miniatur|Abteilungslogo der Berufsfeuerwehr Graz
Die Berufsfeuerwehr Graz (offiziell: Stadt Graz Abteilung Katastrophenschutz und Feuerwehr) ist die zweitälteste Berufsfeuerwehr Österreichs nach der Berufsfeuerwehr Wien. Sie betreut nicht nur als Schutzgebiet das Stadtgebiet von Graz mit 146 km², sondern ist in Bezug auf Gefahrgut auch für die Umlandbezirke zuständig. Vertraglich ist die Feuerwehr auch für die Nachbargemeinde Thal zuständig.
Geschichte In den Jahren 1849 bis 1852 bereiste der Turnlehrer August Jakob Augustin im Auftrag der Stadt Graz Oberitalien und Deutschland, um sich ein Bild über die Feuerwehren anderer Städte zu machen. Am 18. Jänner 1853 beauftragte der Gemeinderat Augustin dann anhand der gewonnenen Erkenntnisse ein „Städtisch besoldetes Pompiercorps“ nach Ulmer Vorbild aufzustellen. Diese Truppe mit 24 Feuerwehrmännern war ab Juni 1853 einsatzbereit und versah ihren Dienst zuerst am Mariahilferplatz. Die Leitung übernahm Augustin selbst. Die Brandmeldung erfolgte durch einen Wächter auf dem Schlossberg durch Glockenschläge, Flaggen und Lampen. Auch ein großes Sprachrohr stand zur Verfügung.Festschrift „160 Jahre Feuerwehr“ – Chronik & Entwicklung 1855 wurde eine telegraphische Verbindung zwischen Schlossberg und Feuerwehr aufgebaut. 1861 wurde die Mannschaft auf 36 Feuerwehrmännern aufgestockt, die Bezeichnung in „Städtische Feuerwehr“ geändert. 1877 wurde das Feuerwehrdepot zu klein, man machte schon Umbaupläne, übersiedelte aber dann auf den Lendplatz, wo sich noch heute die Zentralwache befindet. 1896 wurde das erste Fahrzeug für die Tierrettung angeschafft. 1897 wurden Radfahrmelder und eine dreiteilige fahrbare Schiebeleiter eingeführt. 1906 wurde der Titel „Branddirektor“ für den Leiter der Feuerwehr eingeführt. 1921 wurde das erste Feuerwehrauto in Betrieb genommen. Ein Lkw-Wrack von Gräf & Stift war dafür in der eigenen Werkstatt saniert worden. 1923 wurde der Wächter auf dem Schlossberg abgeschafft und eine 30-Meter-Kraftdrehleiter aus Ulm gekauft. 1928 wurde der 24-stündliche Wechseldienst eingeführt. Nach dem Anschluss wurde die Feuerwehr 1939 in die Feuerschutzpolizei mit deutschen Uniformen übergeführt. Nach dem Krieg musste die stark dezimierte Feuerwehr als „Feuerwehrkommando“ neu beginnen. Die Wachen der Freiwilligen Feuerwehren Eggenberg und Kroisbach wurden übernommen. Diese ehemaligen Vororte waren 1938 eingemeindet worden. 1950 wurde erstmals bei einer Feuerwehr in Österreich eine Sprechanlage zur Alarmierung in Betrieb genommen. 1953 wurde per Vertrag die Zuständigkeit der Feuerwehr auf das Gemeindegebiet von Thal ausgedehnt, sodass diese Nachbargemeinde keine eigene Feuerwehr unterhalten muss. 1981 wurde ein Wechselaufbauten-System entwickelt. 1998 zog die Feuerpolizei am Lendplatz ein. 2008 wurde die Freiwillige Feuerwehr Graz gegründet, die neben der Jugendarbeit die Feuerwache Kroisbach übernahm. 2010: das Nebengeschäft der Brandsicherheitswache wurde an die Freiwillige Feuerwehr abgegeben. Im Herbst 2013 feierte die Berufsfeuerwehr ihr 160-jähriges Bestehen mit einem Oktoberfest am Lendplatz. Im Juli 2014 wurde eine Feuerwehr-App herausgegeben, die vor Gefährdungen warnt und über Aktuelles zum Thema Zivilschutz informiert. mini|230x230px|Feuerwachen in Graz
Feuerwachen Graz ist in zwei Brandschutzsektionen eingeteilt: „West“ und „Ost“, die den zwei Murufern entsprechen. Die Zuständigkeit der im Westen liegenden Zentralwache reicht jedoch auch in den Nordosten. Daher verfügt die West-Sektion über zwei Feuerwachen und dreimal so viel Personal wie die Sektion Ost., Website
