Bethlehem in Galiläa () ist eine kleine, genossenschaftlich organisierte, ländliche Siedlung (Moshav) des Regionalverbandes Emek Jizre’el im Nordbezirk Israels zwischen Haifa und Nazaret. Sie befindet sich an der Stelle der alten israelitischen Siedlung, die als Bethlehem von Sebulon (Jos 19,15) bekannt ist.Siehe auch: Möglicherweise stammte aus diesem Bethlehem der Richter Ibzan (Ri 12,8-10).Flavius Josephus, Antiquitates 5, 271. Manche Historiker vermuten, dass sogar Jesus von Nazareth in Bethlehem in Galiläa geboren wurde und nicht in der Stadt Bethlehem bei Jerusalem.Dr. Aviram Oshri im Archaeology Magazine, Vol. 58, Nr. 6 November/Dezember 2005 →
Geographie Geographische Lage Betlehem liegt an den südöstlichen Waldhängen des Allonei Abba Naturschutzreservates, die die intensiv genutzte Jesreʿel-Ebene zwischen Haifa und Nazareth schließen. Der Ort befindet sich geografisch an der Stelle der alten israelitischen Siedlung, die als Bethlehem von Sebulon (Jos 19,15) bekannt ist. Seine höchste Erhebung beträgt .
Ortsgliederung Bethlehem ist eine kleine, genossenschaftlich organisierte, ländliche Siedlung (Moschav Asori). Die Regionalplanung steht im Vordergrund. Sowohl die Ansiedlung der Farmen als auch der Aufbau einer Infrastruktur werden für die Moschavim einer Region (etwa zehn bis zwölf Siedlungen) zentral geplant. Im regionalen Zentrum Bethlehem befindet sich ein Krankenhaus, eine Apotheke und eine Schule.
Nachbargemeinden Bethlehem ist umgeben vom Moshav Allonei Abba im Westen, vom Naturschutzgebiet Allonei Abba im Norden, vom Dorf Hajajira im Osten sowie von den arabischen Dörfern Zarzir und Manshiyat al-Zabda im Süden.
Klima Das Klima wird in Bethlehem durch seine Lage zwischen der subtropischen Trockenheit der arabischen Wüsten einerseits und der subtropischen Feuchtigkeit der Levante andererseits bestimmt und ist wie im ganzen Nordbezirk (Israel) gemäßigt und bewaldet. In relativer Nähe zur Mittelmeerküste herrscht hier das subtropische Mittelmeerklima, das sich zwischen April und Oktober durch trockene, heiße Monate auszeichnet. Im Herbst und Winter gibt es gelegentliche Schauer, im Januar und Februar ist der Himmel oft von grauen Wolken überzogen, Schauer sind möglich. Im Winter kann das Thermometer auch knapp über 0 °C zeigen, manchmal schneit es sogar.
Geschichte Im Altertum 2000 v. Chr. bis 135 n. Chr. Die Siedlung war ursprünglich als „Bethlehem von Sebulon“ (Jos 19,15) bekannt.Negev and Gibson, 2001, S. 80. Im Jerusalemer Talmud wird sie als Bet Leḥem Zoria bezeichnet, da sie zu dieser Zeit Teil des Königreichs Tyros war. Möglicherweise stammte aus diesem Bethlehem der Richter Ibzan und wurde hier auch begraben (Ri 12,8-12).Flavius Josephus, Antiquitates 5,271.Die Cambridge Bible for Schools and Colleges deutet darauf hin, dass das in Ri 12, 8–12 genannte Bethlehem wahrscheinlich nicht das „Bethlehem in Judäa“ sondern das „Bethlehem von Sebulon“ ist, weil das Buch der Richter sich nicht mit Judäa beschäftigt. [Cambridge Bible for Schools and Colleges] zum Buch der Richter 12. Letzter Zugriff: 30. Dezember 2018. Manche Bibelwissenschaftler und Archäologen behaupten auch, dass Jesus von Nazareth hier im Jahr 7–4 v. Chr. geboren sein könnte.Aviram Oshri, IAA im Achaeology Magazine, Vol. 58, Nr. 6 November/Dezember 2005. →
Im Römischen und Byzantinischen Reich 135 bis 638 Nach dem Bar-Kochba-Aufstand (132-135 n. Chr.) zog eine der 24 Kohanim-Familien (Malkijas Familie gemäß 1 Chronik 24, 5-6,9 BU) nach Bethlehem von Sebulon und diente in der Synagoge bis zur Zerstörung des Dorfes. Es erreichte seine Blüte in der spätrömischen und byzantinischen Zeit. Bedeutende Bauwerke und Artefakte dieser Zeit wurden im Ort vor wenigen Jahren gefunden, darunter Überreste einer massiven byzantinischen Kirche mit einer Höhle aus dem 2. Jahrhundert, die unter der Apsis versteckt war. Das könnte darauf hindeuten, dass Bethlehem in der Zeit bereits christlich geworden war und als Geburtsort Jesu gefeiert wurde.Dalali-Amos, 2011, Bet Leḥem Ha-Glilit.
