Als Gewalt gegen Männer werden Gewalttaten bezeichnet, die sich aus verschiedenen Gründen gezielt gegen Männer richten. Dieser Begriff umfasst dabei sowohl häusliche Gewalt als auch außerhäusliche Gewalt gegen Männer. Neben körperlicher Gewalt, insbesondere Körperverletzungen, zählen dazu auch psychische und sexualisierte Gewalt. Das Thema der Gewalt gegen Männer wird teilweise gesellschaftlich tabuisiert, da sie der stereotypen Geschlechterrolle des Mannes als ‚starkes‘ Geschlecht widerspricht.

Gewaltformen und Häufigkeit

Außerhäusliche Gewalt Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) der Bundesrepublik Deutschland beauftragte den Forschungsverbund „Gewalt gegen Männer“ mit einer im Juli 2004 veröffentlichten Pilotstudie, die sich mit ebendiesem Thema beschäftigt.Gewalt gegen Männer Personale Gewaltwiderfahrnisse von Männern in Deutschland, veröffentlicht am 22. Januar 2006 durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; abgerufen am 15. Oktober 2013Studie: Gewalt gegen Männer, veröffentlicht am 7. Januar 2005 durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; abgerufen am 15. Oktober 2013 Die Autoren der Studie stellen fest, dass Männer vorrangig gefährdet sind, Opfer von körperlicher Gewalt durch andere Männer in der Öffentlichkeit zu werden.Ludger Jungnitz (Hrsg.): Gewalt gegen Männer. Personale Gewaltwiderfahrnisse von Männern in Deutschland. Budrich, Opladen/Farmington Hills 2007, ISBN 978-3-86649-009-3. Gewalt in Form von Schlägereien werde von den beteiligten Männern nicht als Gewalt wahrgenommen. Eine erhebliche Ursache dafür ist möglicherweise die unklare Grenze zwischen Opfern und Tätern. Das Gegenüber in solchen Konfrontation ist in bis zu neunzig Prozent der Fälle selbst männlich. Außerhäusliche sexualisierte Gewalt ist ein breites Spektrum, welches von sexueller Belästigung über Nötigung bis zur Vergewaltigung reicht. Dieser Bereich der außerhäuslichen Gewalt ist, insbesondere im Kontrast zu oben genannten Schlägereien, mit der „Scham der Unmännlichkeit“ belastet. Gerade deshalb ist dieser Bereich in weiten Teilen der Gesellschaft tabuisiert.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik Deutschlands weißt für die Opfer von Gewaltkriminalität im Jahr 2024 (trotz einer geringeren Anzeigequote männlicher Opfer) 181.738 männliche sowie 78.590 weibliche Opfer aus, was dem Trend der Erhebungen der letzten zehn Jahre entspricht. Unter den Opfern aller Straftaten insgesamt ist ein deutlicher Überhang männlicher Opfer verzeichnet, wovon jedoch insbesondere die Bereiche der Sexualdelikte und des Handtaschenraubes (nicht aber des Raubes insgesamt) eine Ausnahme bilden.

Häusliche Gewalt

In der oben genannten Pilotstudie von 2004 wurde jeder vierte der 200 befragten Männer in seiner aktuellen oder der vorhergehenden Partnerschaft mindestens einmal Opfer irgendwie gearteter körperlicher Gewalt. Darin sind jedoch auch „leichtere Akte“ inbegriffen, bei denen den Studienautoren zufolge „nicht eindeutig von Gewalt zu sprechen ist“. Eine Verallgemeinerung auf die Grundgesamtheit aller Männer in Deutschland ist wegen der geringen Fallzahl nicht möglich. Häusliche Gewalt in homosexuellen Beziehungen von Männern käme tendenziell häufiger vor als in heterosexuellen, so die Autoren der Pilotstudie. Repräsentative Studien gab es jedoch nicht. Männliche Opfer häuslicher Gewalt können in einem Männerhaus Zuflucht finden. Sie bilden das Analogon zu den Frauenhäusern für weibliche Opfer, allerdings in wesentlich geringerer Zahl.

Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2013 werden Männer häufiger Opfer körperlicher Gewalt. Zudem seien Frauen signifikant häufiger Täterinnen von körperlicher und psychischer Gewalt im häuslichen Bereich. Kritiker der Studie führten ins Treffen, Männer würden sich im Vergleich zu Frauen bei direkter persönlicher Befragung signifikant weniger häufig als (Gewalt-)Täter betrachten. Die weitere Ableitung aus diesen Umfrageergebnissen, wonach Frauen signifikant häufiger (Gewalt-)Täterinnen seien, wird in Fachkreisen kritisiert. Statistiken vom BMFSFJ sprachen von ca. 30 % männlichen Opfern.

Eine repräsentative Erhebung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (2024) unter 1200 Männern fand, dass rund jeder zweite Mann angab Opfer von partnerschaftlicher Gewalt geworden zu sein. Gaben unter Verdrängung ihrer Opfererfahrungen vorerst nur 19 % an Opfer gewesen zu sein, offenbarte das Abfragen erlebter partnerschaftlicher Gewalthandlungen einen Opferanteil von 54 %. 30 % erfuhren laut der Studie körperliche Gewalt in erheblichem Ausmaße.

Gewalt in Kindheit und Jugend In der bereits erwähnten Pilotstudie des BMFSFJ von 2004 gaben 61 % der Befragten an, dass sie in ihrer Kinder- und Jugendzeit mindestens einmal „geschlagen, getreten oder verhauen“ worden seien. 62 % der Befragten gaben an, in ihrer Kinder- und Jugendzeit mindestens einmal „schickaniert, schwer beleidigt, eingeschüchtert oder gedemütigt“ worden zu sein.

