Ben Cooper, Inc. war ein US-amerikanisches Unternehmen, das von 1930 bis Anfang 1990 vor allem Halloweenkostüme herstellte. Es gehörte zwischen 1950 und 1980 zu den drei größten Unternehmen in diesem Marktsegment.Rinker, „Halloween Costumes Worth Scaring Up By Collectors,“ The Morning Call, November 10, 1996. Die vom Preis her recht günstigen Plastikmasken und Vinylumhänge waren vor allem ab den 1950er Jahren bis in die 1970er Jahre ein US-amerikanisches Symbol von Halloween.Sandstrom, „Frightfully Collectible,“ The Plain Dealer, October 28, 1994. Das Unternehmen wurde daher auch als „Halston“ von Halloweenpeople.com: oder als „Hohepriester“ des Halloween bezeichnet.„Ghoul Gear,“ The Village Voice, October 25-31, 1973.

Unternehmensgeschichte miniatur|Leuchtende Mumienmaske aus den 1960ern Unternehmensgründer und Namensgeber Ben Cooper wurde 1906 auf der Lower East Side von New York City geboren. Obwohl sein Vater ein einfacher Gastwirt war, konnte Cooper Buchhaltung studieren und verdiente seinen Lebensunterhalt zunächst als Songwriter. 1927 schließlich gründete er ein Unternehmen für Theaterkostüme.„Halloween Costume,“ in Encyclopedia of Clothing and Fashion, 2004, S. 167. Seine bekanntesten Arbeiten aus dieser Zeit schuf er für den legendären Cotton Club in Harlem und für Ziegfeld Follies auf dem Broadway.

Nachdem das Theater während der Great Depression an Zugkraft verlor, dafür aber Halloween als Feiertag immer populärer wurde, sattelte Cooper um und gründete schließlich 1937 Ben Cooper Inc. in Brooklyn. Die Firma übernahm A.S. Fishbach, Inc., die zu jener Zeit Lizenzen an Walt-Disney-Figuren wie Donald Duck und Schneewittchen besaß und konnte so Kostüme dieser Figuren verkaufen.antiquetoycollections.info: , Playthings, Juni 1938, S. 47 Die beiden Firmen verschmolzen formal am 8. Dezember 1942 unter dem Namen Ben Cooper, Inc.

Bis zum Ende der 1940er Jahre wurde Ben Cooper der größte und populärste Halloween-Kostümhersteller der Vereinigten Staaten.Fendelman, „Vintage Halloween Costumes,“ Country Living, 1. Oktober 2007. Die Kostüme wurden kostengünstig hergestellt und bestanden meist aus dünnem Stoff mit einem Siebdruck auf der Vorderseite. Sie kosteten etwa drei Dollar (heute etwa 30 Euro).Rosenkrantz, „Chills and Thrills Have Long History,“ San Diego Union-Tribune, 20. Oktober 2002. Das Unternehmen begann große Einzelhandelsketten wie J. C. Penney, Woolworth, Sears und verschiedene Sonderpostenmärkte zu beliefern, wo der Preis um ein Drittel gedrückt wurde. Am populärsten waren zu dieser Zeit Teufels-, Geister-, Skelett- und Hexenkostüme. In den 1950ern waren es vor allem Comic- und Fernsehcharaktere wie Davy Crockett, Superman und Zorro, die den Markt anführten. Als die Sicherheitsbestrebungen in der Bevölkerung wichtiger wurden, entwickelte Ben Cooper sogenannte „Glitter-Glo-Kostüme“, die durch blauen Glitter die Scheinwerfer der Autos reflektierten und damit die Kinder für Autofahrer besser erkennbar werden ließen. Das Unternehmen verdiente auch an der Popularität von John F. Kennedy und seiner Frau Jacqueline Kennedy. Nach dem Attentat auf John F. Kennedy mussten sie jedoch Tausende von Masken zerstören.

miniatur|C-3PO-Kostüm aus dem Jahr 1977 In den 1960ern und 1970ern gehörte Ben Cooper zu den drei größten Halloween-Kostümfabrikanten, zusammen mit Collegeville und der H. Halpern Company (Halco).Moody, „Television Land Outside Your Door,“ The Hartford Courant, 30. Oktober 1960.Rinker, „Unmasking the Value of Old Halloween Costumes,“ The Morning Call, 23. Oktober 2007. Auch in diesen Jahren setzte das Unternehmen auf gerade in Mode kommende Figuren, die es so schnell wie möglich versuchte zu vermarkten. So lizenzierte es Spider-Man, noch bevor die Serie nach 1963 populär wurde, sowie Batman ein Jahr später.McLaughlin, „Costumes’ Popularity Is Absolutely Batty,“ St. Louis Post-Dispatch, 26. Oktober 1989.Petty, S. 737.

Marktrenner war eine Maske des US-amerikanischen Präsidenten Richard Nixon, die sich so gut verkaufte wie später die berühmte Ronald-Reagan-Maske in den 1980ern. George H. W. Bush wurde bereits 1987 mit einer Maske bedacht, da das Unternehmen davon ausging, dass er die Wahl gewinnen würde.Kleinfeld, „The Weird, the Bad and the Scary,“ New York Times, 15. Oktober 1989 1979 produzierte das Unternehmen erstmals ein Kostüm zu einem R-Rated-Film (unter 17 Jahren nur in Begleitung eines Erwachsenen): ein Kostüm des Aliens aus Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt.

War das Unternehmen 1979 noch der Marktführer, begann es in den 1980ern Verluste einzufahren. Gründe lagen darin, dass 1982 in Chicago sieben Menschen an der Einnahme des Schmerzmittels Paracetamol starben. Ermittler fanden heraus, dass jemand das Medikament absichtlich mit Kaliumcyanid versetzt hatte. Verängstigte Eltern verboten daher ihren Kindern aus Angst vor weiteren beziehungsweise ähnlichen Morden, an Halloween „Trick or Treat“ zu spielen. Daher brach der Verkauf von Halloweenkostümen schlagartig ein und erholte sich in den Folgejahren nur langsam. Als Reaktion gründete Ben Cooper mit acht weiteren Kostümherstellern das Halloween Celebration Committee, das eine Broschüre mit dem Titel 13 Great Ways to Celebrate Halloween herausbrachte, die die Eltern beruhigen und damit den Verkauf wieder ankurbeln sollte.Lesem, „Booklet Aims to Make '83 Halloween Trick-or-Treat Both Scary and Safe,“ United Press International, 4. Oktober 1983. Immer noch Marktführer gelang es dem Unternehmen sich 1987 zu erholen und den Umsatz um 20 % zu steigern.Kita, „Just Needle and Thread Create Stuff of Dreams — and Nightmares,“ The Morning Call, October 25, 1984.DeCaro, „Grown-Up Goblins: Halloween Fantasies Let the Ghoul Times Roll for Stressed Out Baby Boomers,“ Chicago Tribune, 25. Oktober 1987.

Insolvenz Die Umsatzsteigerung war jedoch nicht ausreichend um eine Insolvenz zu verhindern. Viele Kunden gingen zum größten Konkurrenten Collegeville.Fricker, „Raisins Are Sweet for Costume Maker,“ The Morning Call, October 26, 1988. Am 13. März 1988 meldete das Unternehmen Insolvenz an.„Ben Cooper Files to Reorganize in Chapter 11,“ Daily News Record, March 14, 1988; „Cooper Agrees to Pay Unsecured Creditors 100%,“ Daily News Record, 26. Oktober 1988. Als Beteiligungsgesellschaft blieben die tatsächlichen Zahlen geheim, jedoch gab es Berichte, dass der Profit unter 10 % gefallen sei. Als am 6. Januar 1989 ein Gebäude des Unternehmens in Georgia niederbrannte, verlor das Unternehmen eigenen Angaben zufolge zwischen 2 und 3 Millionen US-Dollar an Waren.In re Ben Cooper, Inc., 896 F.2d 1394, 1396 (2d Cir. 1990).Scism, „Court Lets Costume Firm Seek Jury Trial On Claim,“ Greensboro News-Record, 16. Mai 1991.„Major Bankruptcy Ruling Stands,“ Business Insurance, 3. Juni 1991. Beide Versicherungsunternehmen weigerten sich zu zahlen.In re Ben Cooper, Inc., 896 F.2d 1394, 1396–1397. Auch im Insolvenzverfahren wurden die Ansprüche nicht bedacht. Es gelang Ben Cooper jedoch die Insolvenz (vorerst) zu verhindern.

