Die Rittersterne (Hippeastrum) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae). Die etwa 80 Arten gedeihen in Gebieten mit einer ausgeprägten Trockenzeit in Südamerika. Die in Europa als Zierpflanzen kultivierten Ritterstern-Sorten sind überwiegend Hybriden.
Beschreibung mini|links|Illustration von Hippeastrum vittatum aus John Lindley: Collectanea Botanica, 1821 Erscheinungsbild und Laubblätter Hippeastrum-Arten wachsen als ausdauernde krautige Pflanzen. Sie bilden als Überdauerungsorgane mehr oder weniger kugelige Zwiebeln.
Es werden einige grundständige Laubblätter gebildet. Die einfachen, fleischigen Blattspreiten sind zungenförmig, parallelnervig, glattrandig mit zugespitztem oberen Ende. Die Wuchshöhe des Rittersterns liegt bei etwa 50 bis 80 Zentimetern.
Blütenstände, Blüten und Früchte Der Blütenstandsschaft ist hohl. Es wird ein doldiger Blütenstand gebildet. Unterhalb der Blüten befinden sich zwei Tragblätter, die im knospigen Stadium die Blütenknospen schützend umhüllen und während der Anthese trockenhäutig herunterhängen. Die gestielten Blüten sind ausgebreitet bis leicht hängend.
Die zwittrigen Blüten sind dreizählig. Die zwei Kreise mit je drei Blütenhüllblättern sind trichter- bis glockenförmig verwachsen. Die äußeren drei Blütenhüllblätter sind etwas kürzer als die inneren. Es ist eine winzige kronenförmige Nebenkrone am Schlund der Blütenröhre vorhanden. Es sind zwei Kreise mit je drei fast gleichen Staubblättern vorhanden; sie überragen die Blütenröhre nicht. Die schlanken Staubfäden sind in der Blütenröhre inseriert. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen ellipsoiden Fruchtknoten verwachsen. Der schlanke Griffel ist etwa so lang wie die Blütenhüllblätter und endet in einer kopfigen oder schwach dreilappigen Narbe.
Die Kapselfrucht öffnet sich lokulizid und enthält wenige bis viele Samen.
Der Ritterstern zählt zu den Winterblühern. Seine Blütezeit reicht vom Oktober bis in den April hinein. Einige Sorten bilden nahezu einfarbige Blütenblätter (z. B. in den Farben Rot, Weiß, Rosa, Gelb oder Violett). Aber auch Randzeichnungen, Streifenmuster oder gesprenkelte Muster in verschiedenen Farben und Tönungen sind weit verbreitet. Das Besondere an den Blüten des Rittersterns ist die Größe der Blüten: Diese können einen Durchmesser von bis zu 20 Zentimetern erreichen.
Bei entsprechender Pflege (Wasser/Düngung/Substrat/Licht) und konsequenter Einhaltung von verkürzten Temperaturzyklen (warm/kalt/warm) kann es bis zur nächsten Blühperiode auch durchaus merklich weniger als ein ganzes Jahr dauern.
Inhaltsstoffe Die Hippeastrum-Hybriden enthalten, ebenso wie auch die Belladonnalilie (Amaryllis belladonna), das Alkaloid Lycorin.
mini|Illustration von Hippeastrum puniceum von Maria Sibylla Merian, 1705 mini|Illustration von Hippeastrum elegans aus Botanical Register; Consisting of Coloured Figures of Exotic Plants Cultivated in British Gardens; with their History and Mode of Treatment. London, Volume 11, 1825 Tafel 876, unter dem Synonym Amaryllis solandriflora var. vittata
Systematik Botanische Geschichte – Trennung von Hippeastrum und Amaryllis Die Taxonomie der Gattungen ist Hippeastrum und Amaryllis. Carl von Linné prägte 1753 den Artnamen Amaryllis belladonna als Typusart der Gattung Amaryllis. In seinem Werk Species Plantarum beschrieb er acht weitere Amaryllis-Arten. Linné arbeitete von 1735 bis 1737 auf dem Anwesen von George Clifford nahe Haarlem und beschrieb die dort kultivierten Pflanzenarten im Werk Hortus Cliffortianus. Linné verwendet die Erkenntnisse aus dem Hortus Cliffortianus in seinem Species Plantarum. Clifford's Herbarium ist im Natural History Museum in London hinterlegt.
