20Ten (sprich: „twenty-ten“) ist das 35. Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Es erschien am 10. Juli 2010 über sein Label NPG Records ausschließlich als CD-Beigabe mehrerer europäischer Tageszeitungen und Magazinen und wurde außerhalb Europas 2010 nicht veröffentlicht; eine Chartplatzierung blieb daher aus.
Die Musik ist den Genres Contemporary R&B, Elektronische Tanzmusik, Funk, Pop und Soul zuzuordnen; als Gastmusiker wirkte Maceo Parker mit. Musikkritiker von Zeitungen, bei denen 20Ten als CD-Beigabe erhältlich war, zeigten sich vom Album begeistert, während Kritiker anderer Zeitungen deutlich zurückhaltender urteilten. Die zum Album gehörende Tournee fand ausschließlich in Europa statt und umfasste sieben Konzerte, von denen vier im Rahmen von Musikfestivals stattfanden.
Entstehung Der erste für 20Ten aufgenommene Song war Compassion, den Prince Anfang 2006 in seinem Paisley Park Studio in Chanhassen (Minnesota) einspielte. Ursprünglich war das Stück für das im März 2009 erschienene Album Lotusflow3r vorgesehen, wurde jedoch wieder von der Titelliste von ihm entfernt. Am 1. September 2008 überarbeitete Prince Compassion im Tonstudio Sunset Sound in Los Angeles und ergänzte Backing Vocals sowie Overdubs.
Die übrigen neun Songs entstanden im Paisley Park Studio, wobei Prince den Großteil der Aufnahmen 2009 einspielte. Am 1. August nahm er Walk in Sand auf,Clerc (2023), S. 500. am 20. November folgte Sticky Like Glue. Zudem überarbeitete er Future Soul Song, das ursprünglich Ende der 1990er Jahre entstanden und zunächst ebenfalls für Lotusflow3r vorgesehen war.Clerc (2023), S. 499. Die Stücke Act of God, Laydown und Sea of Everything spielte Prince am 25. November ein.Clerc (2023), S. 500–501.
Die genauen Aufnahmedaten der Stücke Beginning Endlessly, Everybody Loves Me und Lavaux sind nicht bekannt; vermutlich entstanden sie zwischen September 2009 und Februar 2010 im Paisley Park Studio.Clerc (2023), S. 498–501.
Marketingstrategie mini|hochkant=1|Prince, 2009 Ab 2007 arbeitete Prince nicht mehr mit Tonträgerunternehmen zusammen und distanzierte sich zunehmend von der Musikindustrie. Seine Veröffentlichungen erschienen zwar über das eigene Label NPG Records, wurden jedoch über alternative Vertriebswege verbreitet; so war die Live-CD Indigo Nights 2008 ausschließlich als Beilage zu seinem Buch 21 Nights erhältlich, während 2009 das Dreifachalbum Lotusflow3r über die US-amerikanische Einzelhandelskette Target vertrieben wurde.
Am 22. Juni 2010 traf sich Prince mit Vertretern von Warner Bros. Records, bei denen er von 1977 bis 1999 unter Vertrag gestanden hatte. Dabei wurde ein möglicher US-Vertrieb von 20Ten erörtert, letztlich jedoch kein Vertrag geschlossen.Draper (2016), S. 190–191. Anschließend entschied sich Prince für eine alternative Marketingstrategie und ließ das Album ausschließlich in Europa als Zeitungsbeilage vertreiben. Ein vergleichbares Vorgehen hatte er bereits 2007 bei der Veröffentlichung von Planet Earth im Vereinigten Königreich gewählt.
Kiran Sharma, damalige Repräsentantin von Prince, äußerte sich positiv zur Vertriebsstrategie von 20Ten und bezeichnete sie als „das erste Mal weltweit, dass ein neues Album über alternative Kanäle kostenlos verbreitet wird“.Draper (2016), S. 190.
Bei den Zeitungen Daily Mirror, Het Nieuwsblad und der deutschen Ausgabe des Rolling Stone war 20Ten als CD-Beilage erhältlich. Journalisten dieser Blätter gewährte Prince Zugang zu seinem Paisley Park Studio, um Interviews zu führen und über das Album zu berichten.Draper (2016), S. 191.
Zur Begründung für den Vertrieb von 20Ten als Zeitungsbeilage erklärte Prince gegenüber dem Daily Mirror, das Internet sei „vollständig vorbei“. Zudem zog er einen Vergleich mit dem Musiksender MTV: „Das Internet ist wie MTV. MTV war einmal total in und plötzlich veraltet. Wie auch immer, diese ganzen Computer und digitalen Spielereien sind nicht gut; sie füllen den Kopf nur mit Zahlen und können nicht guttun.“Thorne (2012), S. 466. Außerdem kündigte er an, keine Downloads neuer Songs anzubieten, da er die Akzeptanz von Bezahlsystemen wie dem iTunes Store bezweifelte, äußerte jedoch zugleich die Absicht, andere Wege zur Verbreitung seiner Musik zu finden.Draper (2016), S. 180.
