mini|hochkant=1.3|Dorf und Steinbrüche um 1900 (mit KI coloriert) mini|hochkant=1.3|Kirchenplatz um 1900, coloriert mini|Ehem. Pansipp-Haus, Försterhaus mini|Postkarte von 1902

Kaisersteinbruch (), einst der kaiserliche Steinbruch am Leithagebirge, ist seit 1970 ein Ort auf dem Gebiet der gleichnamigen Katastralgemeinde in der Großgemeinde Bruckneudorf im Bezirk Neusiedl am See im Burgenland.

Die an den waldreichen, nordwestlichen Hängen des Leithagebirges errichtete Siedlung war seit der Antike bis ins 20. Jahrhundert vom hier vorhandenen Kalkstein, dem Kaiserstein, bestimmt und hatte den Charakter einer Steinmetzsiedlung. Ab 1912 wurde ein großer Teil des Areals um den Ort in Militärgelände umgewandelt. Es wurden Baracken für Soldaten des Ersten Weltkrieges, 1934 für ein Anhaltelager, 1938 für Soldaten des Zweiten Weltkrieges, nachfolgend 1945 die sowjetische Besatzung gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort wieder aufgebaut und neu besiedelt.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte mini|Funde im Blauen Bruch, Vitrine im Museum Mannersdorf

Im Blauen Bruch des Leithagebirges,Hans Schwengersbauer: Kaisersteinbruch, ehemaliger Steinbruch Amelin „Blauer Bruch“. Unterlagen zu den Exkursionen der 7. Jahrestagung der Österreichischen Paläontologischen Gesellschaft, 12.–14. Oktober 2001, Mannersdorf am Leithagebirge. auf dem Truppenübungsplatz, finden sich Knochen und Zähne, die Rückschlüsse auf die vor 15 Millionen Jahren hier lebenden Meerestiere erlauben. Hier existierten unter anderem Haie, Seekühe, Zahn- und Bartenwale. An Land stellten Palmen, Wasserfichten, Wasserulmen, Kieferngewächse und Platanen die Flora dar, in welcher sich Affen, Krokodile, Nashörner und Landschildkröten bewegten.2. Internationales Mikroskopiker-Pfingsttreffen. MGW 2004, Helmut Reichenauer. Aus dem Einsiedler-BruchGeologische Bundesanstalt: stammt der bemerkenswerte Fund einer Phalange (Fingerknochen) eines „sehr sonderbaren, in der Gegenwart ohne Verwandte dastehenden“ Huftieres: Ancylotherium. Es wird im Naturhistorischen Museum Wien aufbewahrt.Burgenländische Landestopographie I., S. 232.

Eine Pfeilspitze in einem Pferdewirbel, gefunden in einer Höhle des Blauen BruchesGeologische Bundesanstalt: – ein Beweis für die ältesten schweren Hauspferde – belegt erste Besiedlungsspuren zur Eisenzeit (800 bis 700 vor Christus)A. F. Tauber: Die geologischen und paläontologischen Resultate der Ausgrabungen in der Höhle im Blauen Bruch bei Kaisersteinbruch. In: BHbl. Jg. 11, 1949. und wird im Landesmuseum Burgenland aufbewahrt.

Römisches Castrum Auf dem Boden des Öden Klosters fand 1903 der Archäologe Maximilian Groller von Mildensee bei Ausgrabungen drei Siedlungsschichten. Zuunterst waren es Reste eines römischen Gutshofes (Herrenhaus, Baureste mit Heizanlage), an diesen Gebäuden vorbei führte die Römerstraße von Carnuntum über das Leithagebirge.

Sie war ein Stück der urgeschichtlichen Bernsteinstraße, die Ostsee und Adria verband.Manfred Alois Niegl: Die archäologische Erforschung der Römerzeit in Österreich. Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien 1980, S. 158. ISBN 3-7001-0336-0. In der Nähe der Villa wurde im 6. Jahrhundert ein langobardischer Friedhof angelegt.

Um 800 wurde quer durch die römischen Grundmauern ein mit Eckturm und Verschanzungen befestigter Königshof angelegt, wie er den Kaisern der Karolingerzeit, die noch über keine feste Residenz verfügten, bei ihren Reisen im Reiche als Quartier und Verpflegungsstätte diente. Später ging das Gebiet in den Besitz ungarischer Könige über. mini|hochkant=0.7|Schenkungsurkunde von 1203 mit Siegel

Königliche Schenkungen an die Zisterzienser König Imre schenkte es 1203 den Zisterziensern von Heiligenkreuz. Das Kloster war durch Stiftungen in Ungarn reicher begütert als in Österreich, so erwog es 1206 bis 1209 eine Verlegung nach Westungarn.Hermann Watzl: Der Plan einer Verlegung der Cisterce Heiligenkreuz vom Wienerwald nach Westungarn in den Jahren 1206 bis 1209. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich. Neue Folge 34, 1958–1960, S. 106–119 (). Nachdruck in: Hermann Watzl: „… in loco, qui nunc ad sanctam crucem vocatur …“ Quellen und Abhandlungen zur Geschichte des Stiftes Heiligenkreuz. Heiligenkreuz 1987, S. 431–444.

