Das Panorama des Sturmes auf St. Privat war ein Panoramagemälde von Emil Hünten, das vom 24. Februar 1881 bis Dezember 1883 in der neu eröffneten Berliner Panoramarotunde National-Panorama in der Herwarthstraße gezeigt wurde. Es war in dem Gebäude die erste von sechs Panoramaausstellungen, kurz vor der Jahrhundertwende wurde das Gebäude abgerissen.Stephan Oettermann: Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums. Syndikat, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-8108-0152-6, S. 204. Obwohl von den Zeitgenossen sehr beachtet, ist Hüntens Bild durch keine einzige Abbildung erhalten. Die Größe des Panoramas betrug ungefähr 1890 Quadratmeter und wurde für eine belgische Gesellschaft in rund fünfeinhalb Monaten ausgeführt.
Geschichte mini|Die Schlacht bei Zorndorf von 1858, eines der frühen Historiengemälde von Emil Hünten, die ihm später Aufträge als „Schlachtenmaler“ verschafften, eine ähnliche Ästhetik ist auch für das Panoramabild anzunehmen.
Beschreibung des ursprünglichen Werkes Zum historischen Kontext schrieb die Besucherbroschüre:
Das verlustreiche Gefecht fand zwischen dem 17. August 1870 und dem 18. August als Teil der Schlacht bei Gravelotte () im Deutsch-Französischen Krieg statt.Theodor Fontane, Helmuth Nürnberger, Walter Keitel: Werke, Schriften und Briefe. Band 2, 1. Abteilung: Sämtliche Romane, Erzählungen, Gedichte, Nachgelassenes. Hanser, München 1962, S. 1629.
Der Historienmaler Emil Hünten fertigte das Rundgemälde nach einer gemeinsam mit seinem Malerkollegen Wilhelm Simmler erstellten Konzeption, unter Mitwirkung von Armin Sarter, Ad. Schweitzer und Gilbert von Canal. Hünten hatte sich als Historienmaler bereits im Großformat bewährt. Er hatte 1872 das Bild Die hessische Division in der Schlacht von St. Privat gemalt. Hünten und Simmler waren zu den Vorarbeiten für das Panorama an die Originalschauplätze gereist.Astrid Weidauer: Berliner Panoramen der Kaiserzei. Gebrüder Mann, Berlin 1996, ISBN 3-7861-1921-X, S. 18. Während der Malarbeiten führte sein Sohn Max Hünten Besucher durch die Ateliers, in denen erstmals mit Farben aus Tuben gearbeitet wurde.Wilhelm Widemann: Marine-Attaché an der kaiserlich-deutschen Botschaft in London, 1907–1912. Musterschmidt, Göttingen, 1952 (Mit einer Einleitung von W. Hubatsch).
mini|Ein Panoramagebäude der im 19. Jahrhundert üblichen Bauweise, hier zur Darstellung der Schlacht bei Waterloo mini|Wandbild Sturm auf St. Privat, 1870 von Georg Bleibtreu in der Berliner Ruhmeshalle (ca. 1887)
Vor dem Großbild lockerten echte Pflanzen die Schlachtendarstellung auf, die an kalten Tagen mit einem System von Heißwasserrohren erwärmt wurden. Im Sommer hingegen führte das durch Oberlichter einfallende Sonnenlicht zur ausreichenden Erwärmung. Die Societé anonyme des Panoramas de Berlin à Bruxelles hatte das Panorama finanziert. Es war in einem eigens errichteten Haus an der Herwarthstraße 4 untergebracht. und wurde am 24. Februar 1881 eingeweiht. Nach Frankfurt am MainStephan Oettermann: Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums. Syndikat, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-8108-0152-6, S. 193. handelte es sich um das zweite in Deutschland errichtete Panoramagebäude.Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst, 1983, S. 192.
