Der Spartacusbund (Kurzbezeichnung: SpaBu,Nitzsche 2009, 80 und (PDF; 2,8 MB), S. 109 bzw. 107, Nr. 628; Buchanzeige bei www.abebooks.de; Buchanzeige bei www.antiquariat.de; und Kommentar bei www.linkezeitung.de auch: SpabuGellrich 1999, 42. und SpB) bzw. die ihm vorausgegangenen Gruppierungen IKD/KJO waren mit mehreren hundert Mitgliedern – neben der Gruppe Internationale Marxisten (GIM) und deren Jugendorganisation RKJ – in den 1970er Jahren eine der beiden größten trotzkistischen Gruppierungen in der Bundesrepublik und West-Berlin.„Die IKD/KJO waren in den Jahren 1969–71 vermutlich die stärkste trotzkistische Organisation“ (Brandt/Steinke 1979/80, 1631). „Mitte der 70er Jahre [… war der] Spartacusbund […] die zweitstärkste trotzkistische Organisation in der BRD“ (Gellrich 1999, 42). Der SpaBu existierte von 1974 bis Anfang der 1980er Jahre.

Vorgeschichte: IKD und KJO Die Vorgeschichte des SpaBu lässt sich bis Ende 1968 / Anfang 1969 zurückverfolgen, als sich innerhalb der „deutschen Sektion der IV. Internationale“ eine Strömung namens Bolschewistische Fraktion (Bolfra) bildete, die sich für ein Ende der Entrismus-Politik und den Aufbau einer Jugendorganisation einsetzte sowie nicht nur der Mehrheit der eigenen Sektion, sondern auch der der IV. Internationale insgesamt ein Abgehen von der „proletarischen Klassenlinie“ vorwarf.Nitzsche 2009, 45; Brandt/Steinke 1979/80, 1605 f.; Gellrich 1999, 42 In einem im Einzelnen von der Forschung noch nicht geklärtenAus der vorliegenden Sekundärliteratur geht nicht eindeutig hervor, ob die Spaltung tatsächlich bereits Pfingsten 1969 vollzogen wurde (so einige explitzte Formulierungen in der Literatur) oder an Pfingsten und in den Wochen danach zwei konkurrierende Gruppen unter dem fortbestehenden Dach der Sektion entstanden (worauf konkret geschilderte Fakten hindeuten). Z. B.:

a) Datum der Spaltung: Brandt/Steinke 1979/80, 1606: „Pfingsten 1969 kam es formell zur Spaltung“ / Gellrich 1969, 20: sich „die deutsche Sektion der IV. Internationale […] Pfingsten 1969 in IKD und GIM gespalten hatte“ versus die Gründung der IKD erfolgte – anders als die der GIM – erst im Juni (Langguth 1976, 215; Nitzsche 2009, 45, 55) oder Juli (Langguth 1971, 151; 1976, 232, FN 97) 1969; „die IKD […] wurde von dieser [der IV. Internationale] als ‚Minderheitstendenz der deutschen Sektion’ anerkannt“ (Nitzsche 2009, 55) – d. h.: die gemeinsame Sektion existierte noch (wenn auch mit einer Mehrheits- und einer Minderheitstendenz).

b) Umbenennung oder Neugründung? Die gemeinsame Pfingstkonferenz habe mit Mehrheit die Annahme des Namens „GIM“ beschlossen (Nitzsche 2009, 45) versus: Die Gründung der GIM sei erst erfolgt (Langguth 1971, 152 – Hv. hinzugefügt).

„Die GIM [wurde] als offizielle Sektion durch die IV. Internationale anerkannt“ (Gellrich 1999, 20) versus: War eine Anerkennung überhaupt notwendig, wenn es sich bloß um eine Umbenennung und nicht eine Neugründung handelte? Oder deutet die Rede von >Anerkennung< darauf hin, dass es sich gerade nicht um eine Umbenennung durch Mehrheitsbeschluss, sondern sehr wohl um eine separate Neugründung handelte?

c) Die Rolle der IV. Internationale dabei: Wann erfolgte die Anerkennung als GIM (als alleinige!) Sektion (ohne IKD als interne Minderheitstendenz): Gleich nach der Pfingst-Konferenz 1969 (worauf Formulierungen hindeuten, die die Anerkennung ohne nähere Datierung in einem Atemzug mit der Pfingst-Konferenz nennen) oder vielmehr erst „nach einigen Monaten“ (Brandt/Steinke 1979/80, 1606) oder vielleicht sogar erst nach dem endgültigen Bruch zwischen IKD und IV. Internationale im Jan. 1971 (vgl. Nitzsche 2009, 55)? Prozess in der Zeit vom Pfingstwochenende 1969 bis zum Jan. 1971 kam es dann zur Spaltung der – de facto: bundesdeutsch/West-Berliner„Obwohl dem Namen nach deutsche Sektion, existierte die GIM faktisch nur in der Bundesrepublik Deutschland und in West-Berlin.“ Auch für die Zeit vor Gründung der GIM wird in der ausgewerteten Sekundärliteratur über keine Aktivitäten der „deutschen Sektion der IV. International“ in der DDR (anders als noch für die SBZ-Zeit [Brandt/Steinke 1979/80, 1601]) berichtet. – Sektion der IV. Internationale und dem Ausscheiden der SpaBu-Vorläufer aus der IV. Internationale:

