miniatur|Thea Sandten auf einer Fotografie von Alexander Binder Thea Sandten (geboren als Toni Wally Ansorge am 30. Juni 1884 in Breslau, Deutsches Reich; gestorben im Januar 1943 im KZ Auschwitz) war eine deutsche Stummfilmschauspielerin.

Leben und Wirken Über Thea Sandtens Werdegang ist kaum etwas bekannt. Die 1884 in der schlesischen Hauptstadt Breslau geborene Künstlerin ist seit 1910, als sie am Friedrich-Wilhelmstädtischen Schauspielhaus ihr erstes Festengagement antrat, als Theaterschauspielerin nachweisbar. Wenig später wurde sie auch vor die Kamera geholt. Der erste größere Erfolg war Sandten in ihrem Filmdebütjahr 1912 mit der Antonie Adamberger in dem patriotischen Zeitdrama Theodor Körner beschieden.

Tragende Rollen spielte Thea Sandten, die „ihre gesamte Karriere hindurch fast ausschließlich in ‚Frauenfilmen‘“CineGraph, Lieferung 56 auftrat und 1913 für vier Produktionen auch nach Italien verpflichtet wurde, in den unterschiedlichsten dramatischen Geschichten. Oft hatte sie ein schweres Schicksal zu meistern oder wurde aus einer großen Gefahr gerettet. Thea Sandten wirkte in ihrer nur zehn Jahre währenden Leinwandkarriere an der Seite berühmter Stummfilmkollegen wie Asta Nielsen, Hanni Weisse und Alexander Moissi.

Ihre größten Erfolge hatte Thea Sandten 1916, als sie in Richard Oswalds Hoffmanns Erzählungen (wo sie die Giulietta verkörperte) und in Otto Ripperts Schauergeschichte Homunculus spielte. Mit der Tesa-Film Berlin besaß sie Anfang der 20er Jahre eine kleine Produktionsfirma, die aber nur über ein sehr geringes Output verfügte. Bald darauf verliert sich Thea Sandtens Spur.

Privates und späte Jahre Seit dem August 1916 in erster Ehe mit dem zwei Jahre jüngeren Alfred Jachmann verheiratet, wurde diese Ehe bereits im Mai 1920 wieder geschieden. Eine zweite, 1931 geschlossene Ehe währte gleichfalls nicht lange. Im letzten Friedensjahr 1939 heiratete Thea Sandten einen jüdischen Mitbürger namens Löwenstein und lebte bis zum Jahresende 1942 unter für das Ehepaar immer schwieriger werdenden Bedingungen in der deutschen Reichshauptstadt. Als die von den Nationalsozialisten initiierte Deportationswelle im darauffolgenden Winter auch die noch verbliebenen Berliner Juden traf, wurde die zuletzt als Toni Löwenstein gemeldete Sandten am 9. Dezember 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und dort mutmaßlich im Januar 1943 ermordet.

Filmografie 1912: Auf dornigen Pfaden 1912: Europäisches Sklavenleben 1912: Gelbstern 1912: Theodor Körner 1913: Komödianten 1913: Ein Mädchen zu verschenken 1913: Il tenore 1913: La vendetta del giusto 1913: Die Nacht zuvor 1914: Der Schuß um Mitternacht 1914: Die beiden Rivalen 1914: Zweite Tür links 1915: O, du mein Österreich 1915: Kulissenzauber 1915: Die Schwester vom Roten Kreuz 1915: Der Jude von Prag 1915: Die büßende Magdalena 1915: Schicksalswende 1915: Und das Wissen ist der Tod 1916: Aus dem Buche des Lebens 1916: Hoffmanns Erzählungen 1916: Der Trödler von Prag 1916: Schweigepflicht 1917: Homunculus, 6. Teil: Das Ende des Homunculus 1917: Der Saratogakoffer 1917: Die Tochter der Gräfin Stachowska 1918: Ein rätselhafter Blick 1918: Die Rose von Dschianpur 1918: Die Prinzessin Adina 1918: Ferdinand Lassalle – Des Volkstribunen Glück und Ende 1919: Der Kampf um die Ehe (2 Teile) 1919: Kronprinz Rudolph oder: Das Geheimnis von Mayerling 1920: Ein Tropfen schwarzen Blutes 1921: Die Vielgeliebte (auch Produktion) 1922: Das Licht um Mitternacht

Literatur Thea Sandten. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 56

Einzelnachweise

Weblinks

Kategorie:Stummfilmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Darstellender Künstler (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Todesopfer im KZ Auschwitz Kategorie:Geboren 1884 Kategorie:Gestorben 1943 Kategorie:Frau