Die Seidenpflanzengewächse (Asclepiadoideae), auch Schwalbenwurzgewächse genannt, sind eine Unterfamilie in der Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae).

Bekannte Vertreter dieser Unterfamilie sind die Aasblumen unterschiedlicher Gattungen: Stapelia, Hoodia, Huernia und Orbea, deren Blüten Aasgeruch verströmen, die Wachsblumen (Hoya), die Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) und die Seidenpflanzen (Asclepias).

Beschreibung mini|links|Untertribus Oxypetalinae: Illustration aus Florae Columbiae, Tafel CLXIV von Schistogyne sylvestris mini|Untertribus Metastelmatinae: Illustration aus Nova genera et species plantarum. Monachii: Impensis Auctoris, 1824–1829 von 1. Ditassa decussata (rechts) und 2. Ditassa mucronata (links) mini|Tribus Asclepiadeae Untertribus Gonolobinae: Illustration aus Köhler's Medizinal-Pflanzen von Matelea denticulata

Vegetative Merkmale Es sind meist ausdauernde krautige Pflanzen oder verholzende Pflanzen: Sträucher, Lianen oder selten Bäume. Ein Teil der Taxa sind stammsukkulente Pflanzen. Einige Arten sind Kletterpflanzen. Die Pflanzen enthalten oft einen weißlichen oder seltener klaren Milchsaft.

Die meist gegenständig angeordneten Laubblätter sind gut entwickelt oder stark reduziert. Die Laubblätter weisen meist einem glatten Blattrand auf. Nebenblätter können vorhanden sein oder sie fehlen.

Generative Merkmale Die Blüten stehen einzeln oder in zymösen, selten traubigen Blütenständen.

Die zwittrigen Blüten sind meist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle (Perianth). Die fünf Kelchblätter sind nur an ihrer Basis verwachsen. Die fünf Kronblätter sind verwachsen. Es wird oft eine Nebenkrone aus den Kronblättern oder den Staubblättern gebildet (Ligula). Es ist nur ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden, wobei die Staubfäden nur kurz sind oder fehlen. Die Staubblätter und die Fruchtblätter sind zu einem so genannten „Gynostegium“ verwachsen. Der Pollen ist meist zu einer Einheit, dem „Pollinium“ zusammengefasst. Das „Pollinium“ ist über zwei so genannten „Translatoren“ mit dem „Klemmkörper“ verbunden. Jede Blüte enthält zwei oberständige Fruchtblätter.

Je Blüte entwickeln sich meist zwei Balgfrüchte, selten nur eine. Die Balgfrüchte enthalten viele Samen. Die Samen tragen meist seidige Haarschöpfe (Coma), daher der Name.

Ökologie Durch das Gynostegium liegt hier eine Spezialisierung auf Insektenbestäubung (Entomophilie) vor.

Systematik und Verbreitung mini|Tribus Asclepiadeae Untertribus Asclepiadinae: Kronenblume (Calotropis gigantea) mini|Tribus Asclepiadeae Untertribus Asclepiadinae: Gomphocarpus fruticosus mini|Tribus Asclepiadeae Untertribus Asclepiadinae: Oxystelma bornouense mini|Tribus Asclepiadeae Untertribus Astephaninae: Microloma calycinum am Naturstandort: Richtersveld mini|Tribus Asclepiadeae Untertribus Cynanchinae: Cynanchum utahense mini|Tribus Asclepiadeae Untertribus Diplolepinae: Diplolepis boerhaviifolia mini|Tribus Asclepiadeae Untertribus Gonolobinae: Laubblätter und Blüte von Dictyanthus yucatanensi mini|Tribus Asclepiadeae Untertribus Metastelmatinae: Laubblätter, Blütenstand und junge Frucht von Peplonia adnata mini|Tribus Asclepiadeae Untertribus Orthosiinae: Orthosia scoparia mini|Tribus Asclepiadeae Untertribus Oxypetalinae: Funastrum cynanchoides mini|Tribus Asclepiadeae Untertribus Oxypetalinae: Laubblätter und Blüten von Morrenia odorata mini|Tribus Asclepiadeae Untertribus Tylophorinae: Vincetoxicum rossicum mini|Tribus Ceropegieae Untertribus Stapeliinae: Traubige Leuchterblume (Ceropegia racemosa) mini|Tribus Ceropegieae Untertribus Stapeliinae: Larryleachia cactiformis mini|Tribus Ceropegieae Untertribus Stapeliinae: Stapelia gigantea mini|Tribus Fockeeae: Habitus von Fockea edulis mini|Tribus Marsdenieae: Illustration der Urnenpflanze (Dischidia rafflesiana) mini|Tribus Marsdenieae: Laubblätter und Blütenstand von Dregea sinensis mini|Tribus Marsdenieae: Hoya pubicalyx mini|Tribus Marsdenieae: Laubblätter und Blütenstand von Cionura erecta mini|Tribus Marsdenieae: Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Telosma cordata mini|Tribus Marsdenieae: Laubblätter und Blütenstand von Wattakaka volubilis

