Der 1897 gegründete Deutsche und Österreichische Fechterbund (DÖFB) war die erste nationale Dachorganisation für Sportfechter im deutschsprachigen Raum. Von 1897 bis 1899 war er Ausrichter der deutschen Meisterschaften. Schon 1902 löste sich der Verband wieder auf. Erst 1911 entstand mit dem Deutschen Fechter-Bund eine Nachfolgeorganisation, die seitdem, nur unterbrochen durch die Zeit des Nationalsozialismus und des anschließenden Verbots des Sportfechtens in Nachkriegsdeutschland, für den Fechtsport in Deutschland verantwortlich ist. In Österreich wurde erst 1929 der heutige Österreichische Fechtverband gegründet.

Etablierung eines Vereinswesens und Vorgeschichte des DÖFB mini|In Deutschland wurde Ende des 19. Jahrhunderts das damals noch in fester Mensur ausgeübte Fechten (s. Abbildung) modernisiert.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Deutschland neben dem militärischen und studentischen Fechten das Sportfechten als eigenständige Disziplin. 1862 wurde mit dem Fechtclub Hannover von 1862 der erste deutsche Fechtverein gegründet, der allerdings noch stark vom militärischen Fechten geprägt war. Es folgten 1863 der Fechtclub Offenbach, 1865 der Fecht- und Turnklub Köln und 1873 der Fecht-Club Hermannia Frankfurt. Bis 1898 entstanden schließlich 27 Fechtvereine in Deutschland mit ungefähr 1300 Mitgliedern.Andreas Schirmer (Hrsg.), En Garde! Allez! Touchez! 100 Jahre Fechten in Deutschland – Eine Erfolgsgeschichte, Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2012. S. 21 f. Wettkampfwaffen waren zu dieser Zeit der schwere Säbel, „Schläger“ und Florett in fester Mensur.Henner Huhle, Helma Brunck, 500 Jahre Fechtmeister in Deutschland: ältester privilegierter Berufsstand, Historisches Museum Frankfurt am Main, 1987. S. 107. Erst später kamen der leichte Säbel und das Florett in loser Mensur hinzu: 1888 wurde auf dem ersten „Fechter-Kongress“ in Offenbach beschlossen, mit Florett und leichtem Säbel in loser Mensur zu fechten. Das hieß, dass im Gegensatz zum Fechten in fester Mensur, wie es im studentischen Fechten noch heute üblich ist, auch Beinbewegungen auf der Fechtbahn möglich waren.Andreas Schirmer (Hrsg.), En Garde! Allez! Touchez! 100 Jahre Fechten in Deutschland – Eine Erfolgsgeschichte, Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2012. S. 31. Unter Einfluss des Offenbachers Erckrath de Bary, des ersten Präsidenten des späteren Deutschen Fechter-Bundes, wurde des Weiteren die italienische Fechtschule eingeführt und italienische Fechtmeister in deutschen Fechtclubs angestellt. Diese Entscheidungen bedingten maßgeblich, das Sportfechten von den anderen Arten des Fechtens abzusetzen.

Am 2. Mai 1880 wurde mit dem Gauverband mittelrheinischer Fechtklubs erstmals ein regionaler Dachverband gegründet. Die Wettkämpfe dieses Verbandes konnten als erste Vorläufer nationaler Meisterschaften angesehen werden. Im Jahr 1887 fand in Mannheim das erste internationale Fechtturnier im Deutschen Reich statt an dem unter anderem auch Fechter aus Österreich teilnahmen. Auf Initiative des Wiener Fechtmeisters Hartl gründete sich im Anschluss ein Deutscher Fechterverband, dessen Aktivität sich auf eher nachrangige Aktivitäten wie gegenseitige Gratulationen auf Stiftungsfesten beschränkte. Ohne formal jemals aufgelöst worden zu sein, stellte der Verband seine Tätigkeit jedoch anscheinend bald wieder ein.Michael Wenusch, Geschichte des Wiener Fechtsports im 19. und 20. Jahrhundert (= Dissertationen der Universität Wien 3), WUV - Universitätsverlag, Wien 1996. S. 257f. Am 23. September 1896 gab es in Berlin einen ersten Versuch, nationale deutsche Meisterschaften auszutragen, an denen jedoch hauptsächlich Fechter aus dem Rheinland und Berlin teilnahmen. Mit dem amerikanischen Konsul Edward Breck war der erste Deutsche Meister im Florett ein US-amerikanischer Staatsbürger.Heiner Gillmeister: Edward Breck, Anglo-Saxon Scholar, Golf Champion and Master Spy, in: Mayami Sawada et al., eds., Language and Beyond. A Festschrift for Hiroshi Yonekura on the Occasion of His 65th Birthday, Tokyo: Eichosha Co., Ltd. 2007, pp. 33–56. Bei den im selben Jahr stattfindenden ersten olympischen Spielen der Neuzeit belegte der Deutschösterreicher Adolf Schmal im Florettwettbewerb den vierten Platz, es gab jedoch keinen einzigen reichsdeutschen Teilnehmer.

