mini|Wallfahrtskirche Maria Laach mini|Gnadenbild Unsere Liebe Frau sechs Finger Die Wallfahrtskirche Maria Laach ist eine nach Nordosten ausgerichtete, Mariä Heimsuchung geweihte, römisch-katholische Pfarrkirche am südlichen Ortsrand von Maria Laach am Jauerling, in Niederösterreich. Sie wird wegen einer Besonderheit der Mariendarstellung auf dem Gnadenbild des linken Seitenaltares im Volksmund auch als Kirche „Unserer Lieben Frau sechs Finger“ bezeichnet.Kirchenführer S. 2.

Sie gehört zum Dekanat Spitz der Diözese St. Pölten und steht unter Denkmalschutz ().

Die in einer Seehöhe von 591 MeterBEV: AustrianMap (nach anderen QuellenBundesdenkmalamt: Maria Laach am Jauerling, 1. April 1999, abgerufen am 23. April 2019. 644 Meter) stehende, von einem Friedhof umgebene Kirche ist eine monumentale spätgotische Pseudobasilika aus dem späten 15. Jahrhundert mit Westturm und Chor vom Ende des 14./Anfang des 15. Jahrhunderts.

Geschichte Pfarrgeschichte Im Jahre 1263 wurde erstmals eine Kapelle urkundlich erwähnt, die im Jahre 1336 als Filiale von Weiten aufscheint. 1362 wurde in Maria Laach eine Marienkapelle genannt. In einem Prozessakt aus dem Jahre 1367 ist zu lesen, dass das gestohlene Melker Kreuz hinter dem Marienaltar der Kirche von Maria Laach versteckt worden war. Im Jahre 1432 ging Maria Laach im Zuge der Inkorporation von Weiten an das Kollegiatstift Vilshofen in Bayern. Dieses verpflichtete sich im Jahre 1462, in der Kirche einen Kaplan zu halten.

mini|Innenraum, Ansicht nach Nordosten

Während der Reformation waren zwischen 1562 und 1627 die protestantischen Herren von Kuefstein Patronatsherren, die hier die Begräbnisstätte ihres Geschlechtes einrichteten.Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts befindet sich die Familiengruft der Kuefstein in der ehemaligen Spitalskirche in Röhrenbach (Niederösterreich) in der Nähe von Schloss Greillenstein. Dieses Patronat war zwischen den Kuefsteins und der Kirche von Weiten umstritten. Im Jahre 1574 baute ein protestantischer Pfarrer den alten Pfarrhof. Der ältere Teil der heutigen Sakristei aus der gleichen Zeit wurde für die wenigen Katholiken erbaut, die nicht konvertiert waren. Maria Laach wurde im Jahre 1580 herrschaftliche Pfarre.

Nach der Konversion von Johann Ludwig von Kuefstein wurde Maria Laach Vikariat von Weiten. Im Jahre 1634 erhielt Maria Laach einen neuen Pfarrhof und ein katholischer Priester trat seinen Dienst an.

Im Jahre 1680 kam es in der Gegend zu einer Pestepidemie und die Bevölkerung des südlichen Waldviertels begann nach Maria Laach zu pilgern, ein Brauch, der sich bis heute erhalten hat. Dies führte dazu, dass im Jahre 1688 die Pfarrerhebung erfolgte. Nach der wundertätigen Heilung eines blinden Kindes im Jahre 1719 vergrößerte sich der Pilgerstrom und seit Anfang des 18. Jahrhunderts ist Maria Laach Wallfahrtskirche.Dehio S. 715.

Baugeschichte Genaue Aufzeichnungen über die frühe Baugeschichte existieren nicht. Die Proportionen und die Rippenprofile des Chorgewölbes deuten darauf hin, dass dies der älteste Bauteil ist, der vermutlich gegen Ende des 14. Jahrhunderts entstanden ist. Ende des 15. Jahrhunderts erfolgte die Einwölbung des dreischiffigen Langhauses mit dem staffelförmig erhöhten Mittelschiff, was aus einer Datierung mit „1496“ im linken Seitenschiff hervorgeht. Im Jahre 1512 erhielt die Kirche ihren Westturm.Kirchenführer S. 3.

Baubeschreibung mini|Südostansicht der Pfarr- und Wallfahrtskirche

Außen Das vierjochige Langhaus mit zweifach abgetreppten Strebepfeilern liegt unter einem steilen Satteldach. Die zwei- und dreibahnigen Spitzbogenfenster sind mit teilweise erneuertem Dreipass-, Vierpass- und Fischblasenmaßwerk ausgestattet. Der eingezogene, zweijochige Chor hat einen Fünfachtelschluss und eine etwas niedrigere Firstlinie als das Langhaus. Er verfügt über zweifach abgetreppte Strebepfeiler und ein umlaufendes Kaffgesims. Im Süden liegt ein spätgotischer Sakristeianbau. Dem Langhaus ist westlich ein monumentaler dreigeschoßiger Turm mit steilem Walmdach vorgestellt.

