Cítoliby, bis 1923 Citoliby (deutsch Zittolieb, früher Zitolib) ist eine Minderstadt in Tschechien. Sie liegt drei Kilometer südlich von Louny und gehört zum Okres Louny.

Geographie Cítoliby befindet sich auf der Dolnooharská tabule (Untereger-Tafel) im Quellgebiet des Baches Cítolibský potok. Nordöstlich erheben sich der Blšanský vrch (293 m) und der Malý Chlum (283 m) sowie im Südwesten der Zadní Háj (291 m). Durch den Ort führt die Staatsstraße II/229 zwischen Louny und Rakovník, nördlich verläuft die Schnellstraße R 7. Im Osten führt die Chlumčaner Schleife der Bahnstrecke Praha–Most bis einen reichlichen Kilometer an Cítoliby heran, die nahe dem Scheitelpunkt auf freiem Feld gelegene Station Cítoliby wird heute nicht mehr bedient.

Nachbarorte sind Louny und Zahradní město im Norden, Černčice und Blšany u Loun im Nordosten, Chlumčany im Osten, Toužetín, Sulec und Smolnice im Südosten, Brloh, Nová Ves, Divice und Líšťany im Süden, Touchovice, Opočno, Jimlín und Nový Hrad im Südwesten, Zeměchy und Malnice im Westen sowie Celnice, Postoloprty und Březno im Nordwesten.

Geschichte mini|links|Kirche Jakobus des Älteren mini|links|Schloss Cítoliby mini|Barocker Wasserturm mini|hochkant|Dreifaltigkeitssäule Cítoliby wurde wahrscheinlich im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts als regelmäßiges Platzdorf mit etwa 25 Gehöften um einen fast quadratischen Platz von 180 × 175 Metern Seitenlänge angelegt. Das neue Dorf entstand wahrscheinlich auf Veranlassung der königlichen Kammer in unmittelbarer Nachbarschaft der zuvor von Přemysl Ottokar II. gegründeten Königsstadt Louny, zu dessen Weichbild es gehörte. Zu den Siedlern gehörten deutsche Bürger aus Laun.

Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes erfolgte am 22. April 1325, als König Johann von Luxemburg den Launer Bürgern ihren Besitz in Czethleub bestätigte. Der Ortsname ist tschechischen Ursprungs und leitet sich wahrscheinlich vom Beinamen eines Lokators her, der Gefallen an Kleinmünzen (cěta) hatte. Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde das Dorf als Czietolib oder Czetlib bezeichnet. Die erste Nachricht über die Kirche stammt aus dem Jahre 1379. Wahrscheinlich ließ sie Thimo d. J. von Colditz (Těma z Koldic; † 1383) in der Mitte des 14. Jahrhunderts errichten. Sie soll dem hl. Gallus geweiht gewesen und südlich des Schlosses gestanden sein; jedoch ist dies umstritten und heute wird von einer Verwechslung mit der Kirche St. Gallus in Brloh ausgegangen. Die Herren von Colditz waren jedoch nicht Besitzer des gesamten Dorfes, nach wie vor gehörte ein Teil von Cítoliby einer Gruppe Launer Bürger. Am 25. April 1383 wurde Thimo d. J. von Colditz als Kirchpatron genannt. Nachfolgender Besitzer des größten Teils des Dorfes war Thimos Sohn Albrecht von Kolditz. Nach dem Ausbruch der Hussitenkriege bekämpfte dieser als Landeshauptmann der schlesischen Erbfürstentümer Jauer-Schweidnitz und Breslau die Hussiten, während die Stadt Louny zu einem Zentrum der Kalixtiner wurde. Jedoch unternahmen die Launer Hussiten niemals auch nur einen Versuch, das Kammergut Cítoliby zu besetzen. Einige der Bewohner des Ortes schlossen sich im Frühjahr 1420 den radikalen Hussiten an, die sich auf dem Táborec bei Smolnice zur Unterstützung der von den Katholiken belagerten Stadt Prag sammelten. Aus der Zeit der Hussitenkriege stammt auch die letzte Erwähnung der Herren von Kolditz als Grundherren.

