Der Begriff Hasbara ( oder englisch „Public Diplomacy“) beschreibt ein Instrument der Öffentlichkeitsarbeit der Regierung Israels, um international eine positive Berichterstattung über Israel und seine politischen Anliegen zu fördern. Die Hasbara wird als kämpferisches Instrument gegen Versuche der Delegitimierung Israels betrachtet. Hasbara ist auch ein Euphemismus für Propaganda.

Lexikologie Während die Hasbara wörtlich „Erklärung“ bedeutet, wird die genaue Bedeutung des Wortes in der gegenwärtigen Verwendungspraxis häufig diskutiert.

Der israelische Diplomat Gideʿon Meʾir schreibt in einem Beitrag auf der offiziellen Website des israelischen Außenministeriums, dass es keine „echte und präzise“ Übersetzung des Wortes hasbara in Englisch oder irgendeiner anderen Sprache gäbe. Er bezeichnet es behelfsmäßig als Public DiplomacyGide'on Me'ir "What “Hasbara” Is Really All About". In : mfa.gov.il. Beitrag auf der Website des Ministry of Foreign Affairs vom 24. Mai 2005, abgerufen am 1. Mai 2018.Shivi Greenfield: "Israeli Hasbara: Myths and FactsW, in: Molad.org (2012) (abgerufen am 24. Januar 2019), eine Handlung, die von allen Regierungen auf der ganzen Welt mit steigender Bedeutung unternommen werde und die etwa jenem Komplex von Maßnahmen und Handlungen entspreche, für den der Harvard-Professor Joseph Nye den Begriff Soft Power geprägt habe.

Der Historiker Johannes A. Kaufmann, der sich im Rahmen einer Dissertation über israelische Militärgeschichte intensiv mit dem Konzept bzw. Begriff hasbara befasst hat, ist in einem Aufsatz über politische Einflussnahme als Ziel der Medienbeziehungen der israelischen Armee zu dem Befund gelangt, dass eine Einwort-Übersetzung des hasbara-Begriffs in eine andere Sprache kaum zu leisten sei, da er zugleich „Bedeutungen rund um Public Relations, Propaganda und Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu Erziehung und Aufklärung“ umfasse. Der Begriff könne im Kontext von Konflikten sowohl „die Information der eigenen Truppe“ über militärische Operationen bedeuten als auch den Versuch eines Pressesprechers, „die Politik der Regierung“ der eigenen Bevölkerung und der sonstigen Welt zu erklären.Johannes A. Kaufmann: „Geheimhaltung und politische Einflussnahme als Ziele der Medienbeziehungen der israelischen Militärführung von 1956 bis 1977“, Militärgeschichtliche Zeitschrift Bd. 70 (2011), S. 56.

Häufig wird der Begriff hasbara von einem anderen hebräischen Begriff geschieden: , wobei darauf abgehoben wird, dass Hasbara mehr Gewicht auf den Erklärungsaspekt legt, während Ta'amulah Propaganda im reinsten Sinn entspricht.The Jewish Quarterly, Bd. 37 (1990), S. 4. Hier heißt es, dass "Hasbara (explanation)" und "ta'amula (propaganda)" häufig bzw. leicht miteinander vermengt werden würden; Anshel Pfeffer: "Israel's Hasbara Is Failing. That's Good News" In: Haʾaretz vom 21. März 2024 (online).

Der Journalist Anshel Pfeffer notierte in einem kritischen Beitrag für Haʾaretz aus dem Jahr 2024, dass, während Ta'amulah in den 1930er- und 1940er-Jahren noch der israelische Gebrauchsbegriff für Propaganda war, der Begriff in diesem Sinne von Hasbara abgelöst worden sei („[In those days] the Hebrew word ta'amula [was used] for propaganda, as the word hasbara wasn't yet in use.“). Pfeffer lieferte dabei die folgende Definition für die Verwendung des Begriffs für die Gegenwart, als er seine Betrachtung anstellte (2024): „Hasbara bedeutet, zu sehr damit beschäftigt zu sein, Ausreden für Israel zu erfinden, anstatt sich zu fragen, warum das Land eigentlich so vieles falsch macht“ (Hasbara means being too busy with coming up for excuses for Israel instead of asking why it's been getting so many things wrong).Anshel Pfeffer: "Israel's Hasbara Is Failing. That's Good News" In: Haʾaretz vom 21. März 2024 (online).

