mini|Galonierte, rotgefärbte Bluefrost-Fuchsjacke (2007)

Das Galonieren oder die Galonage (in Österreich auch Bandeln) ist eine Arbeitstechnik der Kürschnerei, mit der Felle in der Fläche vergrößert werden. Dies geschieht durch das Einnähen artfremden Materials (Galon – frz. , so viel wie Litze oder Borte), wie Leder- oder Textilband in oder zwischen Fellflächen. Das Galonieren lässt sich so anwenden, dass die Galons von den Haaren verdeckt werden, oder aber, zur Erzielung besonderer Effekte, dass sie sichtbar sind. Insbesondere beim Polarfuchsfell führt es zudem zu einer erwünschten Auflockerung des verfilzten Haares. Sind die aufzuwendenden Kosten für das Galonieren niedriger als der Wert des eingesparten Fellmaterials, kann das Galonieren zur Kostenverringerung eingesetzt werden.

Das Galonieren dient gleichzeitig immer der Formgebung. Es wird zwischen Parallelgalons und Keilgalons unterschieden. Parallelgalons ergeben je nach Schnittanlage eine größere Felllänge oder Breite. Keilgalons erzeugen Rundungen.

Beim Federn, einer Variante des Galonierens, markieren sich die eingesetzten Streifen auf der Haarseite oder sind bei entsprechender Breite sichtbar.

Eine eigene Technik ist das Luftgalonieren, ein regelmäßiges Einschneiden des Fellleders und anschließendes Ausspannen („Zwecken“) zu einer netzartigen Struktur. Das Ergebnis ist, neben der Materialeinsparung, eine deutliche Gewichtsverringerung des Kleidungsstückes und ebenfalls eine Auflockerung des Haarbildes.

Geschichte mini|links|Stiftsherr, über dem Arm eine Almutia aus Feh, dem Anschein nach teilweise galoniert (1665) 1877 bemerkte ein Kürschner in seiner Patentschrift, dass „das Galonnieren schon seit Jahrhunderten angewendet wird“. Nicht nur auf dem Balkan bei einer im 19. Jahrhundert geringen Kaufkraft der Einwohner nutzten die dort stark konkurrierenden Kürschner das Galonieren „aus Gründen der Sparsamkeit und Billigkeit“.„Eh.“: Kürschnerei und Zurichterei in Südosteuropa. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 20, Leipzig, 15. Mai 1936, S. 5. Auf den etwas früheren Beginn, in größerem Umfang zu galonieren, deutet auch eine Rauchwarenkunde aus dem Jahr 1864 hin: „Neben den chinesischen Kürschner-Arbeiten kennen wir als die besten: die Zobel- und Fuchsfutter aus der kaiserlichen Kabinets-Kürschnerei in St. Petersburg, die deutschen und französischen Galonage-Arbeiten im zweiten Dezennium unseres Jahrhunderts...“Heinrich Lomer: Der Rauchwaaren-Handel. Leipzig 1864, S. 55 Auf der Wiener Weltausstellung von 1873 brachte Herr R. Rzywnatz aus Prag einen aus Waschbärfellen „in einem Stoß über quer galonierten (gebandelten) Reisepelz, und einen mit galoniertem Weißfuchs gefütterten, nach derselben Art gearbeiteten Damen-Reisemantel zur Ansicht“, die „im wahren Sinne des Wortes ‚Kunstarbeiten‘ genannt zu werden verdienten“. An gleicher Stelle wird erwähnt, dass in China, wo man die Zubereitung von Pelzwerk bereits erheblich früher kannte als in der westlichen Welt, das Auslassen, Einlassen und Galonieren ebenso gut erfolgte wie in Europa.Simon Greger: Die Kürschnerkunst. 4. Auflage, Bernhard Friedrich Voigt; Weimar 1883, S. 191. (130. Band der Reihe Neuer Schauplatz der Künste und Handwerke).

Mit der Erfindung der Pelznähmaschine vor 1900 wurden nähintensive Arbeitstechniken wie das Auslassen und auch das Galonieren bedeutend kostengünstiger. Trotzdem erzielte 1897 ein galonierter Weiß- oder Blaufuchs den doppelten Preis als ein ungalonierter Fuchs.Jean Heinrich Heiderich: Das Leipziger Kürschnergewerbe. Inaugural-Dissertation, Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg, 1897, S. 87.

mini|Durch Galonieren und anschließendes gegeneinander Verschieben zusätzlicher rechtwinkliger Schnitte erzeugte Musterung in einer Nerzjacke (ca. 1995) Das Galonieren geschah anfangs meist mit längs eingesetzten, häufig textilen Bändern. Beim Längsgalonieren ist jedoch die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Galons unschön auf der Haarseite sichtbar werden, und so waren bereits in den 1920er Jahren verfeinerte Techniken in Anwendung. Als damals die Weißfüchse teuer wurden, galonierte man in den USA so extrem, dass man aus einem Fell anstelle zweier Kragen acht Stück herstellen konnte. Wird das galonierte Fell im, üblicherweise rechten Winkel zu den Galons, noch einmal durchschnitten und diese Streifen verschoben wieder zusammengenäht, lassen sich besondere Muster erzielen.

