mini|hochkant|Margarete Siegroth (1918)

Margarete Himmler, Kurzform Marga Himmler, geb. Boden, geschiedene Siegroth, (* 9. September 1893 in Goncerzewo bei Bromberg; † 25. August 1967 in München)Lebensdaten nach Christina Wittler: Leben im Verborgenen. Die Witwe des „Reichsführers SS“ Heinrich Himmler Margarete Himmler (1893–1967) In: Bärbel Sunderbrink (Hrsg.): Frauen in der Bielefelder Geschichte, Bielefeld 2010, S. 194 und 200. war eine deutsche Krankenschwester und die Ehefrau des Reichsführers SS Heinrich Himmler.

Leben Jugend, erste Ehe und Scheidung Margarete Boden war die Tochter des Gutsbesitzers Hans Boden und dessen Ehefrau Elfriede, geb. Popp.Christina Wittler: Leben im Verborgenen. Die Witwe des „Reichsführers SS“ Heinrich Himmler Margarete Himmler (1893–1967) In: Bärbel Sunderbrink (Hrsg.): Frauen in der Bielefelder Geschichte, Bielefeld 2010, S. 194. Sie hatte vier Geschwister.Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 120. Ihre Schullaufbahn schloss sie 1909 an der Höheren Töchterschule in Bromberg ab. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Krankenschwester, die sie während des Ersten Weltkrieges beendete, und war danach in einem Lazarett des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) tätig. Ihre erste Ehe blieb kinderlos und wurde nach kurzer Zeit geschieden. Durch die wirtschaftliche Unterstützung ihres Vaters war es ihr möglich, Teilhaberin einer Privatklinik in Berlin zu werden und dort den Pflegedienst zu leiten.Jürgen Matthäus: „Es war sehr nett“. Auszüge aus dem Tagebuch der Margarete Himmler, 1937–1945. In: WerkstattGeschichte 25 (2000), S. 75. Am wirtschaftlichen Erfolg der Privatklinik war sie beteiligt.

Ehe mit Heinrich Himmler mini|210px|Margarete (Mitte) und Heinrich Himmler mit Tochter Gudrun mini|Himmler mit Ehefrau im November/Dezember 1936 vor dem Kurhaus Wiesbaden

Im Dezember 1926 in Bad ReichenhallChristina Wittler: Leben im Verborgenen. Die Witwe des „Reichsführers SS“ Heinrich Himmler Margarete Himmler (1893–1967) In: Bärbel Sunderbrink (Hrsg.): Frauen in der Bielefelder Geschichte, Bielefeld 2010, S. 201. oder im September 1927 im bayerischen Sulzbach lernte sie während einer seiner Vortragsreisen den sieben Jahre jüngeren Heinrich Himmler kennen und blieb mit ihm in engem brieflichen Kontakt.Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie, Siedler, München 2008, S. 112. In ihren Briefen an Himmler bezeichnete sie ihn beispielsweise als „Dickkopp“ oder „Landsknecht mit dem harten Herzen“ und zeigte sich von seinem romantischen Schreibstil und seiner aufrichtigen Liebe beeindruckt.Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 121 f. Himmlers Briefe an seine Frau wurden im Januar 2014 nach Informationen der Zeitung Die Welt in Israel entdeckt und in einem Gutachten des Bundesarchivs als zweifelsfrei echt eingestuft.Verschollene Briefe Heinrich Himmlers aufgetaucht, In: Die Welt vom 24. Januar 2014 auf welt.de., Auf: msn.com am 26. Januar 2014. Die blonde und blauäugige Krankenschwester entsprach Himmlers Frauenideal. Beide verband zudem das Interesse an Homöopathie, Heilkräutern und der Landwirtschaft. Von Himmler erhielt sie antisemitische und gegen Freimaurerei gerichtete Lektüre. In einem Schreiben an Himmler vom 22. Juni 1928 äußerte sie sich abfällig über den Miteigner der Privatklinik, den Gynäkologen und Chirurgen Bernhard Hauschildt: „Dieser Hauschildt! Jud bleibt Jud!“Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 121.

