miniatur|Blumenrabatte, Schlosspark Oberschleißheim
Eine Rabatte ist ein meist längliches Beet mit Zierpflanzen zur landschaftlichen Gestaltung, etwa der Abtrennung von Wegen oder Rasenflächen. Man unterscheidet Gehölzrabatten, gemischte Rabatten, eine Mischung aus Blumen und Gehölzen, und Staudenrabatten, es können jedoch auch einjährige Pflanzen und Blumenzwiebeln eingesetzt werden. Die Pflanzung ist nach landschaftsgestalterischen Gesichtspunkten ausgeführt. Auch Inselbeete, die von allen Seiten einsehbar und selten rechteckig sind, werden manchmal unter den Rabatten eingeordnet.Anna Pavord: The Border Book. Dorling Kindersley, London 1994, S. 57.
Geschichte Die Blumenrabatte entwickelte sich aus den Beeten des Nutzgartens, die zur einfachen Bearbeitung meist 1–1,3 m breit und auf beiden Seiten von Wegen eingefasst waren. Die Länge war beliebig und richtete sich nach der Gesamtgestaltung bzw. der Größe des Gartens. Die plate-bande der französischen Barockgärten sind frühe Formen solcher Rabatten. Sie konnten im Querschnitt flach, gerundet (dos d'âne) oder dreieckig (dos de carpe) sein. In den Niederlanden fanden sich solche Blumenrabatten etwa in den Gärten des Palastes von Het Loo.Patrick Taylor (Hrsg.): The Oxford Companion to the Garden, Lemma „Border“. Oxford University Press, Oxford 2006, ISBN 978-0-19-172754-2. Im Zuge der Tulpenmanie und der allgemeinen Begeisterung für Botanik in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts wurde besonderer Wert auf damals noch exotische Einzelpflanzen wie Tulpen, aber auch Kaiserkronen und andere Fritillarien, Krokusse, Windröschen, Gladiolen, Hyazinthen sowie Sonnenblumen und Studentenblumen gelegt. Sie standen einzeln in Rabatten, aber auch in parterres de piéces couplés, mit niedrigen Hecken eingefassten ornamentalen Beeten, umgeben von viel Erde. Im Gegensatz zu den französischen Broderien sollten hier die einzelnen Pflanzen wirken und hervorgehoben werden.Filippo Pizzoni: The Garden, a history in landscape and Art. Aurum Press, London 1999, S. 128. Dieses Schema wurde nach der Glorious Revolution durch niederländische Gärtner in England aufgegriffen, unter anderem in Hampton Court. mini|Doppelte Rabatten mit Hecken in Formschnitt in Arley Hall, Cheshire mini|Rekonstruierte Jekyll-Rabatte in Munstead Wood
Als sich Anfang des 18. Jahrhunderts der englische Landschaftsgarten durchsetzte, verschwanden Rabatten und Broderien aus dem unmittelbaren Umfeld des Herrenhauses. Das Blumenbeet, das Blumen für Gestecke im Haus lieferte, wurde oft einem in einiger Entfernung liegenden Wirtschaftsgarten angegliedert oder in den ummauerten Garten integriert.Penelope Hobhouse: Flower Gardens, a comprehensive Guide to over 700 flowering plants. Frances Lincoln, London 1991, S. 198. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts kehrte es in veränderter Form in die Nähe des Hauses zurück. Arley Hall hatte 1846 eine der ersten doppelten Staudenrabatten.Ursula Buchan: The English Garden. Frances Lincoln, London 2006, S. 95. Die Rabatten wurden nun dichter bepflanzt, meist mit Gruppen gleichartiger Pflanzen, und die Auswahl an Stauden hatte sich enorm vergrößert. Erde sollte nun nicht mehr sichtbar sein. Niedrige Pflanzen standen vorne, größere weiter hinten.Anon: The Herbaceous Border: Planning. The Manchester Guardian, 7. Juli 1934. Allerdings kritisierte schon William Robinson dieses steife Schema und empfahl, auch einmal größere Pflanzen nach vorne zu setzen, damit das ganze „natürlicher“ aussah.
