Bad Sauerbrunn (, ) ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Mattersburg im nördlichen Burgenland in Österreich.

Geografie Bad Sauerbrunn liegt etwa auf halber Strecke zwischen Wiener Neustadt und Mattersburg am östlichen Rand des Rosaliengebirges. Das Gemeindegebiet gehört zum Naturpark Rosalia-Kogelberg und ist zum Großteil verbaut, wobei die geschlossene Siedlungsfläche teilweise zu den Nachbargemeinden Pöttsching und Wiesen gehört.

Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht nur aus einer Ortschaft und ist mit der Katastralgemeinde Sauerbrunn deckungsgleich.

Nachbargemeinden

Geschichte Schon vor tausenden Jahren gab es in dieser Region eine durchgehende Besiedlung. Grabungen, die im Zuge eines geplanten Straßenausbaues getätigt worden sind, brachten Reste aus der Jungsteinzeit zu Tage.

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Unter den Römern lag das heutige Bad Sauerbrunn dann in der Provinz Pannonia. 1923 wurde eine Probegrabung zwischen Pöttsching und Sauerbrunn vorgenommen und das Vorhandensein einer römerzeitlichen Villa rustica (eines Gutshofes) am linken Ufer des Edelbaches (Siebenwirteichbach) bestätigt. Münzfunde aus dem 4. Jahrhundert zeugen davon, dass es in diesem Raum noch in Spätantike und der beginnenden Zeit der Völkerwanderung reges wirtschaftliches Treiben gab.

Sauerbrunner Schwert

Das Sauerbrunner Schwert ist ein bronzezeitlicher Waffenfund aus der Umgebung des heutigen Bad Sauerbrunn im Burgenland, Österreich. Es gilt als typgebend für eine Gruppe von Griffplattenschwertern der späten Bronzezeit und wurde erstmals durch K. Willvonseder publiziert. Der Begriff „Typ Sauerbrunn“ wurde 1937 von I. Nestor eingeführt und bezeichnet eine charakteristische Form von Schwertern mit metallener Griffplatte oder Griffzunge, die direkt mit der Klinge verbunden ist.

Der Fund ist von besonderer Bedeutung für die mitteleuropäische Waffenarchäologie, da er technologische Entwicklungen und regionale Verbreitungsmuster bronzezeitlicher Bewaffnung dokumentiert.Willvonseder, K. (1937): Abbildung und Beschreibung des Sauerbrunner Schwertes. In: Nestor, I.: Einführung des Typs „Sauerbrunn“. Vgl. ZOBODAT – Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland.

Entstehung von Sauerbrunn

Die erste wissenschaftliche Erwähnung der Quellen findet sich in Johann Heinrich Cranz’ Monographie von 1777 über die Heilquellen des Reiches.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist die heutige Ortschaft auf dem Gemeindegebiet von Pöttsching entstanden. Zu dieser Zeit begann die verstärkte Nutzung der Mineralwasserquelle, die dann auch als „Pöttschinger Sauerbrunn“ bekannt wurde.

1800 ließ Fürst Nikolaus Esterházy das Wasser untersuchen, die Quelle fassen und überdachen. In weiterer Folge wurde dann 1803 auch ein Gasthaus errichtet.

Der österreichische Beamte Matthias Franz Perth (1788–1856) hat in seinem umfassenden Tagebuch (über die Jahre 1803 bis 1856) auch einen Besuch von Mitte September 1814 aufgezeichnet.

Der Ort Sauerbrunn ist seit 1847 durch die Mattersburger Bahn erschlossen. 1852 erhielt der Wiener Neustädter Arzt Josef Fink die Erlaubnis, den Pöttschinger Sauerbrunnen zu Heilzwecken auf 50 Jahre zu nutzen, damit für den Ort durch die Errichtung von Trink- und Badeanstalten und der Versendung des Sauerwassers ein größerer Nutzen erreicht werden konnte. Der unentgeltliche Bezug des Mineralwassers für die Einwohner von Pöttsching und der Nachbarorte blieb bestehen. 1853 ließ Fink ein zweistöckiges Kurgebäude errichten; 1857 wurde das gutherrschaftliche Gasthaus aufgestockt, sodass weitere Zimmer angeboten werden konnten. Nach dem Tod des Arztes versuchten dessen Erben im Jahr 1861, Quelle und Grundstücke um das Kurhaus vergeblich als Eigentum zu erwerben; die esterházysche Gutsverwaltung vergab weiterhin nur Pachtverträge.

Bad Sauerbrunn erhielt 1901 die Erlaubnis, den Titel Kurbad zu führen.

Die Errichtung eines Sanatoriums und einer Kuranstalt durch den Wiener Arzt Hermann Grimm, der als neuer Pächter der Badeanstalt nach Sauerbrunn kam, erhöhte den guten Ruf des Kurbades.

