mini|Selbstportrait von Max Rüedi, 2013 mini|Das Bilderhaus von Max Rüedi, Aufnahme 2013
Max Johann Rüedi (* 29. März 1925 in Zürich; † 7. Juni 2019 ebenda) war ein Schweizer Kunstmaler, der mit seinen sakralen Werken den modernen katholischen Kirchenbau in der Deutschschweiz mitprägte.
Leben Max Rüedi wuchs in Zürich auf und erhielt seine höhere schulische Ausbildung in der Klosterschule Engelberg und am Kollegium Schwyz. Nach der Matura im Jahr 1945 studierte er zunächst Germanistik und Philosophie an der Universität Zürich, danach Philosophie in Paris, Rom, Wien und München. Angeregt durch Être et avoir (Sein und Haben, 1935) von Gabriel Marcel promovierte Rüedi im Jahr 1950 mit einer Arbeit zu Thomas von Aquin bei Alois Dempf in Wien und München.Thomas Staubli, Mathias Tanner (Hgg.): Max Rüedi. Werkschau. S. 24–25.
In diesen Jahren verlagerte Rüedi sein Interesse immer mehr auf die Malerei und beschloss, Kunstmaler zu werden.Thomas Staubli, Mathias Tanner: Max Rüedi: Leben und Werk in Retrospektive, in: Max Rüedi. Werkschau. S. 11f. In Paris lernte er bei Johnny Friedländer die Radierungstechnik und während seines Stipendiums am Schweizer Institut in Rom 1955–1958 an der staatlichen Akademie die Freskotechnik bei Ferruccio Ferrazzi. Im Jahr 1966 heiratete er Griete Mattes († 5. Februar 2019Todesanzeigen). Sie hatten vier Kinder. Ab 1945 lebte er in einem Haus in Zürich-Oberstrass, das im Laufe seiner künstlerischen Tätigkeit zu einem Bilderhaus geworden ist.Thomas Staubli, Mathias Tanner (Hgg.): Max Rüedi. Werkschau. S. 24–25, und Interview mit Max Rüedi im Oktober 2013.
Künstlerische Schwerpunkte Einen Schwerpunkt seines Werks bildete die Auseinandersetzung mit Fragen der Religion und der Spiritualität. Während 40 Jahren seines Schaffens hatte Rüedi bei der künstlerischen Ausgestaltung moderner katholischer Kirchen im deutschsprachigen Teil der Schweiz mitgewirkt.Thomas Staubli, Mathias Tanner (Hgg.): Max Rüedi. Werkschau. S. 18–22. Die künstlerischen Werke in den Kirchen «versuchen, das göttliche Geheimnis erahnen zu lassen»"Zitat aus: Griete Rüedi, Markus Weber: Max Rüedi – Leben und Werk. S. 4. Vgl. dazu auch: Silvia Strahm Bernet: Max Rüedi und wie er die Welt sieht. In: Max Rüedi. Werkschau. S. 199–202. Ruedis Bilder sind jedoch nicht unmittelbar mit Aussagen über Gott aus der Bibel zu vergleichen, «denn sie illustrieren nicht bloss biblische Geschichten und Verse, sondern befragen sie auch, so als wüsste der Mensch nie Genaueres über Gott und müsste Gott stets staunend neu erfahren.»Veronika Kuhn: Alles in allem – ein Kosmos in Bildern. Max Rüedi und seine Bildschöpfungen. S. 14.
mini|Grosser Fisch. Acryl, Leinwand, 146 × 115 cm, 1970 und 1972
Ein zweites zentrales Thema in den Arbeiten von Rüedi war der Mensch beiderlei Geschlechts «mal mit Humor, mal mit Trauer gesehen als homo lapsus, der mit etlichen Rissen, Verrenkungen, Mängeln und (kuriosen) Eigenheiten in der Welt und in Beziehung zu leben versucht».Zitat von Gonsalv K. Mainberger, in: Thomas Staubli, Mathias Tanner (Hgg.): Max Rüedi. Werkschau. Klappentext.
