Prisoners ( für Gefangene) ist ein US-amerikanisches Mysterydrama aus dem Jahr 2013 unter der Regie von Denis Villeneuve. Das Drehbuch schrieb Aaron Guzikowski. Der Thriller handelt von der Suche nach zwei entführten jungen Mädchen durch ihre Väter, die dabei auch zu Selbstjustiz greifen, und einem Polizisten. Drehorte für den in Pennsylvania spielenden Film war größtenteils die Stadt Conyers und ihre Umgebung in Georgia. Der deutsche Kinostart war am 10. Oktober 2013.

Handlung Die Familien Dover und Birch feiern gemeinsam Thanksgiving. Nach dem Essen verschwinden die beiden sechsjährigen Töchter Anna Dover und Joy Birch beim Suchen nach Annas verlorener Trillerpfeife spurlos. Ein Polizeiaufgebot macht wenig später ein verdächtiges Wohnmobil ausfindig. Als Detective Loki versucht, den Fahrer Alex Jones aus dem Wagen zu locken, gerät dieser in Panik und fährt gegen den nächsten Baumstamm. Im folgenden Verhör findet sich jedoch kein belastendes Material gegen Alex, bei welchem man zudem einen stark unterdurchschnittlichen IQ vermutet. Er wird freigelassen und kehrt ins Haus seiner Tante Holly Jones zurück.

Keller Dover, der Vater der verschwundenen Anna, beharrt vehement auf Alex’ Schuld, weshalb er ihn entführt und in einem heruntergekommenen Haus, das ihm gehört, tagelang foltert – in der Hoffnung, er werde das Versteck der Mädchen preisgeben. Dabei zwingt er Franklin Birch, den Vater des anderen Mädchens, ihm zu helfen.

Währenddessen macht sich Detective Loki auf die Suche nach dem wahren Entführer und stößt bald auf den verdächtigen Bob Taylor. Er sucht Taylor in dessen Haus auf und überwältigt ihn. Es stellt sich heraus, dass er in vielen schwarzen Kästen Schlangen zusammen mit blutbefleckter Kinderkleidung aufbewahrt hat. Die Eltern der beiden entführten Mädchen können Teile davon ihren Töchtern zuordnen. Der Mörder scheint gefasst, es fehlen somit nur noch die Leichen.

Taylor begeht auf der Polizeistation Selbstmord. Es wird festgestellt, dass das Blut auf der Kleidung von Schweinen stammt. Er hatte die Kleidung bei Einbrüchen in die Häuser der beiden Familien gestohlen bzw. sie selbst gekauft. In seinem Haus hatte Taylor überall verstreut mysteriöse Labyrinthe gemalt. Loki erkennt nach einer Weile das Labyrinthsymbol wieder: Eine Leiche, die er im Keller eines Pfarrers gefunden hatte, trug es als Anhänger um den Hals.

Tage später wird Joy Birch aufgefunden und ins Krankenhaus eingeliefert. Von Anna fehlt weiterhin jede Spur. Joy flüstert schließlich, dass Keller auch „da“ gewesen sei. Dieser verlässt fluchtartig das Krankenhaus, gefolgt von Loki, der vermutet, dass Keller zum alten Haus fahren werde. Dort entdeckt Loki den misshandelten Alex. Keller Dover wiederum fährt zu Holly Jones, da er den Verdacht hat, dass Joy dort seine Stimme gehört haben könnte. Holly fügt ihm eine Schussverletzung am Bein zu und sperrt ihn in eine verdeckte Grube im unübersichtlichen Außenbereich des Hauses. Hier findet er Annas Trillerpfeife, denn die beiden Kinder waren zeitweise hier eingesperrt. Holly und ihr Mann (die Leiche mit dem Labyrinth-Anhänger im Keller des Pfarrers) haben bereits Jahre zuvor Kinder entführt, darunter Bob Taylor und Alex Jones, um einen „Krieg gegen Gott“ zu führen, der ihren Sohn in jungen Jahren an Krebs hatte sterben lassen. Ihr Motiv war die Erwartung, dass die Menschen sich von Gott abwenden würden, wenn ihre Kinder entführt wurden.

Loki begibt sich schließlich ebenfalls zu Hollys Haus, um ihr von Alex’ Befreiung zu berichten. Dabei entdeckt er Holly, als diese gerade versucht, Anna durch eine Giftinjektion zu töten. Er muss Holly in Notwehr erschießen, wird aber seinerseits durch einen Schuss aus ihrer Waffe verletzt. Er bringt das vergiftete Mädchen ins Krankenhaus, wo es gerettet wird. Am Schluss sieht man, wie Männer der Spurensicherung den Garten der Jones umgraben und Loki mitteilen, dass dies für den gesamten Garten Wochen dauern werde, da der Boden zum Teil schon gefroren sei. Als die Männer ihre Arbeit beenden, glaubt Loki mehrmals ein leises Pfeifen zu hören, ist sich aber nicht sicher. Ob er dem Geräusch nachgeht, bleibt offen. Für den Zuschauer ist klar, dass das Pfeifen von dem in der Grube festsitzenden Dover stammt, der aufgrund seiner abgebundenen Schussverletzung nicht mehr lange zu leben hat.