Die 1904 begonnenen Bemühungen, Sauerbrunn zur Gemeinde zu erheben, führten 1909 dazu, dass man den Status einer Kleingemeinde erlangte, deren amtlicher Name dann Savanyúkút lautete. Da sich der Ort so günstig weiterentwickelte, wurde die Kleingemeinde im Jahr 1911 zur Großgemeinde mit eigenem Notariat und Matrikelamt umgestaltet.

1908/09 wurde in der Postgasse ein E-Werk eröffnet, das mit einem 45-PS-Dieselmotor und einem 120-PS-Benzinmotor betrieben wurde.Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Band II, Residenz Verlag, Salzburg und Wien, 1983, S. 469

Der Erste Weltkrieg führte zur Errichtung einer Rekonvaleszenten-Station und in weiterer Folge wurde in den Villen Hartig und Neuhaus auch ein Spital eingerichtet.

Über die Zeit um 1919 berichtete Joseph Roth in der Wiener Tageszeitung Der neue Tag unter dem Titel Reise durchs Heanzenland. Sein Weg führte ihn damals von der Wiener Neustadt über Neudörfl, Bad Sauerbrunn und Zinkendorf nach Ödenburg.

Auf seiner Flucht vor dem „Weißen Terror“ gelangte Anfang August 1919 auch Tibor Szamuely, ein prominenter Führer der jungen Ungarischen Räterepublik, nach Sauerbrunn.

1921–1938

mini|hochkant|Wiener-Neustadt – Sauerbrunn 1931

Während der Kämpfe um das Burgenland war Sauerbrunn ein Zentrum der Freischärler.

Sauerbrunn wurde wie das gesamte Deutsch-Westungarn nach dem Ersten Weltkrieg nach Verhandlungen im Vertrag von St. Germain und im Vertrag von Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Da jedoch infolge der Volksabstimmung 1921 die von Österreich vorgesehene burgenländische Landeshauptstadt Ödenburg an Ungarn abgetreten wurde, wurde Sauerbrunn von 25. Jänner 1921 bis 29. April 1925 provisorischer Sitz der burgenländischen Landesregierung und -verwaltung.

Am 31. März 1930 übersiedelte die Landesregierung endgültig nach Eisenstadt. Die Gemeindewiese wurde der Kurkommission zur Gestaltung eines Parks überlassen. 1934 verloren die Sozialdemokraten ihre Sitze im Gemeinderat und in der Kurkommission.

Treffen ehemaliger SDAP-Funktionäre 1938 bei Sauerbrunn

Im Jahr 1938, kurz nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland, trafen sich ehemalige Funktionäre der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) in einem Waldstück zwischen Pöttsching und Sauerbrunn im Burgenland. Zu den Teilnehmern zählten unter anderem Alexander Stangl, Heinrich Knotzer, Hans Bögl und Stefan Billes sowie Genossen aus Hornstein, Neufeld an der Leitha, Siegendorf, Parndorf und Wulkaprodersdorf.

Ziel des Treffens war die Beratung über das weitere politische Vorgehen angesichts der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Trotz unterschiedlicher Positionen bestand Einigkeit darüber, dass diese Entwicklung mit allen Mitteln verhindert werden sollte. Hans Bögl sprach sich für politische Zugeständnisse des autoritären Regimes als Voraussetzung für die Zustimmung der Arbeiterschaft aus. Das Treffen blieb jedoch ohne konkretes Ergebnis.August Ernst: Geschichte des Burgenlandes. Verlag für Geschichte und Politik, Wien.

1938–1945

Obwohl an die zwei Drittel aller Kurgäste Juden waren, ergab die sogenannte Volksabstimmung vom 10. April 1938 nur Ja-Stimmen für den Anschluss. Durch den Zweiten Weltkrieg sowie durch die Vertreibung der Juden und der Systemgegner kam der Kurbetrieb zum Erliegen. Die unbenützten Räumlichkeiten wurden in den letzten Kriegsjahren für Büros und Heime von Rüstungsbetrieben (Raxwerke) verwendet.Geheimprojekte.at berichtet über die Teilverlagerung der Raxwerke nach Bad Sauerbrunn ab 1943, als Reaktion auf alliierte Luftangriffe auf Wiener Neustadt. Werkstätten wurden auf dem Sportplatz errichtet, Verwaltungsräume im Kurhotel untergebracht. Die Quelle verweist auf Leopold Banny: Krieg im Burgenland. Bd. 1: Warten auf den Feuersturm (Lackenbach 1983) sowie ergänzend auf den Wikipedia-Artikel Raxwerke (Zugriff: 8. September 2025).