Partnerschaftliche Gewalt unter Jugendlichen Im Jahr 2015 befragte der Schweizer Tages-Anzeiger den Gewaltpsychologen Allan Guggenbühl zur aktuellen Zürcher Studie zur Jugendgewalt in der Schweiz. Darin kam zum Vorschein, dass mit 15 Jahren jeder vierte männliche Jugendliche Opfer partnerschaftlicher Gewalt wurde, während weniger als jede fünfte weibliche Jugendliche davon betroffen war. Männliche Teenager würden von ihren Freundinnen dabei meist geohrfeigt, gebissen, getreten oder herumgestoßen, während Faustschläge seltener vorkämen, wenngleich weibliche Jugendliche auch hierbei weniger zurückhaltend gegenüber ihrem männlichen Partner seien. Guggenbühl analysierte, dass Jungen schon früh vermittelt bekämen, Mädchen nicht zu schlagen, während gewalttätige Mädchen bemerken würden hier einen Freiraum zu haben. 2018 kam eine Studie der Universität Zürich zum Ergebnisse, dass jedes fünfte jugendliche Mädchen in der Schweiz ihren männlichen Partner geohrfeigt, gestoßen oder geschlagen hätte, während nur jeder achte männliche Jugendliche solche Handlungen an seiner Partnerin vorgenommen habe.

Digitale Gewalt Auch im Zuge sozialer Interaktion im Internet und in anderen digitalen Räumen können Männer wie Frauen Gewalt ausgesetzt sein. Das US-amerikanische Pew Research Center veröffentlichte 2021 eine Studie zur Betroffenheit von digitaler Gewalt in den USA, welche 41 % der untersuchten Erwachsenen als Betroffene beschrieb. 43 % der untersuchten Männer und 38 % der untersuchten Frauen wären Betroffene, während starke Ausprägungen von Gewalt beide Geschlechter ungefähr gleichermaßen betreffen würden. Männer seien verstärkt von Beleidigungen und Androhungen physischer Gewalt betroffen, junge Männer seien häufiger Betroffene als ältere. Männer hätten jedoch generell ein deutlich geringeres Problembewusstsein als Frauen bezüglich ihrer Betroffenheit (48 % zu 61 %). Nur 18 % der Männer gaben an der Meinung zu sein, aufgrund ihres Geschlechts digitale Gewalt erfahren zu haben im Gegensatz zu 47 % der Frauen. Auch eine australische Erhebung von 2016 kam zu ähnlichen Resultaten. Unter anderem war auch hier ein Überhang männlicher Betroffener anzutreffen, während 76 % der Männer unter 30 Jahren Betroffene digitaler Gewalt waren. Das Problembewusstsein unter Männern betrug hier nur 53 % im Vergleich zu 70 % unter Frauen.

Männliche Genitalverstümmelung Sowohl um die Themenbereiche der Kastration wie auch der Beschneidung von Jungen und Männern treten unterschiedliche Auffassungen, die ethisch, religiös, medizinisch und rechtlich begründet sind, immer wieder als Teil gesellschaftlicher Debatten hervor. Nachdem ein Urteil des Landesgerichts Köln im Jahr 2012 die religiöse Beschneidung von Jungen als Körperverletzung eingestuft hatte, wurde vom Deutschen Bundestag ein gesetzlicher Rahmen für die Durchführung solcher geschaffen (siehe hierzu: Beschneidungsdebatte 2012).

Schutzeinrichtungen für Männer Das BMFSFJ fördert die Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz (BFKM), welche von der Landesarbeitsgemeinschaft Jungen- und Männerarbeit Sachsen e.V. betrieben wird. Die BFKM legte im November 2023 eine Statistik über die Nutzung der in Deutschland bestehenden Schutzwohnungen für Männer vor. Demnach sei die Anzahl der Männer, die Hilfe einer Schutzeinrichtung annehmen im Jahr 2022 um ca. 66 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Laut Polizeistatistik sei jeder 5. Betroffene von Partnerschaftsgewalt männlich. Dies entspricht im Hellfeld ca. 30'000 Männern. Jedoch haben nur 421 Männer Hilfe in den bundesweit 12 Schutzeinrichtungen gefunden. Laut dem Journalisten Carl Winterhagen, gibt es 2 Gründe dafür, dass so wenig Betroffene Hilfe finden:

Männer müssten zunächst oft erst ein Mal verstehen von Gewalt betroffen zu sein. Es gäbe in Deutschland nur wenige Schutzangebote, die sich explizit an Männer richten, wodurch die Bekanntheit auch gering sei.

Sensibilisierungskampagne Zum Sensibilisieren der Betroffenen hat die BFKM eine Kampagne begleitet, welche Männer ermutigen soll die bestehenden Hilfsangebote aufzufordern, bzw. Hilfe einzufordern. Neben Ermutigungen wird auf der Website ohne-gewalt-leben.de im Wesentlichen eine Infokarte mit allen Einrichtungen, an welche auch Männer sich wenden können beworben.Website Ohne Gewalt leben

Literatur Jasmin Alzinger: Der "geschlagene Mann". Männliche Opfer im Kontext häuslicher Gewalt. Diplomica Verlag, Hamburg 2016, ISBN 978-3-95934-969-7

Weblinks Hilfetelefon Gewalt an Männern Ein offenes Ohr für Männer. Birgit Gaile im Gespräch mit Ute Welty, Deutschlandfunk, 19. April 2021. Website Ohne Gewalt leben Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz

Einzelnachweise

Kategorie:Sexismus