Kunstgeschichtliche Einordnung Ab 1950 unternahm Max Rüedi Studienreisen in verschiedene Länder (z. B. Italien, Spanien, Grossbritannien, Marokko, Tunesien, Türkei, Israel, Australien, Indien und China). Diese Reisen gaben dem künstlerischen Werk von Max Rüedi jeweils neue Impulse.Thomas Staubli, Mathias Hanner: Max Rüedi: Leben und Werk in Retrospektive, in: Max Rüedi. Werkschau. S. 12–13. So vereint das Werk von Max Rüedi europäische und fernöstliche Elemente. Kunstgeschichtlich lassen sich Verwandtschaften mit einigen europäischen Stilen und Bildsprachen des 20. Jahrhunderts finden, etwa denjenigen von Paul Klee, Marc Chagall, Max Ernst oder dem Symbolismus eines Odilon Redon. Fernöstliche Elemente greift besonders das spätere Werk von Max Rüedi auf, «aus der chinesischen und indischen Malerei, aber auch Bildfindungen des Mittelalters und der Renaissance dienten ihm als wichtige Inspirationsquellen».Veronika Kuhn: Alles in allem – ein Kosmos in Bildern. Max Rüedi und seine Bildschöpfungen. S. 14.
Max Rüedis philosophische Neugier liess ihn neue Ausdrucksformen finden, die über begriffliche Festlegungen hinausweisen: Bilder sind für Max Rüedi Mittel und Sprache geworden. Mit künstlerischer Phantasie schuf er Werke, die die Vielfalt des menschlichen Miteinanders zeigen, «das aussichtslose Gerangel um Harmonie, den hoffnungslosen Versuch, darin das Geheimnis göttlichen Wirkens zu ergründen».Griete Rüedi, Markus Weber: Max Rüedi - Leben und Werk. S. 4 Diese weltlichen Bilder, Zeichnungen, Radierungen und Gemälde wollen das Unverstehbare «als fröhlich-freche Menschlichkeit und Geheimnis der Schöpfung» aufzeigen.Zitat aus: Griete Rüedi, Markus Weber: Max Rüedi - Leben und Werk. S. 4. Vgl. dazu auch: Gonsalv. K. Mainberger: Ohne Titel. In: Max Rüedi. Werkschau. S. 203–205.
Werke im öffentlichen Raum (Auswahl) 1961: Kirche Bruder Klaus (Zürich-Unterstrass): Farbfenster in der Krypta 1963–1967: Kirche St. Christophorus Wangen an der Aare: Farbfenster 1964: Kirche Allerheiligen (Zürich-Neuaffoltern): Farbfenster der Krypta 1965: Kirche Heiligkreuz Künten AG: Farbfenster 1966: Kirche St. Michael Zollikerberg ZH: Farbfenster 1967: Kapelle Florentinum Arosa GR: Farbfenster 1967: Lazariterkirche Gfenn bei Dübendorf ZH: Portal 1967–1968: Schulhaus Staudenbühl Zürich-Seebach: Wandmalereien und Gestaltung der Schulzimmertüren 1969: Dominikanerinnenkloster Ilanz GR: Bemalung der Kirchendecke und Glasfenster der Kirche 1971–1973: Kirche St. Franziskus (Zürich-Wollishofen): 27 Farbfenster zum Sonnengesang des Hl. Franz von Assisi 1974: Kirche St. Martin (Zürich-Fluntern): Email-Portal zum Kirchgemeindesaal 1977–1978: Kirche St. Konrad Kronbühl SG: Gestaltung von Altar, Ambo und Tabernakel 1978–1979: Kirche St. Theresia (Zürich-Friesenberg): Gestaltung der Werktagskapelle (Altar, Leuchter, Wandmalerei und sechs Farbfenster) 1982–1983: Liebfrauenkirche (Zürich): Farbfenster der Krypta 1984: Städtische Überbauung Limmatstrasse Zürich: Farbfenster in Cafeteria und Foyer 1986–1988: Kirche des Universitätsspitals Zürich: Farbfenster und Emailarbeiten 1992–1995: Kirche Christ-König Biel-Mett BE: Wandmalereien 1992–1993: Dominikanerinnenkloster Ilanz GR: Wandmalerei und Farbfenster im Meditationsraum des Gästehauses 1997–1998: Liebfrauenkirche Zürich: Wandmalerei und Tafelbilder des Kirchgemeindesaals 1998–1999: Reformierte Kirche Aeugst am Albis: Wandmalerei Brennender Dornenbusch 2000: Kirche Bruder Klaus Zürich-Unterstrass: Meditationsbild des Hl. Nikolaus von Flüe
