Die Liste der Klassischen Philologen an der Eberhard Karls Universität Tübingen zählt Vertreter dieses Faches auf, die an der Universität Tübingen seit der Gründung der Universität (1477) gelehrt und geforscht haben. Die Klassische Philologie ist am Philologischen Seminar (gegründet 1838), innerhalb der Philosophischen Fakultät, angesiedelt und derzeit mit drei Lehrstühlen vertreten (Griechische Philologie: Irmgard Männlein, Lateinische Philologie: Robert Kirstein, Lateinische Philologie mit einem zusätzlichen Schwerpunkt in der Buchgeschichte: Anja Wolkenhauer).

Geschichte Die griechische und lateinische Sprache wurden an der Universität Tübingen seit ihrer Gründung gelehrt. In der Frühen Neuzeit, namentlich nach der Reformation, wirkten mit Johannes Reuchlin, Jakob von Jonas und Joachim Camerarius berühmte Gelehrte in Tübingen. Besondere Bedeutung hatte die langjährige Tätigkeit von Martin Crusius (1526–1607), der Studenten aus vielen deutschen und europäischen Staaten anlockte. Dennoch blieb das Latein- und Griechischstudium auf die Vorbildung von Juristen, Medizinern und Theologen beschränkt.

Die Auswirkungen des Neuhumanismus zeigten sich in Tübingen erst verhältnismäßig spät. Der erste bedeutende Tübinger Philologe im 19. Jahrhundert war Gottlieb Lukas Friedrich Tafel (1787–1860), der vor allem durch seine Forschungen zu Pindar und seinen späteren Kommentatoren bekannt war. Gemeinsam mit Ernst Christian Walz (1802–1857), dem Herausgeber der Rhetores Graeci, war er Leiter des Philologischen Seminars, das auf königlichen Beschluss 1838 gegründet wurde. Das Seminar sollte (wie andere, schon lange existierende Einrichtungen dieser Art in Deutschland) die Qualität der Lehrerausbildung in Württemberg heben. Die Reform des philologischen Studiums in Tübingen ging jedoch auch nach der Gründung des Seminars nur langsam voran, weil die Theologen und Philosophen ihren Einfluss auf den Studiengang (ihre Hilfsdisziplin) weiterhin geltend machten. So klagte noch der spätere Leiter des Seminars Wilhelm Siegmund Teuffel (1820–1878) im Jahr 1876 bei seiner Begrüßungsrede der 31. Philologenversammlung in Tübingen: „Es ist freilich nicht viel was wir Ihnen bieten können. […] In Tübingen fanden die Fortschritte welche die philologische Wissenschaft seit Wolf besonders durch G. Hermann und A. Böckh, weiterhin durch Lachmann und Ritschl machte nur sehr langsam und unter schweren Kämpfen Eingang.“Verhandlungen der einunddreissigsten Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner in Tübingen vom 25. September bis 28. September 1876. Leipzig 1877, S. 1f. So waren auch bis dato die bedeutenden Tübinger Philologen keine Zöglinge des Seminars, sondern weitgehend Autodidakten gewesen.

Ein Umschwung zeichnete sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ab: Neben Teuffel, der als Herausgeber der Real-Encyclopädie der classischen Alterthumswissenschaft und der Geschichte der römischen Litteratur große Verdienste erworben hatte, wirkte der Epigraphiker und Kulturhistoriker Ernst von Herzog (1834–1911) und der Literaturwissenschaftler und Archäologe Ludwig von Schwabe (1835–1908). Zu Teuffels Nachfolger wurde mit Erwin Rohde (1845–1898) ein erstklassiger Philologe aus der Ritschl-Schule berufen, der acht Jahre lang in Tübingen wirkte. Sein Nachfolger wurde Otto Crusius (1857–1918), der in Tübingen seine Studien über Herodas und die delphischen Hymnen verfasste.

Um die Jahrhundertwende gab es einen Generationenwechsel in Tübingen: Auf Otto Crusius folgte Wilhelm Schmid (1859–1951), ein Kenner der griechischen Literaturgeschichte; Ernst von Herzog wurde emeritiert und ihm folgte Gotthold Gundermann (1856–1921), ein Latinist und Wissenschaftshistoriker. Beide wirkten fast zwei Jahrzehnte nebeneinander, ab 1903 regelmäßig unterstützt von einem Assistenten (bzw. außerordentlichen Professor). Als Nachfolger Gundermanns wirkte von 1921 bis 1954 Otto Weinreich (1886–1972), der die lateinische Dichtung und die antike Religionsgeschichte gleichermaßen beherrschte. Den gräzistischen Lehrstuhl hatten nacheinander Johannes Mewaldt, Hans Herter und Friedrich Focke inne.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg trat eine regelrechte Blüte der Klassischen Philologie in Tübingen ein: Den Lehrstuhl für Gräzistik nahm 1950 Wolfgang Schadewaldt (1900–1974) ein. Neben ihm wirkten der Latinist und Germanist Ernst Zinn (1910–1990), der Religionswissenschaftler Hildebrecht Hommel (1899–1996), der Rhetoriker Walter Jens (1923–2013) und der Musikwissenschaftler Günther Wille (1925–1996). Der nächsten Generation gehörten Hubert Cancik, Heinz Hofmann, Richard Kannicht und Ernst A. Schmidt an. Schadewaldts Forschungsschwerpunkt, die Philosophie Platons, verstätigte sich auch nach seiner Emeritierung durch die Berufung seiner Schüler Konrad Gaiser (1929–1988) und Thomas A. Szlezák (1940–2023).

Liste der Klassischen Philologen Angegeben ist in der ersten Spalte der Name der Person und ihre Lebensdaten, in der zweiten Spalte wird der Eintritt in die Universität angegeben, in der dritten Spalte das Ausscheiden. Spalte vier nennt die höchste an der Universität Tübingen erreichte Position. An anderen Universitäten kann der entsprechende Dozent eine noch weitergehende wissenschaftliche Karriere gemacht haben. Die nächste Spalte nennt Besonderheiten, den Werdegang oder andere Angaben in Bezug auf die Universität oder das Seminar. In der letzten Spalte stehen Bilder der Dozenten.