mini|hochkant|Ehemaliges Rathaus von Retz mini|hochkant|Windmühle in Retz mini|Luftaufnahme von Retz, Juni 2019 Retz ist eine Stadtgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Hollabrunn im Bundesland Niederösterreich in Österreich. Die Weinstadt befindet sich nahe der tschechischen Grenze, zwölf Kilometer entfernt von Znaim.

Geographie Retz liegt im nordwestlichen Weinviertel am Retzbach (auch Altbach, Retzer Altbach). Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst Quadratkilometer. 11,83 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Die ursprüngliche Siedlung ist die Altstadt (KG Retz Altstadt) im Norden des städtischen Siedlungsraums. Sie besteht aus drei Teilen, die um 1400 zusammengewachsen sind: dem Straßendorf Rezze (urk. 1180), der Siedlungszeile westlich des ehemaligen Verlaufs des Altbaches (heute entlang der Fladnitzer Straße) (verm. Mitte 12. Jh.) und der angerdorfartigen Siedlung Wieden nördlich der Pfarrkirche St. Stephan (verm. Mitte 13. Jh.). Südlich der Altstadt befindet sich die im 4. Viertel des 13. Jh. in Hochlage auf einem rechteckigen Areal errichtete und befestigte planmäßige Gründungsstadt Retz (KG Retz Stadt).Retz In: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Niederösterreich nördlich der Donau 1990. S. 962.

Retz ist in den Jahren 2004 bis 2009 jeweils der niederschlagsärmste Ort Österreichs gewesen.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende sechs Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):

Hofern () Kleinhöflein () Kleinriedenthal () Obernalb () Retz () Unternalb ()

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden (Fläche Stand ):

Hofern () Kleinhöflein () Kleinriedenthal () Obernalb () Retz Altstadt () Retz Stadt () Unternalb ()

Nachbargemeinden

Da die Gemeinde Schrattenthal den westlichen Teil der Gemeinde Zellerndorf abtrennt, grenzen diese beiden Gemeinden jeweils zwei Mal an Retz.

Klima

Geschichte Bereits im Neolithikum war das Ufer des trockengelegten Retzer Sees besiedelt, wie zahlreiche Funde belegen.

Mittelalter Im Bereich des heutigen Angers von Retz bildete sich ein Dorf, welches schon 1180 als „Rezze“ (slawisch rěčica, bedeutet so viel wie „kleiner Fluss“, wobei es sich vermutlich um den Retzbach handelte) bezeichnet wurde.

Rudolf von Habsburg verlieh Graf Berthold von Rabenswalde (1278–1312) Grafschaft und Herrschaft Hardegg als Lehen. Der Graf blieb nicht lange in Hardegg, sondern zog nach Retz, wo er das Dominikanerkloster stiftete (die Dominikanerkirche wurde 1295 fertiggestellt) und schließlich um 1300 auch die Stadt Retz gründete.

1314 gelangte die Grafschaft Retz und Hardegg aus Besitzungen der Käfernburger an das Geschlecht der Querfurter – Linie Maidburg-Hardegg, welche 1483 erlosch.

Um 1343 wurde der Prediger Franz von Retz geboren. Er reformierte den Dominikanerorden, lehrte an der Universität Wien, war fünfmal deren Dekan und vertrat die Universität auch auf dem Konzil von Pisa. Er starb am 8. September 1427 in Wien.

Am 25. November 1425 eroberten die Hussiten Retz und wenige Tage später Schrattenthal und Pulkau. Die Stadt wurde zerstört und viele Bewohner getötet. Eine Chronik aus Klosterneuburg berichtet von 6000 Gefangenen, darunter Graf Heinrich von Maidburg-Hardegg, die nach Prag geführt wurden. Nahezu 8000 Mann sollen erschlagen und über 30 katholische Kirchen zerstört worden sein. 1431 erneuter Raubzug der Hussiten.

1467 wurde die Bürgerspitalskapelle zwischen dem Verderberhaus und dem Znaimer Tor geweiht und 1783 wieder säkularisiert. Heute dient sie unter dem Namen „Museum Retz“ (in Retz als „Bürgerspital“ bekannt) als Stadtsammlung und Heimstätte der Südmährischen Galerie.

Nach dem Wiederaufbau eroberte nach einer Belagerung von vier Tagen Matthias Corvinus am 12. Oktober 1486 die Stadt. Bis 1490 gehörte Retz zu seinem Herrschaftsgebiet. In dieser Zeit erhielt die Stadt jene den Weinhandel betreffenden Privilegien, die den künftigen Reichtum der Stadt begründeten. Diesen Privilegien verdankt Retz auch die ausgedehnten und mehrstöckigen Kelleranlagen. Heute werden sie für Führungen genutzt und während der Adventszeit für einen Adventmarkt.