Es wurde mit dem Bau einer großen Kirche im Gelände des Königshofes begonnen, doch blieb die Anlage unvollendet.Harald Prickler: Zisterzienser als Grundherren im burgenländisch-westungarischen Raum. In: 800 Jahre Zisterzienser im Pannonischen Raum. 1996.

Kaisersteinbrucher Stein – Kaiserstein

Die Ausgrabung des römischen Gutshofs, Grabsteine, unter anderem im Schloss Königshof,Erich Draganits, Andreas Rohatsch, Hannes Herdits: Römersteine entlang der burgenländischen Bernsteinstraße. Nr. 21 in Kaisersteinbruch – Schloss Königshof. bezeugen, dass bereits die Römer hier Steine gebrochen und bearbeitet haben. Besonderes Beispiel ist der Grabstein des Titus Calidius Severus aus Carnuntum in der Antikensammlung des KHM in Wien.

Unter dem Kaisersteinbruch verstand man nicht einen einzigen Steinbruch, sondern je nach Auftragslage mehrere. 1901 und 1912 wurden technische Daten der Brüche Buchthal-Bruch, Wald-Bruch (Ödenkloster-Bruch), Kapellen-Bruch, Haus-Bruch und Teuschl-Bruch erhoben. Weiters wurden genannt: Zeiler-Bruch, Pansipp-Bruch, Amelin-Bruch, Kaiserstein-Bruch, Blauer-Bruch, Schwarzer Marmor-Bruch, Kavernen-Bruch und Winkler-Bruch sowie Alter Teuschl-Bruch, Gesellschafts-Bruch, Kowel-Bruch, Theresien-Bruch, Salzleck-Bruch und Kobaldischer Bruch.A. Hanisch, H. Schmid: Österreichs Steinbrüche. Verzeichnis der Steinbrüche, welche Quader, Stufen, Pflastersteine, Schleif- und Mühlsteine oder Dachplatten liefern. Wien 1901.A. Hanisch: Prüfungsergebnisse mit natürlichen Bausteinen. Wien 1912. In einem zeitgenössischen Bericht ist zu lesen: „Die kleine Ortschaft ist von Steinbrüchen ganz umgeben und ihre Häuser sind fast gänzlich unterminiert.“Andreas Rohatsch, Kaisersteinbruch: Leithakalk in bester Qualität. In: Thomas Hofmann (Hrsg.): Wien-NÖ-Burgenland, Wanderungen in die Erdgeschichte. Geologische Bundesanstalt. Wien 2007, ISBN 978-3-89937-074-4, S. 172 f.

Siegel des Handwerks

Eigenständige Viertellade, incorporiert Jois, Winden und Sommerein Am 13. Juni 1576, beim Bau von Schloss Neugebäude, wurde „der neue Steinbruch am Leythaberg“ erstmals urkundlich erwähnt.Hofkammerarchiv Wien, Herrschaftsakten 1576: Erstnennung: Steinbruch am Leithaberg

1617 erhielt die Bruderschaft der Kaisersteinbrucher Meister den Status einer Viertellade, die der Hauptlade in Wiener Neustadt zugeordnet war.Stadtarchiv Wiener Neustadt: Steinmetzakten. Zur Viertellade gehörte das Steinmetzhandwerk zu Sommerein (bis 1783, dann zu Bruck an der Leitha) und Winden am See und Jois (bis zuletzt). Das kaiserliche Privileg der Handwerksordnung regelte das Zusammenleben.Helmuth Furch: Die Viertellade des Steinmetz- und Maurerhandwerkes im kaiserlichen Steinbruch in ihrer Beziehung zur Wiener Hauptlade – 17./18. Jh. In: IV. Internationales Handwerksgeschichtliches Symposium Veszprém, 9.–11. November 1994. Hrsg. von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Budapest/Veszprém 1995, S. 99–102.

Ein bedeutender Arbeitsplatz

mini|Schloss Königshof mini|hochkant|Salva Guardia-Adler Leopold I. mini|Schwurhand der Heiligenkreuzer Auch aus dem umliegenden Ungarn, dem benachbarten Erzherzogtum Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten, aus Bayern, dem Frankenland kamen viele Baufachleute. Stiftsverwaltung im Schloss Königshof Vom 1. Jänner 1601 bis 1912 befand sich im Schloss Königshof die herrschaftliche Verwaltung für umliegende Besitzungen des Stiftes Heiligenkreuz; höchste Instanz war der Verwalter als Vertreter des Abtes. Am 8. Juni 1634, Gerichtstag im Steinbruch, legte Abt Michael Schnabel das erste Bannbüchel vor. Erster Richter wurde Andre Ruffini.