Für Anfang des 20. Jahrhunderts wurde auch „das früher in Frankreich und leider zum Teil auch in Deutschland angewandte Klebeverfahren“ erwähnt, es „muß aber entschieden abgelehnt werden, da durch dasselbe ein späteres Umarbeiten fast zur Unmöglichkeit wird“.Fritz Hempe: Handbuch für Kürschner. Verlag Kürschner-Zeitung Alexander Duncker, Leipzig 1932, S. 92 Tatsächlich hatte sich dieses Verfahren jedoch ein Deutscher, Friedrich Erler aus Leipzig, schon vor 1895 in Deutschland, Frankreich und England patentieren lassen. Es bestand darin, „die Galons nicht wie bisher vermittelst Naht an das Leder zu befestigen, sondern durch einen Klebstoff. Obwohl sich das Verfahren im Anfang nicht recht einbürgern konnte und auf große Zweifel stieß, so hat es sich doch derart bewährt, daß damit nicht nur 30 % an Arbeit erspart wird, sondern es lassen sich auch derart behandelte Objekte ohne Nachteile noch vermittelst Eintauchfarbe färben.“Heinrich Hanicke: Handbuch für Kürschner. Verlag von Alexander Duncker, Leipzig 1895, S. 39. Die Galonstreifen wurden hierbei mit Kautschukklebstoff auf eine Stoffunterlage aufgeklebt. Vielleicht überwogen die Nachteile doch, denn das, in erster Linie für billige Fellsorten gedachte Verfahren, hat sich offenbar auf Dauer nicht durchsetzen können.

1891 beschrieb ein Kürschner die Möglichkeit, die Felle nur in der üblichen Art zu schneiden, die Felle danach zu dehnen und dann mit einem aufbügelbaren Kautschukpikierstoff zu fixieren. Allerdings hegte 1928 ein Kollege auch hierbei Zweifel, ob die Methode zu einem dauerhaften Ergebnis führt.Paul Cubaeus, „praktischer Kürschner in Frankfurt am Main“: Das Ganze der Kürschnerei. Gründliches Lehrbuch alles Wissenswerthen über Waarenkunde, Zurichterei, Färberei und Verarbeitung der Pelzfelle. A. Hartleben’s Verlag, Wien, Pest, Leipzig 1891, S. 287–296Alexander Tuma jun: Die Praxis des Kürschners. Verlag von Julius Springer, Wien 1928, S. 109–114 Inzwischen stellt die Industrie diverse unterschiedliche aufbügelbare Fixierstoffe zur Verfügung,Zentralverband des Kürschnerhandwerks: Frontfixierung im Bereich der Pelzverarbeitung: Verfahrenstechnik – Fixierstoffe – Fixierwerte. In: ATF-Empfehlungen Nr. 4/1974, Flensburg und Bad Homburg, S. 3. – Zitat (1974): Auch in der Pelzkonfektion befasste man sich schon seit etwa zehn Jahren mit dem „Fixieren“, jedoch scheiterten die Versuche immer an den nicht verwendbaren Einlagestoffen in Zusammenhang mit Pressdruck und Temperatur. die Zweifel an der Beständigkeit des Fixierens für diese Anwendung sind wohl geblieben. Dauerhaft sind dagegen Methoden, bei denen die Fellstreifen auf einen textilen Untergrund aufgenäht werden. Hierzu werden die Felle häufig in wellenförmige, meist sehr schmale Streifen geschnitten auf den Stoff aufgebracht, oft angewendet für Pelzinnenfutter. Für diese Art der Fellverarbeitung ist jedoch der Begriff Galonieren nicht gebräuchlich.

Für das möglichst vom Haar her nicht sichtbare Galonieren eignen sich neben Weißfuchsfellen vor allem Blaufuchsfelle und Silberfuchsfelle. Etwa seit den 1960er Jahren wird das Galonieren zur Erzielung besonderer Effekte auch bei vielen, nach klassischer Vorstellung ungeeigneten, Fellarten, eingesetzt. Wird das Unterhaar beim Nähen auseinandergerissen und die Unterwolle oder sogar die eingesetzten Lederstreifen werden sichtbar, wird das entsprechend dem dabei entstehenden Muster als Federn bezeichnet. Diese neue Optik und die damit erzielte Preisminderung trug dazu bei, den Langhaarpelz und besonders preiswerte Kaninmäntel in der Zeit auch für jugendliche Trägerinnen attraktiv zu machen.

