Musicology ( für Musikwissenschaft) ist das 28. Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Die Erstveröffentlichung erfolgte am 27. März 2004 über sein Label NPG Records als CD-Beigabe zum Ticket des Eröffnungskonzerts der Musicology Tour in Reno, Nevada. Zwei Tage später stand das Album als Download auf seiner Website bereit; die CD-Veröffentlichung bei Columbia Records folgte am 19. April 2004. Damit kehrte Prince erstmals seit 1999 zu einem Major-Label zurück, was in den Massenmedien als sein Comeback gewertet wurde.

Musikalisch bewegt sich das Album in den Genres Contemporary R&B, Funk, Pop, Rock und Soul; Gastmusiker sind Candy Dulfer, Clare Fischer, Maceo Parker, Sheila E. und Stokley Williams. Thematisch behandeln die Liedtexte Liebe, zwischenmenschliche Beziehungen und sozialkritische Fragestellungen. Musikkritiker reagierten überwiegend positiv; kommerziell erzielte das Album in den USA Doppelplatin und in weiteren Ländern Goldstatus.

Mit 1,47 Millionen Besuchern und Einnahmen von 87 Millionen US-Dollar avancierte die Musicology Tour 2004 zur weltweit erfolgreichsten Tournee. Das Titelstück sowie Call My Name wurden mit Grammys ausgezeichnet.

Entstehung Die zwölf Songs entstanden zwischen 2002 und 2004 in Prince’ Paisley Park Studio in Chanhassen, Minnesota; A Million Days spielte er ursprünglich am 3. Mai 1997 und If Eye Was the Man in Ur Life am 11. Februar 1999 ein, beide Stücke überarbeitete er 2003.Clerc (2022), S. 432.Clerc (2022), S. 435. Zusätzlich nahm er 2003–2004 Aufnahmen in den Metalworks Studios, einem Tonstudio in Mississauga, Kanada, auf,Ro (2011), S. 320. da er mit seiner Ehefrau Manuela Testolini (* 19. September 1976) in Ontario lebte.

2002 nahm Prince drei Songs auf: im Sommer What Do U Want Me 2 Do?, am 1. September Life ‘o’ the Party und im Dezember das Titelstück Musicology. Anfang 2003 entstand im Paisley Park Studio Illusion, Coma, Pimp & Circumstance. 2003 entstanden zudem On the Couch, Reflection und The Marrying Kind im Paisley Park und in den Metalworks Studios; Reflection (29. Mai) und What Do U Want Me 2 Do? (13. November) waren vor der Albumveröffentlichung über seine damalige Website NPG Music Club.com verfügbar.Clerc (2022), S. 437.Uptown (2004), S. 292.

Anfang Januar 2004 entstanden im Paisley Park und in den Metalworks Studios die Songs Call My Name, Cinnamon Girl und Dear Mr. Man. Mitte Januar überarbeitete er mit Candy Dulfer, dem Posaunisten Greg Boyer und Maceo Parker weitere zuvor aufgenommene Stücke für Musicology.Uptown (2004), S. 296.

Am 8. Februar 2004 eröffnete Prince die Grammy Awards im Staples Center in Los Angeles und sang im Duett mit Beyoncé unter anderem seinen Hit Purple Rain. Er erklärte gegenüber der The Canadian Press: „Ich werde jedes Jahr gefragt, ob ich bei den Grammys spielen kann. Dieses Jahr habe ich zugesagt, um mein Album sowie die dazugehörige Tournee zu bewerben.“Draper (2016), S. 164. mini|links|Alicia Keys, 2004 Am 24. Februar 2004 unterzeichnete Prince einen Vertrag bei dem Major-Label Columbia Records. Nach dem Vertragsende mit Warner Bros. Records am 31. Dezember 1999 arbeitete Prince über vier Jahre ohne Major-Label und veröffentlichte seine Tonträger ausschließlich über seine Website NPG Music Club.com. In dieser Zeit sank sein Bekanntheitsgrad, und in internationalen Hitparaden tauchte er kaum noch auf.Hahn (2016), S. 335.

Am 15. März 2004 wurde Prince in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Die Laudatio hielten André 3000 und Big Boi von OutKast sowie Alicia Keys, die erklärte: „Es gibt viele Könige, aber es gibt nur einen Prince.“ Zum Abschluss der Veranstaltung spielte Prince gemeinsam mit Dhani Harrison, Jeff Lynne, Steve Ferrone und Tom Petty & the Heartbreakers den Song While My Guitar Gently Weeps (1968) von George Harrison. Er übernahm die Leadgitarre, die in der Studioversion von Eric Clapton gespielt wurde. Die Auftritte bei den Grammys und der Rock and Roll Hall of Fame führten zu einem Medieninteresse an Prince wie seit Jahren nicht mehr.Draper (2016), S. 166.Hahn (2016), S. 336.

