mini|Manuel Ochsenreiter (2015) Manuel Ochsenreiter (* 18. Mai 1976 in Isny im Allgäu; † 18. August 2021 in Moskau) war ein deutscher Journalist.

Tätigkeit Er war von 1994 bis 2004 Autor der neurechten Jungen Freiheit, außerdem Autor des Magazins Sezession des Instituts für Staatspolitik sowie Autor von eigentümlich frei. Zwischen 2004 und 2011 war er Chefredakteur der Deutschen Militärzeitschrift, für die er bis zu seinem Tod schrieb. Im März 2011 wechselte er in die gleiche Position zur Monatszeitschrift Zuerst! Beide Zeitschriften werden von Dietmar Munier verlegt und dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet. Ochsenreiter produzierte für die Magazine viele Foto-Reportagen aus Krisen- und Kriegsregionen wie Syrien, Iran, Libanon, Ungarn und Ukraine. Er war Gast bei internationalen neofaschistischen Konferenzen und organisierte ähnliche Veranstaltungen. Im sozialdemokratischen Fachmedium Blick nach Rechts wird er daher als Netzwerker bezeichnet. Zu seinen einflussreichen Bekannten und Kooperationspartnern gehörte unter anderem Alexander Dugin.Rechter Publizist Manuel Ochsenreiter gestorben, von Theo Schneider, Blick nach Rechts 19. August 2021. Er arbeitete auch im Bundestag für die AfD, bis er wegen des Verdachts auf Anstiftung zum Brandanschlag auf ein ungarisches Kulturzentrum im ukrainischen Uschgorod in Russland abtauchte. Er starb in Moskau an den Folgen eines Herzinfarkts.

Leben Herkunft und politische Betätigung Manuel Ochsenreiter war nach eigenen Angaben katholisch geprägt und wuchs in der Gemeinde Ellhofen im Allgäu auf. Nach dem Abitur 1996 am Gymnasium Lindenberg leistete er seinen Grundwehrdienst bei der Bundeswehr ab.

Ab 1994JF Intern: In: Junge Freiheit, 17/04, 16. April 2004. schrieb er Artikel (häufig Reportagen) für die neurechte Wochenzeitung Junge Freiheit.Interview mit Manuel Ochsenreiter, Bayerischer Rundfunk, 2005. 1995 gehörte er zu den Autoren des durch Roland Bubik herausgegebenen Sammelbandes Wir 89er, worin zwölf Vertreter einer Generation von „Jungrechten“ ihre der 68er-Bewegung gegenüberstehenden politischen Ziele vorstellten.Michael Klonovsky: Die Gegen-68er. In: Focus, Ausgabe 41, 8. Oktober 1995, S. 78–80. Er wurde infolgedessen für das Jugendmagazin Live aus dem Alabama vom Bayerischen Rundfunk interviewt und seine Ansichten in der Satirezeitschrift Titanic und dem Nachrichtenmagazin Focus aufgegriffen. Außerdem war er Mitglied des völkischen Vereins Witikobund und der Jungen Union (JU), wo er 1995 den „Konservativen Aufbruch“ mit ins Leben rief,Barbara Junge, Julia Naumann, Holger Stark: Seite 63 Rechtsschreiber. Wie ein Netzwerk in Medien und Politik an der Restauration des Nationalen arbeitet. Elefanten-Press, Berlin 1997, ISBN 3-88520-621-8, S. 63. sowie stellvertretender Landesvorsitzender von Baden-Württemberg und Bayern des Unions-nahen rechtskonservativen Christlich-Konservativen Deutschland-Forums (CKDF).Anton Maegerle: Politischer und publizistischer Werdegang von Autoren der Jungen Freiheit, Wiesbaden 2007, S. 201–202.

Studium, Korporation und Junge Freiheit Ochsenreiter war einer der jüngsten Redakteure und leitete das Ressort „Zeitgeist & Lebensart“ der Jungen Freiheit in Berlin. Wegen Sparmaßnahmen der Zeitung verließ er sie zunächst im Jahr 1998. Ochsenreiter nahm 1999 ein Studium am privaten Institut für Marketing und Kommunikation (IMK) in Berlin auf, welches er als Diplom-Marketingkommunikationswirt beendete. Als Student trat er 2001 der schlagenden Berliner Burschenschaft der Märker in der Deutschen Burschenschaft bei, der er bis zu seinem Tod als Alter Herr verbunden blieb.Nachruf auf Manuel Ochsenreiter. In: Burschenschaftliche Blätter, 136. Jg. (2021), H. 3, S. 126–127.

