Die chinesische Prinzessin ist ein Fernsehfilm aus der Kriminalreihe Tatort. Der Film wurde vom WDR produziert und am 20. Oktober 2013 nahezu zeitgleich von den Sendern Das Erste, ORF 2 und SRF 1 erstmals ausgestrahlt. Er ist die 883. Folge der Tatort-Reihe und der 24. Fall des von Axel Prahl und Jan Josef Liefers dargestellten Ermittlerduos Thiel und Boerne.

Handlung Songma, eine chinesische Künstlerin, Dissidentin, Prinzessin und die letzte Nachfahrin der chinesischen Kaiserinwitwe Cixi, stellt ihre Werke, denen viel Beachtung geschenkt wird, im Westfälischen Landesmuseum aus. Jürgen Martin, Kurator des Landesmuseums, zeigt sich zufrieden, die Künstlerin für eine Ausstellung gewonnen zu haben, die ein kulturelles Großereignis in Münster darstellt. Doch dann wird die Chinesin nach der Vernissage, in deren Verlauf der Rechtsmediziner Boerne mit der Dame Bekanntschaft machte, in der Münsteraner Rechtsmedizin mit einem Skalpell ermordet und Boerne verletzt neben der Toten liegend aufgefunden. Boerne selbst kann sich nicht an die Geschehnisse der letzten Stunden erinnern. In seinem Blut wird Kokain gefunden. So bleibt zunächst offen, ob Boerne die Chinesin unter Drogeneinfluss getötet hat oder ob womöglich der chinesische Geheimdienst in den Mordfall verwickelt ist. Immerhin wollte die Chinesin über die Situation der Uiguren in China aufklären. Entsprechende Videoclips, die die Menschenrechtsverletzungen zeigen, befinden sich auf ihrem Laptop, der jedoch gerade von einem Chinesen entwendet wird, als Kommissar Thiel sich in der Wohnung der Prinzessin umsehen will. Thiel kann den Chinesen festnehmen, der aber, wie sich herausstellt, einen Diplomatenpass besitzt und Kulturattaché ist. Die chinesische Botschaft, das Auswärtige Amt sowie das Innenministerium NRW sind empört und drängen Staatsanwältin Klemm dazu, den Fall schnellstmöglich aufzuklären. So steht Boerne weiter unter Mordverdacht und wird in Untersuchungshaft genommen.

Unterdessen ist Songmas Assistent Zhao Yu-Tang untergetaucht, um vor Gangstern der Triaden, der chinesischen Mafia, zu flüchten. Seine schwangere Verlobte, Xia Miao, ist verängstigt. Auch sie arbeitete für Songma als Assistentin und wird nun von Chinesen heimlich beschattet. Sie weiß, dass diese Leute gefährlicher sind als der Geheimdienst. Kurz darauf wird der Uigure Alim Can in einem Waldstück bei Münster ermordet aufgefunden. Er war auf Drängen der chinesischen Regierung als Terrorverdächtiger in Afghanistan festgenommen, nach Guantanamo gebracht und nach Feststellung seiner Unschuld schließlich vom Inselstaat Palau aufgenommen worden. Unterdessen meldet sich Zhao Yu-Tang bei seiner Verlobten. Er weiß, dass ihre Feinde auf der Suche nach einem Buch sind. Alberich gelingt es nachzuweisen, dass man Boerne das Kokain verabreicht haben muss und er es nicht selber genommen hat. Daraufhin wird er von Thiel aus der Haft geholt, damit er ihn aufgrund seiner Kenntnisse der chinesischen Kultur bei dem Fall aktiv unterstützen kann.

