Axel Krause (* 23. Oktober 1958 in Halle (Saale)) ist ein deutscher Maler und Grafiker. Er gilt als exponierter Künstler der Neuen Leipziger Schule.Vgl. auch Harald Kunde, "Überfahrt ins Offene", in: Kunstwerkstatt. Axel Krause, München, London, New York, Prestel: 2011, S. 7. mini|Axel Krause 2019 – vor seinem Werk Sternstunde
Leben Axel Krause studierte von 1981 bis 1986 Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Dietrich Burger, Volker Stelzmann, Günter Thiele und Arno Rink und schloss mit dem Diplom ab. Von 1975 bis 1977 hatte er bereits eine Ausbildung zum Facharbeiter für Reproduktionstechnik absolviert.Axel Krause. Zur See, Leipzig 2001, S. 95.Harald Kunde, "Überfahrt ins Offene", in: Kunstwerkstatt. Axel Krause, München, London, New York, Prestel: 2011, S. 7. Vor der Wende hatten Axel Krause und Neo Rauch ein gemeinsames Atelier in Leipzig. Im November 1989 nahmen beide zum ersten Mal an einer Ausstellung im Westen teil, und zwar bei der Großen Kunstausstellung NRW in Düsseldorf vom 19. November 1989 bis zum 1. Januar 1990.Große Kunstausstellung NRW - Düsseldorf 1989, Ausstellungskatalog, Neusser Druckerei und Verlag GmbH, 1988.Axel Krause und Neo Rauch 1989 im Zug nach Essen, auf der Website der VNGART , abgerufen am 10. März 2023.
Krause war von 1986 bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR.
Von 1990 bis 1993 arbeitete Krause als Theatermaler an der Oper Leipzig. Parallel zu seiner Tätigkeit als Theatermaler wirkte er von 1989 bis 1999 als Lehrbeauftragter an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Abteilung Abendakademie. In der Fachrichtung Malerei unterrichtete er figürliches Zeichnen und Akt. Von 1994 bis 1996 absolvierte Krause zudem ein Aufbaustudium in Kunsttherapie an der Hochschule für Bildende Künste Dresden.
Axel Krause lebt und arbeitet in Leipzig.Carl Friedrich Schröer: Kunstwerkstatt Axel Krause. Gemalte Traumbilder: die kristallinen Bilderwelten von Axel Krause, Prestel Verlag 2011 Bilder von Axel Krause wurden u. a. beim New Yorker Auktionshaus Sotheby’s versteigert. Im Dezember 2018 hat der Deutsche Bundestag das Werk Puppenhaus für seine Kunstsammlung angekauft.Puppenhaus, auf der Website der Artothek des Deutschen Bundestages, abger. 10. März 2023.
Einflüsse Die Beschäftigung mit geistigen Vätern wie Edward Hopper, Balthus und Giorgio de Chirico bestärkte ihn in seinem Bestreben zu surrealen, inszenierten, dingpräzisen Bildfindungen. Sie erscheinen oft als Darstellung von Realität, stellen jedoch eine introspektive Sicht dar. Professor Harald Kunde, ehemals Direktor des Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen, Kurator und Publizist schrieb 2011 zu der Thematik: Harald Kunde, "Überfahrt ins Offene", in: Kunstwerkstatt. Axel Krause, München, London, New York, Prestel: 2011, S. 7.Vgl. auch Harald Kunde, "Überfahrt ins Offene", in: Kunstwerkstatt. Axel Krause, München, London, New York, Prestel: 2011, S. 8: "Die melancholische Verlorenheit Giorgio de Chiricos, die erotische Gespanntheit der Figurinen bei Balthus, die existentielle Einsamkeit der Nachtgestalten von Edward Hopper (...)". Krauses Bilder führten "in einer Art untergründiger Präsenz die genannten Heroen" mit und bänden sie "in das eigene malerische Kontinuum" ein. Der Kunsthistoriker Meinhard Michael bringt zudem Vermeer und Monet ins Gespräch: Krause schätze deren Malkultur.Meinhard Michael, „Zur See mit Axel Krause“, in: Axel Krause. Zur See, Leipzig 2001, S. 5–7. ISBN 3-910171-11-7
Auch der Romantiker Caspar David Friedrich ist einflussgebend. In dem Bild Schwarzmeer aus dem Jahr 2010 beispielsweise konfrontiert Krause zwei Sumōtori mit einem von Caspar David Friedrich inspirierten Wanderer. Der Gipfelstürmer trägt eine Spitzhacke bei sich und statt des Nebelmeers überblickt er einen abgeschlossenen, jedoch zutiefst inkongruenten Innenraum: Neben einer Einbauküche beinhaltet er eine bühnenartige Fläche mit Treppe, Felsen, dem Modell einer Industrieanlage mit Anlegestelle sowie dazugehörigem Modellboot. Spektakuläre Flugobjekte, U-Boote, bizarre Maschinen und Geräte bevölkern oft seine Gemälde. Zeppeline sind unter anderem in Der Morgen (1998), Pool im Gebirge (1998), Die Havarie (1999) und in Eintracht (2006) zu entdecken, in Die Heimkehr (1999) gar ein fliegender Fisch. Die Darstellung von Wasser hat gewisse Bedeutung in Krauses Werk.Meinhard Michael, „Zur See mit Axel Krause“, in: Axel Krause. Zur See, Leipzig 2001, S. 3–9. In vielen seiner Bilder spielt es eine tragende Rolle.
