Das Bischofshaus am Domplatz der mittelhessischen Stadt Limburg an der Lahn wurde als Residenz des Limburger Bischofs errichtet. Die maßgeblich durch den damaligen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zu verantwortenden Mehrkosten waren im März 2014 ein Grund für dessen Rücktritt.Tebartz-van Elst schiebt Schuld auf Generalvikar. Spiegel Online am 27. März 2014, abgerufen am 31. März 2015. Heute wird die Anlage als Diözesanes Zentrum St. Nikolaus genutzt.

Geografische Lage Das 1750 m² große Grundstück des Bischofshauses liegt auf dem Domberg über der Stadt, benachbart zum Dom. Es wird an zwei Seiten von historischen Stadtmauern eingefasst und grenzt unmittelbar an das Diözesanmuseum Limburg.

Teile Der Komplex umfasst das grundsanierte Haus Staffel (die sogenannte Alte Vikarie), das ebenfalls sanierte ehemalige Domküsterhaus sowie einen Neubaukomplex.

Historischer Bestand Historische Mauern und archäologische Funde

Das Gelände ist an Nord- und Südseite von Resten der ehemaligen Stadtmauern begrenzt. Bei den Arbeiten am Bischofshaus wurden Fundamente eines Wehrturms freigelegt. Diese und die historischen Mauern wurden saniert, in situ erhalten und in das Untergeschoss des Bischofshauses integriert.

Alte Vikarie miniatur|Teil der historischen Mauer und Alte Vikarie

Die Alte Vikarie wurde um 1490 errichtetTeufner, Küttner, S. 8. Fuchß, S. 246, gibt abweichend eine Entstehungszeit in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts an. und ist seitdem prägend für den Domplatz. Seit 1903 im Besitz des Bistums Limburg,Fuchß, S. 246. wurden im Zuge der Renovierungsarbeiten ab 2011 große Schäden an Fachwerk und Dachstuhl aufgedeckt, die den Einbau einer Stützstruktur erforderlich machten. Dies kostete nach Angaben des Bischöflichen Ordinariats etwa 2,5 Millionen Euro, während der eigentliche Umbau knapp 1,3 Millionen Euro kostete.Bischöfliches Ordinariat Limburg: Entwicklung Planungsentscheidungen Diözesanes Zentrum St. Nikolaus, S. 8; abgerufen am 16. Mai 2025. Nach der 2014 abgeschlossenen Instandsetzung beherbergt die alte Vikarie nun die Büros des Bischofs, seines Büroleiters, Teile des Bischofssekretariats, Besprechungsräume und eine Bibliothek.Teufner, Küttner, S. 11.

Domküsterhaus

Das Domküsterhaus wurde 1903/1904 im Auftrag des Bischöflichen Ordinariats erbaut. Es war bis 2011 zusammen mit dem gleichzeitig erbauten Dompfarrhaus das jüngste Gebäude am Domplatz.Fuchß, S. 243f., 246 Seit der Sanierung und Integration in das Diözesane Zentrum dient das Domküsterhaus als Wohnung für Ordensfrauen, die mit dem Bischof eine Gebets-, Lebens- und Arbeitsgemeinschaft bilden. Hier war auch das Büro des dritten Ökumenischen Kirchentags 2021 untergebracht.Teufner, Küttner, S. 8.

Mariengarten miniatur|Mariengarten

Der Mariengarten am unteren Hang des Dombergs umfasst eine Fläche von etwa 25 × 30 m. Die umgebende Mauer des heutigen Mariengartens stammt noch aus karolingischer Zeit. Ursprünglich gehörte der Garten den Grafen von Walderdorff, wurde später als Lapidarium genutztTeufner, Küttner, S. 11. und dann 2011 bis 2013 von den Kölner Landschaftsarchitekten Club L94 neu gestaltet. Der Garten besteht aus vier quadratischen Hochbeten, die mit Rasen bepflanzt sind, die übrige Fläche bedeckt Kies. An der Mauer des Gartens befinden sich 15 Bronzetafeln mit Reliefs der 14 Stationen des Kreuzwegs und einer 15., zusätzlichen Darstellung, die den Auferstandenen unter seinen Jüngern zeigt. In der Kiesfläche stehen „fruchttragende Apfel-, Birnen-, Kirschen- oder Walnussbäume genau wie Lavendel, Rosen und Hortensien“.Teufner, Küttner, S. 27. Der Zugang zum Garten ist über den Hof des Diözesanmuseums möglich.

