Der Meteoritenfall Bad Rodach im Jahr 1775 ist die Bezeichnung für ein Impaktereignis in Deutschland bei Coburg (Oberfranken).
Geschichte Vom Rodacher Meteoriten, der am 19. September 1775 niederging, sind in der Coburger Wöchentlichen Anzeige mehrere Augenzeugenberichte im Zeitraum vom 15. Dezember 1775 bis 17. Mai 1776 enthalten. So sei damals vielen Beobachtern bei völlig heiterem Himmel ein starkes, mehrmaliges Knallen, gefolgt von einem Gerassel aufgefallen.A. V. Réyti, G. Aumann: Meteorite – Boten aus dem Weltall. Naturkundemuseum Coburg, Coburg 1996.
Eine Augenzeugin sammelte um etwa 10 Uhr Kartoffeln, als sie laut Bericht der Coburger Wöchentlichen Anzeige plötzlich einen „Feuerklumpen so groß wie ihr Korb, begleitet von Knallen und Prasseln in der Luft“ entdeckte. Neben ihr schlug ein blauer Klumpen von der Größe eines Gänse-Eies in den Ackerboden ein. Staub und Dampf stiegen mannshoch empor.Bayerisches Landesamt für Umwelt: Nicht von dieser Welt. Bayerns Meteorite. 2012, S. 32–33.
Die Suche nach dem Stein blieb zunächst ergebnislos. Zwei Tage später wurde inmitten eines Kessels im Erdreich ein 6,5 Pfund (3,6 kg) schwerer Stein entdeckt (bis 1811 wog 1 Pfund in Bayern circa 561 g). Der Stein hatte eine Kartoffelpflanze direkt getroffen, die einzelnen Kartoffeln nach außen geschleudert, einige zerschmettert, andere schwarz und braun angekokelt.
Laut einem weiteren Bericht war der Stein selbst mit einer dünnen dunkelbraunen Rinde überzogen. Er ähnelte einem Tetraeder, mit ungleichen Flächen; die größte Seitenfläche hatte eine runde Vertiefung mit radialen Streifen.E. F. F. Chladni: Über die Feuer-Meteore und die mit denselben herabgefallenen Massen. Heubner, Wien 1819.
Verschwinden und vermeintliches Wiederauffinden des Meteoriten Der Meteorit wurde ins herzogliche Naturalien-Kabinett gebracht, von wo er spurlos verschwand. Chladni schrieb dazu:
Beim Aufräumen in der Kunstsammlung Coburg wurde 230 Jahre nach dem Meteoritenfall in einem alten Schrank ein Stein gefunden, auf den die Beschreibung des verschwundenen Meteoriten passte. Der Rest eines alten, unleserlichen Etiketts war auszumachen. Während seiner Analyse wurden hohe Gehalte an Kupfer festgestellt. Da Kupfer allerdings in diesen Mengen im Weltall nicht vorkommt, wurde ausgeschlossen, dass es sich beim vorliegenden Stein um den gesuchten Meteoriten handelte. Damit bleibt der Meteorit von Bad Rodach weiterhin verschollen.
Siehe auch Liste der Meteoriten Deutschlands
Literatur Bayerisches Landesamt für Umwelt: Nicht von dieser Welt. Bayerns Meteorite. Selbstverlag, Augsburg 2012, ISBN 978-3-936385-92-2.
Einzelnachweise
Bad Rodach 1755 Kategorie:Ereignis 1775 Kategorie:Bad Rodach