mini|hochkant|Lena Braun als Andy Warhol

Lena Braun (* 4. April 1961 in Wuppertal) ist eine deutsche Künstlerin, Kuratorin und Autorin. Braun arbeitet genreübergreifend und gilt als Diva der Berliner Kunstszene.

Leben und Werk Braun wuchs in Hattingen an der Ruhr auf. 1981 begann sie ein Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Freien Universität in Berlin, das sie 1987 mit einer Magisterarbeit über den Roman „Die Tigerin“ von Walter Serner abschloss.

1988 eröffnete sie den ersten ihrer bislang neun Kunsträume in Berlin, benannt nach Bichette, der weiblichen Hauptfigur in Serners Roman „Die Tigerin“. Die Zeitschrift Kunstforum International beschrieb das Bichette als „Treffpunkt für die junge experimentierfreudige Kunstszene Berlins“. Das Bichette legte den Grundstein für Brauns Reputation als „echte Diva des Berliner Kulturbetriebs“.Braun arbeitete Anfang der 1990er auch als Model, u. a. für Lisa D. Artikel in der FAZ mit Fotos von Schauen mit Braun"Sie (Lena Braun) war die Grande Dame der Salonszene", so Danielle de Picciotto in ihrer Graphic Novel über das Berlin der 1980er und 1990er Jahre: Die heitere Kunst der Rebellion, Walde + Graf Verlag, 2020, 978-3946896531 Einer ihrer Kunsträume, das Boudoir in Berlin-Mitte, wurde vom Museum of Modern Art in New York mit einer großen Ausstellung gewürdigtAusstellung "Boudoir in Exile" im Museum of Modern Art, New York.

1993 gründete sie die Queen Barbie Loge, das weibliche Pendant zur Lord Jim Loge von u. a. Martin Kippenberger, Jörg Schlick und Albert Oehlen. Die Loge, deren Vorsitz Braun bis 2009 führte, definierte sie in der Satzung als „Untergrundorganisation“ für Künstlerinnen. Die Loge trat durch Ausstellungen, Performances und Showformate in Erscheinung, die auf die Unterwanderung von Sexismus zielten.

Parallel zu ihrer kuratorischen Tätigkeit arbeitet Braun auch als freie Autorin und freischaffende Künstlerin. In den 1990er und 2000er Jahren veröffentlichte sie Kurzgeschichten, schrieb Drehbücher und Theaterstücke und wirkte in Filmen mitLena Braun in der IMDb Internet Movie Database. 2013 gründete sie den Kunstbuch-Verlag Edition Fortyfour, in dem sie eigene literarische Arbeiten herausbringt.

Braun arbeitet interdisziplinär und versteht sich als Grenzgängerin zwischen den Kunstdisziplinen. Ihr künstlerisches Werk umfasst neben literarischen Texten auch Installationen, Performances und Collagen. Braun stellt sowohl in Deutschland als auch international aus, in den letzten Jahren u. a. am Kindl Zentrum für Zeitgenössische Kunst in Berlin (2017) und der Art Gallery der University of Maryland in den USA (2020).

Kunsträume / Begehbare Installationen Seit 1988 initiiert und kuratiert Lena Braun Kunsträume in Berlin. Die Räume sind konzipiert als begehbare Installationen – als ein artifizielles Environment, das Kunst in Szene setzt.

Auf das Bichette in Berlin-Kreuzberg folgte 1989 die Galerie Loulou Lasard mit hauseigener Performance-Gruppe in Berlin-SchönebergLoulou Lasard Gründung zusammen mit Jens Pepper, Autor und Fotografie-Experte. Pepper moderierte später in Brauns Kunstraum Barbiche (2017 - 19) regelmäßig Photo Chats mit Fotografen. und dann das Boudoir in Berlin-Mitte, das Lena Braun von 1992 bis 1995 kuratierte.

Das Boudoir residierte in einer ehemaligen Seifenfabrik und präsentierte Kunst in einem Ambiente, das inspiriert war von den semiprivaten Salons aristokratischer Damen im Frankreich des 18. und 19. Jahrhunderts. Markenzeichen war das riesige Himmelbett, das die Mitte des Kunstraums zierte. Das Boudoir war eine „Institution der Off-Kultur“, die auch international Aufsehen erregte: Auf Einladung des MoMa PS1 in New York kuratierte Lena Braun die Ausstellung „Boudoir in Exile“ am Broadway. Ihre Erfahrungen als Kuratorin des Boudoir inspirierten Braun zu einem ihrer Romane: "Bibby Nylong und der Klugklugxklan" Lena Braun, Bibbi Nylong und der Klugklugxklan, Roman, Berlin, EditionFortyFour, ISBN 978-3-944865-02-7.

2003 eröffnete Braun den art space Barbie Deinhoff’s in Berlin-Kreuzberg. Der Name Barbie Deinhoff’s spielte mit dem der Baader-Meinhof-Bande, der Kunstraum fungierte auch als Domizil der Queen Barbie Loge.