Von 2001 bis 2004 war er Leiter des Ressorts Innenpolitik der Jungen Freiheit., Bielefelder Ideenwerkstatt, abgerufen am 9. Oktober 2013. Thorsten Thaler, stellvertretender Chefredakteur der Jungen Freiheit, sah Ochsenreiters „Verdienste“ in seinen Beiträgen zum Islamismus und Linksradikalismus. Darüber hinaus schrieb er für die Zeitschriften Sezession,Anton Maegerle: Ultrarechte Think Tanks – Intellektuelle Aufrüstung für Ewiggestrige. In: Tribüne 169/2004, 152 (162). die ebenfalls der Neuen Rechten zugerechnet wird, und eigentümlich frei.Manuel Ochsenreiter, eigentümlich frei, abgerufen am 10. Oktober 2013.

Chefredaktion der DMZ und bei Zuerst! Ochsenreiter war von 2004 bis 2011 Chefredakteur der Deutschen Militärzeitschrift (DMZ). In dieser Zeit untersagte die rot-grüne Bundesregierung den Bibliotheken und Fachinformationsstellen der Bundeswehr, die Zeitschrift weiterhin zu beziehen, weil diese dem „rechtsextremistischen Spektrum“Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Inge Höger, Petra Pau, Paul Schäfer (Köln) und der Fraktion DIE LINKE (Drucksache 16/9292): Kontakte zwischen Bundeswehr und Anzeigenkunden der im rechtsextremistischen Spektrum angesiedelten Deutschen Militärzeitschrift. Deutscher Bundestag, Drucksache 16/9550, S. 2. (PDF). zuzuordnen sei.Anton Maegerle: Einschlägig verortet. Blick nach Rechts, 31. Juli 2008.

Seit März 2011 war Ochsenreiter, der zunächst Stellvertreter war,Andreas Speit: Aus dem Sumpf. In: taz, 21. Dezember 2009, S. 17. als Nachfolger von Günther Deschner Chefredakteur der Monatszeitschrift Zuerst! des rechtsextremenBundesministerium des Innern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2012. Berlin 2012, S. 130 (). Verlegers Dietmar Munier.Claudia Globisch: Radikaler Antisemitismus. Inklusions- und Exklusionssemantiken von links und rechts in Deutschland. Springer VS, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-531-17563-8, S. 208. Ein öffentlichkeitswirksames Interview führte er mit dem Vater des SPD-Politikers Sigmar Gabriel.Mathias Brodkorb: . Endstation Rechts, 3. April 2011. Darüber hinaus interviewteElmar Vieregge: Zeitschriftenporträt: ZUERST!. In: Uwe Backes, Alexander Gallus, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 25. Jahrgang 2013, Nomos, Baden-Baden 2013, ISBN 978-3-8487-1034-8, S. 211 (214). er Persönlichkeiten der europäischen Rechten, u. a. den NPD-Politiker Arne Schimmer, führender Aktivist des Zusammenschlusses von Holocaustleugnern Europäische Aktion, Zoltán Kovács,Ernst Kovahl: Ungarn als Vorbild. In: Der Rechte Rand 136/2012, S. 24 (PDF). Sprecher des ungarischen Staatschefs Viktor Orban, sowie den russischen Nationalisten Alexander Dugin,Andreas Speit: Die Leser, die man verdient. In: Jungle World, Nr. 10, 5. März 2015. den er als „langjährigen väterlichen Freund“ bezeichnete.Christian Fuchs, Paul Middelhoff, Fritz Zimmermann: Putins AfD-Truppe. In: Zeit Online, 16. August 2017, abgerufen am selben Tag. Dem Extremismusforscher Elmar Vieregge zufolge, der das Magazin „Zuerst!“ im Jahrbuch Extremismus & Demokratie 2013 behandelt, nutzte Ochsenreiter seine Beiträge in der Zeitschrift auch dazu, sich selbst bekannt zu machen und eigene Positionen zu verbreiten.

Als DMZ- und Zuerst!-Chefredakteur berichtete er vom Balkan (Serbien, Ungarn) und aus dem Nahen Osten (Libanon, Syrien, Iran). Er war immer wieder Interviewpartner staatlichen Medien Russia Today, Syrian TV und der iranischen Nachrichtenagentur Fars.hk: Russische Medienoffensive in Deutschland angekommen. In: Horizont, Nr. 47/2014 vom 21. November 2014, S. 31.Kourosh Ziabari: West-led armed opposition in Syria will fai, Syrian TV, 13. Januar 2013 (Interview).Javad Arab Shirazi: (Interview). Fars, 19. Oktober 2014. Ausführlich nahm er zum Bürgerkrieg in Syrien im neurechten Jugendmagazin Blaue Narzisse, aber auch im Ausland Stellung. In neurechten Kreisen galt er als Syrien- bzw. Nahost-Experte.Horst Freires: Neurechtes Verknüpfungstreffen. Blick nach Rechts, 4. Oktober 2013.

