mini|Historische Aufnahme der Christuskirche (1900 oder früher)

Die Christuskirche (Carducci-Straße 31) befindet sich an der Passerpromenade in Meran und gehört zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien. Das neugotische Gebäude entstand 1883–1885 nach Plänen von Johannes Vollmer und steht seit 1980 unter Denkmalschutz.

Geschichte Im Zuge des wachsenden Kurbetriebs in Meran bildete sich ab 1850 eine evangelische Kirchgemeinde in der Stadt.Josef Prantl: Der Reformator, Die Bezirkszeitung, Website diebaz.com (25. September 2017, abgerufen am 30. Juni 2025) 1861 erfolgte die Stiftung eines Bethauses und einer Pfarrwohnung in der Hallergasse 24 im oberen Steinachviertel sowie die Errichtung eines evangelischen Friedhofs bei der Spitalkirche.Elfriede Zöggeler-Gabriele: Die evangelische Christuskirche in Meran, Meraner Stadtanzeiger, Herbst 2011 Der erste ständige Pfarrer wurde 1870 berufen. Die rechtliche Gründung der lutherischen Gemeinde Merans erfolgte 1876 (als Gemeinde der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich). Die neugotische Christuskirche wurde nach Plänen des deutschen Architekten Johannes Vollmer in den Jahren 1883–1884 errichtet und 1885Bozner Zeitung vom 14. Dezember 1885, S. 2 eingeweiht. Sie war das erste evangelische Kirchengebäude Tirols. 1896 wurde der neue evangelische Friedhof am Greutendamm (heute Marlinger Straße) angelegt. 1904 wurde in der Weingartenstraße in Untermais eine evangelische Volksschule eröffnet. mini|hochkant|Inserat der Evangelischen Schule Meran von 1929

Zunächst wurden auch evangelische Gläubige in Bozen von der Gemeinde seelsorgerlich mit betreut. Seit 1905 verfügt die dortige Gemeinde über eine eigene Christuskirche-Gemeinde, seit 1908 auch über ein eigenes Kirchengebäude.

Die Zahl der Gemeindemitglieder betrug 1900 ca. 1.800 Mitglieder des Augsburgischen Bekenntnisses und 340 Mitglieder des Helvetischen Bekenntnisses. 1910 wurden bereits ca. 3.000 bzw. 340 Mitglieder genannt.Hans H. Reimer: Lutherisch in Südtirol. Edition Raetia, Bozen 2009, S. 309. Nach anfänglich heftigen Auseinandersetzungen mit der örtlichen katholischen Geistlichkeit ist inzwischen ein gutes ökumenisches Verhältnis eingekehrt. Das 150-jährige Jubiläum wurde in Anwesenheit des katholischen Diözesanbischofs von Brixen-Bozen, Ivo Muser, gefeiert.Diözese Bozen-Brixen – Pressestelle: 150 Jahre Evangelische Gemeinde Meran - Bischof Muser feiert mit, Pressemitteilung vom 14. Oktober 2011 links|mini|Maria und Martha mit Christus, Glasfenster im Langhaus

Gemeinde Ursprünglich umfasste die evangelische Gemeinde von Meran das ganze Gebiet des heutigen Südtirol. 1908 wurde in Bozen eine eigene Gemeinde mit einer eigenen Kirche eingerichtet, die Christuskirche. Immer noch ist das Gemeindegebiet der Evangelischen Kirche Merans aber flächenmäßig sehr groß. Es reicht vom Reschenpass bis zum Nordufer des Gardasees, wobei die Grenzlinie zur östlich gelegenen Bozner Gemeinde vom Jaufenpass bis zur Mündung der Sarca in den Gardasee verläuft. Vom Ende des Ersten Weltkriegs bis 2008 war Meran selbstständig, seither gehört die Gemeinde zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien. Zur Gemeinde Meran gehören auch die 1897–1900 gebaute Trinitatiskirche in ArcoHans H. Reimers: Lutherisch in Südtirol. Die Geschichte der evangelischen Gemeinde Meran. Eine Spurensuche zum Protestantismus in Südtirol und im Trentino, Raetia-Edition, Bozen 2009. und die evangelische Kapelle in Sulden. Derzeit gehören der Gemeinde rund 320 Mitgliederhttps://www.chiesaluterana.it/de/comunita/merano/ an. Die Gemeinde verfügt neben Kirche, Pfarrhaus und Gemeindehaus über einen denkmalgeschützten Friedhof sowie ein Alten- und Pflegeheim (Haus Bethanien).o. V.: Geschichte der Gemeinde – zur Sendung ZDF Fernsehgottesdienst, Meldung vom 9. August 2018 Während der Sommermonate werden auch zahlreiche Urlauber betreut. Gottesdienstsprache ist Deutsch.