Innen mini|Verbindung vom Haupt- zum Seitenschiff im Gewölbebereich Das Mittelschiff wird durch ein kleinteiliges, jochübergreifendes Netzrippengewölbe abgeschlossen, das zum Teil über geschwungene Rippen verfügt. Mit den schmäleren Seitenschiffen ist es durch hohe Spitzbogenarkaden auf schlanken Achtkantpfeilern verbunden. In der Mitte befindet sich ein großer Ring mit einem Heiliggeistloch.

Das nördliche Seitenschiff ist von einem großteiligen Netzrippengewölbe in Rautenform auf polygonalen Konsolen, das südliche Seitenschiff von einem kleinteiligen Netzrippengewölbe mit durchkreuzten Anläufen überwölbt.

Ein leicht eingezogener spitzbogiger Triumphbogen bildet den Übergang vom Mittelschiff zum zweijochigen Chor aus der Zeit um das Jahr 1400. Der Chor wird von einem Kreuzrippengewölbe mit reliefierten Schlusssteinen abgeschlossen, das auf Bündeldiensten über einem Kaffgesims ruht. Im Chor befinden sich vier profilierte Segmentbogennischen und eine Sakramentsnische mit Spitzgiebelaufsatz und Blendfialen, welche durch ein zartes Schmiedeeisengitter mit Rosetten und Lilien verschlossen ist.

Die dreischiffige Orgelempore aus der Zeit um das Jahr 1500 ist im westlichen Joch eingestellt und öffnet sich zum Langhaus hin in weiten profilierten Spitzbögen. Die dreizonige zarte Maßwerkbrüstung ist reich variiert: Sie ist links in ineinandergreifenden Wellenformen und rechts in Halbkreisformen durchbrochen. Die Mittelzone ist mit reichlichem Blendmaßwerk in Drehwirbel- und Fischblasenformen und vielfach gegliederten Mittelrosetten ausgestattet. Die Unterwölbung ist als Netzrippengewölbe mit teils durchgesteckten Rippen und Rosettenschlusssteinen ausgeführt. Der seitliche Aufgang vom linken Seitenschiff hat ein Vorhangportal in reicher Stabprofilierung und Kerbschnittverzierung, der Turmaufgang auf der rechten Seite wird durch ein verstäbtes Schulterbogenportal erschlossen.

Die Turmvorhalle hat ein vielfach profiliertes Schulterbogenportal aus der Zeit um das Jahr 1500 und wird von einem Rippengewölbe mit einem achtzackigen Rautenstern aus durchgesteckten Rippen abgeschlossen.

Ausstattung Flügelaltar mini|hochkant|Der Flügelaltar mini|hochkant|Der Flügelaltar mit geschlossenen Innenflügeln (Sonntagsseite) mini|hochkant|Thronende Madonna mit Kind am Flügelaltar Der spätgotische Doppelflügelaltar aus dem Jahre 1480 stellt eines der wenigen vollständig erhaltenen Mal- und Schnitzwerke aus dieser Zeit in Österreich dar und hat gegenüber den spätgotischen Bilderwänden von Zwettl oder Mauer noch eine konservative Anordnung.Kirchenführer S. 4. Der Altar wird der Passauer Donau-Kunstschule zugeschrieben. Stephan Kriechbaum soll der Meister sein.Informationsblatt in der Kirche, 2024.

In einem Schrein thront in einen goldenen Mantel gehüllt unter einem mächtigen Kielbogenbaldachin Maria mit dem Jesuskind im Schoß als Himmelskönigin mit Zepter und Krone dargestellt. Zu ihren Füßen liegt eine mit einem Gesicht versehene nach unten geschwungene Mondsichel. Zwei flankierende Engel im Hintergrund halten eine Draperie, zwei weitere kniende Engelsfiguren flankieren den Thron und huldigen der Himmelskönigin. Der Kielbogen durchbricht die obere Begrenzung des Schreins und wird von einer bereits außerhalb des Schreines liegenden Kreuzblume bekrönt, welche die Überleitung zu einem Gesprenge bildet und als Konsole für eine Statue des Christus Salvator dient. Zwei weitere Statuen im Gesprenge flankieren die Christusstatue und stellen die Heiligen Johannes der Täufer und Paulus dar. Das Gesprenge besteht aus Fialen, Kreuzblumen, Kielbogen- und Dreipassformen. Die architektonischen Gliederungselemente sind polychromiert und zum Teil vergoldet. Die Rückseite des Thrones und die Altarrückseite sind mit „1480“ bezeichnet.

