mini|hochkant=1.3|Ortsmitte von Mistelbach Mistelbach () ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Bayreuth. Der gleichnamige Hauptort ist Sitz der Gemeindeverwaltung und der Verwaltungsgemeinschaft Mistelbach.
Geografie Geographische Lage Die Gemeinde liegt ca. sieben Kilometer von Bayreuth entfernt im Hummelgau am nordnordöstlichen Rand der Fränkischen Schweiz. Durch das Gemeindegebiet fließt die Mistel, ein linker Zufluss des Roten Mains.
Gemeindegliederung Es gibt sechs Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Finkenmühle (Einöde) Mistelbach (Pfarrdorf) Poppenmühle (Einöde) Schnörleinsmühle (Weiler) Sonnenleithen (Einöde) Zeckenmühle (Einöde)
Daneben bestehen noch drei Einöden mit Eigennamen: Dorfmühle Trautscheit Warmuthsreut
Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Mistelbach. Sie hat eine Fläche von 6,124 km² und ist in 1951 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen sämtliche Gemeindeteile.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Bayreuth, Gesees, Hummeltal, Mistelgau und Eckersdorf.
Geschichte
Bis zur Gemeindegründung Der Ort wurde am 4. Mai 1125 als „Mistelbach“ erstmals schriftlich erwähnt. Dem Ortsnamen liegt ein Gewässername zugrunde, der auf einen von Misteln umsäumten Bach verweist.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 148. Seit 1321 ist das Reichsrittergeschlecht Mistelbach bezeugt, das 1563 in männlicher Linie ausstarb.
Mistelbach bildete mit Finkenmühle, Poppenmühle, Schnörleinsmühle, Sonnenleithen und Zeckenmühle eine Realgemeinde. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Mistelbach 60 Anwesen. Die Hochgerichtsbarkeit stand dem bayreuthischen Stadtvogteiamt Bayreuth zu. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft wurde sowohl vom Hofkastenamt Bayreuth als auch dem Amt St. Johannis beansprucht. Grundherren waren das Fürstentum Bayreuth unmittelbar (55 Anwesen): Hofkastenamt Bayreuth (19 Anwesen: 4 Halbhöfe, 9 Sölden, 2 Gütlein, 1 Mühle, 1 Tropfhaus, 1 Gemeindeschmiede, 1 Hirtenhaus), Hofkanzlei Bayreuth (5 Anwesen: 4 Gütlein, 1 Haus), Stift- und Pfründamt Bayreuth (1 Söldengütlein, 1 Viertelhöflein), Amt St. Johannis (28 Anwesen: 9 Sölden, 1 Sölde mit Zapfenschenke, Back- und Branntweingerechtigkeit, 4 Gütlein, 1 Gütlein mit Schmiedrecht, 1 Tropfgütlein, 8 Tropfhäuser, 3 Häuser, 1 Wohnhaus), Verwaltung Ramsenthal (1 Gütlein); das Fürstentum Bayreuth mittelbar (5 Anwesen): Hospital Bayreuth (2 Söldengütlein), Gotteshaus Bayreuth (1 Tropfhaus) Pfarrei Mistelbach (1 Halbhof, 1 Söldengut).Richard Winkler: Bayreuth, S. 374.
Als Teil des seit 1792 preußischen Fürstentums Bayreuth kam Mistelbach im Frieden von Tilsit zu Frankreich und wurde 1810 an das Königreich Bayern verkauft. Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Bayreuth. 1812 wurde infolge des Gemeindeedikts Mistelbach dem Steuerdistrikt Gesees zugewiesen. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Mistelbach, zu der Finkenmühle, Poppenmühle, Schnörleinsmühle, Sonnenleithen und Zeckenmühle gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Bayreuth zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Bayreuth (1919 in Finanzamt Bayreuth umbenannt). Ab 1862 gehörte Mistelbach zum Bezirksamt Bayreuth (1939 in Landkreis Bayreuth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Bayreuth (1879 in Amtsgericht Bayreuth umgewandelt).Richard Winkler: Bayreuth, S. 477.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 wuchs die Gemeinde von 1533 auf 1599 um 66 Einwohner bzw. um 4,3 %. Ein Höchststand wurde am 31. Dezember 2004 mit 1653 Einwohnern erreicht.
Ort Mistelbach Jahr 1819 1822 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2022Einwohner 389 381 494 529 544 599 658 1342 1174 1303 1474 1535Häuser 63 74 73 99 156 201 374 Quelle Zahlen und Daten der Gemeinde Mistelbach auf der Website mistelbach.de
Gemeinde Mistelbach Jahr 1822 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 1995 2000 2005 2010 2015 2020Einwohner 414 518 462 535 534 570 580 608 581 556 594 639 699 721 698 692 805 915 1355 1415 1205 1340 1502 1572 1545 1654 1619 1594 1564HäuserEs werden nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2020 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 69 78 81 79 78 104 163 208 382 504 513Quelle
Politik mini|hochkant|Mistelbach vom Tal aus gesehen Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Matthias Mann (SPD).