Nach mehreren Treffen am jeweiligen Wohnort beschlossen beide im Februar 1928, zu heiraten.Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie, Siedler, München 2008, S. 117. Himmler tat sich zunächst schwer, diese Beziehung seinen Eltern zu offenbaren, da seine zukünftige Braut geschieden, sieben Jahre älter und evangelisch war.Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 120 f. Die standesamtliche Trauung fand am 3. Juli 1928 in Berlin-Schöneberg statt, die kirchliche im brandenburgischen Zepernick. Von Himmlers Familie kam kein Angehöriger zur Hochzeit, Trauzeugen waren der Vater und der Bruder der Braut.Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 125. Letztlich akzeptierten Himmlers Eltern seine Entscheidung, das Verhältnis seiner Ehefrau zur Familie Himmler blieb jedoch distanziert.Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 140. Gebhard Ludwig Himmler, der Bruder Heinrich Himmlers, charakterisierte sie später als eine „kühle, harte, keinerlei Gemütlichkeit ausstrahlende, hochgradig nervöse, allzu oft lamentierende Frau“, die aber eine „vorbildliche Hausfrau gewesen“ sei und „immer zu ihrem Mann gehalten habe“.Zitiert bei Christina Wittler: Leben im Verborgenen. Die Witwe des „Reichsführers SS“ Heinrich Himmler Margarete Himmler (1893–1967) In: Bärbel Sunderbrink (Hrsg.): Frauen in der Bielefelder Geschichte, Bielefeld 2010, S. 195. Zum 1. August 1928 trat Margarete Himmler der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 97.252).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/15731442Jürgen Matthäus: „Es war sehr nett“. Auszüge aus dem Tagebuch der Margarete Himmler, 1937–1945. In: WerkstattGeschichte 25 (2000), S. 77.Christina Wittler: Leben im Verborgenen. Die Witwe des „Reichsführers SS“ Heinrich Himmler Margarete Himmler (1893–1967) In: Bärbel Sunderbrink (Hrsg.): Frauen in der Bielefelder Geschichte, Bielefeld 2010, S. 198.

Nach der Eheschließung veräußerte sie ihren Anteil an der Privatklinik für 12.000 Reichsmark. Sie zog von Berlin nach Waldtrudering bei München, wo das Paar mit dem Erlös aus dem Klinikverkauf ein Haus erworben hatte.Hans Peter Bleuel: Das saubere Reich. Die verheimlichte Wahrheit. Eros und Sexualität im Dritten Reich. Gustav Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, S. 266. Himmlers geringes Einkommen als Parteiangestellter versuchte das Ehepaar erfolglos durch den Verkauf eigener landwirtschaftlicher Produkte aufzubessern. Das Ehepaar betrieb eine Hühnerzucht. Die Himmlers bekamen eine Tochter, Gudrun (* 8. August 1929 in München; † 24. Mai 2018), die Püppi genannt wurde. Als Adoptivkind kam im März 1933 noch der Halbwaise Gerhard von der Ahé (28. Juli 1928 – Dez. 2010) in die Familie, dessen der SS angehörender Vater Kurt von der Ahé am 19. Februar 1933 bei einer Straßenschlacht in Berlin erschossen worden war.Sven Felix Kellerhoff, Simone Meyer, Jaques Schuster: Himmlers Nachwuchs. In: Die Welt, 1. Februar 2014, S. 6.

Im Februar 1933 nahm die Familie Himmler nach dem Hausverkauf ihren Wohnsitz zunächst in der Münchner Prinzregentenstraße, wo auch Adolf Hitler lebte. 1934 erwarben die Eheleute das Anwesen Lindenfycht in Gmund am Tegernsee; Heinrich Himmler hielt sich in dieser Zeit schon hauptsächlich in Berlin auf.Christina Wittler: Leben im Verborgenen. Die Witwe des „Reichsführers SS“ Heinrich Himmler Margarete Himmler (1893–1967) In: Bärbel Sunderbrink (Hrsg.): Frauen in der Bielefelder Geschichte, Bielefeld 2010, S. 195.