In der Zeit der NS-Herrschaft musste auch die Verwaltung der katholischen Administratur von Mattersburg nach Sauerbrunn verlegt werden. 1944, bis kurz vor Einmarsch der sowjetischen Truppen, strahlte der Soldatensender Belgrad seine Sendungen aus der Hartigvilla als seiner letzten Station aus.

Am 1. April 1945 marschierten Einheiten der 3. Ukrainischen Front der Roten Armee in Bad Sauerbrunn ein, übernahmen die militärische und administrative Kontrolle und beendeten damit die nationalsozialistische Herrschaft vor Ort.Die 3. Ukrainische Front unter Marschall Fjodor Tolbuchin überschritt Ende März 1945 die Grenze zum damaligen Deutschen Reich und rückte über das Burgenland in Richtung Wien vor. Am 1. April erreichten sowjetische Truppen Bad Sauerbrunn und leiteten dort das Ende der NS-Herrschaft ein. Vgl. Wikipedia: Befreiung vom Nationalsozialismus und Wikipedia: 3rd Ukrainian Front2.

Nach 1945

Der gezielte, wenn auch langwierige Ausbau der Tourismus- und Kureinrichtungen, die im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört worden waren, sowie die hohe Qualität der Heilquellen führten zur Berechtigung, mit 1. Jänner 1987 den Gemeindenamen „Bad Sauerbrunn“ zu führen.Änderung des Gemeindenamens Sauerbrunn in Bad Sauerbrunn, Bgld LGBl 1986/70, § 1. Als Vorarbeit wurde deswegen die Heilbad Betriebsgesellschaft gegründet und von 1982 bis 1985 ein neues Kurmittelhaus errichtet.

Im Juli 2006 wurde in der denkmalgeschützten, entsprechend adaptierten „Hartigvilla“ die „Waldklinik Bad Sauerbrunn“ als erste (und inzwischen wieder geschlossene) Schönheitsklinik des Burgenlandes eröffnet.ORF Burgenland am 10. Juli 2006: Erste Schönheitsklinik des Landes eröffnet (abgerufen am 25. Juni 2025)Internetauftritt der Waldklinik: (abgerufen am 12. Juni 2011)

2024 wurden die Bauarbeiten für ein neues Gemeindezentrum am Brunnenplatz begonnen.

Hotterstreit Bad Sauerbrunn–Wiesen mini|Ortstafel Wiesen Nord Der Hotterstreit ist ein seit 2023 andauernder Konflikt zwischen den burgenländischen Gemeinden Bad Sauerbrunn und Wiesen über die Gebietszugehörigkeit mehrerer Wohnsiedlungen. Umfragen, manipulierte Ortstafeln und rechtliche Schritte prägen die Auseinandersetzung. Eine Entscheidung durch die Landesbehörden steht noch aus.

Bevölkerungsentwicklung mini|hochkant=1.5|Blick vom Wetterkreuz auf Bad Sauerbrunn, Schneeberg und Rax

Die noch unter ungarischer Verwaltung durchgeführten Volkszählungen weisen für Bad Sauerbrunn einen Anteil magyarischer Bevölkerung von 21,8 % aus (sowohl 1910 als auch 1920), was den höchsten Anteilswert im Bezirk Mattersburg darstellt. Mit der Angliederung des Burgenlandes an Österreich änderte sich die Situation (1923: 4,8 %). 2001 zählten 1,6 % der Bewohner zur Volksgruppe der Burgenlandungarn (Wohnbevölkerung mit österreichischer Staatsbürgerschaft).

Auch die konfessionelle Zusammensetzung der Bevölkerung änderte sich: Die Zahl der Evangelischen stieg von 42 1910 (6,0 %) auf 185 im Jahre 1961 (11 %). Mit der Entwicklung Sauerbunns zum Kurort ist auch eine kleine, dauerhaft in Sauerbrunn ansässige jüdische Gemeinde entstanden, die eine Filiale der Kultusgemeinde von Mattersburg war. Diese umfasste 1920 80 Personen (6,8 %). Der Plan, aus dem Elektrizitätswerk eine Synagoge zu machen, konnte nicht mehr verwirklicht werden. Es gab einen jüdischen Friedhof, der auch heute noch besteht. Nach dem Anschluss an das Deutsche Reich wurden auch die Sauerbrunner Juden vertrieben und mussten unter starkem Druck ihren Besitz verschleudern bzw. wurde dieser „arisiert“. Nur wenige kehrten als Überlebende der Shoah nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Bad Sauerbrunn zurück.

Nur nach 1923 und nach 1951 sank die Einwohnerzahl. 2025 lebten 2355 Menschen in Bad Sauerbrunn.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Katholische Pfarrkirche Bad Sauerbrunn Jüdischer Friedhof Bad Sauerbrunn Musikpavillon im alten Fuchsloch