Gertrude Jekyll, von Ruskin und William Turner beeinflusst, war eine der ersten, die eine Rabatte als Gesamtheit betrachtete. Sie entwickelte eine Farbabfolge von kühlen zu heißen und wieder zu kühleren Farbtönen nach dem Farbschema von Chevreul.Gertrude Jekyll: Colour schemes for Flower Gardens. Country Life, London 1919 (online). Die Pflanzung begann mit Pflanzen mit blauen Blüten, auf diese folgten graublaue und weiße Blüten, zartrosa und blassgelb, abgelöst von gelb, orange und rot in der Mitte des Gartens. Weiter hinten wurden die Farben wieder blasser und endeten mit lila und violett. Auch die Blattfarben passten teilweise in diese Abfolge. Dieses Schema wurde in England bis ins letzte Jahrhundert mit wenigen Ausnahmen, wie Christopher Lloyd in Great Dixter, sklavisch befolgt und hat das Bild des englischen Gartens entscheidend geprägt. Pflanzengruppen sollten in geschwungenen Linien (drifts) gesetzt werden und scheinbar natürlich ineinander übergehen.Beverley Lear: Colour in Gardens: A Question of Class or Gender? In: Chris Horrocks (Hrsg.): Cultures of Colour, Visual, Material, Textual. Berghahn, London 2012, S. 80f. Farbkontraste und kräftige Farben waren zu vermeiden, sie galten als vulgär. Oft wurden doppelte Rabatten entlang eines Rasenstreifens angelegt, die nach hinten durch Hecken begrenzt wurden. Diese konnten entweder gerade verlaufen oder Buchten und Bastionen bilden, wie in Arley Hall. Davor lag meist ein versteckter kleiner Pfad, damit die Gärtner pflanzen und jäten konnten.Penelope Hobhouse: Flower Gardens, a comprehensive Guide to over 700 flowering plants. Frances Lincoln, London 1991, S. 115. Gerüste aus Haselgeflecht oder Draht (heute Plastik) sollten verhindern, dass die überdüngten Pflanzen umfielen. Damit konnten die Beete im Sommer kaum noch betreten werden, Unkräuter und Schädlinge wurden mit dem massiven Einsatz von Herbiziden und Pestiziden bekämpft. Idealerweise waren beide Rabatten identisch, was auf Grund unterschiedlicher Sonneneinstrahlung naturgemäß schwierig war.
Die Rabatten der englischen Gärten des frühen 20. Jahrhunderts wurden zunehmend hypertroph, es entwickelte sich ein regelrechter Wettstreit um die längste Blumenrabatte. Damit nahmen diese auch in der Breite deutlich zu. 2016 befand sich die längste „doppelte“ Rabatte im Vereinigten Königreich mit 320 m in Kew Gardens.Elizabeth Henry: Great Broad Walk Borders on show – Kew opens longest double herbaceous borders in the UK. Horticulture Week, 5. August 2016, S. 4.
Ort Angelegt Länge in m Breite in m QuelleArley Hall, Cheshirevor 184690— Stefan Buczacki: Creating a Victorian Flower Garden. London 1988, S. 59.Botanic Gardens Belfast— 150Dirleton Castle1920er215 GWRGreat Dixter191260Greenwich Park, Queen’s house1925200 Hillier centenary Borders, Hampshire19642509Kew Gardens, Great Broad Walk Borders2016320 Newby Hall, Yorkshire1920er172 The Priory, Kemerton1950er90 Ursula Buchan: The English Garden. Frances Lincoln, London 2006, S. 100.RHS Wisley200015011Miserden—1005Waterperry, Oxfordshire—60 mini|Oudolfs „lange Rabatten“, Battleston Hill, RHS Garten Wisley, 2019
Die englischen Stauden-Rabatten der edwardischen Zeit waren extrem arbeitsintensiv. Verwelkte Blüten mussten ständig entfernt, einjährige Pflanzen je nach Jahreszeit neu eingepflanzt und damals nicht winterharte Pflanzen wie Dahlien und Gladiolen im Herbst ausgegraben und eingelagert werden. Stauden wurden im Frühjahr angebunden oder in ein jährlich erneuertes Stützgitter aus Zweigen eingerüstet sowie regelmäßig alle paar Jahre geteilt.Stefan Buczacki: Creating a Victorian Flower Garden. London 1988, S. 58–59. Im Herbst oder nach dem Abblühen wurden alle Pflanzen bis auf dem Erdboden zurückgeschnitten.Penelope Hobhouse: Flower Gardens, a comprehensive Guide to over 700 flowering Plants. Frances Lincoln, London 1991, S. 114.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die gemischte Rabatte durch, die eine Vielzahl von Gehölzen enthielt und weniger arbeitsintensiv war. Dieser „vereinfachte Stil“ wurde vor allem von Lanning Roper und Penelope Hobhouse propagiert. Hier prägten Sträucher und Gehölze die Struktur der Rabatte, sie wurden zuerst gepflanzt. Unter den Stauden wurden solche bevorzugt, die nicht so leicht umfielen, also nicht angebunden werden mussten. Im Pflanzenhandel wurden darum verstärkt Zwergformen gezüchtet, auch wenn darunter die Wirkung der Pflanze litt.