Produktion Entstehung und Drehbuchentwicklung mini|hochkant=0.8|Regisseur Denis Villeneuve Beim Mysterythriller Prisoners handelt es sich um das Erstlingswerk des US-amerikanischen Drehbuchautors Aaron Guzikowski, der am brooklyner Pratt Institute Kunst und Film studierte und 2007 ins Management von Madhouse Entertainment aufgenommen wurde. Neben einer regulären Arbeit entwickelte er für die Produktionsgesellschaft über einen Zeitraum von zwei Jahren das Drehbuch zu Prisoners, das auf einer seiner eigenen Kurzgeschichten über zwei Familienväter, die nach der Entführung ihrer Töchter zu Selbstjustiz greifen, basiert. Nach der Fertigstellung schloss sich Guzikowski der Künstleragentur Endeavor an, um sein Skript interessierten Filmstudios zum Kauf anzubieten. Noch im Jahr 2009 sicherte sich Alcon Entertainment für eine mittlere sechsstellige Summe die Rechte an Prisoners, ehe sich Guzikowskis Gage mit Produktionsbeginn auf über eine Million US-Dollar erhöhte.

Der im Stile von Das Schweigen der Lämmer und Sieben beschriebene Thriller zählte zu dieser Zeit zu den heißesten Filmprojekten in Hollywood und landete 2009 auf der Black List der besten unverfilmten Drehbücher. Alcon selbst wollte die Produktion des Films schnell vorantreiben und Prisoners bereits im Oktober 2010 veröffentlichen, doch eine Umsetzung scheiterte zunächst aufgrund von wechselnden Beteiligten vor und hinter der Kamera. So sollte der Thriller zunächst von Bryan Singer inszeniert und mit Mark Wahlberg und Christian Bale in den Hauptrollen realisiert werden, ehe später auch Leonardo DiCaprio und der Regisseur Antoine Fuqua zeitweise mit dem Filmprojekt in Verbindung gebracht wurden.

Zu Beginn der 2010er Jahre wurde schließlich der Kanadier Denis Villeneuve als Regisseur verpflichtet, der zuvor mit seinem für den internationalen Oscar nominierten Spielfilm Die Frau, die singt eine größere Bekanntheit erlangte. Villeneuve wollte sich zu dieser Zeit eigentlich der Literaturverfilmung Enemy basierend auf José Saramagos Roman Der Doppelgänger widmen und lehnte das Regieangebot für Prisoners zunächst ab, da er den düsteren Film als zu ähnlich zu seinem Vorgängerwerk erachtete. Schließlich war er vom Drehbuch aber so begeistert, dass er sich dazu entschied, seine ersten beiden englischsprachigen Filme Enemy und Prisoners back-to-back innerhalb eines Zeitraums von 18 Monaten umzusetzen. Gemeinsam mit Guzikowski überarbeitete er das Drehbuch, schrieb Prisoners in einen von zwei Hauptfiguren getragenen Film um und verlagerte die Kulisse in eine typische US-Vorstadt, wo durch fehlende soziale Interaktionen eine angsteinflößende Atmosphäre erschaffen werden sollte.

Besetzung und Synchronisation Als ersten Hauptdarsteller konnte Villeneuve Hugh Jackman im Frühjahr 2012 davon überzeugen, in Prisoners mitzuwirken. Er verkörpert den Familienvater Keller Dover, der nach der Entführung seiner Tochter Anna zu Selbstjustiz gegenüber dem vermeintlichen Täter greift. Die Produzenten des Films befürchteten anfänglich, dass die Hauptfigur deshalb vom Publikum nicht gemocht werden könnte, doch Regisseur Denis Villeneuve wollte Keller Dover insbesondere nachvollziehbar und nicht unbedingt sympathisch inszenieren. Durch die Figur sollte auch der Religionsaspekt des Films näher beleuchtet und Kellers innerer moralischer Konflikt mit seinen Taten aufgezeigt werden, ebenso wie Religion als Stärke und Rechtfertigung genutzt werden könne. Die zweite Hauptrolle des führenden Ermittlers Detective David Loki bot Villeneuve Jake Gyllenhaal an, mit dem er kurze Zeit zuvor bereits bei seinem Vorgängerfilm Enemy zusammengearbeitet hatte. Villeneuve hatte den Eindruck, dass es der Figur des Polizisten auf dem Papier etwas an Substanz fehle, weshalb er mit Gyllenhaal einen Darsteller verpflichten wollte, der diese Substanz allein durch seine Schauspielkunst erzeugen könne. Gyllenhaal sah sich in Vorbereitung auf die Rolle rund 100 Stunden Videomaterial von echten Polizeiverhören an.