Zerstörung und Islamisierung 638 bis 1517 Im Jahr 638 wurde Jerusalem von der Armee des zweiten Kalifen Umar ibn al-Chattab erobert. 691 errichteten die Muslime auf dem Tempelberg den Felsendom. Von diesem Zeitpunkt an gab es neben einer jüdischen und einer christlichen auch eine muslimische Präsenz in Palästina. Das antike Bethlehem wurde von den Umayyaden zerstört und neu errichtet. Die Islamisierung wurde durch die Behandlung der Nichtmuslime als Dhimma begünstigt.
Die Dynastie der Abbasiden () löste 750 die Umayyaden in der Regierung des Kalifats ab. Die Dynastie der Abbasiden bestand durch Einsetzungen durch den mamlukischen Sultan Baibars fort. In der Folge existierte ein durch die Mamluken erhaltenes abbasidisches Ersatz-Kalifat in Kairo, welches die realpolitische Machtausübung an die Mamluken formal übertrug und unter Muslimen außerhalb des Herrschaftsgebietes nur noch geringere Anerkennung erhielt. Mit der Eroberung Kairos durch die Osmanen 1517 wurde die Dynastie der Abbasiden endgültig beendet.
Im Osmanischen Reich 1517 bis 1918 Nach der Eroberung Kairos durch die Osmanen 1517 fiel das zu hundert Prozent muslimische Dorf Bayt Lahm ans Osmanische Reich.Im Defter von 1596 erschien es als Bayt Lahm, das sich im Nahiya von Tiberias des Sandschak von Safad befindet. Die Bevölkerung bestand aus 27 Haushalten und zwei Junggesellen, die einen Steuersatz von 25 % auf landwirtschaftliche Erzeugnisse zahlten, darunter Weizen, Gerste, Baumwolle, Gemüse- und Obstgärten, gelegentliche Einnahmen, Ziegen und Bienenstöcke; insgesamt 1200 Akçe.Hütteroth and Abdulfattah, 1977, S. 188.Beachte, dass Rhode, 1979, S. schreibt, dass das Register, das Hütteroth und Abdulfattah aus dem Safad-Distrikt studierten, nicht von 1595/6, sondern von 1548/9 stammt.
1859 erklärte der britische Konsul Rogers, dass die Bevölkerung 110 und die Bodenbearbeitung sechzehn Feddans betrug.Conder and Kitchener, 1881, SWP I, S. 270. Victor Guérin kam 1875 zu Besuch und hielt für die westliche Welt fest, dass an Stelle des antiken Bethlehems ein kleines muslimisches Dorf getreten war.Guérin, 1880, S. 393 ff. Er entdeckte auch eine Ruine der alten Synagoge und byzantinischen Kirche. Im Jahr 1882 beschrieb der Survey of Western Palestine des Palestine Exploration Fund „das antike Bethlehem von Zebulon als ein Dorf, das hauptsächlich aus Lehm auf hoher Ebene an der Grenze des bewaldeten Landes gebaut wurde und dessen nächstes Gewässer sich in Wady el Melek, im Norden (Ras elʿAin), und an den Quellen bei Muwarah im Süden befindet“.Conder and Kitchener, 1881, SWP I, S. 270. Eine Seelenliste aus dem Jahre 1887 zeigt, dass Beit Lahm damals etwa 55 Einwohner hatte, alle Muslime.Schumacher, 1888, S. 176.
In den 1890er Jahren kauften in Haifa beheimatete protestantisch-millenaristischen Templer, die 1868 aus Württemberg (Deutschland) eingewandert waren, das Dorf für ihre die jüngere Generation, die größer als ihre Elterngeneration nicht alle in Haifa selbst den Raum für ihre Niederlassung finden würden. Diese jüngeren Templer gründeten hier 1906 dann von Haifa aus eine Tochterkolonie mit dem Ortsnamen Bethlehem und erbauten sich feine Steinhäuser, die bis heute existieren und bewirtschafteten das Land.The Templers: German settlers who left their mark on Palestine (Englisch, mit Karte der Siedlungen und Jahreszahlen der Gründung), 12. Juli 2013, abgerufen am 15. Dezember 2014. Es wurden mehr als fünfzig Templerhäuser gebaut, die dem Baustil der Templerhäuser in Sarona, Wilhelma (heute Bnei Atarot) sowie den deutschen Kolonien Haifa und Jerusalem ähneln. Die Templer glaubten an die Wiederkunft Jesu Christi und das Errichten seines tausend Jahre währenden Reiches (genannt Tausendjähriges Reich oder tausendjähriges Friedensreich), manchmal mit Israel als politisch und religiös dominierender Weltmacht. Ferner glaubten sie auch an das nahe Ende der gegenwärtigen Welt, manchmal verbunden mit der Erschaffung eines Paradieses auf Erden, oder an einen apokalyptischen Fatalismus im Zusammenhang mit einer Jahrtausendwende.
