Bilder und Geschichten aus Schwaben (ursprünglich: Bilder und Geschichten aus dem schwäbischen Leben) ist der Titel eines zweibändigen Werkes der Schriftstellerin Ottilie Wildermuth. Die Sammlung von Erzählungen gilt als Hauptwerk Wildermuths und machte die Autorin auf einen Schlag im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt. Heute sind daraus vor allem noch die Schwäbischen Pfarrhäuser bekannt, die einen Teil des ersten Bandes bilden.
Entstehung 1847 stellte Ottilie Wildermuth ihrem Mann Johann David Wildermuth und ihrem Bruder erstmals einen eigenen literarischen Versuch vor. Es handelte sich um die Erzählung Eine alte Jungfer, die später die erste Geschichte der Bilder und Geschichten wurde. Ihr Bruder Hermann Rooschüz brachte diese erste Geschichte der Redaktion von Cottas Morgenblatt, die sie anonym veröffentlichte und nach mehr Erzählungen verlangte.Zur Entstehung der Bilder und Geschichten siehe Agnes Willms, Adelheid Wildermuth: Ottilie Wildermuths Leben, nach ihren eigenen Aufzeichnungen zusammengestellt und ergänzt. 4. Auflage. Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart/Berlin/Leipzig o. J., S. 191 f. und 224 f. Bald erschienen die Genrebilder aus einer kleinen Stadt und die Schwäbischen Pfarrhäuser unter dem Namen der Autorin im Morgenblatt. 1852 veröffentlichte der Stuttgarter Verleger Adolph Krabbe die beiden Zyklen mit weiteren Geschichten als Buch mit dem Titel Bilder und Geschichten aus dem schwäbischen Leben. Nach der zweiten Auflage wurde der Titel geändert in Bilder und Geschichten aus Schwaben. Unter diesem Titel erschienen sie fortan, zuletzt 1991.
Inhalt Die meisten der Erzählungen haben einen autobiographischen Hintergrund: Ihre Protagonisten waren häufig Verwandte und Vorfahren oder Bekannte der Autorin. Die humorvollen Geschichten verarbeiten meist Themen der schwäbischen oder württembergischen Geschichte oder der Gesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts. Franziska von Hohenheim kommt ebenso darin vor wie ihr Gemahl Carl Eugen, aber auch Bauern, Gastwirte und andere Dorfbewohner.
Die Erzählungen sind in mehrere Teile gegliedert, die durchschnittlich fünf bis sechs Erzählungen enthalten. Im ersten Band sind dies: Genrebilder aus einer kleinen Stadt Bilder aus einer bürgerlichen Familiengalerie Die alten Häuser von B. (später: von Kirchheim) Schwäbische Pfarrhäuser Heiratsgeschichten
Der zweite Band umfasst die Teile Gestalten aus der Alltagswelt Lebenswege, krumme und gerade Hagestolze Vom Dorf
„Schwäbische Pfarrhäuser“ Im Zyklus Schwäbische Pfarrhäuser werden unterschiedliche Facetten und Episoden aus dem Leben württembergischer Dorfpfarrer geschildert. Teilweise werden die Pfarrer positiv dargestellt, indem sie als fromm, gastfrei, freigiebig oder kinderlieb beschrieben werden. Manche Pfarrer kommen aber in den Erzählungen schlecht weg, z. B. der „geizige“ oder der „Haselnusspfarrer“. Dies brachte der Autorin Kritik, nicht nur von Pfarrern, sondern auch von anderen Landsleuten ein. Die Geschichte Das friedsame Pfarrhaus musste deshalb aus der Sammlung gestrichen werden. Noch 1857 berichtete Wildermuth ihrem Brieffreund Justinus Kerner: „Morgen will ich mit meinem Mann eine Fußreise ins Lenninger Thal zu ein paar bekannten Pfarrern machen, vorausgesetzt, daß mich die Pfarrer nicht todtschlagen“. Es sei „für mich lebensgefährlich […], mich unter die Pfarrer zu wagen, sintemal sie mir meine Pfarrhäuser nicht verzeihen können“.Adelheid Wildermuth (Hrsg.): Justinus Kerner — Ottilie Wildermuth. Briefwechsel 1853 bis 1862. Stuttgart 1960, S. 158–161.
Die Geschichten im Einzelnen sind folgende: Das freundliche Pfarrhaus. Als Vorlage diente der Benninger Pfarrer August Tritschler. Der Haselnußpfarrer. Vorbild für diese Geschichte war Johann Schweppe, Pfarrer in Feldrennach bei Pforzheim. Das töchterreiche Pfarrhaus. Geschichte frei erfunden. Das humoristische Pfarrhaus. Für diese Geschichte stand Gustav Feuerlein Pate, Pfarrer von Wolfschlugen bei Nürtingen. Er war der Vater von Auguste Eisenlohr, deren Biographie Wildermuth mit Auguste. Ein Lebensbild vorgelegt hat. Auguste Eisenlohr (1813–1857) war seit 1833 mit dem Politiker Theodor Eisenlohr verheiratet. Das genügsame Pfarrhaus. Der „genügsame“ Pfarrer war Karl Kayser aus Hegenlohe. Das gastfreie Pfarrhaus. Den Stoff für diese Geschichte lieferte der Pfarrer von Endersbach, Eberhard Glöckler. Das geizige Pfarrhaus. Diese Erzählung wurde inspiriert von Johann Cranz, Pfarrer von Steinenberg, später von Plattenhardt. Noch ein gastfreies Pfarrhaus. Vorbild war Pfarrer Ferdinand Dinkelacker aus Erligheim. Das fromme Pfarrhaus. Geschichte frei erfunden. Das friedsame Pfarrhaus. Vorbilder waren hier der Pfarrer von Erdmannhausen, das bei Wildermuths Heimatstadt Marbach liegt, und seine Schwester. Diese beschwerte sich nach der Erstveröffentlichung bei der Autorin, woraufhin die Erzählung nicht weiter veröffentlicht wurde.vgl. Rosemarie Wildermuth (Hrsg.): Lebenswege – krumme und gerade. Erzählungen von Ottilie Wildermuth. (Reihe Kleine Stieglitze). Mühlacker/Irdning (Steiermark) 1987, S. 123 f. Auch in den meisten modernen Ausgaben fehlt sie.
Rezeption
Die Bilder und Geschichten erfuhren nach ihrer Veröffentlichung rasch eine große Verbreitung und Anerkennung bekannter Autoren. So erzählte Emilie Uhland der Autorin, „sie habe in Jahr und Tag ihren Mann nicht so lachen hören, wie beim Lesen des ‚Stadtschreibers‘“.Ein Stadtschreiber, aus: Erster Band, Bilder aus einer bürgerlichen Familiengalerie. Das berichtet Ottilie Wildermuth in einem Brief an ihre Mutter vom 16. Dezember 1849, zitiert nach Agnes Willms, Adelheid Wildermuth: Ottilie Wildermuths Leben, nach ihren eigenen Aufzeichnungen zusammengestellt und ergänzt. 4. Auflage. Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart/Berlin/Leipzig o. J., S. 215.
Editionen (Auswahl) Die Bilder und Geschichten aus Schwaben, vor allem die Schwäbischen Pfarrhäuser wurden zu Lebzeiten der Autorin und nach ihrem Tod bis in unsere Zeit immer wieder veröffentlicht und entwickelten sich so zum bekanntesten Werk Wildermuths.
Bilder und Geschichten aus dem schwäbischen Leben. Adolph Krabbe, Stuttgart 1852 (²1853). Bilder und Geschichten aus Schwaben (Ottilie Wildermuth’s gesammelte Werke. Erste Gesammt-Ausgabe, Bd. 1 und 2). Adolph Krabbe, Stuttgart 1862. Bilder und Geschichten aus Schwaben. Adolf Kröner, Stuttgart ⁶1890. Bilder und Geschichten aus Schwaben (Ottilie Wildermuths gesammelte Werke), hg. von Adelheid Wildermuth, illustriert von Fritz Bergen. Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart/Berlin/Leipzig o. J. [um 1900]. Bilder und Geschichten aus Schwaben. Carl Hirsch, Konstanz o. J. [um 1915]. Schwäbische Pfarrhäuser. Erzählungen. Reclams Universal-Bibliothek Bd. 4963. Reclam-Verlag, Leipzig 1920 (²1926). Schwäbische Pfarrhäuser. Renatus-Verlag, Lorch 1936. Schwäbische Pfarrhäuser. Osiander, Tübingen 1976 (³1980). Bilder und Geschichten aus Schwaben mit den Schwäbischen Pfarrhäusern. Einführung von Peter Härtling, hg. von Rosemarie Wildermuth. Verlag J. F. Steinkopf, Stuttgart 1977 (²1991). Lebenswege – krumme und gerade. (Reihe Kleine Stieglitze). Herausgegeben von Rosemarie Wildermuth. Mühlacker/Irdning (Steiermark) 1987. Schwäbische Pfarrhäuser (Eine kleine Landesbibliothek, Bd. 8). Eingeleitet und herausgegeben von Friedemann Schmoll. Klöpfer & Meyer Verlag, Tübingen 2009.
Weblinks (Ausg. 1865) bei archive.org Bilder und Geschichten aus Schwaben bei Zeno.org Wildermuths Genrebilder aus einer kleinen Stadt im Projekt Gutenberg
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Erzählung