mini|hochkant|Andrej Babiš (2025) Andrej Babiš [] (* 2. September 1954 in Bratislava, Tschechoslowakei) ist ein tschechischer Unternehmer und Politiker slowakischer Herkunft. Seit dem 9. Dezember 2025 ist er zum zweiten Mal Ministerpräsident Tschechiens, nachdem er das Amt bereits vom 13. Dezember 2017 bis zum 28. November 2021 innehatte. Babiš ist Gründer sowie Eigentümer der Holdinggesellschaft Agrofert. Das Magazin Forbes schätzt sein Vermögen 2025 auf 81 Milliarden Kronen (rund 3,3 Mrd. Euro), er ist somit der siebtreichste Tscheche.

Mit der politischen Protestbewegung ANO 2011 stieg Babiš in die Politik ein und wurde 2014 Finanzminister im Kabinett Bohuslav Sobotka. Nach seiner Abberufung am 24. Mai 2017 wegen Verdachts auf Steuerbetrug und Beeinflussung von MedienFinanzministerwechsel. Babiš abberufen, Pilný ernannt auf Radio Praha, 24. Mai 2017 gewann ANO die Abgeordnetenhauswahl im Oktober 2017 deutlich. Nach Bildung einer Minderheitsregierung und langwierigen Regierungsverhandlungen sprach das Abgeordnetenhaus dem zweiten Kabinett Babiš am 12. Juli 2018 das Vertrauen aus. Bei den Wahlen 2021 landete ANO auf dem zweiten Platz und Babiš wechselte in die Opposition. Bei der Präsidentschaftswahl im Januar 2023 unterlag Babiš in der Stichwahl dem parteilosen Kandidaten Petr Pavel.

Mit einer rechtspopulistischen Positionierung gewann ANO die Abgeordnetenhauswahl 2025 deutlich.

Wegen des Verdachts des Subventionsbetrugs, der Förderung seiner Unternehmen durch EU-Gelder, als er Finanzminister war, und wegen seiner Geschäfte mit Briefkastenfirmen, wie sie durch die Pandora-Papers bekannt wurden, gab es Korruptionsvorwürfe gegen Babiš. Im Januar 2023 wurde er in einem Fall gerichtlich freigesprochen.

Leben Sein Vater Štefan Babiš war im tschechoslowakischen Außenhandel tätig und DiplomatE15.cz: Miliardář Babiš koupil Ringier za čtyři miliardy korun financninoviny.cz 24. Juni 2013 ( eingelesen am 1. Dezember 2013)kurier.at 20. Oktober 2013: Auch in Tschechien mischt ein Milliardär die Politik auf, weswegen Babiš einen Teil seiner Kindheit in Paris und in Genf verbrachte. Sein Vater stammte aus Hlohovec (Slowakei), seine Mutter Adriana Babišová, geborene Scheibnerová, war Karpatendeutsche aus Jassinja (heute Ukraine). Ihre Familie wanderte hierhin Anfang des 19. Jahrhunderts aus der Mittelslowakei ein.Andrej Babiš má kořeny v ukrajinské Jasini. Mezi tamními karpatskými Němci, denik.cz, 24. Juni 2025, abgerufen am 29. Juni 2025

Nach der Matura 1974 in Genf studierte Andrej Babiš bis 1978 an der Fakultät für Handel der Wirtschaftsuniversität Bratislava und erreichte dort einen Abschluss als Wirtschaftsingenieur. Danach arbeitete er für Chemapol Bratislava. 1978 wurde er Kandidat und 1980 Mitglied der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ). 1985 wurde Babiš für das staatliche Außenhandelsunternehmen Petrimex nach Marokko entsandt, von wo er nach der Samtenen Revolution 1991 nach Prag zurückkehrte.

Babiš ist zum zweiten Mal verheiratet und hat je zwei Kinder aus erster und zweiter Ehe. Im April 2024 gab er die Trennung von seiner zweiten Ehefrau Monika bekannt.

Unternehmer mini|Hauptquartier von Babišs Unternehmen Agrofert im Prager Stadtteil Chodov Kurz nach seiner Rückkehr aus Marokko und der Auflösung der Tschechoslowakischen Föderativen Republik gründeten die Petrimex unter Außenamtsstaatssekretär Anton Rakický und Babiš mit Krediten der US-amerikanischen Citibank die Holdinggesellschaft Agrofert,junge Welt vom 11. Oktober 2013 / Reinhard Lauterbach: Ein Oligarch macht Politik (Ausland, Seite 7)„Ich bin ja nicht Gott“. WIWO vom 18. Juni 2013Handelsregister auf justice.cz, Wirtschafts-Identifikationsnummer (IČ) 48117072, AGROFERT, spol. s r.o. deren Direktor Babiš 1993 wurde. Laut die tageszeitung behauptet Babiš, dass es alte Freunde aus Schweizer Zeiten gewesen seien, die mit einer Firma namens Ost Finanz und Investment AG (O.F.I.) 1995 bei Agrofert einstiegenDer Berlusconi von Prag, taz.de vom 25. Oktober 2013tagesanzeiger.ch vom 31. Oktober 2013 / Michael Soukup: Der Überflieger mit der Schweizer Briefkastenfirma, abgerufen am 3. Dezember 2013 und er das Unternehmen so übernehmen konnte. Unter seiner Leitung entwickelte sich Agrofert schnell zu einem der führenden Unternehmen der tschechischen Agrar-, Chemie- und Lebensmittelindustrie und expandierte massiv ins Ausland. 2011 besaß Agrofert über 230 Tochterunternehmen und ist heute viertgrößter Konzern Tschechiens.