Im Jahre 1457 hatte Clemens von Brloch (Kliment z Brloha) seinen Sitz in Cítoliby; dies war zugleich die erste Erwähnung einer Feste in dem Ort. Über die Umstände, unter denen Cítoliby aus den Kammergütern ausschied, ist nichts bekannt. Ab 1462 war Bavor von Třebívlice Besitzer der Feste. Zwischen 1464 und 1469 erhoben die Launer Bürger auf ihren Anteil eine Maut. Seit 1519 hatte Prokop Kuneš von Lukovec seinen Sitz in Cítoliby, 1534 erbte sein Sohn Mikuláš genannt Kohoutek den Besitz. Gegen Mikuláš Kuneš von Lukovec waren Prozesse wegen Totschlags, Verleumdung und versuchter Tötung anhängig, bei denen er jedoch straffrei blieb und lediglich eine Verwarnung durch König Ferdinand I. erhielt. Mikuláš Kuneš von Lukovec verstarb 1543, im anschließenden Erbstreit um die Ansprüche zwischen seiner Witwe, der Tochter und seinen sechs minderjährigen Söhnen erfolgte in der Landtafel eine ausführliche Beschreibung des Gutes. Dabei sind das gesamte Dorf, der Wirtschaftshof, die Schänke und das Kirchpatronat – nicht aber die Feste aufgeführt. Den Anteil der Launer Bürger hatten die Besitzer des Gutes zu dieser Zeit bereits erworben, ebenso war darin von Mautrechten keine Rede mehr.

Mikuláš Söhne kauften später die umliegenden Güter Chlumčany, Vlčí, Brodec, Líšťany und Břínkov auf. Die Feste Cítoliby wurde Sitz seines ältesten Sohnes Jan Kuneš von Lukovec, der die herrschaftliche Brauerei und wahrscheinlich auch Fischteiche anlegen ließ. Nach dessen Tod im Jahre 1562 wurde das Gut Cítoliby mit der Feste, Herrenhof, Brauerei, Schänke, Wiesen, Hopfen-, Obst- und Safrangärten, zwei Teichen, zwei Weinbergen und den drei Wäldchen Dubovka, Rasoch und Velká Kostelka landtäflich zwischen seinen Geschwistern aufgeteilt. Dabei fielen die Feste und die Brauerei seinem ältesten Bruder Václav Kuneš von Lukovec zu, der sukzessive auch die Anteile seiner Geschwister hinzukaufte. 1569 verkaufte dieser das Gut, zu dem inzwischen noch eine Mälzerei und die Neue Schänke hinzugekommen waren, an Adam Hruška von Březno. Durch Zukäufe benachbarter Güter baute Adam Hruška das Gut Cítoliby zu einer der bedeutsamsten Grundherrschaften des Launer Gebietes aus, die an Größe nur noch von Líčkov und Nový Hrad übertroffen wurde. Er ließ neben der alten Feste der Herren von Lukovec, die er zum Wirtschaftsgebäude umfunktionierte, ein neues repräsentatives Renaissanceschloss errichten. 1573 schlug er das Gut Selmice mit der Feste, einem großen Wirtschaftshof, zwei Mühlen, den Dörfern Zbrašín, Hořany sowie einem Anteil von Líšťany seiner Herrschaft Cítoliby zu. 1580 erweiterte er die Herrschaft um das Dorf und die Feste Brodec sowie die Dörfer Břínkov und Vlčí. Im März 1581 erbten seine drei Söhne Jan, Adam und Karel die Herrschaft. Nach einer Zeit der gemeinschaftlichen Bewirtschaftung teilten die Brüder die Herrschaft schließlich auf. 1588 brannten große Teile von Cítoliby nieder. Nach Adams Tod erfolgte im Jahre 1600 eine Neuaufteilung der Güter unter seinen Brüdern, wobei Karel Cítoliby und Blšany erhielt und Jan Hruška Selmice, Brodec und Peruc. Im Jahre 1602 vernichtete ein erneutes Großfeuer mehrere Gehöfte in Cítoliby. Karel Hruška erwarb 1605 das Gut Chlumčany mit einem Wirtschaftshof sowie einer Mühle und schloss es an Cítoliby an. Nach dem Erlöschen der Pfarrei wurde diese vom Kloster Dolní Ročov verwaltet. Karel Hruška ließ 1605 in Cítoliby ein Pfarrhaus errichten, das mit einem Kantor besetzt wurde, der zugleich als Rektor fungierte und die örtlichen Kinder unterrichtete. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts hatte sich Cítoliby in seiner Ausdehnung kaum verändert, der Ort bestand noch wie zur Zeit seiner Gründung aus 25 Gehöften. Nachdem Karel Hruška am 17. November 1609 noch jung verstarb, fiel dessen Besitz seinem minderjährigen Sohn Johann Adam zu, der unter der Vormundschaft seines Onkels Jan Hruška stand. Im Jahre 1610 verunglückte Jan Hruška auf der Rückfahrt von einem Besuch bei Stephan von Sternberg auf Schloss Postelberg tödlich. Damit fiel der gesamte Familienbesitz Jans Sohn Adam Heinrich zu, der neben seinen Gütern Brodec, Smilovice, Selmice, Peruc und dem 1606 von seinem Vater zugekauften Gut Toužetín auch treuhänderisch die seinem Neffen Johann Adam gehörigen Güter Cítoliby, Blšany, Líšťany und Chlumčany verwaltete. Im 17. Jahrhundert entstand die deutsche Namensform Zittolieb.

