12 Years a Slave ( für Zwölf Jahre ein Sklave) ist ein britisch-US-amerikanisches historisches Filmdrama des Regisseurs Steve McQueen aus dem Jahr 2013. Der Film basiert auf dem gleichnamigen autobiografischen Werk Twelve Years a Slave (1853) von Solomon Northup, der von Chiwetel Ejiofor gespielt wird. Die Handlung unterscheidet sich in vielen Einzelheiten von der Buchvorlage. Der Film gewann den Oscar für den besten Film 2014 und das beste adaptierte Drehbuch. Lupita Nyong’o erhielt die Auszeichnung als beste Nebendarstellerin.

Handlung 1841 wird der Geiger Solomon Northup, ein freier Afroamerikaner, der mit seiner Frau und zwei Kindern in Saratoga Springs im US-Bundesstaat New York lebt, von zwei reisenden Schaustellern für eine lukrative Tournee engagiert. Doch nach der Feier der ersten erfolgreichen Woche in Washington, D.C. wacht Northup in einer dunklen Zelle an den Boden gekettet auf. Mit Entsetzen erkennt er, dass er unter Drogen gesetzt wurde und nun gemeinsam mit anderen in die Sklaverei verkauft werden soll. Northup protestiert und verkündet seine Rechte als freier Mann, woraufhin er vom Sklavenhändler grausam geschlagen wird.

Unter dem neuen Namen Platt wird Northup per Schiff nach New Orleans transportiert und an den Plantagenbesitzer William Ford verkauft, zusammen mit der schwarzen Mutter Eliza, die vom herzlosen Händler absichtlich von ihren Kindern getrennt wurde und diesen Schmerz nicht überwindet. Ford behandelt seine Sklaven menschlich, zudem erweist sich Northup als geschickt. Durch das Anlegen einer kostensparenden Wasserstraße steigt er weiter in Fords Gunst, zieht jedoch den Neid und Hass des Zimmermannes John Tibeats auf sich, der Northup anschließend fortwährend schikaniert. Als Tibeats Northup eines Tages grundlos auspeitschen will, wehrt dieser sich, überwältigt Tibeats und verprügelt ihn mit dessen eigener Peitsche. Um sich für die Demütigung zu rächen, hängen Tibeats und seine Freunde Northup auf. Fords Aufseher Chapin schreitet ein und hindert Tibeats und sein Gefolge daran, Northup zu töten, befreit ihn aber auch nicht aus Fesseln und Schlinge. Mit den Fußspitzen gerade noch am Boden hängt er den ganzen Tag lang und wird erst spätabends von Ford aus dieser Lage befreit.

mini|Drehort Bocage Plantation Um Northup vor Tibeats in Sicherheit zu bringen, verkauft Ford ihn an eine andere Plantage, die vom brutalen Besitzer Edwin Epps geführt wird – niemand sonst wollte den Aufsässigen kaufen. Dort muss jeder Arbeiter täglich 200 Pfund Baumwolle pflücken, ansonsten gibt es Prügel. Die leistungsstärkste Baumwollpflückerin der Plantage ist die junge Patsey, die von Epps sexuell missbraucht und von seiner Frau Mary aus Eifersucht schikaniert wird. Patsey hat jede Hoffnung auf ein würdiges Leben verloren und bittet Northup einmal sogar darum, sie zu töten, was dieser entsetzt ablehnt. Später wird Northup von Epps dazu gezwungen, Patsey aus nichtigem Anlass auszupeitschen. Da er dies nicht im gewünschten Maße übers Herz bringt, entreißt Epps ihm die Peitsche und schlägt Patsey fast zu Tode, was Northup tief traumatisiert.

Ein erster Versuch Northups, mit seiner Familie brieflich Kontakt aufzunehmen, wird vom Kontaktmann verraten. Nur mit größtem diplomatischem Geschick kann Northup Epps beruhigen. Als er später dem kanadischen Zimmermann und Sklavereigegner Bass bei einer Arbeit hilft, erzählt er diesem seine Geschichte und bittet ihn, seine Freunde zu Hause zu benachrichtigen. Zuvor hat Northup eine Diskussion zwischen Bass und Epps mitangehört, in der ersterer seine entschiedene Ablehnung gegenüber der Sklaverei offen zum Ausdruck gebracht hatte. Bass zögert zunächst, doch dann gibt er sein Wort.