Von 2009Arbeiten von Jinran Kim im Su de Coucou. In: tip-berlin.de. 7. März 2011, abgerufen am 26. März 2021. bis 2014 führte sie die Galerie Su de Coucou in Berlin-Neukölln, danach von 2017 bis 2019 den Kunstraum Barbiche in Berlin-SchönebergFacebook-Seite des Barbiche. Der Name „Barbiche“ (französisch für Ziegenbart) war eine Hommage an die Tänzerin Valeska Gert und deren Lokal „Ziegenstall“ auf SyltValeska Gert betrieb Lokale in New York, Berlin, Zürich und auf Sylt, in denen Künstler auftraten und manchmal auch kellnerten. Siehe dazu die Sendung von Kirsten Reimers im Deutschlandfunk, 8. November 2019.

Seit 2020 führt sie ein Studio- und Atelierhaus in Kirchhain (Südbrandenburg), benannt nach Effi Briest, der Titelheldin des Romans von Theodor Fontane.

Das Medienecho auf Brauns Kunsträume fokussiert oft auf das Ambiente, in dem die Kunst präsentiert wird. So etwa sah der britische Guardian das Barbie Deinhoff’s als eine der zehn besten Kleinkunst-Spielorte Berlins. Die Zeit beschrieb das Boudoir als Mischung aus „Barbetrieb, Atelierparty, Galerie und Kunsthappening“. Ein ähnlicher Tenor ist auch in der Welt, der taz, im Tagesspiegel und in der B.Z. zu finden. In einem Interview mit dem RBB beschrieb Braun diese Mischung als Programm: Ihre Kunsträume seien soziale Räume, die Kunstgenuss ermöglichen, ihn zugänglich machen auch jenseits elitärer Milieus.

Für die Ausstellung „Die Avantgarde von Heute als Salonkunst von Morgen“ im Kindl Zentrum für Zeitgenössische Kunst in BerlinAusstellung im Kindl Zentrum für Zeitgenössische Kunst gestaltete Braun eine begehbare Installation, die ihre Sicht auf ihre Räume reflektiert: „Es sind camp (Kunst)-artige Environments, die alternative queere Lebensentwürfe gestalten und klassische soziale Ausschlussmerkmale wie Alter, Herkunft oder Verkäuflichkeit suspendieren“Pressemitteilung des KINDL Zentrum für Zeitgenössische Kunst

Art Spaces (Auswahl): 2017–2019: BARBICHE, Potsdamerstraße, Schöneberg, Berlin, Konzept 2009–2014: SU DE COUCOU, Weserstraße, Neukölln, Berlin, 2003–2007: BARBIE DEINHOFF’s, Schlesische Straße, Kreuzberg, Berlin 1991–1995: BOUDOIR, Brunnenstraße, Berlin-Mitte 1989: LOULOU LASARD, Crellestraße, Schöneberg, Berlin 1988: BICHETTE, Fürbringerstraße, Kreuzberg, Berlin

Film Lena Braun schrieb das Drehbuch und führte Regie für den Film Der Hellblaue Engel (1996)IMDb Internet Movie Database. Sie wirkte in mehreren Filmen mit: in Nekromantik II (1989)Nekromantik II. In: filmportal.de. Abgerufen am 20. März 2021., Gender X (Premiere 2005 auf der Berlinale) und B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin 1979–1989 (2015).

2007 drehte sie den Kunstfilm „Hairspray II“, basierend auf dem gleichnamigen Film von John Waters. Braun führte Regie und spielte auch die Rolle der Mutter "Mom". Der Film wurde 2010 in Amsterdamauf dem Festival MOVING BUILDINGS im P60, Amsterdam und 2021 in Berlinim Projektraum ZF: Instagram-Kanal des Projektraums gezeigt.

Bühne: Theater und Performances mini|hochkant|Lena Braun in der Pariser Aufführung von Ski-fi Jenni, einem Theaterstück von Robyn Orlin

Lena Braun war Darstellerin im Stück Ski-fi-jenni von Robyn Orlin, mit Vorstellungen unter anderem auf dem Montpellier Dance Festival und im Berliner Hebbel-Theater. Lena Braun schrieb und produzierte auch eigene Theaterstücke (Buch/Produktion/Co-Regie mit Roger Jahnke): die Revue Ellis Bierbar für 43 Darsteller, aufgeführt im Sage Club und im SO 36 (1999), und The Queer Version of Nibelungen für 36 Darsteller, aufgeführt in den BKA Zelten in Berlin (2000).

