mini|Frontseite der Mars-la-Tour-Kaserne mit dem Spruchband PENINSULA • SICILIEN • WATERLOO • MARSLATOUR als Hinweis auf die Feldzüge und Schlachten, an denen Braunschweigische Einheiten im 18. und 19. Jahrhundert teilgenommen haben. Die Geschichte der Stadt Braunschweig als Garnisonsstadt begann 1671Georg Ortenburg: Braunschweigisches Militär. Elm Verlag, Cremlingen 1987, ISBN 3-9800219-6-3. und endete im Oktober 2003Bettina Thoenes: Ende einer traditionsreichen Garnison. In: Braunschweiger Zeitung. 11. Juni 2003. (kostenpflichtiger Zugang, braunschweiger-zeitung.de). mit der Auflösung der letzten beiden Kasernen, der Roselies- und der Heinrich-der-Löwe-Kaserne. Damit endete nach 332 Jahren die Geschichte der Garnisonsstadt Braunschweig.

Überblick Die Stadt Braunschweig war seit 1671, nach der Unterwerfung durch die Braunschweiger Herzöge, bis zum Abzug der letzten Bundeswehreinheiten im Jahr 2003 eine Garnisonsstadt. Die Soldaten wurden zunächst in Bürgerhäusern einquartiert. Da dies jedoch oftmals zu Beschwerden durch die Bewohner führte, wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die ersten Kasernen in der Stadt errichtet. Das Militär diente nicht nur zum Kampf gegen äußere Feinde, sondern übte – je nach Epoche – auch eine Ordnungs- und Repressionsfunktion in Stadt und Land aus.

Nach 1955 bezog die Bundeswehr die Stadt. Ihre Präsenz in Braunschweig endete 2003. auf ratsinfo.braunschweig.de, abgerufen am 23. Oktober 2013.

Garnisonsstadt ab 1671 Die Ära bis zur Reichsgründung 1671 bis 1871

Die Stadt Braunschweig und die Stadt Wolfenbüttel waren die beiden einzigen mit Befestigungsanlagen versehenen Städte im ehemaligen Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Nach ihrer Belagerung und Unterwerfung durch die Herzöge wurde Braunschweig 1671 zur fürstlichen Garnison erhoben und zum Standort des fürstlichen Heeres, dessen Truppenstärke im Laufe der Jahre variierte. Zu dieser Zeit gab es je eine Kompanie Leibgarde zu Ross und zu Fuß sowie zwei Kompanien des Reiterregiments, die Infanterieregimenter „von Stauffen“, „von Schönberg“ und „von der Brüggen“ und die Artillerie. Die stationierten Verbände setzten sich stets aus mehreren Regimentern zusammen. Selbst in Zeiten des Friedens stand in der Stadt immer ein gewisses Kontingent an braunschweigischen Soldaten unter Waffen bereit.

Die 1756 errichtete Ägidienkaserne war die erste Braunschweiger Kaserne. Sie wurde auf dem Platz des ehemaligen Ägidien-Klosterhofes errichtet (seit 1853 Lessingplatz). Bis 1825 folgte der Bau dreier weiterer Kasernen: Augusttor-Kaserne (1806), Burg-Kaserne (1808) und Magnitor-Kaserne (Kavallerie-Kaserne, 1825). Die Zustände in den Kasernen waren bis zum Jahr 1843 unzureichend. So gab es Berichte nach denen beispielsweise die Burgkaserne seit 1820 als baufällig bezeichnet wurde und einem drohenden Einsturz 1832 nur unzureichend durch notdürftige Reparaturen begegnet wurde. Die Kasernengebäude waren schlecht gedämmt und die Zimmer und Schlafsäle waren häufig überbelegt und die Luftzirkulation zusätzlich im Winter durch mit Decken verhängte Fenster beeinträchtigt. In die Obergeschosse der Ägidienkaserne drang sogar bei Regen Wasser ein, wodurch eine Nutzung der Räumlichkeiten nicht mehr möglich war. 1837 wurde daher der Bau einer neuen Infanteriekaserne beschlossen, in der es teilweise getrennte Schlaf- und Wohnräume für Soldaten gab. 1841 zog dort das erste Bataillon ein. Neben den Kasernen gab es für die Soldaten ein Militärhospital sowie eine eigene Garnisonschule. Diese war aus der St. Aegidienschule hervorgegangen, stand jedoch den Mannschaftsdienstgraden nicht zur Verfügung, da es diesen untersagt war zu heiraten oder eine Familie zu gründen. Am 20. Februar 1847 verstarb der Abt Franz August Christian Westphal, Direktor der Waisenhaus- und Garnisonschule und Domprediger. und Stadtchronik: 20. Februar 1847 auf braunschweig.de, abgerufen am 12. Februar 2016. Im Jahr 1852 wurden die beiden Freischulen und die beiden Bürgerschulen sowie die Waisenhaus- und Garnisonschule zusammengefasst und einem gemeinsamen städtischen Schulvorstand und Schuldirektor unterstellt.Stadtchronik: 1852 auf braunschweig.de, abgerufen am 12. Februar 2016.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden beim Steinbruch am Nußberg Schießstände für die Ausbildung der Soldaten der Garnison angelegt. Diese wurden bis zum Jahr 1919 genutzt. Zu Ehren des Generalmajors Johann Elias Olfermann (1776–1822), der die Braunschweigischen Truppen nach dem Tod des Herzogs befehligt und in der Schlacht von Quatre-Bras angeführt hatte, wurde im Jahr 1832 unweit der Schießstände eine Gedenksäule aufgestellt.Nußberg (mit Karte) auf braunschweig.de, abgerufen am 12. Mai 2023.