Otto von Faber du Faur ließ sich nach Besichtigung des Berliner Panoramas für die Anfertigung seines Panoramas Die Schlacht bei Wörth in Köln von Hünten beraten. Hünten selbst entfernte das Gemälde im Dezember 1883 aus Berlin und baute es anschließend in Köln wieder auf, wo es am 31. Mai 1884 bei der Eröffnung des dortigen Panorama-Ausstellungspavillons am Hohenzollernring wieder gezeigt wurde.Stephan Oettermann: Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums. Syndikat, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-8108-0152-6, S. 198. Das Bild wurde auch noch im Hamburger Panoramagebäude am Dammtor gezeigt.
Nachfolgende Panoramen Nach Ausstellungsende wurde ab Ende April 1884 in dem Gebäude ein von dem französischen Militärmaler Henri Félix Emmanuel Philippoteaux angefertigtes Panorama der Belagerung von Paris (1870–71) gezeigt (Szenen aus der Schlacht bei Montretout).
Zwei andere belgische Gesellschaften meldeten sich bei Anton von Werner mit der Anfrage, ein ähnliches Panoramabild für einen Berliner Standort zu malen. Von Werner wählte dafür die Schlacht von Sedan als Motiv aus.Nic Leonhardt: Piktoral-Dramaturgie, visuelle Kultur und Theater im 19. Jahrhundert (1869–1899), zitiert auf Piktoral-Dramaturgie. 2007, S. 184. Dafür entstand an der als Zugang angelegten Panoramastraße westlich des Bahnhofs Alexanderplatz wiederum ein eigener Rundbau, Sedan-Panorama genannt, der 1904 abgerissen wurde.
Ein weiteres Panorama, das Marine-Panorama, befand sich ab 1892 in einem Rundbau von Ludwig Heim zwischen der Moltkebrücke und dem Lehrter Bahnhof. Das Gebäude wurde allerdings ab 1899 vom Kolonialmuseum genutzt und das Marine-Panorama nicht mehr gezeigt.
Nach Hünten malte auch Louis Braun ein Panoramabild desselben Schlachtereignisses. Sein Panorama Der Sturm auf St. Privat am 10. August 1870 in Dresden eröffnete 1883.
Zeitgenössische Resonanz In der Vossischen Zeitung vom 24. Februar 1881 beschrieb es Ludwig Pietsch wie folgt:
Wilhelm Petersen schrieb an Gottfried Keller:
Theodor Fontane, der das Werk Hüntens schätzte, und seine Eindrücke in seinem Werk Effi Briest verarbeitete,Nora Hoffmann: Photographie, Malerei und visuelle Wahrnehmung bei Theodor Fontane. De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-11-025992-6, S. 46 f. notierte am 7. März 1881 in seinem Tagebuch über das Panorama:
Franz von Reber bezeichnete es als
Zeitgenossen und Historiker sind sich einig, dass Hünten mit seinem Panoramabild weniger einen direkten kommerziellen Zweck verfolgte, sondern dem nationalen Hochgefühl und seinem persönlichen Renommé als Maler dienen wollte.Alexandra Baldus: Das Sedanpanorama von Anton von Werner. Ein wilhelminisches Schlachtenpanorama im Kontext der Historienmalerei. Dissertation, Bonn 2001, S. 52.
Literatur Gertrud Seizinger: Otto von Faber du Faur. Studien zu den Arbeiten in Öl. Dissertation Universität Stuttgart 2010 (elib.uni-stuttgart.de; Hauptquelle). Astrid Weidauer: Berliner Panoramen der Kaiserzeit. Gebr. Mann, Berlin 1996, ISBN 3-7861-1921-X. Stephan Oettermann: Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums. Syndikat Verlag, Frankfurt/M. 1980, ISBN 3-8108-0152-6 (zugl. Dissertation, Universität Marburg 1979).
Weblinks Aus der Schlacht von Gravelotte deutsche-digitale-bibliothek.de
Einzelnachweise
Kategorie:Panoramabild Kategorie:Gemälde (19. Jahrhundert) Kategorie:Schlachtengemälde Kategorie:Deutsch-Französischer Krieg in der Malerei Kategorie:Kunstverlust Kategorie:Saint-Privat-la-Montagne