Unterschiedliche Zeitebenen sind ein weiteres Merkmal der Bildfindungen von Krause. Er versetzt die Protagonisten hinsichtlich ihres Kleidungsstils, des Mobiliars und der technischen Geräte und sonstiger Attribute in verschiedene Epochen, wie etwa im Gemälde Abendgruß (2015). Der Eindruck einer realistischen Szene täuscht. Bei eingehender Betrachtung offenbart sich eine Inszenierung, die mit der tatsächlichen Welt nur in mittelbarem Zusammenhang steht. Zeitebenen und kausale Zusammenhänge sind abgerückt von äußeren, bekannten Orten und Ausdruck einer inneren Welt des Künstlers. Mit dieser Charakteristik strebt Krause ganz bewusst augenscheinliche Widersprüche an. Der Leipziger Kunsthistoriker Meinhard Michael schreibt über Krause in einem Katalogessay: „Krause malt gern einen Anschein des Sichtbaren und weiß, daß der vieles verrät. Er tut manches, um die Oberfläche schmackhaft zu machen, einiges sogar dafür, um darin einzulullen – und doch ist der See tief.“Meinhard Michael, „Zur See mit Axel Krause“, in: Axel Krause. Zur See, Leipzig 2001, S. 5. „Alogisch“ beziehungsweise „höchstens analogisch“ seien die „kuriosen und rätselhaften Vorgänge“, die in Krauses Malerei zu entdecken seien. Wie ein „Traum“ der Welt, seien sie, so Michael weiter. Krause selbst sagt: „Was mich (…) interessiert, ist das Doppelleben der konkreten Erscheinungen der Realität, ihre rationale Einordnung und Lesbarkeit und ihre parallel dazu existierenden Bedeutungsebenen.“Meinhard Michael, „Zur See mit Axel Krause“, in: Axel Krause. Zur See, Leipzig 2001, S. 6.
Arbeitsweise Für seine Gemälde schöpft Krause aus unterschiedlichen Quellen und arbeitet systematisch mit vorhandenem Bildmaterial, wie er in der Monographie „Axel Krause. Zur See“ notiert: „Skizzen, Fotos, Illustriertenausschnitte, Werbung, technische Illustrationen, Sachdarstellungen und Reproduktionen von Bildern berühmter und weniger berühmter Kollegen“.Axel Krause. Zur See, Leipzig 2001, S. 90. Vgl. auch Meinhard Michael, „Zur See mit Axel Krause“, ebd., S. 6. Vgl. vertiefend zu Krauses Arbeitsweise ebd., S. 90–93.'Vgl. vertiefend zu Krauses Arbeitsweise auch Harald Kunde, "Überfahrt ins Offene", in: Kunstwerkstatt. Axel Krause, München, London, New York, Prestel: 2011, S. 7–8. Heute bedient er sich zunehmend aus den Medien und dem Internet. Die einzelnen Bildfragmente setzt er entsprechend einer emotionalen Logik zusammen, wodurch immer wieder überraschende Kontexte entstehen. Verschiedene Partien werden mit Pinsel und Farbe ergänzt und überarbeitet. Das im Kleinen vollständige Bild überträgt er dann auf die Leinwand. Dazu schreibt Krause: „Im Kokon meines Entwurfsateliers schneide, klebe, zeichne und male ich im Notizkalenderformat dem diffusen inneren Bild der Tageslaune entgegen.“Axel Krause, Begleittext zur Ausstellung „Schwarz Meer“, Galerie Kleindienst, Leipzig 2010.
Krause entwirft Bilder, um sie dann auf der Leinwand auszuführen. Dies erinnert nicht zuletzt an das ikonische, medienreflexive Gemälde La trahison des images („Ceci n’est pas une pipe“, 1929) René Magrittes. Wenn der surrealistische Belgier Magritte keine Pfeife zur Schau stellt, sondern das Bild einer Pfeife, so zeigt uns Krause mit seiner spezifischen Arbeitsweise Bilder von Bildern, beziehungsweise „Bilder von Bildern von Bildern“, wie er selbst notiert, denn die im Kleinformat erstellten Entwürfe setzen sich ja ihrerseits aus medialen Abbildungen zusammen und sind Vorlage für das Bild auf der Leinwand. Er selbst erklärt seine Werke als „Bildfindungen; in Tagträumen“, „Schwingungen des Unbewußten [wandern] vom Maler zum Betrachter“, denn „das, was wir Kunst nennen, ist immateriell. Es ist die entstehende Resonanz im Rezipienten, die vollzogene geistig-sinnliche-emotionale Kommunikation zwischen (mindestens) zwei Menschen.“Axel Krause: BlauPause. Dresden 2024 S. 5, 42, 83.