Die Predella mit dem Tabernakel ist reich bemalt und trägt an der Vorderseite Halbfiguren der Heiligen Maria Magdalena und Ursula. Beide Bilder zeigen am äußeren oberen Rand ein Wappen mit einem aus einer Krone herausragenden Hundekopf.Im Kirchenführer wird von Josef Simhandl die Vermutung geäußert, dass die Namen der dargestellten Figuren ein Hinweis auf die Stifterinnen des Altares, Magdalena und Ursula aus der Familie der Truchsessen von Staatz sein könnte, die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts Lehensherren in Maria Laach waren. Die Ähnlichkeit der Wappen auf den Bildern mit dem Wappen der Truchsessen von Staatz ist ein weiteres Indiz dafür. Im geöffneten Tabernakelschrein sind Halbfiguren der Maria Magdalena, Josef von Arimathäa, Nikodemus und Johannes nach der Kreuzabnahme. Je ein Prophet ist an den Schmalseiten und zwei Engel mit dem Schweißtuch der Veronika befinden sich an der Rückseite.

An den Flügeln befinden sich innen vier Holzreliefs mit Motiven der „Verkündigung“, „Heimsuchung“, „Geburt Christi“ und der „Anbetung der Könige“. Die Reliefs sind mit zahlreichen architektonischen und figuralen Details der Hintergrunddarstellungen ausgeführt. Die in Tempera gemalten Flügel, eines der wenigen Exemplare, die in ihrem ganzen Umfang erhalten sind, zeigen in halb geöffnetem Zustand Szenen aus der Passion und in geschlossenem Zustand Szenen aus dem Leben Mariens. Die Darstellungen zeigen detailreich gestaltete Architektur- und Landschaftshintergründe mit zahlreichen Figuren in kräftigen Farben. Der Himmel besteht zum Teil aus punziertem Goldgrund. Aus der Passion sind „Christus am Ölberg“, der „Judaskuss“, die „Geißelung“, „Ecce homo“, die „Dornenkrönung“, die „Kreuztragung“, die „Kreuzigung“ und die „Auferstehung Jesu Christi“ dargestellt. Aus dem Leben Mariens sind die „Beschneidung des Herrn“, die „Darstellung Mariens im Tempel“, die „Krönung Mariens“ und der „Marientod“ dargestellt.Dehio S. 716

Im Jahre 1979 erfolgte eine umfassende Restaurierung und Konservierung des Altares. Dabei wurden die ursprünglichen Schleierbretter am Schrein wieder angebracht, spätere Übermalungen entfernt, die Verzierungen am äußeren Rand bearbeitet und das Gesicht Mariens im Schrein erhielt einen milderen Ausdruck.Kirchenführer S. 7.

Linker Seitenaltar Das Altarretabel des als „Gnadenbildaltar“ bezeichneten Altares aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit gedrehten Säulen, Blattwerkdekor und einem Rundbogenaufsatz wurde im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts verändert. Es trägt Statuen der Heiligen Antonius der Große, Rochus, Barbara und der heiligen Katharina von Alexandria,Laut Dehio ist es möglicherweise die heilige Katharina. Auf Fotos ist diese Heilige eindeutig als Katharina von Alexandria zu identifizieren anhand ihrer Attribute u. a. Rad und Schwert! zweier Mönche und Engel. Das gotische Altarbild aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ist in Tempera auf Holz gemalt. Es zeigt die thronende Maria mit dem Jesuskind. Die rechte Hand hat sechs Finger und hält einen Rosenkranz. Hinter dem Thron sind unten betende und oben musizierende Engel dargestellt.Dehio und Kirchenführer vermuten, dass das Bild von Johann Wilhelm von Kuefstein gestiftet wurde. Dehio gibt als Datum der Stiftung das Jahr 1636 an, laut Kirchenführer dürfte es Kuefstein um 1663 aus den Rheinlanden mitgebracht haben.

Rechter Seitenaltar Das Doppelsäulenretabel auf hohem Sockel mit Aufsatz in gesprengtem Segmentbogengiebel stammt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts / Anfang des 18. Jahrhunderts. Das Altarblatt dürfte aus dem 19. Jahrhundert stammen und den heiligen Franz Xaver darstellen. Das Aufsatzbild zeigt eine Verkündigungsszene aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Der Aufsatz trägt barocke Statuen der Heiligen Augustinus, Erasmus, Josef, Johannes, zweier Jesuitenheiliger und des heiligen Michael.

Kunstwerke der Reformation mini|Kuefstein-Kenotaph