Gestaltung des Covers Für die Covergestaltung zeichneten der Artdirector und Grafikdesigner Meurig Rees, der Creative Director Anthony Malzone sowie die Modedesignerin Debbie McGuan verantwortlich, mit der Prince von 1993 bis 2007 zusammenarbeitete und die in diesem Zeitraum wiederholt Outfits für ihn entwarf. Mit Malzone arbeitete er von 2008 bis 2014 zusammen, mit Rees ausschließlich für das Album 20Ten.
Die CD befindet sich in einer Papphülle; ein Booklet liegt nicht bei. Das Frontcover zeigt eine spartanische Zeichnung, in der Prince als männliches Model dargestellt ist, entworfen von McGuan. Er trägt ein farbenfrohes, tunikaähnliches Hemd mit Stehkragen, das geöffnet ist und seine Brusthaare erkennen lässt, sowie eine Halskette mit dem Symbol-Anhänger, den er zwischen 1993 und 2000 als Künstlernamen verwendete. Die Prince-Zeichnung ist links im Bild von Kopf bis zu den Oberschenkeln dargestellt und besitzt zwei rechte Arme. Am äußeren linken Bildrand sind auf rechter Schulterhöhe Zeigefinger und Daumen einer Hand zu sehen, die einen Stift halten und das Cover scheinbar vollenden.
Im Hintergrund ist eine in Rot- und Orangetönen gehaltene, wüstenartige Landschaft zu erkennen, deren Umrisse an ein Gesicht mit Nase, Ober- und Unterlippe sowie Kinn erinnern. Diese Formgebung verweist auf die hügelartige Darstellung des weiblichen Körpers auf dem Cover des Albums Around the World in a Day von 1985.
Im oberen mittleren Bereich des Covers ist das Prince-Symbol abgebildet. Vor dessen Kreis steht die Ziffer „2“, sodass zusammen die Zahl „20“ entsteht. Innerhalb des Kreises befindet sich das Wort „Ten“, das als typografische Ligatur gestaltet ist; zugleich lässt sich daraus auch der Name „Prince“ lesen.
Die vor dem Kreis stehende Ziffer „2“ ist so gestaltet, dass sie auch als „7“ gelesen werden kann. Wird das Cover um 180 Grad gedreht, erscheint diese „7“ als „6“; der 7. Juni ist Prince’ Geburtsdatum. Zudem sind im rechten oberen Bildbereich Regentropfen dargestellt.
Auf der Rückseite des Covers ist die Tracklist von Titel 1 Compassion bis Titel 9 Everybody Loves Me in lilafarbener Schrift abgedruckt. Der Hidden Track Laydown erscheint zusätzlich in übergroßer Schriftgröße.20Ten-CD von Prince, NPG Records, 2010
Ian Cohen von Pitchfork Media zählte das Cover im Dezember 2010 zu den schlechtesten des Jahres und begründete dies mit der Bemerkung „Screenshot von Grand Theft Auto: Paisley Park“.
