Der Meteoritenfall Schönenberg bezeichnet ein Impaktereignis in Deutschland.
In der Weihnachtszeit im Jahre 1846 ging im schwäbischen Schönenberg im Mindeltal ein Meteorit nieder. Noch im rund 20 Kilometer entfernten Biberach klirrten in mehreren Wohnungen die Fenster. Das Getöse ähnelte den Tönen einer Pauke, verursachte aber einen Lärm, „als ob 20 Tambours den Generalmarsch schlügen“.
Fallberichte Lehrer Christian Landbeck
Karl Emil von Schäfhäutl Der angesehene Ingolstädter Geologe Karl Emil von Schafhäutl (1803–1890) beschreibt im Jahr darauf den Fall ähnlich. Er war Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Gründer des Geognostischen Kabinetts und Professor der Geologie, Bergbau und Hüttenkunde. Auch er dokumentiert, dass das Donnern im Umkreis von 60 Kilometern gehört worden sei, zum Beispiel zu Kirchberg, Ulm, Ehingen, Biberach, und dass in Biberach in mehreren Wohnungen die Fenster klirrten.
Beschreibung von Otto Buchner Der Stein wurde für 500 Gulden (heute rund 12.500 Euro) für die Sammlung in München gekauft. Das berichtete Otto Buchner 1863. Buchner war ein unermüdlicher Meteoritenjäger, der sich zum Ziel gesetzt hatte, alle damals bekannten Meteoriten der Welt in einem Buch aufzulisten. Er schrieb Museen, Institute und Privatleute an und erhielt von 59 öffentlichen und 30 privaten Sammlungen Inventarlisten mit 185 Meteoriten aus aller Welt, darunter auch den Schönenberger:
Allerdings, so Buchner weiter, dürfe nichts davon abgetrennt werden. Dieses ist in seinen Augen höchst bedauerlich, denn: Solange der Stein nicht genauer untersucht, durchgeschnitten und analysiert wird, ist es ein für die Wissenschaft nur entdeckter, nicht gehobener Schatz. Buchner hatte bei seiner Arbeit mit vielen Beschwerlichkeiten zu kämpfen. Vergleichende Studien seien ihm außerordentlich erschwert, denn einmal ist das Material in vielen Sammlungen zerstreut, ohne dass man weiß, wo man es suchen kann, dann aber ist die Literatur noch viel zerstreuter, so dass es große Schwierigkeiten macht, alle Quellen zu finden und manchmal geradezu unmöglich ist, eine oder die andere derselben nachzuschlagen. Noch schlimmer für ihn war, dass auch manche absichtliche oder unabsichtliche Irrthümer mit unterliefen. Backsteine, Eisensauen, selbst von Ratten angefressene Rhabarberwurzeln wurden als Meteoriten beschrieben, abgebildet und analysirt.
Reste des Schönenberg Meteorits Der größte Teil des Steines mit noch beeindruckenden 8 Kilogramm wurde im Krieg zerstört. Er hatte in der Mineralogischen Sammlung gelagert, die entgegen dem Rat vieler Beteiligter von der damaligen Sammlungsleitung nicht ausgelagert wurde. Im April 1944 wurde sie bei einem Luftangriff zerstört und der größte Teil des Bestands vernichtet. Heute befindet sich immerhin wieder ein kleines, 1,27 Gramm schweres Stück im Besitz der Münchner Staatssammlung (SNSB). In Paris (Muséum national d’histoire naturelle, MNHN) befindet sich mit 124,83 g das größte noch erhaltene Bruchstück des Meteoriten. In Budapest (Hungarian Natural History Museum) befindet sich ein Stück mit 80 Gramm, im Harvard Mineralogical Museum, Massachusetts, USA ein Fragment mit 54 Gramm. In der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums Wien ist ein Fragment mit einer Masse von 22,7 Gramm ausgestellt. Viele Institutionen, darunter die Meteoritensammlung der Vatikanischen Sternwarte (14,3 g) die Smithsonian Institution (8,6 g), die Universität Hamburg (0,15 g) und auch das Museum für Naturkunde in Berlin verwahren Gramm-Proben des Meteoriten.Bayerisches Landesamt für Umwelt: Nicht von dieser Welt. Bayerns Meteorite. 2012, S. 48–51.
Siehe auch Liste der Meteoriten Deutschlands
Literatur Bayerisches Landesamt für Umwelt: Nicht von dieser Welt. Bayerns Meteorite. Selbstverlag, Augsburg 2012, ISBN 978-3-936385-92-2.
Einzelnachweise
Schonenberg Kategorie:Ereignis 1846 Kategorie:Geschichte (Landkreis Günzburg) Kategorie:Jettingen-Scheppach