Nach der Schlacht am Weißen Berg wurde Adam Heinrich Hruška 1623 wegen seiner Beteiligung am Ständeaufstand von 1618 mit dem Verlust eines Drittels seines Vermögens bestraft. Dabei unterlief der Konfiskations-Kommission ein gravierender Irrtum; neben der Adam Heinrich Hruška gehörigen Herrschaft Selmice mit Zbrašín, Hořany und Líšťany wurde auch die durch ihn nur für seinen Neffen verwaltete Herrschaft Cítoliby beschlagnahmt und 1623 durch die Hofkammer an den kaiserlichen Offizier Adam von Herbersdorf verkauft. Herbersdorf setzte 1624 mit dem Pastor Leitner wieder einen katholischen Geistlichen in Zittolieb ein. Zugleich setzte er die Rekatholisierung mit eiserner Härte durch und löste damit 1626 einen Bauernaufstand aus. In Folge des Religionsmandates von 1627 entschied sich Adam Heinrich Hruška für einen Verbleib in Böhmen und trat zum Katholizismus über. Nach Erreichen der Volljährigkeit überließ Johann Adam Hruška 1628 die ihm zustehenden Herrschaft Cítoliby mit Blšany und Anteilen von Chlumčany und Smilovice seinem ehemaligen Vormund Adam Heinrich Hruška. Im Jahre 1629 wurde Adam Heinrich Hruška zum Hauptmann des Saazer Kreises ernannt. Nachdem der unrechtmäßige Konfiskationsbeschluss über die Herrschaft Cítoliby auf Grund seiner Intervention 1630 vom böhmischen Statthalter Baltasar von Marradas aufgehoben worden war, machte Johann Adam Hruška seinem Vetter das Eigentum an der Herrschaft Cítoliby wieder strittig und wollte diese an Adam d. J. Hozlauer von Hozlau veräußern. Adam Heinrich Hruška verstarb im selben Jahre ohne männliche Nachkommen; die Konfiskations-Kommission bestätigte die Abtretung und sprach die Herrschaft dessen drei Töchtern zu. Die Verwaltung der Herrschaft übernahm Dorothea Barbara Hruška, die wenig später den kaiserlichen Obristen Johann Ulrich Bissinger von Bissingen heiratete. Nachdem ihre beiden Schwestern volljährig geworden waren, erfolgte 1635 eine Teilung der Herrschaft, wobei Dorothea Barbara alle drei Anteile verwaltete.

Wegen seiner Lage an der Straße von Rakonitz nach Laun wurde das Dorf während des Dreißigjährigen Krieges mehrfach von durchziehenden Truppen besetzt und geplündert. 1631 fielen kursächsische Truppen und in den Jahren 1634, 1639, 1643 und von 1645 bis 1648 die Schweden in Zittolieb ein; die größten Schäden erlitt das Dorf bei der schwedischen Invasion von 1639 bis 1640. In Folge des Krieges gerieten die Hruška-Schwestern in eine finanzielle Notlage und mussten bis 1637 die Güter Blšany und Smilovice verkaufen. Durch die anhaltende wirtschaftliche Misere und regelmäßige Plünderungen und Verwüstungen zerbrach Dorothea Barbara von Bissingen zu Beginn der 1640er Jahre an der Verwaltung der Herrschaft, verfiel dem Wahnsinn und wurde schließlich entmündigt und unter die Vormundschaft ihres Mannes gestellt.

Unter den Schütz von Leipoldsheim