Befreiung von militärischer Einquartierung Die Steinmetzen verstanden es, sich bei Kaiser Ferdinand III. Gehör zu verschaffen, der daraufhin die Meister Andre Ruffini, Pietro Maino Maderno, Hieronymus Bregno, Ambrosius Regondi und Domenicus Petruzzy von allen öffentlichen Abgaben und Leistungen befreite und ihnen den kaiserlichen Adler an ihren Häusern zu führen gestattete.

1661 beschwerte sich die ungarische Hofkammer, dass die Kaisersteinbrucher für ihre Steine keinen Zoll entrichten. So kam es am 14. August 1708 zur Gründung eines Dreißigstamtes in der Ortschaft.

Türkeneinfall 1683 „Was für eine Confusion und Furcht dieser Orten wegen der streifenden Tartaren ist, ist nicht zu beschreiben.“Archiv Stift Heiligenkreuz, Mit diesen Worten beginnt ein Brief des Pfarrers von Mönchhof P. Augustin Liechtenfurth vom 2. Juli 1683 an den Verwalter in Königshof P. Franz Rädler. Viele Kaisersteinbrucher ließen alles liegen und stehen, ein Teil ging in die Feste Trautmannsdorf, während sich die meisten in den Einsiedlerbruch und in dessen Nähe zurückzogen. Es entstand ein beträchtlicher Schaden. Hohe Steuern belasteten die Untertanen; sie verweigerten der ungarischen Hofkammer den Dreißigst, für die Ausfuhr ihrer Steine.

Markt Ungarisch-Steinbruch Dem von ungarischer Seite schwer zugänglichen Ort wurde das Marktrecht verliehen. Die Marktgemeinde Kaisersteinbruch bestand bis 1970. Am Markttag brachte eine Zählung der Herrschaft Königshof 56 Handwerker und Kaufleute in Kaisersteinbruch. Diese Märkte zogen Menschen aus nah und fern nach Kaisersteinbruch und wurden so zu einer weiteren Säule der wirtschaftlichen Blüte.

Auf der „Kleinen Niederösterreichkarte“ des Jahres 1687 von Georg Matthäus Vischer ist der Ort Kaisersteinbruch erstmals eingetragen. (Niederösterreichische Landesbibliothek, Kartensammlung A IV 78)

Freimaurertempel Kaisersteinbruch 1695 Auf dem Siegel ist das Zunftzeichen der Steinmetze zu sehen, Winkelmaß und Zirkel, das 1723 auch von der ersten Großloge der Freimaurer in England als Symbol ihrer Vereinigung übernommen wurde.E. Mitterhuber Ursula Stevens: Tessiner Künstler in Europa 13.–19. Jahrhundert. Kaisersteinbruch 2016.

Obige Detailansicht des Bildes Kaisersteinbruch von Theodor Festorazzo, 1847 von der Herrschaft, dem Stift Heiligenkreuz beauftragt, zeigt den Tempel.Helmuth Furch: Die Bruderschaft der Kaisersteinbrucher Steinmetzmeister, 1650–1730. 2007, ISBN 978-3-9504555-4-0, S. 5. Die Grabplatte des Steinmetzmeisters Martin Trumler von 1705 ist mit dem Freimaurersymbol verziert und gibt damit einen wichtigen Hinweis.

Der Wiener Akad. Maler Stefan Riedl stellt die Gründung der Freimaurerloge in Kaisersteinbruch dar. Geistiger Mittelpunkt im oberen Bereich ist die Heilige Dreifaltigkeit, weiters Leonardo da Vinci, Michelangelo, Vitruv, Platon, Palladio, Pythagoras. Die beiden, das Blatt begrenzenden Säulen, links die Schwurhand der Zisterzienser, im Sockel das Freimaurersymbol (wie auf dem Martin Trumler Epitaph), rechts der kaiserliche Doppeladler (zugleich das Salva Guardia-Privilegium für Kaisersteinbruch).

Auf dem Kirchenplatz zu Kaisersteinbruch, rechts der Pfarrhof, links das Kirchengebäude hat der Künstler zwei Zeitebenen ineinander verwoben mit Menschen des 17. Jahrhunderts, durch ihre Kleidung zu erkennen, und der Gegenwart.

Text der beiden Schriftfelder (auszugsweise): (links:)INAUGURATIO TEMPEL … 1687 König von Ungarn Joseph I. ab 1690 JOSEPHUS ROMANORUM REX. (in der Mitte:) ein Symbol des herrschenden römisch-deutschen Kaisers Leopold I. Wahlspruch: CONSILIO ET INDUSTRIA („Durch Klugheit und Beharrlichkeit“) (rechts:) Der Wille zum Guten wird den Sieg ermöglichen – Steinmetz und Baumeister, beide errichten sie den Tempel.

Der Maler Stefan Riedl hat sich links zur Arbeit hingesetzt. Am Samstag, dem 6. September 2014 erfolgte in der Kaisersteinbrucher „Alten Schule“ die Übergabe als Dauerleihgabe an die Großgemeinde Bruckneudorf-Kaisersteinbruch.

Zuletzt bestätigt Maria Theresia die Salva Quardia und die Handwerksordnung