Während es in Österreich, wo das Sportfechten vor allem in Wien in Armee und Vereinen verbreiteter war als im Deutschen Reich, in den 1880er-Jahren noch weitere Versuche einer Verbandsgründung oder der Zusammenarbeit einzelner Clubs gab, wurde im Deutschen Reich erst nach den ersten deutschen Meisterschaften 1896 die Bildung eines Allgemeinen Fechtverbandes angestrebt. Zu diesem Zweck wurde im November ein Vorbereitungskomitee gegründet. Ihm gehörten ausschließlich Reichsdeutsche an, obwohl auch die österreichdeutschen Fechter im Verband vertreten sein sollten. Mitglieder waren unter anderem der erste deutsche Meister Edward Breck und Willibald Gebhardt, der später der erste Vorsitzende des neuen Verbandes werden sollte. Das Komitee erarbeitete einen Entwurf für die Verbandsstatuten und lud alle interessierten österreichischen und reichsdeutschen Vereine am 7. März 1897 zur Gründung des Deutschen Fechterbundes nach Berlin.Michael Wenusch, Geschichte des Wiener Fechtsports im 19. und 20. Jahrhundert (= Dissertationen der Universität Wien 3), WUV - Universitätsverlag, Wien 1996. S. 258–260.

Der DÖFB 1897–1902 Anfangsjahre mini|hochkant|Willibald Gebhardt, der erste Vorsitzende des Deutschen und Österreichischen Fechterbundes mini|hochkant|Bei den olympischen Spielen 1900 nahmen erstmals deutsche Fechter teil, sie schieden jedoch früh aus. Die erfolgreichsten österreichischen Fechter Flesch (Bild) und Neralić gewannen jeweils eine Bronzemedaille.

Vom 6. bis 7. März 1897 fand schließlich ein Fechtertag in Berlin statt, an dem der anfangs Deutscher Fechterbund genannte Verband gegründet wurde. Es nahmen 29 Vereine und elf Einzelpersonen teil, die insgesamt 1381 Fechter vertraten. Stimmenstärkster Teilnehmer war Franz Vogel vom Gauverband mittelrheinischer Fechtclubs, der insgesamt 76 der 164 Delegiertenstimmen vertrat. Franz Vistini, der Vertreter der deutschnationalen Vereine aus Österreich, war mit 22 Stimmen der zweitstimmstärkste Abgeordnete. Der Verbandsgründung folgten lange Beratungen über die Satzung. Eine strittige Frage war die von Vistini beantragte Einfügung eines Arierparagraphen in die Satzung, der Juden ausdrücklich vom Deutschen Fechterbund ausgeschlossen hätte. Der Antrag wurde in mehreren Reden ablehnend beurteilt, da der neue Verband auf rein sportlicher Basis errichtet werden sollte, und schließlich nicht angenommen. Willibald Gebhardt versicherte jedoch, dass der neue Verband der Gründung eines „auf deutschvölkischer Grundlage“ errichteten Gauverbandes in Österreich keine Einwände erheben würde. Eine weitere strittige Frage war der Name des Verbandes, der schließlich – auch mit Unterstützung der österreichisch-deutschnationalen Vereine – auf Deutscher Fechterbund festgelegt wurde.Michael Wenusch, Geschichte des Wiener Fechtsports im 19. und 20. Jahrhundert (= Dissertationen der Universität Wien 3), WUV - Universitätsverlag, Wien 1996. S. 260–262.

Zum Vorsitzenden des DÖFB wurde Willibald Gebhardt gewählt. Die Forderung nach einem Arierparagraphen hinderte die Delegierten nicht, mit dem Amerikaner Edward Breck einen Ausländer als Fechtwart zu berufen. Dem Vorstand gehörten ausschließlich reichsdeutsche Mitglieder an, nur in der technischen Kommission waren mit Johann Hartl und Hans Kufahl zwei Österreicher vertreten. Sitz des Verbandes wurde Berlin, die in Wien von Hartl herausgegebenen „Internationalen Fechtsport-Nachrichten“ wurden als Bundesorgan bestimmt.Michael Wenusch, Geschichte des Wiener Fechtsports im 19. und 20. Jahrhundert (= Dissertationen der Universität Wien 3), WUV - Universitätsverlag, Wien 1996. S. 262.