Tatsächlich erscheint schließlich ein Freund Northups in Begleitung des örtlichen Sheriffs, der Northups Identität überprüft und ihn dann trotz Epps’ wütender Proteste von der Plantage holt. Mit Northups Ankunft im Haus seiner Familie nach zwölf Jahren in der Sklaverei endet der Film. Seine Tochter ist mittlerweile verheiratet und hat ihm einen Enkel geboren.

Im Abspann erfährt man aus eingeblendeten Texten, dass Solomon Northup erfolglos gegen seine Entführer prozessierte – er durfte vor den zuständigen Gerichten nicht gegen Weiße aussagen, und auch der Händler, der ihn in New Orleans verkauft hatte, ließ sich rechtlich nicht belangen. So schrieb er seine Memoiren, kämpfte den Rest seines Lebens gegen die Sklaverei und half, Sklaven in die Freiheit zu schmuggeln. Ort und Zeit seines Todes sind nicht bekannt.

Produktion Dreharbeiten Die Dreharbeiten fanden vom 27. Juni bis 13. August 2012 in New Orleans mit einem Produktionsbudget von 20 Millionen Dollar statt. Um die Produktionskosten niedrig zu halten, fand ein Großteil der Dreharbeiten im Großraum New Orleans statt – meist im Süden, wo Northup damals wirklich versklavt wurde. Unter den Drehorten waren vier Antebellum-Plantagen: Felicity Plantation, Magnolia Plantation, Bocage Plantation und Destrehan Plantation. Eine der Plantagen in Vacherie ist nur wenige Meilen von dem tatsächlichen Ort des historischen Geschehens entfernt.

Zusätzlich wurden auch das Columns Hotel und Madame John’s Legacy im French Quarter in New Orleans als Drehorte genutzt. Kameramann Sean Bobbitt nahm 12 Years a Slave auf 35-mm-Film im 2,35:1-Breitbildformat-Seitenverhältnis mit einer Arricam LT und ST auf. Um das Wesen der Geschichte angemessen darzustellen, vermieden die Filmemacher einen entsättigten visuellen Stil, der eine düstere Dokumentarfilmästhetik erschaffen hätte.

Musik Die Filmmusik zu 12 Years a Slave wurde von Hans Zimmer komponiert, von Nicholas Britell arrangiert und von Tim Fain aufgenommen. Auch Franz Schuberts Streichtrio B-Dur D 471 wurde verwendet sowie der afroamerikanische Folk-Song Run Nigger Run. Das Soundtrack-Album 12 Years a Slave: Music from and Inspired by the Motion Picture wurde am 5. November 2013 von Columbia Records veröffentlicht.

Veröffentlichung Der Film wurde am 6. September 2013 beim 38. Toronto International Film Festival uraufgeführt. Offizieller Kinostart in den Vereinigten Staaten war der 18. Oktober 2013. Der Kinostart in Deutschland fand am 16. Januar 2014 statt. Der Film spielte in den Kinos weltweit rund 188 Millionen US-Dollar ein, davon 57 Millionen US-Dollar in den USA.

Synchronisation Solomon NorthupChiwetel EjioforTorben LiebrechtEdwin EppsMichael FassbenderNorman MattSamuel BassBrad PittTobias MeisterTheophilus FreemanPaul GiamattiLutz SchnellWilliam FordBenedict CumberbatchSascha RotermundElizaAdepero OduyeSanam AfrashtehJohn TibeatsPaul DanoTimmo NiesnerArmsbyGarret DillahuntOlaf ReichmannBrownScoot McNairyMatthias DeutelmoserBurchChristopher BerryMichael DeffertClemensChris ChalkPeter LontzekEdwardGregory BrightTilo SchmitzEmilyStorm ReidMilena RybiczkaFitzgeraldRichard HoldenHans-Jürgen DittbernerHamiltonTaran KillamTobias NathJohnCraig TateJan-David RönfeldtJonus RayJohn McConnellHans-Eckart EckhardtMary EppsSarah PaulsonClaudia LösslMistress FordLiza J. BennettAlexandra WilckeMistress ShawAlfre WoodardSabina TroogerMr. MoonTony BentleyMatthias KlagesMr. ParkerRob SteinbergDieter MemelPatseyLupita Nyong’oRubina NathPlantagenbesitzerThomas Francis MurphyJan SpitzerRadburnBill CampMarco KrögerRichter TurnerBryan BattFrank RöthSheriffJay HuguleyFlorian Krüger-ShantinTreachAndy DylanJaron Löwenberg

Die Produktion erfolgte bei der FFS Film- & Fernseh-Synchron in Berlin. Buch und Regie übernahm Benedikt Rabanus.