16. und 17. Jahrhundert Von 1568 bis 1569 wurde die ehemalige Kirche auf dem Hauptplatz durch Einbau einer Zwischendecke zum Rathaus umgebaut. Im Erdgeschoß wurde die Marienkapelle errichtet. Der Kunsttischler Jakob Barth aus Retz arbeitete über 30 Jahre an den Schnitzarbeiten.

1576 wurde das Sgraffitohaus errichtet. 1928 wurden die inzwischen übermalten Bilder wiederentdeckt und freigelegt.

Das auffällige Verderberhaus stammt aus dem Jahr 1583. Seinen Namen verdankt es der Familie Verderber, die das Haus im Jahr 1848 erwarb.

Der Dreißigjährige Krieg brachte Zerstörungen und die Schweden unter Lennart Torstensson, die ihr Hauptquartier in Schrattenthal aufschlugen.

David Gregor Corner (später 45. Abt von Stift Göttweig Gregor I. Cornerus) war von 1619 bis 1624 Pfarrer von Retz.

Zwischen 1660 und 1670 wurde Schloss Gatterburg als Familiensitz derer von Gatterburg errichtet. Heute beheimatet es das Fahrradmuseum von Retz. 1680 gab es eine Pestepidemie in der Stadt. An diese erinnert die Dreifaltigkeitssäule am unteren Ende des Platzes.

Seit dem Jahr 1696 dürfen die Häuser höher sein als die Stadtmauer. Dies nahmen die Dominikaner zum Anlass, ihr Kloster um ein drittes Stockwerk zu erhöhen.

18. und 19. Jahrhundert In den Jahren 1701 bis 1713 wurde der Kirchturm barockisiert, 1721 bis 1728 wurde die Kirche selbst vergrößert, umgebaut und barockisiert. Das Altarbild des Heiligen Stephan, gemalt von Leopold Kupelwieser, stammt aus dem Jahr 1852.

Die erste Windmühle in Retz stammte aus dem Jahr 1772 und war aus Holz. Später bekam sie eine Nachbarin. Diese war bereits aus Stein errichtet. Diese Mühle wird aber nur noch als Wohnhaus genutzt. 1831 wurde die hölzerne Windmühle abgetragen und an deren Stelle die heute noch funktionstüchtige Mühle errichtet. An diesen Arbeiten war auch ein Maurer aus Liliendorf (Lesná u Znojma) im nahen Südmähren beteiligt. Er nutzte das erworbene Wissen, um in seinem Heimatort ebenfalls eine Windmühle zu erbauen, die später der Sohn des Retzer Windmüllers übernahm. 1927 wurde der Betrieb eingestellt. Für die TV-Serie „Der Kurier der Kaiserin“ mit Klausjürgen Wussow wurde hier die Duellszene gedreht.

Unweit von der Mühle befindet sich der Kalvarienberg. Er wurde in den Jahren 1727 bis 1737 errichtet und entstammt der Werkstatt von Jakob Seer.

Am 1. November 1871 wurde Retz durch die Österreichische Nordwestbahn an das internationale Bahnnetz angeschlossen. 1896 wurde ein jüdisches Bethaus errichtet, das heute aber nicht mehr besteht. Das Postamt stammt aus dem Jahr 1897.

20. Jahrhundert 1941 erfolgte die Vereinigung der Stadt Retz und der Altstadt zur Gemeinde Retz. Mit 1. Jänner 1969 wurden im Zuge der Niederösterreichischen Kommunalstrukturverbesserung die bis dahin selbständigen Gemeinden Kleinhöflein, Kleinriedenthal, Obernalb und Unternalb nach Retz eingemeindet, mit 1. Jänner 1975 folgte schließlich noch Hofern.

Im noch heute bestehenden Dominikanerkloster lebte auch der heutige Kardinal Christoph Schönborn. Auch der Dichter Peter Turrini hielt sich einige Zeit in diesem Kloster auf. Seitdem verbindet beide eine enge Freundschaft. auf ORF vom 27. August 2005, abgerufen am 10. November 2008. In der Fernsehserie „Julia – Eine ungewöhnliche Frau“ arbeitete die Hauptfigur Julia Laubach (gespielt von Christiane Hörbiger) im Retzer Bezirksgericht; das Schloss bildete die Kulisse für den Gendarmerieposten. 2002 wurde das Bezirksgericht Retz geschlossen (Gerichtszuständigkeit nun Hollabrunn).