Neubau Kapelle St. Maria

Die Kapelle St. Maria mit den Aposteln im Abendmahlssaal ragt mit 13 m Höhe als einziger Gebäudeteil aus dem sonst zweigeschossig gehaltenen Neubaukomplex heraus. Sie hebt sich von außen durch die schwarze Fassadenbekleidung aus Nero Assoluto Z, einem Basalt, der in Simbabwe abgebaut wird, von dem sonst in helleren Farben gehaltenen Gebäude ab.Teufner, Küttner, S. 16. Dagegen ist das Innere der Kapelle in Weiß gehalten. Die Ausstattung ist stilistisch modern dem Raum angepasst, lediglich ein frühneuzeitliches Altarretabel mit einer Anbetung der KönigeTeufner, Küttner, S. 18. konterkariert den puristischenTeufner, Küttner, S. 19. Eindruck.

Die Farbglasfenster der Kapelle stammen von Johannes Schreiter. Die acht Fenster haben zum ThemaTeufner, Küttner, S. 19.: Osten: Begegnung des Auferstandenen mit den Jüngern am See Genezareth () Süden: Die Hochzeit von Kanaan , von links nach rechts: Aus einem Krug rinnt der Wein. Gespräch Jesu mit Maria und Apostel füllen die leeren Krüge mit Wasser. Wandlung des Wassers in Wein Westen: Abend-Szene aus der Emmaus-Erzählung “Herr, bleibe bei uns, den es will Abend werden”. Süden: Heiliger Geist, von links nach rechts: Pfingsten Das Gebet des Einzelnen Das Gebet der Gemeinschaft

Die Kapelle sollte als Privatkapelle des Bischofs dienen.

Unterhalb der Kapelle befindet sich ein Reliquienraum als „Außenstelle“ der Sakristei der Marienkapelle. Hier bewahrt das Bistum zentral Reliquien auf.Teufner, Küttner, S. 23.

Übriger Neubau

mini|Brunnen im Innenhof

Der Haupteingang zum Bischofshaus liegt an einem Vorhof zwischen Küsterhaus und Alter Vikarie. Die dem Domplatz zugewandte Eingangswand wird durch ein großflächiges Bronzeportal mit einem Relief von Thomas Duttenhoefer dominiert. Es zeigt das Bistumswappen und vier mit dem Bistum besonders verbundene Selige und Heilige. Von links nach rechts dargestellt sindTeufner, Küttner, S. 7.: die heilige Maria Katharina Kasper, Gründerin der Armen Dienstmägde Jesu Christi, der Heilige Georg, Patron des Limburger Doms, der einen Drachen ersticht, der sich fast über die gesamte Länge im unteren Teil des Bronzereliefs schlängelt, das Bistumswappen mit Galero und beidseitig je sechs Quasten, der Heilige Nikolaus von Myra, einen der Patrone des Bistums, die Heilige und Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen.

Die Neubauten sind bis auf die markant herausragende Marienkapelle gegenüber den Bestandsgebäuden flach gehalten und das Untergeschoss gräbt sich teilweise in den Fels des Dombergs ein. Hinter dem Eingang liegt ein Foyer. Es leitet zum zentralen Atrium über, das, einem Kreuzgang ähnlich, mit einem überdachten Bereich umgeben ist, dessen Dach von schlanken Doppelsäulen, ohne Basis und Kapitell umgeben ist. Im Mittelpunkt des Hofes steht ein von Richard Heß gestalteter Brunnen. Dessen Schaft trägt die Symbole der vier Evangelisten. Über ihnen schwebt als Bekrönung der Säule eine Taube – Symbol für den Heiligen Geist.Teufner, Küttner, S. 12.

Südlich des Atriums befindet sich der Emmaussaal, benannt nach seiner künstlerischen Ausstattung.Teufner, Küttner, S. 15. Ursprünglich als Speisesaal für die Bischofsresidenz gedacht, wird er heute als Konferenzraum genutzt. Daran schloss sich westlich die Bischofswohnung an. Sie bestand auf der Hauptebene aus einem Wohnzimmer, einer Küche und einer Bibliothek. Diese drei Räume werden heute als Ausstellungsfläche des Diözesanmuseums Limburg genutzt.Teufner, Küttner, S. 21. In der ehemaligen Bibliothek ist auch ein Architekturmodell des Bischofshauses ausgestellt. Das Schlafzimmer befand sich auf der unteren Ebene des Gebäudes mit Blick auf einen Innenhof, dessen gegenüberliegende Seite ein Abschnitt der historischen Mauer bildete. In diesem Hof lag das rechteckige Becken für die Koi-Karpfen des Bischofs. Es ist heute zugeschüttet und das Fenster, das in diesen Hof führte, wurde vermauert. Für Aufsehen hatte auch das Badezimmer von Tebartz-van Elst gesorgt, das 15.000 Euro gekostet hatte und mit einer zwischen Bücherregalen freistehenden Designer-Badewanne von Philippe Starck ausgestattet war. Für die Kapelle, die insgesamt 2,9 Millionen Euro kostete, waren eigens Kunstwerke für 450.000 Euro angeschafft worden, die künstlerisch gestalteten Fenster lassen sich abdunkeln.Skandalbau − Der elegante Bischofssitz mit luxuriösen Details, Die Welt