Die ehemalige Familie Asclepiadaceae wurde 1797 durch Moritz Balthasar Borkhausen in Botanisches Wörterbuch, Band 1, S. 31 aufgestellt. Aus praktischen Gründen teilte Robert Brown 1810 die „Asclepiads“ Jussieu’s (1789) Apocineae und mit dem Umfang der eigenen Familie Asclepiadaceae. Der Name der Familie Asclepiadaceae – noch als „Asclepiadeae“ – geht auf Gilbert Thomas Burnett 1835 zurück. Typusgattung ist Asclepias Sie hat nach molekularbiologischen Erkenntnissen den Rang einer Unterfamilie Asclepiadoideae innerhalb der Familie der Apocynaceae (Endress & Bruyns 2000). Weitere Synonyme für Asclepiadaceae sind: Cynanchoideae , Marsdenioideae

Die Arten der Unterfamilie Asclepiadoideae sind in den tropischen und subtropischen Gebieten der Erde weitverbreitet, besonders in Afrika und im südlichen Südamerika. Im nördlichen und südöstlichen Asien kommen wenige Arten vor, aber viele kleine Gattungen. In Mitteleuropa ist nur die Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) heimisch, die aus Nordamerika stammende Seidenpflanze (Asclepias syriaca) kommt in Mitteleuropa verwildert und teilweise eingebürgert vor.

Die Unterfamilie Asclepiadoideae umfasst 164 bis 172 Gattungen.

Die Unterfamilie Asclepiadoideae wurde durch Endress et al. 2007 in vier Tribus mit insgesamt zwölf Untertribus gegliedert. Sie wird seit Endress et al. 2014 in fünf Tribus mit insgesamt 15 Untertribus gegliedert.:

Tribus Asclepiadeae : Sie wird seit 2014 in elf Untertribus gegliedert und enthält etwa 87 Gattungen: Untertribus Asclepiadinae : Sie enthält etwa 25 Gattungen: Aidomene : Es gibt nur eine Art: Aidomene parvula Sie wird aber auch als Asclepias aurea in die Gattung Asclepias gestellt. Asclepias (Synonyme: Acerates , Acerotis , Anantherix , Anthanotis , Asclepiodella , Asclepiodora , Biventraria , Crassa , Dassovia , Oligoron , Onistis , Otanema , Otaria , Oxypteryx , Podostemma , Podostigma , Polyotus , Schizonotus nom. illeg., Solanoa , Solanoana orth. var., Stylandra ): Die etwa 203 Arten kommen in der Neotropis und im südlichen Afrika vor. Aspidoglossum : Die etwa 37 Arten sind vom tropischen bis südlichen Afrika verbreitet. Aspidoglossum : Hierher gehören etwa 37 Arten, die von tropischen bis zum südlichen Afrika vorkommen. Aspidonepsis : Die etwa fünf Arten kommen im südlichen Afrika vor. Calciphila : Sie wurde 2006 aufgestellt. Die nur zwei Arten kommen nur in Somalia vor. Calotropis : Die etwa drei Arten kommen in Makaronesien, vom tropischen bis subtropischen Afrika und vom tropischen bis subtropischen Asien vor. Cordylogyne : Es gibt nur eine Art: Cordylogyne globosa : Sie kommt im südlichen Afrika vor. Fanninia : Es gibt nur eine Art: Fanninia caloglossa : Sie kommt vom Ostkap bis KwaZulu-Natal vor. Glossostelma : Die etwa zwölf Arten kommen von Gabun bis Tansania und im südlichen tropischen Afrika vor. Gomphocarpus : Die etwa 20 Arten kommen vom tropischen bis zum südlichen Afrika und auf der Arabischen Halbinsel vor. Kanahia : Die etwa zwei Arten kommen vom tropischen bis ins südlichen Afrika und auf der Arabischen Halbinsel vor. Margaretta : Es gibt nur eine Art, Margaretta rosea mit acht Unterarten: Margaretta rosea subsp. rosea: Sie kommt von Kamerun bis zum südlichen Sudan und Tansania vor. Margaretta rosea subsp. bidens : Sie kommt in Tansania vor. Margaretta rosea subsp. corallina : Sie kommt nur im westlichen Tansania vor. Margaretta rosea subsp. cornetii : Sie kommt vom westlichen Tansania bis Sambia vor. Margaretta rosea subsp. kilimanjarica : Sie kommt vom südlichen Kenia bis zum nördlichen Tansania vor. Margaretta rosea subsp. occidentalis : Sie kommt vom nördlichen Nigeria bis Kamerun vor. Margaretta rosea subsp. orbicularis : Sie kommt vom südwestlichen Tansania bis Sambia vor. Margaretta rosea subsp. whytei : Sie kommt vom südlichen Tansania bis zum südlichen tropischen Afrika vor. Miraglossum : Die etwa sieben Arten kommen im südlichen Afrika vor. Odontostelma Es gibt etwa zwei Arten. Oxystelma Die etwa zwei Arten sind im tropischen und subtropischen Afrika, Asien und Australien verbreitet. Pachycarpus : Die etwa 39 Arten kommen vom tropischen bis südlichen Afrika vor. Parapodium : Die etwa drei Arten kommen im südlichen Afrika vor. Pergularia : Die etwa zwei Arten kommen vom tropischen bis südlichen Afrika, auf der Sinaihalbinsel, auf der Arabischen Halbinsel und vom Iran bis Indien sowie Indochina vor. Schizoglossum (Syn.: Lagarinthus ): Die etwa 28 Arten kommen vom tropischen bis südlichen Afrika vor. Solenostemma : Es gibt nur eine Art: Solenostemma oleifolium : Sie kommt von der Sahara bis ins nordwestliche Saudi-Arabien. Stathmostelma : Die etwa 14 Arten von kommen von Kamerun bis Äthiopien und Botswana vor. Stenostelma : Die zwei oder drei Arten kommen im südlichen Afrika vor. Trachycalymma Es gibt bis zu zehn Arten im tropischen Afrika. Sie werden von manchen Autoren in die Gattung Asclepias eingeordnet. Woodia : Die etwa drei Arten kommen im südlichen Afrika vor. Xysmalobium : Die etwa 42 Arten kommen vom tropischen bis südlichen Afrika vor. Uzara (Xysmalobium undulatum ): Aus dem südlichen und östlichen Afrika. Untertribus Astephaninae : Sie enthält nur drei Gattungen und kommt nur in Südafrika vor: Astephanus : Die etwa drei Arten kommen in den südafrikanischen Provinzen Nord-, Ost- und Westkap vor. Microloma : Die etwa elf Arten kommen im südlichen Afrika vor. Oncinema : Es gibt nur eine Art: Oncinema lineare : Sie kommt in der Capensis vor. Untertribus Cynanchinae : Sie enthält etwa 13 Gattungen: Adelostemma : Die drei Arten werden auch zu Cynanchum gestellt. Cynanchum (Syn.: Seshagiria ): Sie umfasst etwa 255 Arten. Sie kommen in den Tropen und Subtropen und von der Ukraine bis in die gemäßigten Gebiete Asiens vor. Glossonema : Sie wird von manchen Autoren zu Cynanchum gestellt. Graphistemma : Sie umfasst nur eine Art, die auch zu Cynanchum gestellt wird. Holostemma : Die Arten werden von manchen Autoren auch zu Cynanchum gestellt. Mahawoa : Es gibt nur eine Art: Mahawoa montana : Sie kommt auf Sulawesi vor. Metaplexis : Die Arten werden von manchen Autoren auch zu Cynanchum gestellt. Odontanthera : Es gibt nur eine Art: Odontanthera radians : Sie kommt vom nördlichen Somalia bis zur südwestlichen Arabischen Halbinsel vor. Pentarrhinum : Die Arten werden von manchen Autoren auch zu Cynanchum gestellt. Pentastelma : Es gibt nur eine Art: Pentastelma auritum : Sie kommt auf Hainan vor. Raphistemma : Die Arten werden von manchen Autoren auch zu Cynanchum gestellt. Schizostephanus : Die etwa zwei Arten kommen von Eritrea bis ins südliche Afrika vor. Sichuania : Hierher gehört nur eine Art, die in Sichuan vorkommt und als Cynanchum alternilobum zu Cynanchum gestellt wird. Untertribus Diplolepinae : Sie wurde 2014 aufgestellt und enthält nur eine Gattung: Diplolepis (Syn.: Sonninia , Grisebachiella ): Die etwa 14 Arten sind in Chile und Argentinien verbreitet. Es handelt sich um kletternde Halbsträucher mit weißem Milchsaft. Untertribus Gonolobinae : Sie enthält seit 2015 etwa 15 Gattungen mit etwa 300 Arten: Anemotrochus : Sie wurde 2016 aufgestellt und kommt nur auf karibischen Inseln vor. Von den drei Arten kommt eine auf den Bahamas, auf Kuba, Jamaika, Hispaniola und auf vielen kleinen Inseln vor. Eine andere kommt nur auf Kuba und eine dritte nur auf Hispaniola vor. Fischeria : Die etwa acht Arten sind von Mexiko bis ins tropischen Südamerika verbreitet. Gonolobus : Hierher gehören etwa 119 Arten, die von den Vereinigten Staaten bis ins tropische Amerika vorkommen. Gyrostelma : Es gibt nur eine Art: Gyrostelma oxypetaloides : Sie kommt nur im zentralen Brasilien vor. Ibatia : Die etwa 26 Arten sind von Panama bis ins tropische Südamerika und auf karibischen Inseln verbreitet.