1816 wurde die Militär-Administrations-Kommission geschaffen, die für die Militärverwaltung zuständig war. Ab 1826 wurden diese Aufgaben vom Herzoglichen Kriegs-Collegium übernommen. Ihm oblagen die Verwahrung der Kriegskasse, die Verwaltung der Kasernen, die Verpflegung, die Versorgung sowie das Zeughaus und das Militärhospital. Hierarchisch war der jeweilige Herzog Oberbefehlshaber des braunschweigischen Militärs, ihm unterstand der Kommandant des aktiven Korps, ab 1848 war dies der Brigadekommandeur. Der Garnisonsdienst wurde durch die Stadtkommandanten organisiert.Daniel Weßelhöft: Die Geschichte des braunschweigischen Militärs nach 1815. In: , abgerufen am 22. Oktober 2013. (PDF)

+ Braunschweiger Stadtkommandanten Zeitraum Dienstgrad Name1813 bis 1821 Generalleutnant Johann Heinrich Carl von Bernewitz1821 bis 1830 Generalleutnant Johann Carl Moll, abgerufen am 22. Oktober 2013.1830 bis 1835 Generalleutnant Friedrich August von Herzberg1835 bis 1847 Generalleutnant Ernst von Schrader1847 bis 1851 Generalmajor Heinrich August Christian von Brandenstein, abgerufen am 22. Oktober 2013.1851 bis 1855 Generalleutnant Johann Heinrich Ernst Gustav von Normann, abgerufen am 22. Oktober 2013.1855 bis 1867 Generalleutnant Alexander Leopold von Erichsen

Zwischen den Soldaten und Teilen der Braunschweiger Einwohnerschaft, vor allem der Unterschicht, gab es latente Spannungen, die in Krisenzeiten oder bei besonderen Anlässen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führen konnten.Ein Beispiel aus dem Jahre 1845 beschreibt Hans-Gerhard Husung: Volkstümliche Gerechtigkeitsvorstellungen und Kriminalrecht im Herzogtum Braunschweig – Volksprotest und Verfolgungspraxis am Ende der 1840er Jahre. In: Werner Pöls, Klaus Erich Pollmann (Hrsg.): Moderne Braunschweigische Geschichte. Georg Olms Verlag, Hildesheim 1982, ISBN 3-487-07316-1, S. 71–94.

Erster Weltkrieg 1914 bis 1918 Als im Jahr 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wirkte sich dieser auch auf das Herzogtum Braunschweig aus. Am 4. August dieses Jahres stimmte die Berliner Reichstagsfraktion der SPD den „Kriegskrediten“ im Rahmen des sogenannten „Burgfriedens“ zu. Da Braunschweig eine Garnisonsstadt war und das Infanterie-Regiment Nr. 92 sowie das Husaren-Regiment Nr. 17 dort stationiert waren, blieb die Stadt von diesen politischen Ereignissen nicht unberührt. Die Generalmobilmachung am 1. August stieß auf Zustimmung und eine Einheit der Braunschweiger Husaren rückte unter den Beifallsrufen der Bevölkerung aus der Kaserne aus.