Politische Aktivität Im August 2018 trennte sich die Leipziger Galerie Kleindienst von Krause, da sie dessen politische Ansichten beziehungsweise öffentlichen Äußerungen Dies befeuerte die bereits heftige Debatte um die „Grenzen der Kunstfreiheit“ und insbesondere um die Frage, wie die politischen Äußerungen von Künstlern zu bewerten und einzuordnen seien. Jetzt habe auch die Kunstwelt ihren Uwe Tellkamp, schrieb Daniel Völzke in Monopol.Daniel Völzke: Galerie trennt sich von Künstler. Kein Recht auf Vermittlung, Monopol-Magazin.de, 20. August 2018.
Krause äußerte sich auf seinem privaten Facebook-Account mehrfach kritisch zur Einwanderungspolitik der Regierung:
Für seine Meinungsäußerung , sagte der Künstler gegenüber dem MDR.
Krause wurde 2019 als ausstellender Künstler durch das Kuratorium der 26. Leipziger Jahresausstellung (L.J.A.) ausgewählt und vom Vorstand dazu eingeladen.Teilnehmerliste, in der Pressemitteilung der Organisatoren der 26. Leipziger Jahresausstellung, abgerufen am 12. März 2023. Daraufhin wurde öffentlicher Druck auf den Vorstand der Leipziger Jahresausstellung ausgeübt. Am 31. Mai 2019 widerrief der Vorstand die Einladung an Axel Krause, kurz darauf wurde die ganze Ausstellung abgesagt, fand dann aber doch statt, jedoch ohne Krause und seine beiden Werke Taube vom DachTaube vom Dach, in: Handelsblatt vom 9. Juni 2019, abgerufen am 10. März 2023. und Traum des MetzgersTraum des Metzgers, in: ZEIT online vom 8. Juni 2019, abgerufen am 10. März 2023.. Nach Eröffnung der Ausstellung am 12. Juni 2019 lautete die offizielle Begründung des Vorstandes für Krauses endgültigen Ausschluss wie folgt:
Krauses Selbstbezichtigung als „entarteter Künstler“ und „Volksschädling“ in seinem satirischen Facebookpost vom 30. Mai 2019 war die Reaktion auf Äußerungen anderer Ausstellungsteilnehmer zu seiner Teilnahme im Vorfeld der Ausstellung, über die schon am 22. Mai 2019 in der Leipziger Volkszeitung berichtet wurde.Leipziger Jahresausstellung sorgt bereits im Vorfeld für Diskussionen, Bericht der Leipziger Volkszeitung vom 22. Mai 2019, abgerufen am 12. März 2023. So hat beispielsweise der Künstler Moritz Frei seine Teilnahme an der Schau mit folgender Begründung abgesagt:
Kolja Reichert wünschte sich dagegen in einem FAZ-Kommentar, die Absage wäre „ästhetisch begründet“. Im ZEIT-Artikel Die Absage der Absage entwirft Charlotte Theile ein differenziertes Bild des Diskurses um Axel Krause. Neben ihm selbst und dem Künstler Felix Leffrank lässt sie die Galeristin Arne Linde zu Wort kommen:
Aber dann, sagt Linde, Ähnlich argumentiert auch Jutta Pelz, Vorsitzende des Brandenburgischen Verbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler. Ihrzufolge dürfen wir
Im Herbst 2020 gehörte Krause zu den Erstunterzeichnern des Appells für freie Debattenräume.
Werkbeispiele
Im Atelier (1986; Mischtechnik; 124 × 95 cm; auf der X. Kunstausstellung der DDR) Tanzmusik, die Freude macht (1987; Mischtechnik; 200 × 124 cm; Auftrag des Rats des Bezirks Leipzig; auf der X. Kunstausstellung der DDR)
Einzelausstellungen 2024: BLAU PAUSE, Gallery LVS, Seoul 2022: Jäger, thomas punzmann contemporary, Frankfurt am Main 2021: Im Blauen Spiegel, Galerie Kunst-Kontor Sehmsdorf, Potsdam 2019: Tunnel zum Glück, 20 Zeichnungen, KulturHaus Loschwitz, Dresden 2019: Trans-Mission, Galerie Kunst-Kontor. Forum für zeitlose Kunst, Potsdam 2019: Landgang, Thomas Punzmann Gallery, Frankfurt am Main 2017: Film Noir, Gallery LVS, Seoul 2015: Spätfilm, Galerie Kleindienst, Leipzig 2012: Malerei/Graphik, Galerie Ratswall, Bitterfeld 2012: New Works, Gallery LVS, Seoul