Im „Konradinerkeller“ wurden die bei den Bauarbeiten zum Bischofshaus entdeckten hochmittelalterlichen Reste eines Wehrturms und mit ihm verbundene Mauern erhalten, die auf das 8.–11. Jahrhundert datiert werden. In dieser Zeit residierten hier die Konradiner, nach denen der Keller benannt wurde.Teufner, Küttner, S. 22.

Geschichte mini|Zugeschütteter Koi-Teich (unterer Bildrand)

Nach Überlegungen, die bis 2004 zurückgingen, wurde der Planungsauftrag für das Bischofshaus im Mai 2010 erteiltTeufner, Küttner, S. 4., Baubeginn war am 29. Juni 2011Teufner, Küttner, S. 5. und am 29. Juni 2013 wurde es als Diözesanes Zentrum St. Nikolaus eingeweiht.

Während der Errichtung des Bauwerks wurde es Gegenstand nationaler wie internationaler Berichterstattung. Teil des „Skandals“ waren die hohen Baukosten, die zentraler Bestandteil der Kontroverse um den damaligen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wurden: Es waren 5,5 Mio. Euro veranschlagt;Joachim Heidersdorf: Erschienen in der Nassauischen Neuen Presse am 18. August 2012. Abgerufen am 12. Oktober 2013. letztlich kostete der Bau 32 Mio.Teufner, Küttner, S. 5.

Der Vermögensverwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls warf Tebartz-van Elst vor, ihn getäuscht und nicht ausreichend informiert zu haben.Limburger Bischof Tebartz-van Elst: „Der Bischof ist ein raffinierter Betrüger oder krank.“ www.faz.net, 8. Oktober 2013 (abgerufen am 12. Oktober 2013) Unter Berufung auf den Architekten Michael Frielinghaus berichtete die Süddeutsche Zeitung am 13. Oktober 2013, der Bischof habe von Anfang an über die Kosten Bescheid gewusst.Architekt belastet Bischof Tebartz-van Elst. In: Süddeutsche Zeitung vom 13. Oktober 2013; abgerufen am 16. Mai 2013. Die Deutsche Bischofskonferenz beschloss am 24. Oktober 2013 eine Kommission, um die Finanzaffäre unter Leitung des Paderborner Weihbischofs Manfred Grothe zu untersuchen.Stefan Toepfer: Paderborner Weihbischof leitet Limburg-Kommission. In: FAZ.net; abgerufen am 16. Mai 2013. Der Abschlussbericht der Prüfkommission über die Baumaßnahme auf dem Domberg in LimburgSiehe: Weblinks. wurde am 26. März 2014 veröffentlicht. Es schließt mit der Feststellung, „dass eine [!] allseits als achtbare und beachtliche Architekturleistung gewertetes und gewürdigtes Bau-Ensemble entstanden ist, das sowohl in seiner äußeren Gestalt als auch in seiner inneren Ausgestaltung hohen fachlichen und ästhetischen Kriterien gerecht wird. Seine Entstehung hat jedoch insgesamt gesehen – und zwar nicht nur im Hinblick auf [… die] Gesamtkosten […] einen sehr hohen Preis gefordert.“Abschlussbericht der Prüfkommission (Weblinks), S. 106.

Der Nachfolger im Bischofsamt, Georg Bätzing, bezog die Bischofswohnung im Haus nicht.Die Protzresidenz in Limburg bleibt unbewohnt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. August 2016. Drei Räume davon wurden 2019 als Ausstellungsfläche des benachbarten Limburger Diözesanmuseums umgenutzt,Georg Bätzing: Vorwort. In: Oliver Teufer und Nele Küttner: Auf dem hohen Felsen gelegen. Das Limburger Bischofshaus. Bistum Limburg, ca. 2020. Ohne ISBN. [Führungsheft]. die übrigen dienen der bischöflichen Verwaltung;Teufner, Küttner, S. 5. das Schlafzimmer im Untergeschoss wird als Lager genutzt und das Becken für die Koi-Karpfen wurde zugeschüttet.

Baukünstlerische Rezeption