mini|Nordabschnitt mit Katharinenturm, 2016 Der Breite Weg ist die Hauptgeschäftsstraße in der Altstadt von Magdeburg. Aufgrund großzügiger Palaisbauten und Bürgerhäuser im Stil des Barock galt er zeitweise als schönste Barockstraße Deutschlands. Im Zweiten Weltkrieg wurden bis dahin noch erhaltene barocke und historische Gebäude weitgehend zerstört.

Lage Der Breite Weg verläuft als Hauptgeschäftsstraße der Stadt Magdeburg in Nord-Süd-Richtung über etwa 2,1 Kilometer zwischen dem Universitätsplatz im Norden und dem Hasselbachplatz im Süden, auf kompletter Länge durch die Magdeburger Altstadt. Einst verband er so das Krökentor, als ein nördliches Stadttor, mit dem Alten Sudenburger Tor im Süden.

Geschichte mini|Breiter Weg 174–180, um 1930 Mittelalter Der Breite Weg war die wichtigste und breiteste Verkehrsstraße der Stadt Magdeburg und wurde erstmals wegen des Stadtbrandes von 1207 in der Schöppenchronik als brede weg erwähnt, 1225 wird er lateinisch als lata platea bezeichnet. Ursprünglich führte er als Heerstraße an den mittelalterlichen Siedlungskernen um den Magdeburger Dom und den Johannisberg vorbei, die sich östlich der Straße befanden. Die älteste Stadtmauer Magdeburgs stand so östlich der Straße, zwischen Breitem Weg und Schwertfegerstraße/Schuhbrücke.Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt (Hrsg.), Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1. Magdeburg 1931, Seite 28 Der Breite Weg führte so außen an der Stadtmauer vorbei.

Im 12. Jahrhundert erfolgte unter Erzbischof Wichmann von Seeburg eine Stadterweiterung, bei der der Breite Weg Teil der Stadt Magdeburg wurde. Im Süden reichte der Breite Weg nun bis zum Sudenburger Tor. Diese südliche Ausdehnung blieb so bis 1872 bestehen. Die nördliche Stadtgrenze lag bei der Scharrnstraße, etwas nördlich des Ratswageplatzes. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gab es eine weitere Stadterweiterung nach Norden. Das Krökentor als nördliches Tor und Nordende des Breiten Wegs befand sich nun auf Höhe der Großen Steinernentischstraße. Eine weitere kleine Stadterweiterung folgte dann im 15. Jahrhundert. Das Krökentor entstand dann an der Stelle, die es bis ins 19. Jahrhundert einnahm. Der Breite Weg erhielt so sein noch heute bestehendes nördliches Ende und hatte nun eine Länge von etwa 1,5 Kilometern erreicht. Die Bebauung bestand aus diversen Patrizierhäusern, aber auch Kirchen und Klöstern. Der südlichste Teil, bis zu den Nummern 8 bzw. 196, etwa Höhe Leiterstraße, gehörte zur Stiftsfreiheit, der übrige Verlauf war Teil der Altstadt. Noch bis in die Zeit um 1700 befand sich auf dem Breiten Weg ein Schlagbaum, der die beiden Teile der Stadt trennte. In diesem Bereich befanden sich die Kurien der Domherren.

Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg und Wiederaufbau Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Straße 1631 weitgehend zerstört. Beim Wiederaufbau entstanden zumeist völlig neue Gebäude. Lediglich die Heideckerei (Nummer 148) und das Rochsche Haus (Nummer 203) sowie Katharinen- und Nikolaikirche wurden als Gebäude wieder aufgebaut.Landeshauptstadt Magdeburg (Hrsg.), Guido Skirlo: Der Breite Weg. Ein verlorenes Stadtbild. Magdeburg 2005, Seite 12 Der Wiederaufbau vollzog sich zunächst völlig ungeordnet. Zum Teil wurden Häuser nur notdürftig mit Materialien anderer Grundstücke oder der Stadtbefestigung nutzbar gemacht. Auffällig war ein reger, wohl spekulativer Handel mit Grundstücken unter wohlhabenden Magdeburger, an dem vor allem Ratsfamilien beteiligt waren. Ende des 17. Jahrhunderts ergab sich so ein sehr uneinheitliches Bild. Zwischen prächtigen Bauten standen notdürftige Behelfsbauten und lagen wüste Grundstücke. mini|Zwerchhaus des Hauses Zum Turm (Breiter Weg 12) 1692 wurde eine Baukommission eingesetzt. Sie erließ, wie auch der ab 1702 als Gouverneur eingesetzte Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, neue Bauvorschriften. So wurde das Anbringen von Erkern grundsätzlich verboten. Zum Teil mussten vorhandene Erker entfernt werden. Die Farbgebung wurde vereinheitlicht. Die Gebäude wurden nun gelb gestrichen, die Gewände von Türen und Fenstern sowie Verzierungen konnten weiß abgesetzt werden. Für Neubauten wurden Entwürfe, Zahl der Geschosse und Traufhöhen vorgegeben. In dieser brandenburg-preußischen Ausbauphase entstanden so vor allem zwischen 1720 und 1740 viele Gebäude mit aufwendigen Barockfassaden. Die Fassade waren häufig durch Gesimsbänder, Säulen und Pilaster geprägt. Besonders markant waren mehrgeschossige Giebel an den Zwerchhäusern der Gebäude. Sie waren mit Voluten versehen, die bis etwa 1739 zum Einsatz kamen. An den Ecken der Gesimse wurden Obelisken, Knöpfe und ähnliche Zierelemente positioniert. Oben auf den Giebeln befand sich häufig eine Statue oder ein ähnlich dekoratives Element.Landeshauptstadt Magdeburg (Hrsg.), Guido Skirlo: Der Breite Weg. Ein verlorenes Stadtbild. Magdeburg 2005, Seite 15 Es ergab sich auch eine besondere Konzentration auf die Umrahmung und Verdachung der Fensteröffnungen.Landeshauptstadt Magdeburg (Hrsg.), Guido Skirlo: Der Breite Weg. Ein verlorenes Stadtbild. Magdeburg 2005, Seite 13 Ornamente wurden hingegen nur wenig eingesetzt. Dies wurde später auch als „Magdeburger Barock“ bezeichnet. Hausvorsprünge wurden entfernt, zum Teil sogar vorstehende Bauteile abgesprengt.

Der Einfluss des Rokoko ist ab etwa 1740 feststellbar. Bei Bauten aus dieser Zeit verzichtete man auf die hohen Giebel, die ihre ursprüngliche Funktion als Speicher verloren hatten. Es dominierten nun niedrigere Sattel- oder Mansarddächer. Als oberer Abschluss der Fassade fand sich nun häufiger eine mit Figuren gezierte Attika.

Der Breite Weg galt als schönste Barockstraße Deutschlands. Er beherbergte hochwertige Geschäfte und Gaststätten und war die elegante Flaniermeile Magdeburgs und damit der gesamten Region.Eckhardt W. Peters Der breite Weg - zwischen Barock und Zukunft in Landeshauptstadt Magdeburg (Hrsg.), Guido Skirlo: Der Breite Weg. Ein verlorenes Stadtbild. Magdeburg 2005, Seite 438

mini|Breiter Weg, Westseite im südlichen Teil, Foto um 1930 Der südliche Anfang des Breiten Wegs befand sich dann am Alten Sudenburger Tor, dem südlichen Haupttor der Magdeburger Stadtbefestigung. Dies entspricht heute der Kreuzung mit der Danzstraße und somit fast der Mitte des Straßenverlaufs. Noch heute beginnt die Nummerierung des Breiten Wegs dort. Den nördlichen Abschluss bildete das Krökentor. Für den Bereich südlich der Bärstraße, bis zur ehemaligen Steinstraße, wurde zeitweise auch der Name Kornmarkt genutzt. Tatsächlich wurde hier noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts der Kornmarkt abgehalten. Bis zum 17. Jahrhundert befanden sich in diesem Bereich Häuser mit Kornspeichern. Der nördlichste Teil des Breiten Wegs, zwischen ehemaliger Zschokkestraße/Kleiner Steinernetischstraße und Krökentor wurde im 17. Jahrhundert häufig nicht mit zum Breiten Weg gezählt, sondern mit Vor dem Krökentor bezeichnet. Der Abschnitt war bis zur Verbreiterung um 1900 deutlich schmaler.Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt (Hrsg.), Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1. Magdeburg 1931, Seite 29 Sowohl im nördlich Abschnitt als auch im Bereich südlich der Leiterstraße orientierte sich der Breite Weg an historischen Gegebenheiten, so dass ein recht unregelmäßiger Verlauf bestand.