Schon vom 5. bis 7. Juni 1897 fand in Berlin die erste vom neugegründeten Verband organisierte Deutsche Meisterschaft, das sogenannte Bundesturnier, statt. Neben den international üblichen Waffen Degen, Florett und leichtem Säbel in loser Mensur wurden auch Wettbewerbe mit dem schweren (oder „deutschen“) Säbel sowie ein Wettbewerb mit Florett in fester Mensur ausgetragen. Schirmherr war Albrecht zu Schleswig-Holstein, der Vizepräsident des Deutschen Komitees für die Olympischen Spiele in Athen.

Auf Antrag des Wiener Fechtclubs Haudegen wurde beim zweiten Fechtertag vom 5. bis 7. Juni 1897 in Dresden der Name in Deutscher und Österreichischer Fechterbund geändert. Damit sollte die gleichberechtigte Partnerschaft Österreichs unterstrichen und weitere österreichische Vereine zum Beitritt bewegt werden. Erstmals wurden auch drei Österreicher in den Vorstand gewählt.Andreas Schirmer (Hrsg.), En Garde! Allez! Touchez! 100 Jahre Fechten in Deutschland – Eine Erfolgsgeschichte, Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2012. S. 22. Michael Wenusch, Geschichte des Wiener Fechtsports im 19. und 20. Jahrhundert (= Dissertationen der Universität Wien 3), WUV - Universitätsverlag, Wien 1996. S. 262f. Nach dem Dresdner Fechtertag traten auch tatsächlich weitere österreichische Vereine in den DÖFB ein. Ende 1897 gehörten ihm etwa 2000 Fechter an, 400 davon aus Österreich.Michael Wenusch, Geschichte des Wiener Fechtsports im 19. und 20. Jahrhundert (= Dissertationen der Universität Wien 3), WUV - Universitätsverlag, Wien 1996. S. 264. In Österreich und Norddeutschland wurde die Gründung eigener Gauverbände nach Vorbild des Gauverbandes Mittelrheinischer Fechtclubs geplant, auch deutschschweizer Fechter standen mit dem Vorstand in Beitrittsverhandlungen.J. Müller: Das Fechten. In: E. von Schenkendorf und F. A. Schmidt (Hrsg.): Jahrbuch für Volks- und Jugendspiele 1898, R. Voigtländer's Verlag, Leipzig 1898, S. 239–242. Beim vom 13. bis 15. November 1898 in Wien ausgetragenen zweite Bundesturnier traten zum ersten Mal reichsdeutsche Fechter bei einem Turnier in Österreich an. Während die Österreichdeutschen in den Disziplinen Florett und Degen dominierten, konnten die reichsdeutschen Fechter die international unüblichen Wettbewerbe im Florett in fester Mensur und mit dem schweren Säbel für sich entscheiden.

Späte Jahre und Auflösung des Bundes Im Jahr 1898 fand im Rahmen der deutschen Meisterschaft am 15. November der dritte deutsche Fechtertag statt. Es wurde eine Beteiligung des DÖFB an den Olympischen Spielen 1900 in Paris beschlossen. Des Weiteren wurde ein Antrag zur Einführung eines Arierparagraphen in die Satzung erneut abgelehnt. Diese beiden Beschlüsse führten dazu, dass mehrere deutschnationale Fechtvereine aus Österreich den DÖFB verließen. Trotzdem stieg der österreichische Einfluss innerhalb des DÖFB weiter. Camillo Müller, der gerade beim Bundesturnier die Doppelmeisterschaft mit Florett und Säbel gewinnen konnte, löste 1899 Willibald Gebhardt als ersten Vorsitzenden ab, Hans Kuhfal wurde Schriftführer. Die Mehrheit der technischen Kommission, die unter anderem das Regelwerk für das nächste Bundesturnier aufstellte, war ebenfalls mit Österreichern besetzt. In der Folge wurden die als „ganz und gar unsportlich“ angesehenen Wettbewerbe im Florett in fester Mensur und schwerem Säbel aus dem Programm der deutschen Meisterschaften gestrichen.Michael Wenusch, Geschichte des Wiener Fechtsports im 19. und 20. Jahrhundert (= Dissertationen der Universität Wien 3), WUV - Universitätsverlag, Wien 1996. S. 264–266.