In den Jahren 1990 und 1991 prozessierte Cooper gegen die beiden Versicherungsunternehmen. Die Angelegenheit ging sogar vor den Obersten Gerichtshof. Nach einem längeren Prozess gewann Cooper.In re Ben Cooper, Inc., 896 F.2d 1394, 1404.Insurance Company of the State of Pennsylvania v. Ben Cooper, Inc., 498 U.S. 964 (1990).In re Ben Cooper, Inc., 924 F.2d 36 (2d Cir. 1991).

Mit dem Geld der Versicherungen und den Einnahmen aus dem Vorjahr hatte man große Pläne. 1991 begann ein Umzug nach Greensboro in North Carolina.Scism, „Greensboro Gains New Jobs As Costume Maker Relocates,“ Greensboro News-Record, January 8, 1991. Das Unternehmen hatte zu dieser Zeit 35 festangestellte Mitarbeiter und stellte vier Millionen Kostüme her.Scism, „Bankruptcy Repeat No Treat for Costume Manufacturer,“ Greensboro News-Record, October 31, 1991. Es kontrollierte 70 bis 80 Prozent des Kostümmarkts mit Lizenzfiguren und hatte Verträge mit Children’s Television Workshop (Produzenten der Sesamstraße), DC Comics, Mattel und Walt Disney. Ziel des Umzugs war es, näher an den textilverarbeitenden Firmen im Süden der Vereinigten Staaten zu sein, um umweltschonender produzieren zu können.

miniatur|Rubie's Costume Co Am 30. Oktober 1991 musste das Unternehmen wieder Insolvenz anmelden. Man hatte sich bei dem Standortwechsel verkalkuliert. Auch die Rezession 1990 und die Verzugszinsen aus Bankanleihen setzten dem Unternehmen zu. Es erholte sich diesmal nicht und wurde 1992 von Rubie’s Costume Co. aufgekauft.Szadkowski, „New Superheroes Suit Up With Halloween Standards,“ The Washington Times, October 11, 2003;Jane Everhart: , Selling Halloween, Februar 2007

Sammlerwert

Produkte aus dem Hause Ben Cooper sind heute begehrte Sammlerobjekte. Insbesondere noch eingepackte Originalkostüme mit Masken erzielen bei Versteigerungen Höchstpreise.Yvaska, „Spirited Noisemakers,“ San Jose Mercury News, 29. Oktober 2005. Fotograf Phyllis Galembo gab 2002 ein Buch namens Dressed for Thrills: 100 Years of Halloween Costumes & Masquerade heraus, in dem viele Kostüme von Ben Cooper gezeigt werden.Miller, „Mask Oriented,“ Salon.com, 30. Oktober 2002; Galembo, Dressed for Thrills: 100 Years of Halloween Costumes and Masquerade, 2002.

Literatur Galembo, Phyllis: Dressed for Thrills: 100 Years of Halloween Costumes and Masquerade. New York: Harry N. Abrams, 2002. Halloween Costume In: Encyclopedia of Clothing and Fashion. Valerie Steele, ed. New York: Charles Scribners & Sons, 2004.

Weblinks

Einzelnachweise

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