Ausstellungen (Auswahl) 1955: Galerie Chardin, Paris 1956: Instituto Svizzero, Rom 1961: Strauhof, Zürich 1972: Kunstverein Bernerhaus, Frauenfeld 1975: Kornhaus, Bremgarten 1976: Vontobel, Meilen 1979: Museum Bruder Klaus, Sachseln 1986: Rathaus Loggia, Assisi 1986: Strauhof, Zürich 1987: Galerie am Hinterberg, Zürich 1988: Schloss Wartensee, Rorschacherberg 1989: Gemeinschaftsausstellung GSMBA, Bregenz 1990: RomeroHaus, Luzern 1990: Theologische Fakultät, Luzern 1991: Limi, Greifensee 1993: Theologisches Seminar der Universität Zürich 1995: Evangelische Hochschulgemeinde EHG, Zürich 1996: Kirchgemeindehaus Hottingen, Zürich 1996–1997: Romerohaus, Luzern 2005: Kirche Balgrist, Zürich 2008: Paulus-Akademie, Zürich 2010: Propstei Wislikofen 2014/2015: Reformiertes Kirchgemeindehaus Zürich-Oerlikon, Weltlich? Heilig? Menschlich! 2017: Katholische Kirche Duggingen BL 2021: Atelier Lindenstrasse Winterthur, Frühe Werke von Max Rüedi
1973: Erste Hausausstellung an der Frohburgstrasse 92, Zürich. Weitere Hausausstellungen folgten in den Jahren: 1974, 1976, 1981, 1983, 1985, 1989, 1992, 1997, 1999, 2000, 2002, 2004, 2005, 2007, 2011, 2013.
Publikationen Prolegomena zu einer Philosophie des Habens über S. Thomas Aquinas. Dissertation. Wien/München 1950. Tages-Anzeiger-Magazin, wöchentliche Kolumnen-Illustrationen 1988–1989. Cantico di frate sole. (ital. Text, Illustrationen von Max Rüedi), ohne Ortsangabe, 1986. … rätselhaft, wie in einem Spiegel. Aquarelle, Zeichnungen, Radierungen. Zürich 1996.
Literatur (Auswahl) Raphaela Gasser: Die Fenster in der Klosterkirche der Dominikanerinnen von Ilanz. Ilanz 1973. Gonsalv. K. Mainberger: Schweigen, Rede, Staunen vor dem Kunstwerk – zum Beispiel vor dem Werk Max Rüedis. In: Tages-Anzeiger-Magazin, 10. September 1983. Max Rüedi, Radierungen. Katalog zur Ausstellung in der städtischen Galerie zum Strauhof, Zürich 1986/1987. Lisianne Enderli, Pierre Stutz: Tastend unterwegs. Gottesbilder im Mutterunser – Vaterunser. (Theologie konkret 1.) Luzern/Stuttgart 1990. Thomas Staubli, Mathias Tanner (Hgg.): Max Rüedi. Werkschau. Edition NZN bei TVZ, Zürich 2008. Griete Rüedi, Markus Weber: Max Rüedi – Leben und Werk. Zürich 2013. Veronika Kuhn: Alles in allem – ein Kosmos in Bildern. Max Rüedi und seine Bildschöpfungen. Ein Porträt des Künstlers und seines Werks. Schweizerische St. Lukasgesellschaft SSL. Jahrbuch. Luzern 2013.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Zürich) Kategorie:Künstler (christliche Kunst der Moderne) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1925 Kategorie:Gestorben 2019 Kategorie:Mann