Die Spuren konfrontieren die Ermittler in Münster mit der chinesischen Mafia. Als Zhao Yu-Tang unvermittelt auf Thiel trifft, flüchtet er, und Thiel nimmt Xia Miao ins Verhör. Von ihr erfährt er, dass Songma nicht in erster Linie aufklären wollte, sondern nur auf Sensationen aus war. Dem ermordeten Uiguren wollte sie in aller Öffentlichkeit ein 1000 Jahre altes uigurisches Buch überreichen. Im Gegenzug hatte der Uigure Beweise gesammelt, nach denen die uigurisch-islamistische Terrororganisation nur eine Erfindung der chinesischen Regierung sei. Auf der Suche nach dem Buch und dem USB-Stick mit den Beweisen, den Zhao Yu-Tang an sich genommen hat, gelangen die Ermittler in ein chinesisches Lagerhaus. Yu-Tang will sich und seiner Verlobten mit den gesuchten Objekten Sicherheit verschaffen, indem er die Dinge seinen Verfolgern übergibt. Doch das misslingt und er wird niedergeschlagen. Thiel und Boerne finden und befreien ihn, werden aber von den Angehörigen der chinesischen Triaden verfolgt. Auch Thiels Assistentin Nadeshda, die am Auto wartet, wird als Geisel genommen. Die Verfolgung endet im Museum, und es wird klar, dass sowohl der chinesische Kulturattaché als auch Dr. Martin, der Kurator des Museums, in den Fall verwickelt sind. In der Vernehmung sagt Dr. Martin aus, dass er Songma am Tatabend gefolgt ist und Zhao Yu-Tang in der Rechtsmedizin gesehen hat. Mit dieser Aussage konfrontiert, gesteht Yu-Tang, die Prinzessin umgebracht zu haben, weil sie alle mit ihrem Vorhaben in höchste Gefahr gebracht hatte und er seine schwangere Verlobte und sich schützen wollte.

Hintergrund mini|Dreharbeiten im LWL-Museum für Kunst und Kultur Der Titel Die chinesische Prinzessin verweist auf die weibliche Hauptfigur der in der Folge erwähnten Oper Turandot von Giacomo Puccini. Die Figur der dissidenten Künstlerin Songma kann als Anspielung auf den chinesischen Künstler Ai Weiwei interpretiert werden.

Der Film wurde in Münster, Köln und Umgebung gedreht. Die Dreharbeiten zur Folge begannen am 4. April 2013.Münstersche Zeitung: , Münster, Frank Reinker, 5. April 2013Westfälische Nachrichten: Boerne unter Mordverdacht: Dreharbeiten zum neuen Tatort haben begonnen, Münster, Münster, 6. April 2013Westfälische Nachrichten: , Münster, 5. April 2013 Vom 29. April bis zum 3. Mai 2013 erfolgten die eine Woche andauernden Dreharbeiten in Münster, womit länger als in den vergangenen Jahren in Münster gedreht wurde.Münstersche Zeitung: , Münster, Helmut P. Erzkorn, 2. Mai 2013Westfälische Nachrichten: Ortstermin zum Tatort-Dreh, Münster, 19. April 2013 Gut eine Woche vor dem Drehstart in Münster trafen sich Vertreter des Produktionsteams mit Mitarbeitern des Tiefbauamtes der Stadt Münster und Vertretern des Landesmuseums am LWL-Museum für Kunst und Kultur, das als Kulisse für die Tatort-Produktion diente, obwohl zum Zeitpunkt der Dreharbeiten die seit Juli 2012 andauernden Baumaßnahmen noch nicht abgeschlossen waren.Münstersche Zeitung: , Münster, Frank Reinker, 18. April 2013 Für die mehrtägigen Dreharbeiten am Landesmuseum, die am 30. April 2013 begannen, wurden Baugruben zugeschüttet, um die Baustelle vor der Kamera zu verbergen.Münstersche Zeitung: , Münster, Anna Gellner, 29. April 2013 Im zweiten Obergeschoss des Landesmuseums wurden 130 rote Lampions und eine Vielzahl von Bambusstangen für die Dreharbeiten installiert.Westfälische Nachrichten: Münster-Tatort: Foto-Termin mit Tatort-Kommissar, Münster, Maria Meik, 3. Mai 2013Westfälische Nachrichten: Foto-Termin mit Tatort-Kommissar: 17-jährige Laura Kracht trifft Axel Prahl bei Dreharbeiten im Landesmuseum, Münster, Münster, 3. Mai 2013, Maria MeikRP Online: Besuch beim Dreh in Münster – „Tatort“: Boerne unter Verdacht, Ulli Tückmantel/pst, 4. Mai 2013 Szenenbildner Alexander Scherer hatte diese Installationen eigens für die Dreharbeiten entworfen. Tags zuvor, am 29. April 2013, starteten die Dreharbeiten in Münster mit Aufnahmen an der Gartenstraße mit der Justizvollzugsanstalt Münster als Kulisse. In den frühen Abendstunden des 29. April 2013 wurden die Dreharbeiten an der Rückseite des Hauptbahnhofes auf dem Bremer Platz fortgesetzt. Weitere Dreharbeiten fanden am Ludgeriplatz, am Überwasserkirchplatz sowie am Prinzipalmarkt statt.Westfälische Nachrichten: Neuer Münster-Tatort: Boerne ein Mörder?, Münster, Martina Döbbe, 29. April 2013Westfälische Nachrichten: Boerne ein Mörder? – Dreharbeiten für neuen Münster-Tatort haben begonnen, Münsterischer Anzeiger, Münster, Martina Döbbe, 30. April 2013 Die fünf Drehtage in Münster umfassten überwiegend Nachtdrehs. Am 2. Mai 2013 wurden die Dreharbeiten in Münster beendet. Die Dreharbeiten für die Folge endeten einen Tag später.WDR/Das Erste: Presseheft (PDF; 845 kB), abgerufen am 20. Oktober 2013