Gemeinderat Die Gemeinderatswahlen seit 2014 führten zu folgenden Ergebnissen: +Partei/Liste202620202014%Sitze%SitzeSitzeSPD33,3439,0155CSU34,4425,5633Pro Mistelbach16,8225,0233Freie Wählergemeinschaft11,7210,4211
Interkommunale Zusammenarbeit Die Gemeinde ist seit 1999 Mitglied im Verein für Regionalentwicklung „Rund um die Neubürg-Fränkische Schweiz“.
Verwaltung Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Mistelbach.
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist rot-weiß.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Mistelbach mini|hochkant|Kirche St. Bartholomäus mini|Viertelstein Bauwerke
Evangelische Kirche St. Bartholomäus Schloss Mistelbach (die Burg der Edelfreien von Mistelbach, Neubau 1763) Jagdtisch des Markgrafen von Bayreuth im Waldgebiet Arzloch
Bodendenkmäler
Naturdenkmäler Schlucht Arzloch, Geotop-Nr. 472R022 Hirtenstein, Geotop-Nr. 472R153 Viertelstein, Geotop-Nr. 472R020 Sattlerstein, Geotop-Nr. 472R025
Sport TSV Mistelbach mit fünf Jugendmannschaften, zwei Seniorenmannschaften, einer Altherrenmannschaft (alle Fußball), Damengymnastik, einer Tennismannschaft, zwei Tischtennismannschaften, einer Theaterabteilung und einer Skiabteilung. Die Wanderfreunde Mistelbach/Bayreuth führen Fern-, Tages- und Halbtageswanderungen sowie Vereinsausflüge durch.
Verkehr mini|hochkant|Infostele am ehemaligen Bahnhof Die Staatsstraße 2163 führt nach Pittersdorf (1,9 km südwestlich) bzw. an Geigenreuth vorbei zur Bundesstraße 22 bei Meyernberg (2,3 km nordöstlich). Von der St 2163 zweigt die Staatsstraße 2185 in Richtung Mistelgau ab (2,7 km westlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Forkendorf zur Kreisstraße BT 5 (2,3 km östlich).
Die Ortsdurchfahrt von Mistelbach wird von täglich rund 10.000 Kraftfahrzeugen passiert. Nach rund 16 Jahre währenden Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern wurde das Projekt einer Umgehungsstraße aufgegeben. Der Bau der nördlich des Dorfs vorgesehenen Straße hätte den Einzugsbereich der Wasserversorgung der Nachbargemeinde Eckersdorf beeinträchtigen können.Ortsumgehung ist Geschichte in: Nordbayerischer Kurier vom 31. Dezember 2022, S. 18.
Den Ort tangierte die 1904 eröffnete Nebenbahn Bayreuth–Hollfeld, an der Mistelbach südöstlich des Ortskerns im Tal der Mistel einen Bahnhof erhielt. Im September 1974 fuhr auf der Strecke der letzte Zug, anschließend wurden die Gleise abgebaut.
Im Rahmen des Verkehrskonzepts „30-Minuten-Takt Hummelgau“ ist Mistelbach seit dem 1. September 2022 werktags halbstündlich, an den Wochenenden im Stundentakt durch Regionalbusse mit Bayreuth verbunden.Im Halbstundentakt nach Bayreuth in: Nordbayerischer Kurier vom 2. September 2022, S. 14.
Industrie Seit 1972 ist der Plüschtier- und Puppenhersteller Sigikid in Mistelbach ansässig. Im Jahr 1991 erwirtschaftete das Unternehmen mit 514 Mitarbeitern und 192 Heimarbeitern einen Umsatz von 53 Millionen DM. Mittlerweile wurde die Produktion vollständig ins Ausland verlagert.
Söhne und Töchter der Gemeinde mini|hochkant|Ernst Zindel (links) 1940 Friedrich Wilhelm Hagen (1767–1837), Autor, Stadtpfarrer, Dekan und Distriktsschulinspektor Lorenz Dörnhöfer (1862–1939), Mühlenbesitzer und Landtagsabgeordneter (NLP) Ernst Zindel (1897–1978), Flugzeugkonstrukteur u. a. der Junkers Ju 52/3m. Darauf wurde bei den gelegentlich vom Verkehrslandeplatz Bayreuth ausgehenden Rundflügen mit der D-AQUI hingewiesen und ggf. eine Ehrenrunde über dem Ort gedreht.
Siehe auch Mistelbach (Adelsgeschlecht)
Literatur
Weblinks
Gemeinde Mistelbach
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Bayreuth Kategorie:Ersterwähnung 1125 Kategorie:Gemeindegründung 1812 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Bayreuth