Vor der Veröffentlichung von Musicology im April 2004 betrieb Prince in den USA intensive Musikpromotion und trat in Fernsehsendungen wie The Tonight Show mit Jay Leno, der The Ellen DeGeneres Show und der Today Show auf. In der Tavis-Smiley-Show trat er erstmals seit 1986 wieder gemeinsam mit Wendy Melvoin auf und präsentierte mit ihr den Song Reflection.Uptown (2004), S. 297.Lizie (2020), S. 229.

Marketingstrategie Prince’ Anwälte entwickelten eine umfassende Marketingstrategie für den Verkauf von Musicology. Dem Vertrag mit Columbia Records zufolge erhielt er keine Vorauszahlung, behielt jedoch die Masters und Urheberrechte sämtlicher Songs. Für jedes verkaufte Exemplar von Musicology erhielt er sieben US-Dollar.Ro (2011), S. 327. In den 1990er Jahren musste Prince bei Warner Bros. Records 666.667 Alben verkaufen, um eine Million US-Dollar zu erzielen; bei Columbia Records genügten dagegen 142.857 Exemplare für denselben Betrag. Von seinem meistverkauften Album Purple Rain (1984) verdiente er innerhalb von 20 Jahren 19,5 Millionen US-Dollar; an 1,4 Millionen verkauften Exemplaren von Musicology erhielt er 9,1 Millionen US-Dollar (Stand 2004).Ro (2011), S. 338.

Jeder Besucher der Musicology Tour erhielt das Album zusammen mit dem Konzertticket, dessen Preis zwischen 50 und 85 US-Dollar lag.Hahn (2016), S. 338. Nielsen SoundScan, zuständig für die US-Chart-Erhebung, wertete jedes bei Konzerten ausgegebene Musicology-Album als Verkauf. So erreichte Musicology Platz drei der US-Charts und wurde mit Doppelplatin ausgezeichnet.

Fans, die bereits vor einem Konzert der Musicology Tour ein Album erworben hatten, bekamen zwangsläufig ein weiteres Exemplar. Die US-Tageszeitung The Boston Globe kritisierte dieses Vorgehen und fragte: „Wollt ihr für seine Musik doppelt zahlen?“ Das Magazin Billboard empfahl, den Fans die Wahl zu lassen: „Die CD mit dem Ticket zu erwerben oder ein verbilligtes Ticket ohne CD zu kaufen.“ Mike Dreese, Gründer des Musikfachgeschäfts Newbury Comics, bezeichnete dies als „den unmöglichsten Versuch, die Charts-Position illegal aufzuwerten, der mir je begegnet ist.“ Fachleute sahen das jedoch überwiegend anders und werteten das Konzept als kreativ und erfolgversprechend.

Von den Einnahmen aus Album und Tournee von Musicology ließ Prince sämtliche Tonstudios in seinem Paisley Park Studio modernisieren.Azhar (2016), S. 118

Gestaltung des Covers Für die Covergestaltung waren Artdirector Sam Jennings und Jeremy Gavin verantwortlich; die Fotografien stammen von Afshin Shahidi. Jennings arbeitete von 1998 bis 2007 mit Prince zusammen, zunächst als Webmaster seiner Websites und später als Artdirector für Schallplattencover wie Xpectation (2003). Gavin arbeitete von 2001 bis 2007 mit Prince zusammen und entwarf unter anderem die Layouts der Albumcover von The Rainbow Children (2001), One Nite Alone … (2002) und N.E.W.S (2003). Shahidi war von 2002 bis 2007 als Fotograf für Prince tätig.

Die Vorderseite des Digipak zeigt ein Foto von Prince, auf dem lediglich seine linke Gesichtshälfte einschließlich des Haaransatzes zu sehen ist. Sein linker Arm ist angewinkelt, der Daumen berührt die Unterlippe, und seine Pupillen blicken nach links. Das Foto ist auf der rechten Innenseite des aufklappbaren Digipaks platziert; auf der Rückseite ist die Tracklist abgedruckt. Die Farbgestaltung von Digipak und Booklet ist in Brauntönen gehalten. Das Booklet enthält die Liedtexte aller Albumsongs sowie fünf Fotos von Prince und zwei seiner Begleitband The New Power Generation.Begleitheft der CD Musicology von Prince, NPG Records / Columbia Records, 2004 Die während der Musicology Tour verteilten Alben erschienen hingegen in einer Papphülle ohne Booklet.