Zentralwache am Lendplatz (ZW) mini|Wagenhalle der Zentralwache am Lendplatz mit Graffiti Seit 1877 befindet sich die Zentrale der Grazer Feuerwehr am Lendplatz 15–17. Das Grundstück grenzt an die Keplerstraße, Josefi- und Mühlgasse, zwischenzeitlich hatte die Feuerwehr sogar die Adresse Keplerstraße 23. In den vergangenen 135 Jahren wurden die Gebäude mehrmals umgebaut, 1944 durch einen Bombentreffer schwer beschädigt, wieder aufgebaut und schließlich komplett abgerissen und neu errichtet. Der aktuelle Bau aus Beton stammt aus 1970 bis 1983, die Wagenhalle wurde 1991 vergrößert. 1998 wurde auch eine neue Brandmeldezentrale übergeben. 2002 erfolgte eine Generalsanierung mit Vollwärmeschutz. 2010 erhielten Graffitikünstler die Möglichkeit, die acht Tore der Wagenhalle zu gestalten., Kleine Zeitung am 4. Mai 2010
An dieser Feuerwache versehen 32 Einsatzkräfte ihren Dienst für die Sektion West und den Nordosten (Grenze ist ca. die Heinrichstraße). Hier befinden sich die Kfz-Werkstätten und die Schlauchwerkstatt für alle Feuerwachen. Bis August 2016 waren nur an dieser Feuerwache Offiziere stationiert. Neben der Branddirektion sind hier noch folgende Büros untergebracht: Brandmeldezentrale, Katastrophenleitstelle, Verwaltung, Nachrichtenabteilung, Feuerpolizei, Katastrophen- und Zivilschutz. Diese Feuerwache verfügt über einen Steigerturm, in dem auch die Höhenrettung üben kann und ein Tauchbecken für die Feuerwehrtaucher. In der Wagenhalle befinden sich die wichtigsten Einsatzfahrzeuge, im Hof dahinter sind Spezialfahrzeuge und Wechselaufbauten abgestellt. Die zwei Stockwerke über der Wagenhalle, in denen sich die Aufenthalts- und Ruheräume befinden, sind mit dem jeweils darunterliegenden über Rutschstangen verbunden. Im Keller befinden sich eine Schlauchwaschanlage und eine Übungsanlage mit verwinkelten Gängen. In dieser finden die regelmäßigen Rettungsübungen statt. Beim Wachgänger (Portier) können auch Problemstoffe, wie Alt-Batterien und Altöl abgegeben werden. Da die Ausfahrt – über einen gut einsehbaren Vorplatz – direkt auf den viel befahrenen Lendplatz führt, besteht die Möglichkeit, alle Ampeln der Kreuzungen bei der Alarmierung auf Rot zu stellen.
Hauptwache Ost am Dietrichsteinplatz (HO) mini|Hauptwache Ost am Dietrichsteinplatz Die Hauptwache Ost befindet sich am Dietrichsteinplatz 9a. Sie war 1889 bis 1939 Standort der Freiwilligen Feuerwehr und wurde zum Kriegsende von der Berufsfeuerwehr übernommen. Das Feuerwehrhaus mit der Wagenhalle liegt im Innenhof des Grundstücks zwischen Dietrichsteinplatz, Schörgelgasse und Kopernikusgasse, das von mehreren Häusern umgeben ist. Die Haupteinfahrt zum Dietrichsteinplatz ist daher etwas beengt. Von 1913 bis 1981 war an der Westseite auch die Rettung des Roten Kreuzes untergebracht. Nach deren Auszug in die neue Einsatzzentrale in der Münzgrabenstraße wurden auch diese Gebäude übernommen. 2001 erfolgte der letzte Umbau. Ab März 2024 erfolgt der Abriss und Neubau der ganzen Wache um 13,5 Mio. Euro. Als Zwischenlösung diente während der Bauzeit eine temporäre Wache bei der Messe Graz.Der Abriss der Feuerwache Ost am Dietrichsteinplatz ist angelaufen, Kleine Zeitung am 28. März 2024 Die Fertigstellung erfolgte im Oktober 2025 und wurde mit einem Tag der offenen Türe am 18. Oktober gefeiert.
An dieser Feuerwache versehen 15 Feuerwehrleute ihren Dienst für die Brandschutzsektion Ost, die Offiziere kommen im Rendezvous-System von der Zentralwache zum Einsatz. Hier sind auch eine Tierrettung und ein Schlauchboot auf einem Anhänger stationiert und die Abgabe von Sondermüll ist möglich. Die Feuerwache hat zwar einen Steigerturm, die Wartung der Schläuche erfolgt aber in der Zentralwache.
Feuerwache Süd in der Alten Poststraße (WS) mini|Die Feuerwache Süd in Puntigam Die Feuerwache Süd in Puntigam, Alte Poststraße 412, wurde im Juli 2008 eröffnet. Sie wurde auf einem ehemaligen Gelände des Bundesheeres errichtet, um den stark wachsenden Süden von Graz besser versorgen zu können. Sie gehört auch zur Sektion West. Mit der Inbetriebnahme übersiedelten die 15 Feuerwehrleute von der Feuerwache Eggenberg hier her, und da zugleich das Drei-Wachen-System verwirklicht wurde, wurde auch die kleine Feuerwache Kroisbach aufgegeben. Seit August 2016 ist auch ein Kommandofahrzeug stationiert, die Offiziere kommen nun nicht mehr von der Zentralwache.