Pfarrer und Pfarrerinnen der Evangelischen Gemeinde A.B. Meran In Meran wirk(t)en als Seelsorger, seit 1870 als fest bestellte PfarrerHans H. Reimer: Lutherisch in Südtirol, Edition Raetia, Bozen 2009, passim: Theodor Johannes Ferdinand Georg Schott (1862–1864) Dr. Ludwig Theodor Elze (1865–1868) Carl Schott (1868–1870) Carl Richter (1870–1894) Dr. Friedrich Selle (1895–1902) Dr. Johann Molin (1902–1910) Paul Jaesrich (1910–1919) Julius Giese (1927–1945/53) Dietrich Brauer (1953–1979) Peter-Ulf Koller (1980–1985) Hans Braun (1985–1994) Hans H. Reimer (1994–1996) Ingrid Rauh (1996–2005) Martin Burgenmeister (2005–2014)Gudrun Esser: Interview mit Martin Burgenmeister - Pfarrer der Evangelischen Gemeinde, Herbst 2011 Martin Krautwurst (2015–2022)Helmuth Tschigg: Einstand des neuen evangelischen Pfarrers, Meraner Stadtanzeiger, Herbst 2014Redaktion RAI Alto Adige: Meran - Pfarrer Martin Krautwurst mit 95 Prozent bestätigt, Meldung vom 20. Januar 2022 Timm Harder (seit 2022)o. V.: Timm Harder wurde zum neuen Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Meran ernannt, Meraner Stadtanzeige, 4. April 2022Redaktion Südtirol Online: Diözese begrüßt neuen Pastor - Miteinander unterwegs, füreinander da, Südtirol Online, 9. Oktober 2022

Kirchengebäude mini|Inneres, Blick in Richtung Osten

Die Christuskirche liegt in einem Garten zwischen Carducci-Straße und Passerpromenade. Der Fassadenturm des neugotischen Gebäudes wird durch einen Spitzhelm bekrönt. Auf mittlerer Höhe befindet sich eine große segnende Christusfigur. Diese wurde nach dem Entwurf von Bertel Thorvaldsen 1897 aus Laaser Marmor gefertigt.Pfarrbüro Meran An eine Vorhalle schließt das Langhaus an, das außen durch Kreuzgiebel sowie durch Spitzbogenfenster akzentuiert wird. Der Chor ist polygonal. Der Taufstein wurde von Kaiser Wilhelm I. gestiftet.o. V.: Die evangelische Kirche in Meran, Bericht vom 6. Dezember 2016

Das Kruzifix am Altar und die vier Reliefs an Kanzel und Altar wurden von Franz Xaver Pendl gefertigt.Pfarrbüro Meran

Glasfenster befinden sich im Chor und im Langhaus. Die Orgel aus dem Jahr 1885 stammt von der Firma G. F. Steinmeyer & Co.

Westlich der Kirche befindet sich freistehend das ebenfalls denkmalgeschützte Pfarrhaus. Das dreigeschossige, neuklassizistische Haus wurde 1896 nach Plänen von Coelestin Recla errichtet. Markant sind der Mittelrisalit, Eckerker und Treppenturm.o. V.: Kirchen in Meran, o. D., auf suedtirol-it.com

Evangelischer Friedhof Auf dem der Kirche benachbarten Friedhof befinden sich u. a. die Gräber von Käthe Schirmacher, Evelyn Ortner, Natalia Pravossudovic, und Elisabeth Baumgartner.Evi Keifl, Anita Rossi: Südtirol der Frauen Folio-Verlag Bozen 2009, S. 47f.

Literatur Hans H. Reimer: Lutherisch in Südtirol – Die Geschichte der evangelischen Gemeinde Meran. Edition Raetia, Bozen 2009, ISBN 978-88-7283-332-2. Norbert Denecke: Spurensuche – Die Gemeinden der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien. Martin-Luther-Verlag, Erlangen 1999, ISBN 978-3-87513-120-8. Klaus Fitschen: Die Evangelische Diaspora – Der Erste Weltkrieg und die evangelische Diaspora-Kirchen in Europa (= Jahrbuch des Gustav-Adolf-Werks 2019). 2019, ISBN 978-3-87593-132-7. Konsistorium der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien (Hrsg.): Miteinander: 60 Jahre Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien – Insieme: 60 anni Chiesa Evangelica Luterana in Italia. arte factum Verlag, Karlsruhe 2009, ISBN 978-3-938560-11-2.

Einzelnachweise

Weblinks

Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien Meraner Stadtanzeiger 9/2011

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