Zur Mandatszeit 1920 bis 1948 mini|400px|Bethlehem in Galiläa, 1925 In der von den britischen Behörden durchgeführten Volkszählung von 1922 hatte Bethlehem 224 Einwohner; 111 Christen und 113 Muslime.Barron, 1923, Table XI, Sub-district of Haifa, S. 33. Von den Christen waren 95 pietistische Templer und 16 Melkiten.Barron, 1923, Table XVI, S. 49. Diese hatte sich durch die Volkszählung von 1931 leicht auf 235 Personen erhöht; 135 Muslime, 99 Christen und 1 Jude, in insgesamt 51 bewohnten Häusern.Mills, 1932, S. 88.
1932 gewann die NSDAP/AO ihre ersten beiden Mitglieder in Palästina: Karl Ruff und Walter Aberle aus der Templer-Kolonie in Haifa.Balke, 2001, S. 41. Im Laufe der 1930er Jahre schlossen sich auch Einwohner Bethlehems den deutschen Nationalsozialisten an, was auf die schwindende Affinität zu den ursprünglichen Idealen der Templer hinweist. Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 in Deutschland waren alle Auslandsschulen deutscher Sprache, die mit Reichsmitteln subventioniert oder vollständig finanziert wurden, verpflichtet, Lehrer zu beschäftigen, die dem Nationalsozialistischen Lehrerbund angehörten. Die Templer-Funktionäre appellierten an Paul von Hindenburg und das Auswärtige Amt, keine Hakenkreuzsymbole für deutsche Institutionen in Palästina zu verwenden und lehnten den Boykott der Geschäfte jüdischer Deutscher ab.Balke, 2001, S. 81. Später ließ diese Opposition nach. Bis August 1939 waren 17 % aller nichtjüdischen Deutschen in Palästina (Palästinadeutsche) Mitglieder der NSDAP.Sauer, 1996, S. 17. Am 20. August 1939 rief die deutsche Reichsregierung wehrpflichtige nichtjüdische Deutsche in Palästina auf, der Wehrmacht beizutreten, und 350 Männer meldeten sich.
Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs galten alle nichtjüdischen Deutschen in Palästina ab 3. September 1939 als feindliche Ausländer. Britischen Behörden internierten sie, wie auch Italiener, Ungarn und weitere Staatsangehörige der Achsenmächte, in Sarona, Bethlehem (Galiläa), Waldheim (heute Allonei Abba) und Wilhelma. Im Sommer 1941 wurden 665 deutsche Internierte (meist junge Familien mit Kindern) nach Australien abgeschoben und diejenigen, die zu alt oder krank waren, zurückgelassen. Im Dezember 1941 und im Laufe des Jahres 1942 wurden weitere 400 deutsche Internierte, meist Ehefrauen und Kinder von Männern, die sich bei der Wehrmacht gemeldet hatten, über die Türkei zur Familienzusammenführung nach Deutschland entlassen,Sauer, 1996, S. 18 ff. und gegen alliierte Internierte aus ausgetauscht.
Den 1945 Village Statistics zufolge lebten nach Kriegsende in Bethlehem 370 Personen; 210 Muslimen und 160 Christen,Department of Statistics, 1945, S. 13. und die Gesamtlandfläche betrug laut einer offiziellen Land- und Bevölkerungsuntersuchung 7.526 Dunams.Government of Palestine, Department of Statistics. Village Statistics, April, 1945. Quoted in Hadawi, 1970, S. 47. Sechs Dunam Land wurden für Zitrusfrüchte und Bananen, 278 Dunams für Plantagen und bewässerbares Land, 4.796 für Getreide, während 51 Dunam bebaute Gebiete waren. Italienische und ungarische Internierte wurden 1945 freigelassen, aber die Briten weigerten sich, die verbleibenden deutschen Internierten in die Britische Besatzungszone Deutschlands zu überführen. 1947 durften sie nach Australien auswandern.Sauer, 1996, S. 19.
In Israel seit 1948