Auf Einladung des österreichischen Kunst- und Kulturfestivals „Festival der Regionen“ führte sie 2003 ihren Einakter Die Hassfabrik zum Thema weiblicher Amoklauf auf,Fuck You – Medienprojekt von Fritz Ostermayer, Stefan Haslinger und Thomas Edlinger. Archivierte Programmankündigung. In: fdr.at. Abgerufen am 30. Juni 2025. zusammen mit den Schwestern Brüll.kunstradio.at zu den Schwestern Brüll

Braun schrieb das Theaterstück „Melancholie ist Luxus“, ein Actionplay mit fünf SchauspielerinnenDie Schauspielerinnen: Joy Gutthardt, Julia Philippi, Francesca Tappa, Jana Thies, Marie Ernestine Worch. Regie: Lena Braun: Auszüge daraus wurden 2006 vorgestellt in einer szenischen Lesung im Salon Noir, mit dem die Neue Nationalgalerie die Ausstellung Melancholie. Genie und Wahnsinn in der Kunst flankierte.

Zu Brauns Werk gehören auch theaterähnliche Performances mit detailliertem Script, unter anderem: All About Eve II, Berlin, 2009. Performerinnen: Lena Braun (Eve) und drei Ballerinas. Die Performance revidiert die Vertreibung Evas aus dem Paradies und spricht die erste Frau der Welt heilig.Performance 2009 in Brauns Kunstraum SU DE COUCOU, Berlin DIVAMANIA: Die Geburt des Ladybirds, Berlin, 2012. Performerinnen: Lena Braun (Marienkäferlarve) und Kitty Wild (Katzenjunges)Performance in Brauns Kunstraum SU DE COUCOU. Script der Performance auf der Website von Lena Braun.

Literatur Als freie Autorin publizierte Lena Braun 2013 drei Romane als Hommage an Djuna Barnes: Ladies Almanach, Nachtschatten, TylerLena Braun: Ladies Almanach ISBN 978-3-944-865-00-3 und Nachtschatten / Tyler ISBN 978-3-944865-01-0. Die drei Romane Brauns sind Umschriften von Djuna Barnes’ Ladies Almanack, Nachtgewächs und Ryder. Die drei Romane tragen Titel, die denen der Romane von Barnes nachempfunden sind und schreiben deren Geschichten weiter bzw. um. So etwa transponiert Brauns „Ladies Almanach“ den elitären Pariser Damenzirkel, den Barnes 1928 in ihrem „Ladies Almanack“ porträtierte, ins Berlin der 1990er Jahre. Brauns Hommage simulierte auch den editorischen Gestus: So wie Barnes, die ihren Almanack als Privatdruck herausbrachte, publizierte auch Braun ihre Romane im Eigenverlag und gründete zu diesem Zweck den Kunstverlag EDITION FortyFour.

Der Bezug auf literarische Vorbilder kennzeichnet auch einen weiteren Roman Brauns, "Bibbi Nylong und der Klugklugxklan" Lena Braun, Bibbi Nylong und der Klugklugxklan, Roman, Berlin, EditionFortyFour, ISBN 978-3-944865-02-7. Bibbi Nylong, die titelgebende Heldin, erinnert an Pippi Langstrumpf, nur dass Pippi/Bibbi jetzt erwachsen ist - eine junge Frau von 19 Jahren, die sich um Konventionen nicht schert und eine höchst angesagte Bar in Berlin besitzt. Der Roman Bibbi Nylong ist inspiriert von den Erfahrungen Brauns als Kuratorin des Kunstraums Boudoir und erzählt, wie Bibbi mit ihren ebenso klugen wie schönen Freundinnen nicht nur das Berlin der 1990er Jahre, sondern die ganze Welt erobert.

Texte und Publikationen 2017–2021 Roman (Doppelband), Hinterzimmer in Heaven I und II 2016 Konzept und Herausgabe des Kataloges Lena Braun Text, Bild, Bühne, ISBN 978-3-944865-15-7 2013 Gründung des Berliner Verlages EditionFortyFour. Herausgeberin / Autorin der Romane: Bibbi Nylong und der Klugklugxklan, Roman, Berlin ISBN 978-3-944865-02-7. Lena Brauns Ladies Almanach, Roman, Berlin ISBN 978-3-944865-00-3, Nachtschatten/Tyler, Roman, Berlin ISBN 978-3-944865-01-0 1999–2016 Theaterstücke: Weil es mir gefällt / Melancholie ist Luxus / Die Hassfabrik / The queer Version of Nibelungen / Ellis Bierbar 1999–2009 Herausgeberin von 36 Logenheften der Queen Barbie Loge, Copy Art 1998 Drehbuch "Rattentourismus zu Weihnachten" in der Anthologie: Weihnachten und andere Katastrophen, Ullstein, Berlin ISBN 3-548-24493-9 1993 Herausgeberin der Zeitschrift Boudoir des nous, Copy Art

Unikatdrucke, Collagen, Installationen mini|hochkant|Lena Braun, Hommage à Frida Kahlo, Mixed Media, 2016

Lena Braun arbeitet genreübergreifend in den Bereichen der bildenden und darstellenden Kunst. Als Performancekünstlerin inszenierte sie sich u. a. als Djuna Barnes, Peggy Guggenheim, Anita Berber und Hedy Lamarr, um ihre eigene Sicht auf weibliche Biographien darzulegen: