Johannes Emanuel Ignatz Oberländer (meist Hans Oberländer; * 14. März 1870 in Prag, Österreich-Ungarn; † 30. Januar 1942 in Freiburg im Breisgau, Deutsches ReichStandesamt Freiburg im Breisgau: Sterberegister. Nr. 189/1942.) war ein deutscher Theater- und Stummfilmregisseur und Theaterwissenschaftler.
Leben und Wirken Herkunft und erste Jahre Die Eltern waren der erfolgreiche Schauspieler Heinrich Oberländer und die Opernsängerin Laura Laufer.Ludwig Eisenbergs Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig 1903, S. 734 f., (), zur Biographie des Vaters Die Familie zog kurz nach der Geburt des Sohnes nach Berlin, wo der Vater königlicher Hofschauspieler wurde. 1884 starb die Mutter. Hans Oberländer besuchte ein Gymnasium in Neubrandenburg (?) und studierte dann Deutsche Philologie in Berlin. Im Oktober 1894 immatrikulierte er sich in Rostock und promovierte dort 1896.Matrikelportal Rostock, Nr. 200026096; dort als Schule Neubrandenburg angegeben (möglich wäre auch Neustadt Brandenburg?) In dieser Zeit spielte er wahrscheinlich bereits in einem Theater. Spätestens 1898 war er Regisseur am Hoftheater in Gotha.
Theaterregisseur in Berlin und Wiesbaden
1899 lebte Hans Oberländer wieder in Berlin und gründete dort den Akademischen Verein für Kunst und Literatur, der sich der Aufführung antiker Dramen widmete.Hellmut Flashar: Inszenierung der Antike. Das griechische Drama auf der Bühne der Neuzeit. 2., erweiterte Auflage, München 2009, S. 109ff., zur Entstehung des Akademischen Vereins und die Aufführungen, grundlegendUlrich Kühn: Sprech-Ton-Kunst: musikalisches Sprechen und Formen des Melodrams im Schauspiel- und Musiktheater (1770 - 1933). Tübingen: Niemeyer 2001 S. 200–203, zur Geschichte Angeregt wurde er dazu durch die Übersetzungen des Altphilologen Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff, zu dem er auch danach einen persönlichen Kontakt pflegte. Für die Aufführungen konnte er junge ambitionierte Schauspieler wie Max Reinhardt gewinnen. Mit diesem arbeitete er in den nächsten Jahren intensiv zusammen. 1901 wurde Oberländer einer der Direktoren der jungen Kleinkunstbühne Schall und Rauch von Reinhardt, aus der 1902 das Kleine Theater hervorging. Dort wurde er einer der wichtigen Regisseure. Sein größter Erfolg war die Inszenierung der Salome von Oscar Wilde 1902. Seit 1903 war Oberländer auch als Regisseur in Reinhardts Neuem Theater tätig.
Seit 1907 oder 1908 war er am Königlichen Schauspielen Wiesbaden als Regisseur angestellt.
Stummfilmregisseur
Seit 1911 war Hans Oberländer als Regisseur in Stummfilmen tätig, zuerst mit dem Berliner Produzenten Oskar Messter. Er entwickelte sich bald zum produktivsten Regisseur (nach Adolf Gärtner) mit 37 bekannten Stummfilmen. Keine seiner Inszenierungen besitzt heute noch künstlerische oder filmhistorische Bedeutung, seine Werke erfreuten sich jedoch in den Anfangsjahren der Kinematographie beim Publikum einiger Popularität. Er machte Harry Liedtke 1913 einem breiteren Publikum bekannt, drehte Melodramen mit Ressel Orla und Mia May und zeichnete auch für Serienkrimis wie Der Onyxknopf mit Max Landa als Joe Deebs verantwortlich. Der Marija-Leiko-Film Die Frau von morgen von 1921 war seine letzte Produktion.
Letzte Jahre
Danach sah man Hans Oberländer noch zweimal als Filmschauspieler; seine letzte Rolle war die eines Pfarrers in dem im September 1929 gedrehten Aufklärungsfilm Fruchtbarkeit.
Von 1933 ist sein letztes Engagement am Deutschen Theater unter Max Reinhardt bekannt. Nach dessen Emigration gibt es auch keine Nachrichten mehr über Hans Oberländer in Deutschland, möglicherweise verließ er ebenfalls das Land.Im Bühnenjahrbuch von 1934 wurde er letztmals genannt, dort bereits ohne Engagements, nur mit Mitgliedsnummer; das Bundesarchiv R 57/11652, enthält Unterlagen über ihn beim Deutschen Ausland-Institut 1942 starb er in Freiburg im Breisgau.
Dr. Hans Oberländer war seit 1904 verheiratet.
Theater Regietätigkeiten Hans Oberländer führte Regie in Theatern in Gotha, Berlin, Wiesbaden und möglicherweise weiteren Orten. Er widmete sich besonders antiken Dramen und modernen Theaterstücken mit einem Bezug zu altertümlichen Stoffen. Angegeben sind die Premierentage, es gab meist weitere Vorstellungen.Besprechungen der Premieren gab es meist in Die Schaubühne, Bühne und Welt, Berliner Tageblatt, Vossische Zeitung und weiteren Zeitungen und Zeitschriften in den folgenden Tagen; vgl. 32 Max Reinhardt directed plays (PDF), mit Angaben zur Regietätigkeit von Max Oberländer und anderen Regisseuren
König Ödipus von Sophokles, 28. Februar 1900, Berliner Theater, mit Akademischem Verein für Kunst und Literatur, mit Louise Dumont, Max Reinhardt Antigone von Sophokles, 28. März 1900, Lessing-Theater Berlin, mit Akademischem Verein für Kunst und Literatur, mit Louise Dumont, Max Reinhardt Orestie von Aischylos, 24. November 1900, Theater des Westens, mit Akademischem Verein für Kunst und Literatur, mit Louise Dumont, Eduard von Winterstein, Max Reinhardt, neuzeitliche ErstaufführungUlrich Kühn: Sprech-Ton-Kunst: musikalisches Sprechen und Formen des Melodrams im Schauspiel- und Musiktheater (1770 - 1933). Tübingen: Niemeyer 2001 S. 200–203, zu den drei Inszenierungen des Akademischen VereinsHellmut Flashar: Inszenierung der Antike. Das griechische Drama auf der Bühne der Neuzeit. 2., verbesserte Auflage, München. S. 109f., mit Details zu den drei Inszenierungen des Akademischen Vereins Die tote Stadt von Gabriele D’Annunzio, 26. Januar 1902, Neues Theater Berlin, mit Lessinggesellschaft, mit Rosa Bertens, Hermann Boettcher, Max Pohl, deutsche ErstaufführungDie Woche, 1902, S. 267, Szenenfoto mit Beschriftung Foto Salome von Oscar Wilde, 15. November 1902, Kleines Theater Berlin, mit Gertrud Eysoldt, geschlossene Veranstaltung, danach weitere Aufführungen, großer Erfolg
Die Raben von Henry Becque, 16. Januar (?) 1903, Kleines Theater Die Lokalbahn von Ludwig Thoma, 25. Februar 1903, Neues Theater, erste Theateraufführung nach der Übernahme des Theaters durch Max Reinhardt Medea von Euripides, 19. Februar 1904, Neues Theater Des Pastors Rieke von Erich Schlaikjer, 12. März 1904, Kleines Theater Märtyrer von Georg Reicke, 6. April 1904, Kleines Theater Die Kronprätendenten von Henrik Ibsen, 7. Oktober 1904, Neues Theater Bunbury von Oscar Wilde, 31. Dezember 1906, Kleines Theater John Gabriel Borkman von Henrik Ibsen, 9. Oktober 1908, Königliche Schauspiele WiesbadenIbsen Stage, search contributor
Filmografie (Auswahl) Regie 1911: Die Wallfahrt nach Kevlaar 1912: Die Hohe Schule 1912: Für die Ehre des Vaters 1912: Gequälte Herzen 1912: Im Banne der Schuld 1913: Problematische Naturen 1913: Zu spät (fraglich) 1913: Frauenleid 1913: Statistinnen des Lebens 1913: Ultimo 1913: In Vertretung 1913: Schuldig 1913: Schwester Martha 1913: Zurückerobert 1914: Der polnische Jude 1914: Die zerbrochene Puppe 1914: Sein braunes Mädel 1914: Wenn Wunden heilen 1915: Fürstliches Blut 1915: Aschenbrödel 1915: Abgründe 1915: Der Erbförster 1916: Lumpenliesel 1916: Mutter und Kind 1916: Dienstmann Wubke 1916: Seine häßliche Frau 1917: Opfer der Leidenschaft 1917: Der Onyxknopf 1917: Vertauschte Seelen 1917: Ehre 1918: Das Herz vom Hochland 1918: Schiffbrüchige der Liebe 1919: Das Mädchen aus dem wilden Westen (nur Co-Drehbuch) 1919: Komödianten 1919: Ein schwaches Weib 1919: Foxtrott-Papa 1919: Drei Tage Freiheit 1920: Die Laune eines Lebemannes 1920: Moderner Kapitalismus 1920: Dämon Weib 1920: Richtet nicht 1921: Die Frau von morgen
Drehbuch und Schauspieler 1925: Blitzzug der Liebe, als Schauspieler 1926: Rosen aus dem Süden, nur Co-Drehbuch 1929: Fruchtbarkeit, als Schauspieler
Publikationen Hans Oberländer veröffentlichte zwei theatertheoretische Schriften, sowie einige Aufsätze zu Theateraufführungen Die Theorie der deutschen Schauspielkunst im 18. Jahrhundert, ihr Ursprung und ihre Entwicklung, Rostock 1896, Dissertation Die geistige Entwicklung der deutschen Schauspielkunst im 18. Jahrhundert, Hamburg 1898, erweiterte Fassung der Dissertation
Literatur Hellmut Flashar: Inszenierung der Antike. Das griechische Drama auf der Bühne der Neuzeit. 2., erweiterte Auflage, C. H. Beck, München 2009 S. 376, mit biographischen Angaben Filmstern. Richters Handbuch der Schauspieler, Regisseure und Schriftsteller des Films. Bd. 4, 1921/1922, , S. 73.
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