Laut Pfeffers Analyse des Begriffs beruht Hasbara auf zwei „grundlegenden Überzeugungen“:

Der israelische Historiker Giora Goodman betrachtet „Hasbara“ in der Praxis als „Propaganda“. Dass das Wort Hasbara heute von israelischen staatlichen Stellen meistens als Begriff für die Einwirkung auf die öffentliche Meinungsbildung verwendet wird, und nicht mehr der Begriff Ta'amulah oder das Wort Propaganda selbst, erklärt er wie folgt:

Auch viele westliche Forscher, Intellektuelle und Journalisten, wie zum Beispiel Edward Said und Christopher Hitchens, halten es für angebracht, das Wort Hasbara, wenn es auf einen einzigen Begriff in einer anderen Sprache gebracht werden soll, am ehesten mit „Propaganda“ zu übersetzen.Edward W. Said/Christopher Hitchens: Blaming the Victims Spurious Scholarship and the Palestinian Question, Verso, London/New York 1988, S. 28. Ähnliche Umschreibungen für das Wort, die sich in der Presse und Literatur finden, sind: „Pro-Israel-Propaganda“ und ein „neuer benutzerfreundlicher Begriff für israelische Propaganda“,Arutz Sheva: "The Hasbara Hijack", bei Israelnationalnews vom 10. August 2014 (Archivlink: , abgerufen am 1. Mai 2018); Nicholas John Cull / David Holbrook Culbert / David Welch: Propaganda and Mass Persuasion: A Historical Encyclopedia, 1500 to the Present, ABC-CLIO, 2003; Dan Fisher: Israeli Army Belatedly Courting Media: Sets Up Tours, Issues Unrest Status Reports to Foreign Press, in: Los Angelese Times vom 28. Januar 1988 (online, Abruf vom 1. Mai 2018); Clifford Krauss: WASHINGTON AT WORK; Israel's Man, Scorched Once, Adjusts To Life in the Diplomatic Minefield in: New York Times (online, abgerufen am 1. Mai 2018) aber während „Propaganda bemüht ist, die positiven Aspekte einer Seite in einem Konflikt hervorzugeben, strebt Hasbara danach, Handlungen zu rechtfertigen, gleichgültig, ob diese gerechtfertigt sind oder nicht“

Der französische Journalist Alain Gresh gab in einem Artikel über Hasbara in Le Monde diplomatique aus dem Jahr 2024 eine Aussage des israelischen Armeesprechers Olivier Rafowicz wieder, die er als Anschauungsbeispiel, was Hasbara sei, präsentierte:

Organisation Nach einem Bericht der New York Times aus dem Jahr 1986 wurde das Programm in den 1970er-Jahren gegründet, um insbesondere auf amerikanische Unternehmen Einfluss zu nehmen. Hierbei beriet die Werbeagentur Backer and Spielvogel unter Carl Spielvogel, der später unter Bill Clinton US-amerikanischer Botschafter in der Slowakei wurde, die israelische Regierung.To Help Israel Improve Public Relations. In: New York Times, 6. Juni 1986 Die Strategie stützte sich auf das Buch Battleground: Fact and Fantasy in Palestine von Schmuel Katz aus dem Jahr 1974.Op-Ed: Shmuʾel Katz’s Legacy Arutz Sheva – Israelnationalnews.com, 22. Mai 2008 Das Programm untersteht dem israelischen Außenministerium.

Im Jahr 2009 wurde bekannt, dass Israel unter Einwanderern Freiwillige mit Fremdsprachenkenntnissen für das Programm suche, um als Gegengewicht zu zahlreichen antizionistischen Webseiten im Internet die israelische Perspektive auf die politischen Konflikte darzustellen.Cnaan Liphshiz: Israel recruits ‘army of bloggers’ to combat anti-Zionist Web sites. In: Haʾaretz, 19. Januar 2009 Im Rahmen der Hasbara wurden zudem gezielt Internetnutzer angeworben, die vom israelischen Außenministerium mit Argumentationshilfen versorgt und aufgefordert wurden, in internationalen Medien, darunter auch deutschsprachigen, gezielt Kommentare mit der israelischen Perspektive des Nahostkonflikts zu hinterlassen.Richard Silverstein: Hasbara spam alert. Guardian.co.uk, 9. Januar 2009

Eine Studie zweier britischer Autoren von 2018 wies darauf hin, dass das führende israelische Online-Portal Ynet Hasbara-Material der israelischen Regierung publiziert, ohne dies zu kennzeichnen.Online Supplement to Working Paper 2018.1 Challenging Truth and Trust: A Global Inventory of Organized Social Media Manipulation (S. 34).