Im Kontext dieser fraktionellen Auseinandersetzungen, die schließlich zu besagter Spaltung führten, wurde bereits 1968 in West-Berlin ein Initiativausschuss für eine revolutionäre Jugendorganisation gegründet.Nitzsche 2009, 45; Brandt/Steinke 1979/80, 1605. In der Folgezeit bildeten sich auch außerhalb West-Berlins Spartacus-Gruppen. Anfang Nov. 1970 fand dann in Dortmund eine Arbeitskonferenz,Langguth 1971, 162 zu der die „Spartacus-Organisationen Westberlin, Nordrhein-Westfalen, Rhein-Main und Oldenburg sowie die Internationalen Kommunisten Deutschlands“ eingeladen hatten,Spartacus Nr. 18, Dez. 1970, 3. statt.

Die Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD) waren im JuniLangguth 1976, 215; Nitzsche 2009, 45, 55 oder JuliLangguth 1971, 151; 1976, 232, FN 97 1969 aus der Bolschewistischen Fraktion innerhalb der „deutschen Sektion der IV. Internationale“ hervorgegangenBrandt/Steinke 1979/80, 1606, 1628 – ohne Nennung des Gründungsdatums und brachten damit den historischen Namen der Sektion, der in der Entrismus-Zeit nicht mehr verwendet wurde„die deutsche Sektion der IV. Internationale [verwendete] den Namen IKD nicht mehr […] und [schirmte] sich in ihrem Verzicht auf die ‚offene Arbeit’ nicht nur gegen die Polizei, sondern auch gegenüber der linken Öffentlichkeit ab[…]“ (Nitzsche 2009, 184). „Peter Brandt, der 1966 als Schüler für die Gruppe rekrutiert wurde, bestätigt, dass diese nicht einmal einen Namen hatte und nur ‚deutsche Sektion der Vierten Internationale’ genannt wurde“ (Flakin 2013, 34 bei FN 26). Vgl. Gellrich 1999, 20: Dies war Folge der „konspirative[n]“ Weise, in der der Eintritt der Mitglieder der IV. Internationale „in die großen traditionellen (sozialdemokratischen bzw. kommunistischen) Arbeiterparteien“ in der Phase der Entrismus-Politik erfolgen sollte (Brandt/Steinke 1979/80, 1691 f.)., ins politische Leben zurück. Das Verhältnis von IKD und der zu gründenden Jugendorganisation wurde dabei so gesehen, dass letztere deshalb eine besondere Rolle beim Aufbau einer neuen Kommunistischen Partei spielen müsse, da die „jungen Teile der Klasse [der Lohnabhängigen]“ nicht von den „desillusionier[enden], demoralisier[enden] und atomisier[enden]“ Auswirkungen von Faschismus, Sozialdemokratismus und Stalinismus sowie des wirtschaftlichen Nachkriegs-Booms geprägt seien,Langguth 1971, 163 f.; vgl. Langguth 1976, 225 f. es aber gleichzeitig der IKD als Korrektiv gegen die Gefahr einer Verkürzung der Arbeit der KJO auf bloße Jugendinteressen bedürfe.Brandt/Steinke 1979, 1628 f.

Bei der Dortmunder Konferenz waren 30 bis 40 örtliche Gruppe vertreten,Brandt/Steinke 1979/80, 1628; Nitzsche 2009, 60. während die vorgenannten „Spartacus-Organisationen“ bereits „regionale Zwischeninstanzen“ darstellten.Brandt/Steinke 1979/80, 1628; vgl. Langguth 1971, 162: Gründung des Spartacus-Regionalausschusses Nordrhein-Westfalen am 26. April 1970 Die förmliche Gründung der „Kommunistischen Jugendorganisation Spartacus“Siehe das Impressum auf Seite 19 des Spartacus-Heftes 21 vom April 1971. fand dann am 27./28. März 1971 in Frankfurt statt.Siehe das Impressum auf Seite 6 des Spartacus-Heftes 21 vom April 1971, und aus der Sekundärliteratur: Langguth 1971, 162 und 1976, 224 f. (unter Nennung des genauen Datums); Brandt/Steinke 1979/80 und 1628; Nitzsche 2009, 56: „Ende März“. Die dort verabschiedete programmatische Plattform endete mit fünf Mitgliedschaftsbedingungen: „1. Anerkennung der Notwendigkeit der proletarischen Revolution und der Diktatur des Proletariats. 2. Anerkennung der Notwendigkeit der zentralisierten revolutionären Klassenführung in Gestalt der Kommunistischen Partei. 3. Anerkennung der Notwendigkeit des Aufbaus der Kommunistischen Jugendorganisation als eines strategischen Moments im Entstehungsprozess der Partei des deutschen Proletariats. 4. Anerkennung der Notwendigkeit des antibürokratischen Kampfes in den Gewerkschaften. 5. Anerkennung der Notwendigkeit des systematischen Kampfes gegen alle Spielarten des Sozialdemokratismus und Stalinis[mus]“.Spartacus Nr. 21, April 1971, 6. Vgl. aus der Sekundärliteratur: Langguth 1971, 162 und 1976, 224 f.