Das Ende der Rabattenmode wurde mehrfach prophezeit, z. B. durch Constance Spry bereits 1937, die Wiesenbepflanzung für zeitgemäßer hielt,Anon: The Herbaceous Border: Changes in Garden Planning. The Observer, 4. Juli 1937, S. 22 aber diese Gestaltungsform war für die Engländer fast eine Form der gartenbaulichen Besessenheit.Tim Richardson: The English Garden in the 20th century. Aurum Press 2005, London, S. 80; zitiert nach Ursula Buchan: The English Garden. Frances Lincoln, London 2006, S. 118. Erst in diesem Jahrhundert setzte sich, beeinflusst durch die sogenannte „Neue niederländische Schule“, hier vor allem Piet Oudolf, auch in der Gestaltung von Rabatten ein wesentlich lockerer Stil durch, der mit den Farbschemata und der Anordnung der Pflanzen nach Höhe brach und vor allem auch Gräser mit einbezog.
PavordAnna Pavord: The Border Book. Dorlington Kindersley, London 1994, S. 23. sieht die gemischte Rabatte als den modernen Gartentyp an. Sie enthält Sträucher für Struktur sowie Blumenzwiebeln und einjährige Pflanzen für mehr Farbe. Heutzutage ist die Unterscheidung zwischen gemischter und reiner Staudenrabatte jedoch zunehmend weniger von Belang.
Anlage Für einen modernen Garten hält Buczacki 5–8 m bei einer Breite von 2 m für das Mindestmaß.Stefan Buczacki: Creating a Victorian Flower Garden. London 1988, S. 67. Die Rabatte sollte eine sonnige Lage haben.Stefan Buczacki: Creating a Victorian Flower Garden. London 1988, S. 67.
Hintergrund Normalerweise hat die Rabatte eine äußere Abgrenzung, wie eine Mauer, einen Zaun oder eine immergrüne Hecke.Stefan Buczacki: Creating a Victorian Flower Garden. London 1988, S. 67. Besonders beliebt sind Eiben, da sie sich gut beschneiden lassen, zu einer glatten Wand, oder auch zu anderen architektonischen Elementen wie Bögen, Bastionen oder Zinnen. Kingsbury hält Eibenhecken besonders für Pastellfarben geeignet, während blaue und gelbe Blüten sowie grünes Laub am besten vor einer Ziegelmauer wirken und Gräser auch bei einem offenen Hintergrund geeignet sind.Noël Kingsbury: Designing Borders. Cassels, London 2003, S. 13. Hecken haben allerdings den Nachteil, dass sie Schatten werfen, Schutz für Schnecken bieten und den Blumen Wasser entziehen. Zum Schnitt muss vor der Hecke ein kleiner Pfad angelegt werden. Besonders Eibe kann zudem sehr düster wirken und wird mit der Zeit immer dicker und unförmiger. Alternativen sind Buche oder Hainbuche. Besonders in den Vereinigten Staaten sind Rabatten ohne hinteren Abschluss beliebt.
Wege In England sind mit Rasen bewachsene Wege beliebt. Alternativen sind Steinplatten (in England oft York Stone), frostfeste Ziegelsteine oder Kies. Ziegelsteine können in verschiedenen Mustern verlegt werden, besonders beliebt sind Fischgrätenmuster. Die klassische doppelte Rabatte hat schnurgerade Wege, auf denen mindestens zwei Personen nebeneinander gehen können, die Breite des Weges richtet sich aber auch nach den Maßen der Rabatten.
Farben mini|„Rote Rabatte“ in Hidcote