Maverick Quek war bereits 2007 in der Münsteraner Tatort-Folge Ruhe sanft! zu sehen.

Die schnellste Leiche in einer erstmals 2013 ausgestrahlten Tatort-Folge war 36 Sekunden nach dem Vorspann in der Folge Die chinesische Prinzessin zu sehen.Westfälische Nachrichten: Münsters schnelle Leiche: Eine kuriose Studie über die Toten im „Tatort“, Medien, dpa, 29. November 2013Münstersche Zeitung: Tatort Taschenrechner: Projekt sammelt makabre Zahlen über den Sonntags-Krimi, Titelseite, Benjamin Konietzny, 29. November 2013

In dieser Folge sind Ausschnitte der Arie Nessun dorma aus der Oper Turandot von Giacomo Puccini zu hören.

Am Ende des Films bedankt sich Boerne bei seiner Assistentin und sagt das erste Mal „Frau Haller“ zu ihr.

Nie zuvor wurden die beiden Münsteraner Krimis Wilsberg sowie der Tatort um das in Münster tätige Ermittlerduo Thiel und Boerne binnen 24 Stunden ausgestrahlt, so wie dies mit Hengstparade und Die chinesische Prinzessin am 19. und 20. Oktober 2013 der Fall war.Westfälische Nachrichten: Teure Kunst, teure Pferde – An diesem Wochenende laufen gleich beide Kult-Krimis aus Münster, Medien, Münster, Harald Suerland, 19. Oktober 2013

Rezeption Kritiken Die Folge Die chinesische Prinzessin erhielt mehrheitlich positive Kritiken.

Überwiegend positive Kritiken Christian Buß aus der Redaktion des Spiegels schreibt, Die chinesische Prinzessin sei ein „überraschend guter Münster-‚Tatort‘“.Spiegel: Überraschend guter Münster-„Tatort“: Liebesgrüße aus dem Leichenkeller, Kultur, Christian Buß, 18. Oktober 2013 In dem „ersten starken Fall seit Jahren“ gingen „schwarzer Humor und Polit-Thrill“ zusammen. „Erotik als Freakshow, das passt sehr gut in den Münsteraner ‚Tatort‘“, in dem „der Professor ganz wuschig“ werde, als die „schöne Künstlerin das eine oder andere Organ aus dem Formaldehyd hebt, um es lasziv in ihren Händen zu wiegen“. Derweil versuche Kommissar Thiel „im Vollrausch“ seine „junge Kollegin Nadeshda Krusenstern zu becircen“, serviere „ihr zu Hause auf der Couch als Absacker Rotwein aus Maßkrügen und grinst dazu debil“. Bis hierhin entspreche die Handlung „der bisherigen Strategie der Verantwortlichen, Klamauk mit Krankem zu paaren“. Doch dann „markiert dieser ‚Tatort‘ nun einen Richtungswechsel im Münsteraner TV-Revier: Das genussvoll gegengeschnittene Gebalze von Boerne und Thiel führt geradewegs in einen (fast) seriösen Themen-Thriller.“ In dieser Folge, so urteilt Buß weiter, „halten sich nun thematische Präzision und schwarzer Humor die Waage“. Mit dem „gekonnt politisch aufgeladenen Fall“, der „leichthändig, aber niemals fahrlässig“ daherkomme, sei der Neuanfang „interessant“ ausgefallen, denn „Boerne und Thiel sind richtig gut, wenn man sie lässt“.