In weiteren zentralen Rollen verkörpern Paul Dano den Hauptverdächtigen Alex Jones und Melissa Leo dessen Tante Holly. Zu den Mitgliedern der Familie Dover zählen Maria Bello als Mutter Grace, Dylan Minnette als ältester Sohn Ralph und Erin Gerasimovich als jüngste Tochter Anna. In der befreundeten Familie Birch übernahm Terrence Howard die Rolle des Vaters Franklin, während Viola Davis die Mutter Nancy, Zoë Soul die älteste Tochter Eliza und Kyla Drew Simmons die jüngste Tochter Joy verkörpern. In weiteren Nebenrollen sind Wayne Duvall als Polizeichef Captain Richard O’Malley, David Dastmalchian als Tatverdächtiger Bob Taylor und Len Cariou als zwielichtiger Pastor Patrick Dunn zu sehen.

Die deutschsprachige Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch und unter der Dialogregie von Joachim Kunzendorf bei RC Production.

Rolle Darsteller Synchronsprecher Keller Dover Hugh Jackman Thomas Nero Wolff Detective David Loki Jake Gyllenhaal Marius Clarén Franklin Birch Terrence Howard Sascha Rotermund Alex Jones Paul Dano Timmo Niesner Holly Jones Melissa Leo Kerstin Sanders-Dornseif Grace Dover Maria Bello Claudia Urbschat-Mingues Nancy Birch Viola Davis Anke Reitzenstein Ralph Dover Dylan Minnette David Wittmann Eliza Birch Zoë Soul Kristina Tietz Anna Dover Erin Gerasimovich Naomi Hadad Joy Birch Kyla Drew Simmons Captain Richard O’Malley Wayne Duvall Lutz Schnell Bob Taylor David Dastmalchian Jan Makino Pater Patrick Dunn Len Cariou Hasso Zorn

Dreharbeiten und Ausstattung mini|Ein Drehort in Porterdale, Georgia Die Dreharbeiten mit dem britischen Kameramann Roger Deakins erfolgten im Frühjahr 2013 im US-Bundesstaat Georgia, der als Kulisse für das herbstliche Pennsylvania diente. Zu den Drehorten rund um Atlanta zählten Cities wie Conyers, Stone Mountain, Monroe, Tucker, Snellville und East Point. Da Regisseur Denis Villeneuve eine klaustrophobische Atmosphäre erschaffen wollte, um so einen visuellen Druck auf seine Charaktere auszuüben, fand ein Großteil der Filmaufnahmen in beengten Häusern statt, aus denen für die Dreharbeiten zum Teil die Wände entfernt werden mussten. Andere Innenaufnahmen wie etwa im von Szenenbildner Patrice Vermette als Labyrinth konzipierten Elternhaus von Keller Dover entstanden hingegen in Filmstudios, um so den Darstellern mehr Raum für ihr Schauspiel in intensiven Szenen geben zu können. Villeneuve setzte dabei vermehrt auf Improvisationen und drehte so beispielsweise eine spontane 20-minütige Verhörszene zwischen Jake Gyllenhaal und Paul Dano. Außerdem entstand auf Wunsch von Warner Bros. eine zweite Version des Endes, das die Erzählung besser abschloss und weniger Fragen aufwarf. Da beide Versionen bei einem Testpublikum gut ankamen, durfte Villeneuve das ambitioniertere Ende aus der ursprünglichen Drehbuchfassung behalten.

Nach Skyfall handelte es sich um den zweiten Film, den Kameramann Roger Deakins mit einer ARRI-Kamera digital drehte. Villeneuve wollte Prisoners so realistisch und authentisch wie möglich inszenieren, weshalb sich Deakins dazu entschloss, die Kamera naturalistisch zu belassen und ihr einen observierenden Charakter zu geben. Durch langsame und einfache Bewegungen sollte sich die Kamera dabei auf die Intimität der Figuren fokussieren, anstatt ein Melodrama mit großen Bildern zu erschaffen. Auf Wunsch von Villeneuve wurden auch Gewaltdarstellungen oft nur subtil angedeutet, sodass ihre Auswirkungen umso eindrücklicher aufgezeigt werden konnten, wenn Gewalt vereinzelt doch als filmisches Mittel genutzt wurde.

Filmmusik und Soundtrack-Album mini|hochkant=0.8|Jóhann Jóhannsson (2013)