Seit dieser Zeit wurden die Arten des südlichen Afrika und Südamerika in die gleiche Gattung Amaryllis eingeordnet. Im frühen 19. Jahrhundert war die Gattung Amaryllis auf etwa 50 Arten angewachsen. Diese Arten sind heute in etwa ein Dutzend Gattungen aufgeteilt. Diese Arbeit wurde 1819 begonnen mit den Beiträgen des englischen Botanikers William Herbert in Curtis’s Botanical Magazine, die er 1821 fortsetzte in The Botanical Register, indem er 14 Arten in die neue Gattung Hippeastrum stellteWilliam Herbert: An appendix. London 1821, S. 31 (online). und drei Arten in der Gattung Amaryllis beließ. Die restlichen Amaryllis-Arten stellte er in eine andere Gattung, von denen er einige neu aufstellte. 1837 präzisierte Herbert seine Beschreibung von Hippeastrum in seinem Werk über die Amaryllidaceae. Lange Zeit wurde kontrovers diskutiert, ob eine neotropische oder südafrikanische Art die Typusart der Gattung Amaryllis ist; dies wird nach der Prioritätsregel festgelegt. Die abschließende Entscheidung erfolgte 1987 durch den 14. International Botanical Congress, der festlegte, Amaryllis soll ein nomen conservandum sein, basierend auf einem südafrikanischen Herbarmaterial des Clifford Herbarium von Amaryllis belladonna Dadurch ist Amaryllis der gültige Name für die südafrikanische Gattung, die südamerikanischen Arten gehören in die Gattung Hippeastrum. Wie es öfter vorkommt bei Zierpflanzen, bleibt im Volksmund auch noch der alte Trivialname „Amaryllis“ für die Hippeastrum-Sorten erhalten und führt zu häufigen Verwirrungen.
miniatur|Illustration aus A selection of Hexandrian plants, belonging to the natural orders Amaryllidae and Liliacae, Tafel 9 von Hippeastrum correiense mini|Blüten von Hippeastrum evansiae mini|Illustration aus Francisco Manuel Blanco: Flora de Filipinas. Según el sistema de Linneo von Hippeastrum miniatum mini|Blüte von Hippeastrum papilio mini|Blüten von Hippeastrum pardinum mini|Blüte von Hippeastrum puniceum mini|Hippeastrum reginae mini|Blüte von Hippeastrum reticulatum mini|Habitus, Laubblätter, Blütenstände und Blüten von Hippeastrum striatum mini|Habitus, Laubblätter, Blütenstände und Blüten von Hippeastrum stylosum mini|Hippeastrum ×johnsonii mini|Hippeastrum als Topfpflanze
Die Gattung Hippeastrum wurde 1821 von William Herbert in An Appendix: General index to the Botanical magazine, vol. 43-48 containing a treatise on bulbous roots. By William Herbert with plates. London, S. 31 beschrieben. Als Typusart beibehalten wurde Hippeastrum reginae Synonyme für Hippeastrum nom. cons. sind: Leopoldia nom. rej., Callicore , Aulica , Eusarcops , Trisacarpis , Aschamia , Chonais , Lais , Omphalissa , Lepidopharynx , Moldenkea , Carlotea .
Äußere Systematik Die Gattung Hippeastrum gehört zur Tribus Hippeastreae in der Unterfamilie Amaryllidoideae innerhalb der Familie Amaryllidaceae.
Arten und ihre Verbreitung Es gibt seit 2015 etwa 98 Hippeastrum-Arten in der Neotropis:
Hippeastrum aglaiae : Sie ist von Bolivien bis zum nordwestlichen Argentinien verbreitet. Hippeastrum amaru : Sie kommt in Peru vor. Hippeastrum andreanum : Sie kommt in Kolumbien vor. Hippeastrum angustifolium : Sie ist vom südöstlichen Brasilien bis nordöstlichen Argentinien verbreitet. Hippeastrum anzaldoi : Sie kommt in Bolivien vor. Hippeastrum apertispathum : Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo vor. Hippeastrum arboricola : Sie kommt nur in der argentinischen Provinz Misiones vor. Hippeastrum argentinum (Syn.: Hippeastrum tucumanum , Hippeastrum candidum ): Sie ist von Peru bis zum nördlichen Argentinien verbreitet. Hippeastrum aulicum (Syn.: Hippeastrum tweedieanum , Hippeastrum robustum , Hippeastrum heuserianum ): Sie ist von Brasilien bis Paraguay verbreitet. Hippeastrum aviflorum : Sie kommt nur in der argentinischen Provinz Salta vor. Hippeastrum blossfeldiae : Sie kommt im südöstlichen Brasilien bis zum Bundesstaat Paraná vor. Hippeastrum brasilianum : Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo vor. Hippeastrum breviflorum : Sie kommt nur in der argentinischen Provinz Buenos Aires vor. Hippeastrum