Zum Aufzeichnen der Einschnitte und Schneiden beim Luftgalonieren wurden die Hilfsmittel im Laufe der Zeit immer weiter entwickelt. Das Aufzeichnen von Hand sowie das Schneiden mit dem Kürschnermesser ist sehr arbeitsaufwändig. Auch sind die Abstände, in denen die Schnitte gelegt werden können, durch die Ungenauigkeiten des Handschneidens begrenzt. Heute ist es mit entsprechenden Geräten möglich, die Schnitte so eng zu legen, wie es das Leder gerade noch erlaubt, ohne zu zerreißen.

Galonieren mit Leder- oder Textilstreifen mini|Garnitur aus galonierten Polarfüchsen (Kollier, Muff und Manschetten, vor 1911)

Das Galonieren kann angewendet werden zur Flächenvergrößerung, bei gleichzeitiger Abflachung des Haarstandes (Rauchenverminderung) zur Verminderung der Kammbildung zwischen zwei Fellen, bei denen das Haar bei der Verarbeitung stark aneinanderstößt zur Erzielung modischer Effekte zur Einsparung von Fellmaterial und damit zur Verringerung der Herstellkosten beziehungsweise des Verkaufspreises

Als Galonmaterial kommen Leder oder textile Stoffe infrage. Leder wird vom Kürschner bevorzugt, weil es wie auch das Fellleder dehnbar ist und sich beim Spannen des, auf der Lederseite angefeuchteten Pelzes, mit verformt. Galonleder ist in vorgefertigter Form im Fachhandel erhältlich oder wird vom Fellverarbeiter individuell zugeschnitten. Im Idealfall hat es die gleiche Stärke wie das Fellleder, dies bietet die größte Sicherheit vor einem Einknicken und damit Aufbrechen des Haarvlieses während des späteren Gebrauchs. Verwendung finden Porc (preiswert), Kalbleder (leicht) oder Rindsleder. Da zum Einnähen mit der Pelznähmaschine nur Textilien mit einer Webkante verwendet werden können, kommen nur in der passenden Breite gewebte Bänder zur Anwendung, bevorzugt in Köperbindung. Ungefähr nach dem Zweiten Weltkrieg erkannten die Fachleute, dass durch 4 bis etwa 6 Millimeter breite Fellgalons zwischen den Streifen ausgelassener Nerzmäntel sich die elegante Streifenwirkung verstärkte, gleichzeitig ließen sich damit einige Felle einsparen (eine wahrscheinlich aus Nordamerika importierte Idee). Anfangs wurden bevorzugt Samtbänder verwendet, da die Haare darauf haften und die Galons gut verdecken.

Galonierfähig sind, nach der Formulierung des Kürschners Hans Münzner aus dem Jahr 1983, „alle Felle, deren Haarstrukturen, Grannenhaar und Unterwolle, vor allem aber deren Farbabstufungen zueinander und im einzelnen Haar und in den unterschiedlichen Haarlängen eine erste zu erprobende weite Öffnung zweier sich gegenüberliegender Fellkanten völlig unsichtbar zulassen“.

Das Polarfuchshaar ist deutlich weicher als das des Rotfuchses, die Unterwolle ist so verfilzt, dass man beim Hineinblasen das Leder nicht sieht. Beim fertigen Pelz sind selbst zwischengesetzte Lederstreifen nicht zu finden, wenn sie nach traditioneller Kürschnerkunst ohne Zerreißen des Haarvlieses eingenäht wurden. Das Galonieren wurde deshalb anfangs ganz besonders bei Polarfuchsfellen angewendet. Hier führt es neben der Vergrößerung der Fellfläche auch zu einer Auflockerung und Verschönerung des Haarbildes durch eine gewisse Steilstellung des Haares. Wegen der extrem dichten, verfilzten Unterwolle besteht beim Polarfuchs bei fachgerechter Ausführung keine Gefahr, dass beim Bewegen des Fells die eingenähten Lederstreifen zu sehen sind. Polarfuchsfelle sind verhältnismäßig kurz, so dass sich die einmal so beliebten Fuchskolliers ohne Galonieren aus einem Fell nicht herstellen ließen, insbesondere wenn auch die Unterseite aus Pelz und nicht aus Seide sein sollte. Auch der relativ kurze Schweif des Polarfuchses kann durch Galons verlängert werden. Weitere, haarüberdeckend zu galonierende Fellarten sind neben den Füchsen, insbesondere den Edelfüchsen, Wolfsfelle, Luchsfelle und andere langhaarige dichtbehaarte Felle.