Bereits am 31. Juli hatte der Herzog Ernst August seine Regierungsgeschäfte an die Herzogin Victoria Luise übergeben, um selbst als Offizier in der preußischen Armee zu dienen und in den Krieg zu ziehen. Mit der Mobilmachung zogen die Reservisten in die Braunschweiger Kasernen ein. Die dem Krieg eher skeptisch gegenüberstehende Braunschweiger SPD veröffentlichte in ihrer Zeitschrift „Volksfreund“ hingegen kritische Beiträge.Karlheinz Schonauer: 1914: Protokoll eines gewollten Krieges. Pro Business, Berlin 2012, ISBN 978-3-86386-225-1, S. 590. Die anfängliche Begeisterung für den Krieg wurde schnell gedämpft, als sich bereits in den ersten Kriegsmonaten die Todesmeldungen über braunschweigische Soldaten in der Stadt häuften. Daraufhin wurden in der Stadt Lazarette, wie das Schloss-Lazarett, auf arge-deutsche-geschichte.de, abgerufen am 29. Oktober 2013. eingerichtet und Frauen in der medizinischen Versorgung ausgebildet. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs wurde mit der Militär-Fliegerstation Braunschweig-Broitzem am 1. April 1917 auf einer Fläche von rund 95 Hektar der erste vollwertige Flugplatz der Stadt in Betrieb genommen. Die Rüstungsproduktion bekam einen hohen Stellenwert innerhalb der Stadt, die Unternehmen wurden auf Kriegsproduktion umgestellt und viele Frauen wurden, da es an Arbeitskräften mangelte, in diesen Betrieben beschäftigt. Davon profitierten insbesondere Unternehmen, die Konserven oder Maschinen herstellten. Infolge dieser Umstrukturierung kam es schon bald zu einem Mangel an Lebensmitteln, da nicht genügend Landarbeiter für die Ernte bereitstanden. Brot und Gemüse mussten rationiert werden und die Unzufriedenheit innerhalb der Stadtbevölkerung nahm zu.

Als schließlich im Oktober 1918 die Nachrichten über die Forderung nach einer Abdankung Kaiser Wilhelms II. Braunschweig erreichten, kam es auch hier im November zu Demonstrationen auf dem Leonhardplatz. Am 6. November wurde das Gefängnis erstürmt und das Polizeipräsidium sowie der Bahnhof durch die Demonstranten besetzt. Zwei Tage später wurde ein „Arbeiter- und Soldatenrat“ gewählt und der Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel dankte noch am selben Tage ab. Damit endete die Herrschaft der Welfen in Braunschweig am 8. November 1918. Anschließend rief der Arbeiter- und Soldatenrat die „Sozialistische Republik Braunschweig“ aus.

Weimarer Republik 1920 bis 1933 Aufgrund des Versailler Vertrages durfte Deutschland nur Landstreitkräfte mit höchstens 100.000 Mann unterhalten. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden zunächst vom Reichswehr-Infanterie-Regiment 20 in der Stadt stationiert:Verzeichnis der Standorte. Erlass des Reichswehrministeriums v. 12. Juni 1920, Heeresverordnungsblatt S. 531 ff. Stab I. Bataillon Minenwerferkompanie Stab und ein Drittel der Nachrichtenkompanie

Am 1. Januar 1921 wurde aus Verbänden des Übergangsheeres das 17. Infanterie-Regiment der Reichswehr gebildet, das seinen Regimentsstab in Braunschweig hatte. Für das Ende der 1920er Jahre sind folgende Stationierungen im Land Braunschweig belegt:Braunschweigisches Staatsministerium (Hrsg.): Staatshandbuch für den Freistaat Braunschweig. Braunschweig 1929, , S. 124 f.

Infanterie-Kaserne, Braunschweig, Humboldtstr. 30–33 Standortältester Braunschweig Stab des 17. Infanterie-Regiments I. (Braunschw.) Bataillon des 17. Infanterie-Regiments mit der 1. bis 3. Kompanie, 4. Maschinengewehrkompanie Militärverwaltungsbehörden

Husaren-Kaserne, Braunschweig, Altewiekring 20 2. und 4. Kompanie sowie 13.(Braunschw.) Minenwerferkompanie des I. Bataillons

Braunschweig, Gliesmaroder Straße 29 Standortlazarett Braunschweig und Standortarzt

Artillerie-Kaserne, Wolfenbüttel, Lindener Straße 16 Standortältester Wolfenbüttel 7. Batterie des 6. (Preuß.) Artillerie-Regiments 9. (Kw.) Batterie des 6. (Preuß.) Artillerie-Regiments Sanitätsstaffel Wolfenbüttel der Sanitäts-Abteilung 6

Nationalsozialismus 1933 bis 1945