Musik und Liedtexte Musikalisch ist das Album den Genres Contemporary R&B, Funk, Pop, Rock und Soul zuzuordnen. Die Liedtexte behandeln überwiegend Liebe, zwischenmenschliche Beziehungen und sozialkritische Themen. Prince’ Stimme ist in unterschiedlichen Tonlagen zu hören, darunter auch sein charakteristischer Falsettgesang. Musicology Das Titelstück ist dem Genre Funk zuzuordnen; gegen Ende ist ein in Moll gehaltenes Synthesizer-Riff zu hören. Der Liedtext ist eine Hommage an die Funk- und Hip-Hop-Musiker Chuck D, Doug E. Fresh, Earth, Wind and Fire, Jam Master Jay, James Brown und Sly Stone, die Prince alle namentlich erwähnt. Zudem verweist er auf die Songs I Want to Take You Higher (1969) von Sly & the Family Stone, Hot Pants (1971) von Brown sowie September (1978) und Let’s Groove (1981) von Earth, Wind and Fire. Die letzten 20 Sekunden bestehen aus Snippets der Prince-Songs If I Was Your Girlfriend, 17 Days, Kiss, Sign “☮” the Times und Little Red Corvette.Thorne (2012), S. 528.Hahn (2016), S. 341. Illusion, Coma, Pimp & Circumstance Der von Hip-Hop beeinflusste Song verwendet als prägendes Element eine rhythmische Scratch-Gitarre, verzichtet jedoch auf eine ausgeprägte Melodie. Der Liedtext handelt von einem jungen Gigolo und einer älteren wohlhabenden Dame; Prince stellt dabei die Frage: „Wer macht hier wen zu einem Zuhälter, wenn niemand eine zweite Chance bekommt?“Thorne (2012), S. 391. A Million Days Die Ballade ist dem Pop und Rock zuzuordnen. Im Liedtext verarbeitet Prince die Trennung von einer nicht namentlich genannten Frau, macht sich selbst Vorwürfe für ihr Weggehen und singt: „Ich brachte es nicht übers Herz, mich zu entschuldigen. Jetzt habe ich überhaupt kein Herz mehr.“ Life ‘o’ the Party Im Liedtext des Funk-Tracks kündigt Prince eine ausgelassene Party an, bei der „alle willkommen“ seien. Zudem verspottet er Michael Jackson indirekt mit der Zeile: „Meine Stimme ist höher und ich habe mir noch nie die Nase machen lassen.“Draper (2016), S. 167. Call My Name mini|Stokley Williams, 2014 Die R&B-Ballade enthält von Clare Fischer arrangierte Samples eines Saiteninstrument-Orchesters. Im Liedtext schildert Prince seine Verliebtheit und zählt die Stunden, bis seine Freundin ihn anruft. Als Inspiration gilt seine damalige Ehefrau Manuela Testolini: Die Zeile „Before the day I carried you through the Bridle Path door“ verweist auf das wohlhabende Viertel The Bridle Path in Ontario (Kanada), wo Prince 2004 mit ihr lebte. Im Begleitgesang ist Stokley Williams (* 1967), Leadsänger der Funkband Mint Condition, zu hören.Thorne (2012), S. 392. Cinnamon Girl Der Liedtext des Rocksongs thematisiert Angst und Intoleranz in den USA als Reaktion auf die Terroranschläge am 11. September 2001. Die titelgebende „Cinnamon Girl“ ist eine muslimische US-Amerikanerin, deren Beiname sich auf ihre Hautfarbe bezieht. Obwohl sie um die Opfer trauert und für sie betet, wird sie stellvertretend für die Taten islamistischer Terroristen verantwortlich gemacht. Da Prince seit 2001 Zeuge Jehovas war, ist der Liedtext von diesem Glauben geprägt: Die Wendung „God of confusion“ verweist auf Satan, während die Zeilen „Don’t cry, don’t shed no tears“ und „’Cause we know how this movie’s ending“ auf den Glauben an ein Armageddon anspielen. Am Ende des Songs öffnet die Protagonistin „das Buch, von dem sie weiß, dass es alle Rechnungen begleichen wird“, womit die Bibel gemeint ist. Cinnamon Girl ist keine Coverversion des gleichnamigen Songs von Neil Young aus dem Jahr 1969. What Do U Want Me 2 Do?