Bevölkerungsentwicklung

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Stadtpfarrkirche Retz mini|Verderberhaus mini|Sgraffitohaus mini|hochkant|Gang im ErlebniskellerAufgrund der Form dieser Bauart wird dieser auch „Gaisrücken“ genannt mini|Kellergasse in Kleinhöflein mini|Kellergasse Kirchberggasse in Retz Altstadt mini|Kellergasse Hohlweg in Unternalb

Stadtbefestigung Retz mit dem Nalbertor und Znaimertor Katholische Stadtpfarrkirche Retz hl. Stephanus Katholische Pfarrkirche Kleinhöflein hl. Josef Katholische Pfarrkirche Kleinriedenthal hl. Ägyd Dominikanerkirche und Dominikanerkloster Retzer Erlebniskeller: einer der größten historischen Weinkeller Mitteleuropas (siehe Weblinks) Stadtmuseum Retz: findet sich im Bürgersaal im Rathaus Museum Retz: Heimatmuseum und Südmährische Galerie, „Bürgerspital“ Kino: Retz verfügt über ein Kino und einen Filmclub; das Kino befindet sich auf dem Hauptplatz Hauptplatz mit Pranger und Dreifaltigkeitssäule, das Verderberhaus im venezianischen Renaissancestil sowie Barock- und Biedermeierbauten. Unter dem Hauptplatz liegen ausgedehnte Weinkeller Rathaus: mit Rathausturm (es werden Führungen angeboten) Rathauskapelle: ausgestaltet mit prunkvollen Deckenfresken Sgraffitohaus Verderberhaus Schloss Gatterburg Retzer Windmühle: eine der beiden letzten betriebsfähigen Windmühlen in Österreich, die einzige vollständig im Original erhaltene Windmühle in Österreich Kalvarienberg Soldatenfriedhof – liegt ein wenig versteckt unweit von Windmühle und Kalvarienberg. 1979 angelegt. Hier fanden alle zuvor im Weinviertel verstreut beerdigten deutschen Gefallenen (und auch Frauen und Männer anderer Nationen) eine gemeinsame Ruhestätte. Fahrradmuseum: das Fahrradmuseum befindet sich im Schüttkasten, unterhalb von Schloss Gatterburg Kriegerdenkmal 1809 Reblaus-Express: der Nostalgiezug verkehrt an Wochenenden vom 1.5. bis 26.10. auf der Strecke Retz-Drosendorf (siehe Verkehr) Schußbergmarter Der Gupferte Berg östlich von Unternalb ist ein ehemaliger mittelalterlicher Hausberg und beherbergt eines der wenigen österreichischen Vorkommen der Halbstrauch-Radmelde (Bassia prostrata).

Naturdenkmäler

Laut niederösterreichischem Naturschutzgesetz geschützte Naturdenkmale:Godfrid Wessely, Ilse Draxler, Georg Gangl und Peter Gottschling: Geologie von Niederösterreich, Verlag der Geologischen Bundesanstalt, Wien 2006, ISBN 3-85316-239-8, S. 368f. Eierstein: Beim Eierstein handelt es sich um einen Felsen nordwestlich der Stadt, der an ein Riesenei mit teilweise aufgepeckter Schale erinnert. Kunsthöhlensystem Schredlkeller in Obernalb Felsgebilde Hangenstein mit Trockenrasen südöstlich der Stadt Felsgebilde Heidenstatt oder Opferstein bei Hofern

Regelmäßige Veranstaltungen Weintage: jährlich, von Fronleichnam an für 10 Tage Weinlesefest: jährlich, von Freitag bis Sonntag am letzten September-Wochenende Kürbisfest im Retzer Land Festival Retz: Festival klassischer Musik mit jeweils einer Kirchenoper, alljährlich im Juli

Wirtschaft und Infrastruktur Retz ist eine traditionelle Wein- und Handelsstadt.

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 206, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 315. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 1709. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 42,08 Prozent.

Obernalb hat eine der größten Weinbauflächen im Weinviertel.

Verkehr Straße: Mit dem Auto ist Retz in etwa einer Stunde Fahrtzeit von Wien zu erreichen. Retz liegt an den beiden Landesstraßen Retzer Straße (B 35) und Thayatal Straße (B 30). Über die B 35 gelangt man in nördlicher Richtung über den mittlerweile aufgelassenen Grenzübergang Mitterretzbach nach Tschechien, die B 30 führt über die Katastralgemeinde Hofern weiter Richtung Drosendorf. mini|Bahnhof Retz