bukasovii : Sie kommt nur in der peruanischen Region Puno vor. Hippeastrum caiaponicum Sie ist im westlichen-zentralen Brasilien verbreitet. Hippeastrum calyptratum : Sie kommt im südöstlichen Brasilien bis zum Bundesstaat Paraná vor. Hippeastrum canastrense : Sie wurde 2013 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erstbeschrieben. Hippeastrum canterai : Sie kommt in Uruguay vor. Hippeastrum cardenasii : Sie wurde 2015 aus Bolivien erstbeschrieben. Hippeastrum caupolicanense : Sie kommt in Bolivien vor. Hippeastrum chionedyanthum : Sie kommt in Bolivien vor. Hippeastrum cipoanum : Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais vor. Hippeastrum condemaitae : Sie kommt nur in der peruanischen Region Cusco vor. Hippeastrum correiense (Syn.: Hippeastrum aulicum var. glaucophyllum , Hippeastrum organense , Hippeastrum gardneri ): Sie ist im südöstlichen Brasilien verbreitet. Hippeastrum crociflorum : Sie kommt in Bolivien vor. Hippeastrum curitibanum : Sie kommt im südöstlichen Brasilien bis zum Bundesstaat Paraná vor. Hippeastrum cuzcoense : Sie kommt nur in der peruanischen Region Cusco vor. Hippeastrum cybister (Syn.: Hippeastrum anomalum , Hippeastrum deflexum ): Sie ist von Bolivien zur argentinischen Provinz Jujuy verbreitet. Hippeastrum damazianum : Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais vor. Hippeastrum diniz-cruziae : Sie wurde 2013 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erstbeschrieben. Hippeastrum divijulianum : Sie kommt in Bolivien vor. Hippeastrum doraniae : Sie kommt im nordöstlichen Venezuela vor. Hippeastrum elegans (Syn.: Hippeastrum ambiguum , Hippeastrum ambiguum var. longiflorum , Hippeastrum solandriflorum var. conspicuum nom. superfl., Hippeastrum solandriflorum var. rubritubum , Hippeastrum solandriflorum var. striatum , Hippeastrum elegans var. divifrancisci , Hippeastrum araripinum ): Sie ist von Costa Rica bis Brasilien verbreitet. Hippeastrum escobaruriae : Sie kommt in Bolivien vor. Hippeastrum espiritense : Sie kommt im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo vor. Hippeastrum evansiae : Sie kommt in Bolivien vor. Hippeastrum ferreyrae : Sie kommt im nördlichen Peru vor. Hippeastrum forgetii : Sie kommt in Peru und Bolivien vor. Hippeastrum fragrantissimum : Sie kommt in Bolivien vor. Hippeastrum fuscum : Sie kommt in Peru vor. Hippeastrum gertianum : Sie kommt im brasilianischen Bundesstaat Paraná vor. Hippeastrum glaucescens : Sie ist in Brasilien und im nordöstlichen Argentinien verbreitet. Hippeastrum goianum : Sie ist in Brasilien verbreitet. Hippeastrum guarapuavicum : Sie ist im südlichen Brasilien, in Paraguay und im nordöstlichen Argentinien verbreitet. Hippeastrum harrisonii : Sie kommt in Uruguay vor. Hippeastrum hemographes : Sie kommt im südlichen Brasilien vor. Hippeastrum hugoi : Sie kommt in Peru vor. Hippeastrum iguazuanum : Sie ist vom südlichen Brasilien bis zur argentinischen Provinz Misiones verbreitet. Hippeastrum incachacanum : Sie kommt in Bolivien vor. Hippeastrum intiflorum : Sie kommt in Peru vor. Hippeastrum kromeri : Sie kommt im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais vor. Hippeastrum lapacense : Sie kommt in Bolivien vor. Hippeastrum leonardii : Sie kommt in Peru vor. Hippeastrum leopoldii : Sie kommt in Peru und in Bolivien vor. Hippeastrum leucobasis : Sie kommt im brasilianischen Bundesstaat Goiás vor. Hippeastrum macbridei : Sie kommt in Peru vor. Hippeastrum machupijchense : Sie kommt in Peru vor. Hippeastrum mandonii : Sie kommt in Bolivien vor. Hippeastrum maracasum : Sie kommt im brasilianischen Bundesstaat Bahia vor. Hippeastrum marumbiense : Sie kommt im südlichen Brasilien vor. Hippeastrum menesesii : Sie wurde 2011 aus Bolivien erstbeschrieben. Seit 2015 gibt es zwei Unterarten: Hippeastrum menesesii subsp. menesesii: Sie kommt im westlichen Bolivien vor. Hippeastrum menesesii subsp. whitakeri : Sie kommt in Bolivien vor. Hippeastrum minasgerais : Sie kommt im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais vor. Hippeastrum miniatum : Sie kommt in Peru vor.