Autorentätigkeit bei Compact Ochsenreiter schrieb unter dem Pseudonym Andrea Ricci für das rechtsextreme Compact-Magazin und berichtete unter anderem als Auslandskorrespondent aus Syrien. Im Gegenzug schrieb Jürgen Elsässer unter dem Pseudonym Katerina Stavrapoulos Texte für Zuerst!

Referententätigkeit Er trat als Referent u. a. beim neurechten Institut für Staatspolitik (IfS),Margret Chatwin: Griff nach der Meinungshoheit. Internetkampagnen der „Jungen Freiheit“ am Beispiel von Wikipedia. In: Stephan Braun, Ute Vogt (Hrsg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit.“ Kritische Analysen zu Programmatik, Inhalten, Autoren und Kunden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-15421-3, S. 261. bei der rechtsextremenMinisterium des Innern des Landes Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2009. Magdeburg 2009, S. 63 (). Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO),HDJ bis Hisbollah. Blick nach Rechts, 11. August 2009. der rechtsextremenBundesministerium des Innern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2012. Berlin 2012, S. 130–131 (). Gesellschaft für freie Publizistik (GfP)Anton Maegerle: Jahrestagung der Geschichtsverdreher. Blick nach Rechts, 17. Mai 2013. und der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft (SWG) auf.https://archive.today/2013.02.12-075526/http://www.swg-hamburg.de/Vortrage/vortrage.html https://www.yumpu.com/de/document/read/4049193/und-wirtschaftspolitischen-gesellschaft-ev-deutschland-journal. Zudem hielt er Vorträge u. a. bei der „Ideenwerkstatt“ der Burschenschaft Normannia-Nibelungen zu Bielefeld, der Marburger Burschenschaft Rheinfranken,Till Conrad: . In: Oberhessische Presse, 2. Mai 2012. der Marburger Burschenschaft GermaniaBenno Hafeneger: Die Identitären. Vorübergehendes Phänomen oder neue Bewegung?. Friedrich-Ebert-Stiftung, Expertisen für Demokratie, 1/2014, S. 3. und der Burschenschaft Frankonia Erlangen.Timo Müller: Erlangen: Hamburger Gitter für Kundgebung gegen rechte Burschenschaft. Störungsmelder, 30. Januar 2013. Darüber hinaus nahm Ochsenreiter 2012 und 2013 an der von Götz Kubitschek organisierten nationalkonservativen Messe Zwischentag in Berlin teil.Svenja Reutling: Ein »Zwischentag«. In: Der Rechte Rand, 139/2012, 30 (31).

2013 war er Referent beim fünften vom Arktos-Verlag organisierten Kongress „Identitär Idé“ in Stockholm, zu dem auch Philippe Vardon (Bloc identitaire/Nissa Rebela) und Paul Gottfried geladen waren.Margarete Schlüter: Konsolidierungsversuche der „Identitären Bewegung Deutschland“. In: Der Rechte Rand, 143/2013, 14 (15). 2013 referierte er zum Thema Syrien. 2014 war er mit anderen „einschlägigen Gastredner[n]“ auf den „Identitären Kongress“ in Budapest geladen,Anton Maegerle: „Forum für Patrioten und Traditionalisten“. Blick nach Rechts, 10. September 2014. der durch die ungarische Regierung kurz vor der Ausrichtung verboten wurde.Heuchelei im Amt: Orbán lässt Konferenz der “Identitären” in Ungarn verbieten. In: Pester Lloyd, 30. September 2014. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) bezeichnete die geladenen Referenten als rechtsextrem bis neofaschistisch.„Identitärer Kongress“ in Budapest. Neues von ganz rechts, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, September 2014. Von dem Erziehungswissenschaftler Benno Hafeneger wurde Ochsenreiter zu den Akteuren im Umfeld der Identitären Bewegung gerechnet.

Im September 2014 war Ochsenreiter Referent („Israelische Lobby in Deutschland“) der Konferenz „New Horizon“ in Teheran, die, wie die Holocaustleugnungskonferenz in Teheran 2006, Holocaustleugnern eine Plattform bot.Stephan Grigat: Truther in Teheran Im Iran hat eine Konferenz von Holocaust-Leugnern und Verschwörungstheoretikern stattgefunden. In: Jungle World, Nr. 41, 9. Oktober 2014.

Von September 2018 bis Januar 2019 arbeitete Ochsenreiter als Fachreferent im Bundestagsbüro des AfD-Abgeordneten Markus Frohnmaier. Nachdem Ochsenreiter beschuldigt worden war, in einen Anschlag in der Ukraine verwickelt zu sein, bat er Frohnmaier nach dessen Angaben um Beendigung des Arbeitsverhältnisses, damit die Berichterstattung über die Vorwürfe diesem nicht weiter schaden könne. Seither hielt sich Ochsenreiter vorwiegend in Moskau auf.

Anschlag in der Ukraine