Seit 2006 ist Agrofert Alleineigentümer des deutschen Agrochemie-Unternehmens SKW Piesteritz. Anfang 2013 übernahm Agrofert die deutsche Großbäckerei Lieken AG (mit den Marken Golden Toast und Lieken Urkorn) von Barilla.Neuer Lieken-Eigentümer will Produktion steigern in Rheinische Post vom 25. Mai 2013

Eine Tochtergesellschaft von Babiš’ Agrofert, die AGF Media a.s., übernahm Ende Juni 2013 das Medienunternehmen MAFRA von der Rheinischen Post, welches u. a. die tschechischen Tageszeitungen Mladá fronta Dnes, Lidové noviny und die Gratis-Zeitung Metro herausgibt und an Internetportalen, privaten Fernsehsendern und Druckereien beteiligt ist.Steht Tschechien vor einer Berlusconisierung? EJO – European Journalism Observatory vom 5. September 2013Rheinische Post Mediengruppe verkauft Aktivitäten in der Tschechischen Republik, Pressemitteilung der Rheinische Post Mediengruppe vom 26. Juni 2013 Der Verkauf wurde im August genehmigt und kurz vor der Wahl im Oktober 2013 vom tschechischen Kartellamt genehmigt.Agrofert hat offiziell Verlagshaus Mafra übernommen

Laut dem Nachrichtenmagazin Týden war Babiš 2013 mit einem Vermögen von 115 bis 140 Mrd. KronenPetr Kellner kraluje žebříčku nejbohatších Čechů a Slováků, Nachrichtenmagazin Týden vom 16. Oktober 2013, online auf: tyden.cz/... nach Petr Kellner der zweitreichste Bürger Tschechiens. Das Magazin Forbes führte ihn im November 2015 als „reichsten Slowaken“.Andrej Babis richest Slovak again – Forbes. In: ceskenoviny.cz, 5. November 2015.

Politiker Parteigründung und Finanzminister mini|Babiš als Finanzminister mit dem österreichischen Außenminister Sebastian Kurz 2015 Im November 2011 gründete Babiš die Partei ANO 2011 (deutsch „Ja“ und zugleich das Akronym für „Aktion unzufriedener Bürger“, tschechisch Akce nespokojených občanů, die Vorläuferin der ANO-Partei), die bei der vorgezogenen Abgeordnetenhauswahl 2013 mit 18,65 % zweitstärkste Kraft im Abgeordnetenhaus wurde. Babiš trat als Spitzenkandidat seiner Partei in der Hauptstadt Prag an. Die Sozialdemokraten (ČSSD) unter Bohuslav Sobotka einigten sich auf eine Koalitionsregierung mit ANO und den Christdemokraten (KDU-ČSL) eine Koalitionsregierung, in welcher Babiš ab dem 29. Januar 2014 Finanzminister und erster stellvertretender Ministerpräsident war.

Am 2. Mai 2017 kündigte Ministerpräsident Sobotka aufgrund von Steuerbetrugsvorwürfen gegen Babiš den Rücktritt seiner Regierung an.Frankfurter Rundschau: Tschechischer Ministerpräsident Sobotka kündigt seinen Rücktritt an. Abgerufen am 2. Mai 2017. Da Präsident Miloš Zeman andeutete, nur Sobotkas Rücktritt, nicht jedoch den der gesamten Regierung anzunehmen, legte Sobotka dem Präsidenten schließlich nur die Entlassung Babiš' vor.Nachfolger gefunden. Umstrittener Finanzminister stimmt Rücktritt zu Radio Praha, 18. Mai 2017 Als neuer Finanzminister wurde Ivan Pilný (ANO) ernannt.

Ministerpräsident mini|Babiš mit dem indischen Staatspräsidenten Ram Nath Kovind in Prag 2018 Bei der Abgeordnetenhauswahl am 20./21. Oktober 2017 gewann die Partei ANO 2011 mit 29,64 % der abgegebenen Stimmen 78 von 200 Mandaten und wurde damit mit Abstand stärkste politische Kraft des Landes, obwohl Spitzenkandidat Babiš verdächtigt wurde, EU-Subventionen erschlichen zu haben. Die zweitstärkste Partei, die ODS, erhielt nur 11,32 %.Volby do Poslanecké sněmovny Parlamentu České republiky konané ve dnech 20.10.–21.10.2017, Angaben des Tschechischen statistischen Amtes ČSÚ, online auf: volby.cz/pls/ Staatspräsident Miloš Zeman beauftragte Babiš mit der Regierungsbildung und vereidigte am 13. Dezember das Kabinett Andrej Babiš, bei dem es sich um eine Minderheitsregierung der Partei ANO mit bisher nicht ausverhandelter parlamentarischer Unterstützung handelte, da sich die anderen Parteien unter anderem aufgrund der Subventionsvorwürfe verweigerten zu koalieren.