Aufgrund Heinrich Himmlers Dienstverpflichtungen wurden die Familienzusammenkünfte allmählich sporadisch, der regelhafte Kontakt bestand aus Telefonaten und Briefen.Jürgen Matthäus: „Es war sehr nett“. Auszüge aus dem Tagebuch der Margarete Himmler, 1937–1945. In: WerkstattGeschichte 25 (2000), S. 76. Das Paar lebte sich immer mehr auseinander. Bei wenigen offiziellen Anlässen wie Reichsparteitagen oder Empfängen bei Hitler kam Margarete Himmler ihren Repräsentationspflichten als Ehefrau des Reichsführers SS nach.Christina Wittler: Leben im Verborgenen. Die Witwe des „Reichsführers SS“ Heinrich Himmler Margarete Himmler (1893–1967) In: Bärbel Sunderbrink (Hrsg.): Frauen in der Bielefelder Geschichte, Bielefeld 2010, S. 196. In Berlin-Dahlem erwarb das Paar 1937 ein weiteres Haus, wo sich Margarete Himmler anfangs auch zeitweise aufhielt. Gegen Ende des Jahres 1937 unternahmen beide eine vierwöchige Reise nach Italien.Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 140. Obwohl mit dem Reichsführer SS verheiratet, war Margarete Himmler in SS-Kreisen unbeliebt und wurde nicht anerkannt. Während des Reichsparteitages 1938 geriet sie beispielsweise in Konflikt mit anwesenden Ehefrauen der ranghöchsten SS-Führer, da diese sich von ihr nicht das Tagesprogramm diktieren lassen wollten. Lina Heydrich, die dem Heydrich-Biographen und Historiker Robert Gerwarth zufolge gegen Margarete Himmler eine „heftige Abneigung“ hegte,Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, München 2011, ISBN 978-3-88680-894-6, S. 83. äußerte sich nach Kriegsende in der Zeitschrift Der Spiegel abfällig über Himmlers Frau. Diese sei eine „spießige, humorlose und von Platzangst besessene blonde Frau“ gewesen. Sie habe „ihren Mann bis mindestens 1936“ beherrscht.Lina Heydrich 1950 in der Zeitschrift Der Spiegel über Margarete Himmler. Zitiert bei: Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 237; Kontext und teils zitiert, teils paraphrasiert bei Gerwarth, Heydrich, S. 83.

Baldur von Schirach schrieb in seinen Memoiren, Heinrich Himmler habe „unter dem Pantoffel“ seiner Frau gestanden: „Der Chef der Polizei und SS war zu Hause eine Null, mußte immer nachgeben“.Baldur von Schirach: Ich glaubte an Hitler. Mosaik-Verlag, Hamburg 1967, S. 213.

Zweiter Weltkrieg Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde sie in einem Lazarett des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) tätig. Ab Anfang Dezember 1939 führte sie die Aufsicht über die DRK-Lazarette im Wehrkreis III (Berlin-Brandenburg). Im Rahmen dieser Tätigkeit führte sie auch Dienstreisen in die von der Wehrmacht besetzten Länder durch.Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie, Siedler, München 2008, S. 482 f. Im März 1940 notierte sie während einer Dienstreise ins deutsch besetzte Polen:

Sie erreichte beim DRK den Rang einer Oberstführerin.Christina Wittler: Leben im Verborgenen. Die Witwe des „Reichsführers SS“ Heinrich Himmler Margarete Himmler (1893–1967) In: Bärbel Sunderbrink (Hrsg.): Frauen in der Bielefelder Geschichte, Bielefeld 2010, S. 198. Da es zwischen ihr und den dort arbeitenden Ärzten immer häufiger zu Konflikten kam, gab sie ihre Tätigkeit für das DRK schließlich auf. Anschließend lebte sie zurückgezogen wieder in Gmund. Sie erfuhr spätestens im Februar 1941 von der Beziehung ihres Ehemannes zu dessen Privatsekretärin Hedwig Potthast, durch die sie sich erniedrigt fühlte und mit Verbitterung reagierte. Obwohl die Ehe bereits zerrüttet war, ließen sich die Eheleute nicht scheiden. Heinrich Himmler besuchte seine Ehefrau und Tochter weiterhin am gemeinsamen Wohnsitz in Gmund, insbesondere um seine innige Beziehung zur Tochter zu pflegen.Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie, Siedler, München 2008, S. 484. Mit Potthast führte Himmler eine Art „Zweitehe“, die er durch das Zeugen von Kindern legitimiert sah. Das Paar bekam zwei Kinder. Sowohl seine Ehefrau als auch seine Geliebte „hielten bis zuletzt unbeirrt zu ihm“.Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie, Siedler, München 2008, S. 753.

Margarete Himmler stand letztmals im April 1945 in Kontakt zu ihrem Ehemann und setzte sich danach gemeinsam mit ihrer Tochter aus Gmund ab. In Begleitung von SS-Männern gelangte sie mit ihrer Tochter nach Südtirol, wo beide in Bozen untertauchten.Oliver Schröm, Andrea Röpke: Stille Hilfe für braune Kameraden. Das geheime Netzwerk der Alt- und Neonazis. Christoph Links Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-86153-231-X, S. 106 f.

Nachkriegszeit mini|210px|Margarete Himmler (links) mit Tochter Gudrun in alliierter Internierung während der Nürnberger Prozesse in Nürnberg. Aufnahme vom 24. November 1945.