Musik und Liedtexte Die Musik ist den Genres Contemporary R&B, Elektronische Tanzmusik, Funk, Pop und Soul zuzuordnen. Die Stücke sind überwiegend minimalistisch produziert; prägend sind vor allem Synthesizer und der Drumcomputer Linn LM-1, den Prince bereits häufig bei seinen Studioaufnahmen der 1980er Jahre einsetzte. Dadurch erinnern einige Songs stilistisch an frühere Werke wie das Album 1999 (1982), während Gitarren-Licks auf 20Ten nur selten vorkommen. Prince verwendet sowohl sein charakteristisches Falsett als auch tiefere Stimmlagen. mini|hochkant=1|Posaunist Greg Boyer und im Hintergrund Saxofonist Maceo Parker, 2015 Compassion Der Opener ist der elektronischen Tanzmusik zuzuordnen und enthält unter anderem ein Keyboard-Staccato. Als Gastmusiker wirken die Blechbläser Greg Boyer, Maceo Parker und Ray Monteiro mit. Stilistisch erinnert Compassion stellenweise an Let’s Pretend We’re Married vom Album 1999. Beginning Endlessly Der Song enthält eingängige Synthesizer-Riffs; den Liedtext trägt Prince in einer an Sprechgesang erinnernden Form vor. Future Soul Song Die Soul-Ballade erinnert stellenweise an The Beautiful Ones (1984). Prince tritt gesanglich als Crooner auf; der Refrain besteht aus der Zeile „Sha-la-la“. Sticky Like Glue Das Stück ist dem Funk zuzuordnen und enthält dominante Basslines sowie funktypisches Gitarrenspiel von Prince. Im Song wechselt er mehrfach die Stimmlage; zudem ist eine Rap-Passage zu hören. Stilistisch weist Sticky Like Glue stellenweise Ähnlichkeiten mit dem 2002 von King Britt veröffentlichten Song Superstar auf, der 2004 mit Ivana Santilli (* 1975) als Single erschien. Act of God Auch dieses Stück ist dem Funk zuzuordnen. Im gesellschaftskritischen Liedtext thematisiert Prince die Weltfinanzkrise 2007–2008 sowie den Irakkrieg; unter anderem singt er, dass aus US-Steuergeldern Bomber gebaut würden, „angeblich um uns vor Saddam zu schützen.“Draper (2016), S. 191. Lavaux Prince’ Keyboardspiel im Funk-Stück erinnert stellenweise an Passagen aus 1999. Im Liedtext beschreibt er die Schönheit des Schweizer Weinbaugebiets Lavaux sowie die aus Vevey stammende Schokolade von François-Louis Cailler. Walk in Sand Die R&B-Ballade wird von Prince’ Klavierspiel dominiert. Im Gegensatz zu den übrigen Stücken auf 20Ten verwendet er hier Live-Drums statt programmierter Rhythmen. Er singt im für ihn typischen Falsett; Melodie und Liedtext sind schlicht gehalten und vermitteln die Botschaft: „Nichts ist schöner, als mit dir Hand in Hand im Sand spazieren zu gehen.“ Ähnliche Balladen hatte Prince bereits mehrfach zuvor in seiner Karriere geschrieben. Sea of Everything Die R&B-Schlafzimmerballade trägt Prince ebenfalls überwiegend im Falsett vor Everybody Loves Me Der Song ist ein Rock-’n’-Roll-Stomp mit Boogie-Woogie-Piano-Breaks. Im Liedtext singt Prince unter anderem: „Heute Nacht liebe ich alle Menschen, und alle lieben mich“; gemeint ist damit nicht er selbst, sondern ein selbstbewusster Geist, der auf der Tanzfläche jeden zum Star machen könne. Der Groove erinnert stellenweise an All the Critics Love U in New York vom Album 1999. Laydown Der Hidden Track war in einer früheren Version von 20Ten als Opener vorgesehen und ist dem Funk zuzuordnen. Das Stück enthält unter anderem ein düster und beunruhigend wirkendes Gitarrenspiel, komplexe Synthesizer-Linien sowie einen von Prince vorgetragenen Rap, in dem er sich als „Purple Yoda“ bezeichnet – eine Anspielung auf die Figur Yoda aus Star Wars.Greenman (2017), S. 197. Den Refrain „you need to laydown“ singt Liv Warfield (* 1979); Elisa Dease (* 1969) ist stellenweise in der Zeile „here comes the purple Yoda“ zu hören.
Titelliste und Veröffentlichungen #TitelDauer1Compassion3:572Beginning Endlessly5:273Future Soul Song5:084Sticky Like Glue4:465Act of God3:136Lavaux3:037Walk in Sand3:298Sea of Everything3:499Everybody Loves Me4:0877Laydown (Hidden Track)3:07Spieldauer: 40:07 min.Autor aller Songs ist Prince Das Album erschien ausschließlich als CD-Beigabe in insgesamt sechs europäischen Zeitungen und Magazinen. Erstmals war es am 10. Juli 2010 bei der britischen Tageszeitung Daily Mirror und deren schottischem Tochterblatt Daily Record erhältlich sowie bei der niederländischsprachigen Zeitung Het Nieuwsblad und deren belgischem Ableger De Gentenaar. Am 22. Juli 2010 veröffentlichte die deutsche Ausgabe des Musikmagazins Rolling Stone das Album in Deutschland, Österreich und der Schweiz; am selben Tag erschien es zudem bei der französischen Wochenzeitschrift Courrier international.Lizie (2020), S. 286. Erst seit 2018 – und damit zwei Jahre nach Prince’ Tod – wird 20Ten auch als Download über verschiedene Musikstreamingdienste angeboten.
Auf der CD von 20Ten findet sich der Hinweis „For promotional use only. Not for resale.“ ( für „Nur für Werbezwecke. Nicht für den Weiterverkauf.“). Der Song Laydown ist als Hidden Track erst unter Titel 77 zu hören; die Titel 10 bis 76 bestehen jeweils aus fünf Sekunden langen Pausen.