Der Spartacusbund Die Gründung und Geschichte des SpaBu Der Spartacusbund schließlich entstand ca. drei Jahre später, bei einer Konferenz am 2. und 3. Feb. 1974, als Wiedervereinigung der Kommunistischen Organisation (bis 1973: Jugendorganisation) Spartacus und des Spartacus-BL (Bolschewisten-Leninisten).Langguth 1976, 223; 228 (unter Nennung des genauen Datums); vgl. Brandt/Steinke 1979/80, 1631 f. und Nitzsche 2009, 57 (beide: „Februar“) Der Spartacus-BL hatte sich im Dez. 1971 – wegen Kritik an der Jugendorientierung der KJO und unter dem Anspruch, größer zu sein als der verbleibende Rest der KJO – von dieser abgespalten,Langguth 1976, 226 f.; vgl. Brandt/Steinke 1979, 1631; Nitzsche 2009, 56 bis es dann – wie gesagt – im Feb. 1974 unter dem neuen Namen zur Wiedervereinigung kam. Die IKD ging vermutlich in der zweiten HälfteLaut Nitzsche 2009, 57, FN 298 schreibt Norbert Madloch (Zur Auseinandersetzung mit der Ideologie, Politik und Praxis des Linksopportunismus in der BRD und in Westberlin, Diss. Akademie für Gesellschaftswissenschaften: Berlin/DDR, 1976, Bd. 2, S. 96) „von der Auflösung der IKD in die KJO im Sommer 1973“. Damit wäre also der 20. Juni als frühster Termin für eine solche „Auflösung“ der IKD in die KJO (oder später die KO) anzunehmen. des Jahres 1973 – vielleicht aus Anlass der am 17./18. Nov. 1973Langguth 1976, 227 erfolgten Umbenennung der Kommunistischen Jugendorganisation Spartacus in Kommunistische Organisation Spartacus (KO) – in die KO auf.Nitzsche 2009, 199, siehe aber auch 57, FN 298. Von den IKD verblieb danach nur noch ein „nahezu unbedeutenden“ „Rest“ übrig (Langguth, 1976, S. 232, Fußnote 97; vgl. dazu die von Nitzsche 2009, 57 bei FN 305 genannte Publikation). Die Gründungskonferenz („Fusionskonferenz“) des Spartacusbundes beauftragte das dort gewählte Zentralkomitee sogleich mit der Vorbereitung einer 2. Bundeskonferenz.Langguth 1976, 228. Die 3. Bundeskonferenz des SpaBu fand am 29. und 30. Juni 1974 statt.Langguth 1976, 229. Eine weitere SpaBu-Konferenz – laut Nitzsche (2009, 58) die fünfte – fand 1975 statt. Die nächste – laut Brandt/Steinke 1979/80, 1633: vierte (eventuell eine Verwechslung von „IV.“ und „VI.“) – Bundeskonferenz fand 1977 statt.

Ab 1975 verlor die SpaBu zahlreiche Mitglieder (siehe unten). 1977 kam es sogar zu einem „kalten Auflösung[s]“-Versuch der damaligen Mehrheit im Zentralkomitee.Nitzsche 2009, 59: „Die Mehrheit im Zentralkomitee, die Internationalistische Tendenz (IT), erklärte im Mai 1977 den Spartacusbund für handlungsunfähig und faktisch aufgelöst.“ (Hv. hinzugefügt). Schließlich wurde der Spabu aber von der Tendenz Neuer Kurs (unter dem alten Namen) weitergeführt.Nietzsche 2009, 59: „Auf die ‚kalte Auflösung‘ des Spartacusbund durch die IT reagierten die Tendenz Neuer Kurs (TNK) und die Essener Tendenz mit dem Vorschlag, den Spartacusbund neu zu gründen. Doch bevor man sich über eine Plattform einigen konnte, zerstritten sich die beiden Tendenzen. Der Spartacusbund wurde von der Tendenz Neuer Kurs fortgeführt, die sich im Wesentlichen auf Gruppen in Berlin, Frankfurt, Oldenburg, Münster und ein paar versprengte Mitglieder stützte.“ (zu diesen beiden Tendenzen siehe bei Nitzsche auf der gleichen Seite weiter oben). Vgl. auch knapp Brandt/Steinke 1979/80, 1633: . Schließlich wurde aber im Okt. 1981 doch noch die Auflösung des Spabu beschlossen,Nietzsche 2009, 59. aber anscheinend erst Anfang der 1982 vollzogen.Vgl. auch Gellrich 1999, 43, FN 99: „Der Spartacusbund löste sich Anfang der 80er Jahre auf.“

Politische Positionen und Wahltaktiken