Kritik

Internationale Rezeption Die Weltpremiere fand während des vierzigsten Telluride Film Festivals am 30. August 2013 statt. Erste Reaktionen auf 12 Years a Slave waren durchgehend positiv. Auf dem Toronto International Film Festival 2013 erhielt der Film den Publikumspreis. Besonders großes Lob erfuhr der Film durch die schauspielerische Leistung von Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender und Lupita Nyong’o sowie die Regiearbeit von Steve McQueen und das Drehbuch von John Ridley, das sich stark an die gleichnamige Autobiographie von Solomon Northup anlehnt.

Dies spiegelt sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren wider. So erfasst Rotten Tomatoes fast ausschließlich wohlwollende Besprechungen und ordnet den Film damit als „Verbrieft Frisch“ ein. Im Kritikerkonsens heißt es: „Der Film ist weit davon entfernt, ein Wohlfühlfilm zu sein, aber der unbeirrbar brutale Blick auf die amerikanische Sklaverei ist brillantes – und womöglich auch unverzichtbares – Kino.“ („It’s far from comfortable viewing, but 12 Years a Slave’s unflinchingly brutal look at American slavery is also brilliant – and quite possibly essential cinema“) Metacritic ermittelt aus den vorliegenden Bewertungen „Einhelliges Lob“.

Richard Corliss vom Time-Magazin vergleicht den Film zwar mit Exploitationfilmen wie Mandingo und Goodbye Uncle Tom; McQueen sei jedoch nicht sensationslüstern, sondern ein unerbittlicher Künstler.“Indeed, McQueen’s film is closer in its storytelling particulars to such 1970s exploitation-exposés of slavery as Mandingo and Goodbye, Uncle Tom. Except that McQueen is not a schlockmeister sensationalist but a remorseless artist.” McQueen zeige die Ineffizienz von Rassismus, wenn die Sklaveneigentümer die Kraft ihrer Sklaven durch Auspeitschen vergeudeten oder sie mitten in der Nacht für ihre eigenen grausamen Vergnügen weckten.“McQueen shows that racism, aside from its barbarous inhumanity, is insanely inefficient. It can be argued that Nazi Germany lost the war both because it diverted so much manpower to the killing of Jews and because it did not exploit the brilliance of Jewish scientists in building smarter weapons. So the slave owners dilute the energy of their slaves by whipping them for sadistic sport and, as Epps does, waking them at night to dance for his wife’s cruel pleasure.” Gregory Ellwood von HitFix gab dem Film in einer rundum positiven Rezension das Prädikat „A“ und beschrieb ihn als „kraftvolles Drama“ unter McQueens „kühner Regie“ mit der „großartigsten Leistung in Chewetel Ejiofors Karriere“ und lobte auch die Leistungen von Fassbender und Nyong’o sowie Sean Bobbitts „herrliche“ Kameraführung und Zimmers Musik; als einziges kleines Manko des Films nennt Ellwood, dass das Verstreichen der 12 Jahre nicht deutlich werde.“12 Years is a powerful drama driven by McQueen’s bold direction and the finest performance of Chiwetel Ejiofor’s career. (…) ‘12 Years’ also features gorgeous cinematography by another longtime McQueen collaborator, Sean Bobbitt, and one of Hans Zimmer’s more moving scores in some time. // One minor criticism of the film is that it shockingly fails to convey the passage of time during Northrup’s forced slavery. (…)”

Paul McInnes vom Guardian nannte den Film nicht nur großartig, sondern auch notwendig.“12 Years a Slave is not just a great film but a necessary one.” Die Rezensenten von „Spill“ sprachen dem Film hohe Anerkennung zu, zwei der Kritiker gaben sogar die höchste Bewertung ab, „Better Than Sex“. Allerdings sind sich die Kritiker einig, dass es kein Film ist, den man sich in naher Zukunft ein zweites Mal anschauen würde. Beim Vergleich mit der Fernsehserie Roots erklärte der Rezensent Cyrus, Roots sei eher wie der Glücksbärchi-Film im Vergleich zu 12 Years a Slave.