Die Feuerwache hat eine Wagenhalle mit vier Toren direkt an der Straße und einen großen Hof mit Nebengebäuden. An diesem Standort befindet sich auch ein Sandsackdepot. Zu Übungszwecken gibt es hier auch eine alte Straßenbahngarnitur, einen Autobus und andere Fahrzeugwracks. Stationiert ist auch ein Tierrettungsfahrzeug (TIF). Hier sind auch Teile der Freiwilligen Feuerwehr untergebracht, ebenso die Feuerwehrjugend und die österreichische Wasserrettung.Feuerwachen der FF Graz, Website der FF Graz In der Nachbarschaft befinden sich die Brauerei Puntigam, das Shoppingcenter West und der Standort Süd des LKH Graz Süd-West. Diese Feuerwache liegt auch nahe am Südportal des Plabutschtunnels und verfügt über ein spezielles Vorausfahrzeug (VFZG). Über eine neue Eisenbahnunterführung ist der Bezirk Straßgang schnell erreichbar.
Ehemalige Feuerwachen mini|Gebäude der Feuerwache Eggenberg mini|Die erste Feuerwache Ökonomiegebäude heute Die Feuerwache Kroisbach in der Mariatroster Straße 37 war 1905 für die FF Kroisbach errichtet worden. Diese 1881 gegründete Feuerwehr hatte bis dahin ihre Feuerwache in derselben Straße auf Nummer 1 gehabt. Nach dem Krieg übernahm die Berufsfeuerwehr dieses Gebäude für die Brandschutzsektion Ost. Die Feuerwache lag strategisch günstig in der Nähe des LKH. Hier wurde auch 1950 erstmals in Österreich eine Sprechanlage zur Alarmierung der Mannschaft eingebaut. Untergebracht war hier auch die Schneider- und Schusterwerkstätte für die Dienstbekleidung. 1998 wurde diese aufgelassen, da die moderne Ausrüstung nicht mehr geflickt werden konnte. Bei der Einführung des Drei-Wachen-Systems 2009 wurde der Standort aufgegeben und von der zeitgleich gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Graz am 1. Juli 2009 übernommen. Da nun der Nordosten von Graz keine eigene Feuerwache mehr hatte, gab es Bedenken der Bevölkerung. Die Feuerwache wird daher an mehreren Tagen in der Woche von der FF bei Nacht besetzt.Bericht an den Gemeinderat (PDF; 467 kB) vom 5. Juli 2012
Die unter Denkmalschutz stehende Feuerwache Eggenberg () in der Algersdorfer Straße 10 wurde 2008 durch die neu gebaute Feuerwache Süd ersetzt. Sie war 1937 für die Freiwillige Feuerwehr Eggenberg an der damaligen Adresse Hasnerplatz 2 neu errichtet. Durch die Eingemeindung Eggenbergs erhielt die Straße den heutigen Namen (in Geidorf gab es schon einen Hasnerplatz). Nach dem Krieg wurde das Gebäude für die Berufsfeuerwehr als Nebenwache angekauft. Nach mehrfachem Umbau und Erweiterung war hier seit 1970 auch die hauseigene Tischlerei untergebrachtFestschrift „160 Jahre Feuerwehr“ – Gebäude Mittlerweile befinden sich in dem Gebäude ein Kindergarten und Wohnungen.
Die erste Feuerwache Ökonomiegebäude am Mariahilferplatz 5, die 1853 bezogen wurde, steht direkt vor der Mariahilferkirche an der Ecke zum Lendkai. Das Gebäude war jedoch nicht ideal und wurde 1877 aufgegeben, nachdem sich die Gelegenheit bot, auf den Lendplatz umzuziehen. Heute ist der Bau ein Geschäftshaus mit Sparkasse und einem Café. Das Aussehen des Hauses, hat sich nicht allzu sehr geändert, obwohl es nicht unter Denkmalschutz steht. Nur aus den einstigen Toreinfahrten sind inzwischen Fenster geworden und der Dachboden ist ausgebaut.
Personal mini|Übergabe vor der Zentralwache am Lendplatz mini|Brandmeldezentrale in der Zentralwache Da die Feuerwehr zur Stadtverwaltung gehört, sind auch deren Mitarbeiter Magistratsbedienstete, für die das Personalamt der Stadt zuständig ist. Der Zuständige im Stadtsenat und damit höchste Vorgesetzter ist der Bürgermeister, der die Abteilung für Katastrophenschutz und Feuerwehr zu seinen Agenden zählt.
Dienst In der Abteilung sind ca. 260 Personen beschäftigt, davon 220 im Branddienst, der Rest in der Verwaltung und den Ämtern.