73.
Literatur Ernst Deecke: Lübische Geschichten und Sagen, Boldemann, Lübeck 1852, Nr. 2 J.[ohannes] Warnke: Der sog. Lubagürtel und das Haus „to dem Drakensteen“ in: ZVLGA Band 30 (1939), S. 168–171 Ilse Fingerlin: Gürtel des hohen und späten Mittelalters, Deutscher Kunstverlag, 1971, S. 52 Max Hasse: Zunft und Gewerbe in Lübeck, Museen für Kunst und Kultur der Hansestadt Lübeck, Lübeck 1972 (Katalog zur Ausstellung)
Weblinks
Luba auf der Lübecker Angler-Seite mit Abbildung des Gürtels
Einzelnachweise
Kategorie:Museumsbestand (St. Annen-Museum Lübeck) Kategorie:Gürtel Kategorie:Sage, Legende Kategorie:Feste und Brauchtum (Fischerei) Kategorie:Lübecker Geschichte Kategorie:Burgkloster (Lübeck) Kategorie:Zunft (Deutschland)