1845 wurden auf Initiative des Polizeidirektors und Landrats von Kamptz Bürgersteige angelegt. Man entschied sich für die Legung von teureren Granitplatten, wofür Kosten in Höhe von zwei Talern je Fuß Strecke entstanden. Die Kosten trugen die Grundstückseigentümer, wobei es Spenden für bedürftige Eigentümer gab. Der Bürgersteig wurde in einem Abstand von 3 Fuß zu den Häusern angelegt und war etwa 3,5 Fuß breit.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Zweiter Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 548

mini|Triumphtor auf dem Breiten Weg im Jahr 1871 Anlässlich des Einzugs nach dem Deutsch-Französischen Krieg zurückkehrender Truppen, wurde auf dem Breiten Weg, in Höhe der Prälatenstraße, 1871 ein temporäres Triumphtor errichtet.

Veränderungen im 19. und 20. Jahrhundert mini|Blick von Süden auf den Engpass, 1929 Das Erscheinungsbild als Barockstraße ging bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch bauliche Veränderungen verloren. Gebäude wurden aufgestockt, Läden eingebaut und Erker hinzugefügt. Neubauten wurden in einem historisierenden Stil ausgeführt. Weitere Veränderungen ergaben sich aufgrund des zunehmenden Verkehrs. Der auf den mittelalterlichen Grundstücksgrenzen beruhende unregelmäßig Straßenverlauf inklusive von Engpässen und die angrenzenden sehr engen Nebenstraßen stellten nun Verkehrshindernisse dar. Auf Basis des Fluchtliniengesetzes von 1875 erfolgten an mehreren Punkten Straßenverbreiterungen. Ab 1877 verkehrte eine Pferdebahn, die später in der Straßenbahn Magdeburg aufging und heute den Breiten Weg auf voller Länge befährt.

Ab der Wende zum 20. Jahrhundert entstanden an der größten Straße der Stadt vermehrt Warenhäuser, was den Charakter der Straße hin zu einer Einkaufsstraße veränderte. Zuvor nur auf Ladengeschäfte im Erdgeschoss beschränkte Läden wurden auch auf die oberen Geschosse ausgeweitet. Auch Büronutzungen nahmen zu. Dem Trend zu Warenhäuser wurden diverse erhaltene und für das Straßenbild prägende Bauten abgerissen, so die Heideckerei (Breiter Weg 148) und das Haus Zur goldenen Krone (Breiter Weg 154).

In den 1870er Jahren erfolgte eine Stadterweiterung, wobei der Breite Weg nach Süden verlängert wurde. Er umfasste auch den Hasselbachplatz und führte dann nach Südwesten über die heutige Hallische Straße bis zum Neuen Sudenburger Tor. Die Gesamtlänge betrug damit 2,5 Kilometer. 1934 wurde die Hallische Straße aus dem Breiten Weg herausgelöst und selbst benannt. Vermutlich wurden zugleich auch die Häuser am Hasselbachplatz neu adressiert und gehörten nun auch nicht mehr zum Breiten Weg.Landeshauptstadt Magdeburg (Hrsg.), Guido Skirlo: Der Breite Weg. Ein verlorenes Stadtbild. Magdeburg 2005, Seite 423 Seitdem hat der Breite Weg seine heutige Ausdehnung.

In den 1920er Jahren wurden im Zuge der Bewegung des Neuen Bauens diverse Fassaden von Häusern am Breiten Weg in auffallend bunten Farben gestaltet. Ab Mitte der 1920er Jahre wurden häufig Warenhäuser umgebaut, wobei Glasfassaden entstanden, so am Textilkaufhaus Brenninkmeyer, und den Häusern Breiter Weg 141, 142/143 und 148 bis 150. Es wurden auch Büroneubauten im Bereich des Domplatzes, des Staatsbürgerplatzes und im Breiten Weg 199/200 geplant, jedoch aufgrund der Weltwirtschaftskrise dann nicht mehr umgesetzt.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg mini|Ruinen am Breiten Weg