Im März 2024 deckten Forscher eine israelische Hasbara-Kampagne auf, die mit hunderten gefälschten Konten auf Facebook, Instagram und X (Twitter) aktiv ist, um „israelische Interessen“ auf Englisch unter einem jungen westlichen Publikum zu verbreiten. Sie konzentriere sich auf die Verbreitung von Behauptungen und Artikeln über die (vermeintliche) Beteiligung von UNWRA-Mitarbeitern am Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 sowie auf eine Beeinflussung von Abgeordneten der Demokratischen Partei in den USA. Dazu wurden unter anderem drei gefälschte Nachrichtenportale (»The Moral Alliance«, »Unfold« und »Non Agenda«) eingerichtet, aber auch „passende“ Artikel realer Nachrichtenplattformen (CNN, The Guardian, Wall Street Journal) verbreitet.Omer Benjakob: מבצע השפעה ישראלי טירגט מחוקקים בארה"ב על קשרי אונר"א-חמאס / Israeli Influence Operation Targets U.S. Lawmakers on Hamas-UNRWA. In: Haaretz, 19. März 2024; רשת השפעה פרו-ישראלית fakereporter.net, 19. März 2024 (PDF, auf Hebräisch).

Im November 2024 erhöhte das israelische Außenministerium sein Budget für Meinungsbeeinflussung im Ausland um 150 Millionen US-Dollar, was das 20-fache der sonst für solche Aktivitäten vorgesehenen Summe darstellt. Die Erhöhung war Teil einer Koalitionsvereinbarung mit Gideon Sa'ar.Israel has spent millions trying win hearts and minds abroad. It’s about to spend 20 times more, The Forward, 28. Dezember 2024 Davon wurde ein internationales Werbebudget in Höhe von 50 Millionen US-Dollar für soziale Medien auf Google, YouTube, X und Outbrain finanziert. Rund 40 Millionen US-Dollar flossen in die Bewirtung von 400 ausländischen Delegationen – darunter Abgeordnete, Pastoren, Influencer und Universitätspräsidenten. Es wurde ein „Medien-Kriegsraum“ eingerichtet, um 250 Medienkanäle und täglich 10.000 Beiträge mit Bezug zu Israel zu überwachen. Das Außenministerium unterzeichnete zudem einen Vertrag über 1,5 Millionen Dollar pro Monat mit der Firma des ehemaligen Trump-Wahlkampfstrategen Brad Parscale, um KI-Tools gegen Online-Antisemitismus einzusetzen, eine 4,1-Millionen-Dollar-Kampagne, die sich an evangelikale Kirchen richtete, sowie das „Esther-Projekt“ (nicht zu verwechseln mit dem Project Esther der Heritage Foundation), ein bezahltes Influencer-Netzwerk, für das über die PR-Firma Bridges Partners bis zu 900.000 Dollar aufgewendet wurden. Im April 2026 wurde das Budget auf 750 Millionen US-Dollar erhöht. Asaf Elia-Shalev: Israel just quintupled its PR budget to $730 million; experts say it won’t work. The Times of Israel, 30. April 2026. Abgerufen am 4. Mai 2026.

Studenten-Organisation

Seit 2001 betreibt das Außenministerium Israels in Kooperation mit der jüdisch-orthodoxen Privatstiftung Aish HaTorah („Feuer der Torah“) mit den Hasbara Fellowships ein internationales Studenten-Programm zum Einsatz für die Interessen Israels. Webseite von Aish HaTorah, abgerufen am 4. Juli 2016 (englisch)Gideon Meir: What hasbara is really about. Israeli Ministry of foreign Affairs, 24. Mai 2005 Im Jahr 2007 rief die Organisation dazu auf, auch in der Wikipedia tätig zu werden. 31. Mai 2007

Sport-Organisation Im Jahr 2024 unterzeichnete die Maccabi World Union mit der Regierung eine Vereinbarung, um zu Israels weltweiten Hasbara-Bemühungen beizutragen.Uri Blau: 'A Failure by Every Conceivable Parameter': The Government’s Campaign Against the Global Delegitimization of Israel, Shomrim, 31. Oktober 2024

Siehe auch Ministerium für strategische Angelegenheiten und Hasbara (Israel)

Weblinks

Webauftritt der Hasbara Fellowships

Einzelnachweise

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