Am 16. Januar 2018 verlor die Regierung die vorgeschriebene Vertrauensfrage, die gemäß der Verfassung spätestens 30 Tage nach der Ernennung erfolgen muss.FAZ.net: Tschechischer Ministerpräsident stellt VertrauensfrageRegierungschef Babis verliert Vertrauensabstimmung. Spiegel Online, 16. Januar 2018 Die 78 ANO-Abgeordneten sprachen Babiš das Vertrauen aus, 117 Abgeordnete stimmten dagegen. Daraufhin reichte Babiš den Rücktritt seiner Regierung ein. Präsident Zeman nahm diesen an und teilte noch am gleichen Tag mit, dass er Babiš noch eine weitere Chance für die Mehrheitsfindung einräume und es somit nicht zu Neuwahlen komme.Tschechiens Regierung tritt zurück. Spiegel Online, 24. Januar 2018 Babiš hatte zuvor die Aufhebung seiner Immunität gefordert, um die gegen ihn erhobene Korruptionsvorwürfe ausräumen zu können. Das Parlament hob daraufhin seine Straffreiheit als Abgeordneter auf.

Nach erfolgreichen Verhandlungen mit dem Vorsitzenden der ČSSD Jan Hamáček wurde am 27. Juni 2018 die neue Koalitionsregierung angelobt. Die Minderheitsregierung stützt sich im Abgeordnetenhaus auf die Stimmen der Kommunisten (KSČM).

Am 26. Juni 2019 überstand Babiš eine wegen Korruptionsvorwürfen (siehe unten) von fünf Oppositionsparteien beantragte Misstrauensabstimmung im Parlament.

mini|Demonstration auf dem Letná-Gelände in Prag 2019mini|Babiš mit US-Außenminister Mike Pompeo 2020 Am 4. Juni 2019 forderten bis zu 120.000 Demonstranten auf dem Wenzelsplatz Babiš’ Rücktritt.Prager Zeitung:Beginn der Götterdämmerung?Zehntausende fordern auf dem Prager Wenzelsplatz den Rücktritt von Regierungschef Babis Einige Wochen später, am 23. Juni 2019, protestierten bei der größten Demonstration in Prag seit 30 Jahren mindestens 250.000 Teilnehmer, die unabhängige Ermittlungen gegen Babiš sowie erneut seinen sofortigen Rücktritt forderten.Zehntausende demonstrieren in Prag gegen Regierungschef Babis, Spiegel Online, 23. Juni 2019 Diese Demonstrationen führten zu keinem greifbaren Ergebnis auf der tschechischen politischen Bühne.

Auf den Ausbruch der COVID-19-Pandemie in Tschechien im März 2020 reagierte die Regierung mit weitgehenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Galt Tschechien am Beginn der Pandemie noch als Musterland bei der Bekämpfung des Virus, stiegen die Infektionszahlen ab Mitte September 2020 am stärksten in Europa.Niklas Zimmermann: Tschechischer Corona-Rekord: Vom Musterschüler zum Sorgenkind FAZ, 9. September 2020

Anfang Juni 2021 überstand Babiš einen Misstrauensantrag, den die tschechische Opposition aufgrund der von der tschechischen Polizei empfohlenen Anklage im Zusammenhang mit dem Fall „Storchennest“ stellte.

Oppositionspolitiker Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus 2021 wurde er erneut zum Abgeordneten gewählt. Als Vorsitzender der größten Parlamentsfraktion war er ab der Bildung des Kabinetts Fiala Ende 2021 Oppositionsführer.

Am 30. Oktober 2022 gab Babiš bekannt, bei der Präsidentschaftswahl 2023 anzutreten.Mířím na Hrad. Andrej Babiš potvrdil kandidaturu na prezidenta Nova am 30. Oktober 2022 Am 4. November 2022 reichte er beim Innenministerium eine Kandidatenliste mit 56 Unterschriften von Abgeordneten der ANO-Bewegung ein und wurde in der Folge zum offiziellen Kandidaten der tschechischen Präsidentschaftswahlen 2023. Beim ersten Wahlgang am 13. und 14. Januar 2023 war er mit 35 Prozent der Stimmen zweitstärkster Kandidat. In der Stichwahl am 27. und 28. Januar erreichte er 41,7 Prozent der Stimmen und unterlag somit seinem Kontrahenten Petr Pavel deutlich.