Hans Konrad Biesalski (* 14. April 1949 in Marburg) ist ein deutscher Ernährungsmediziner und emeritierter Professor für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft an der Universität Hohenheim.

Leben Hans Konrad Biesalski wurde als Sohn des Professors für Sprach- und Stimmheilkunde Peter Biesalski und dessen Frau Lydia Biesalski, geborene Elmsheuser, in Marburg geboren und wuchs in Freiburg und Mainz auf. Sein Großvater war der Orthopäde Konrad Biesalski.Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 99. Nach Schulbesuch in Mainz und Traben-Trarbach und dem Abitur in Wiesbaden 1971 studierte Biesalski Physik und Medizin an den Universitäten Mainz und Bonn; im Mai 1979 erfolgte die Approbation als Arzt. Von 1979 bis 1982 war Biesalski Assistent am Physiologischen Institut der Universität Mainz in der Abteilung Biophysik. Im Juni 1981 wurde er in Mainz bei Otto Harth mit einer Arbeit Zum progredienten Verlauf von Schallempfindungsschwerhörigkeiten im Kindesalter promoviert; 1986 habilitierte er sich ebenfalls in Mainz mit einer Studie über Vitamin A und Innenohr. Entwicklung und Anwendung biochemischer und elektrophysiologischer Untersuchungen. Von 1984 bis 1993 arbeitete Biesalski am Institut für Physiologische Chemie an der Universität Mainz, 1992 als Ernährungsmediziner (Deutsche Akademie für Ernährungsmedizin, DAEM). 1993 erhielt er eine Berufung auf den Lehrstuhl Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft an der Universität Hohenheim; das Institut leitete er bis 2015. Er war Managing Direktor des Food Security Centers der Universität. 2007 erfolgte die Berufung als Fellow an das Wissenschaftskolleg zu Berlin. Seit 2017 ist er emeritiert.

Wirken Biesalski leistete Arbeiten zur Bedeutung von Vitamin A für die Entwicklung und Funktion des Innenohrs sowie für die Lungenfunktion (Reifung und Mucosabarriere)Biesalski HK, Wellner U, Weiser H. Vitamin A deficiency increases noise susceptibility in guinea pigs. J Nutr. 1990 Jul;120(7):726-37Biesalski HK, Weiser H.Sensitive analysis of retinyl esters by isocratic adsorption chromatography. J Clin Chem Clin Biochem. 1989 Feb;27(2):65-74. Besonders die erstmalige Beschreibung von Speichervorkommen des Vitamin A (Retinylester) in Organen und Geweben außerhalb der Leber waren neue Erkenntnis für die Erforschung des Vitamin A StoffwechselsBiesalski HK. Aspects of vitamin A metabolism in sensory epithelia (inner ear, olfactory bulbus, pineal gland).Int J Vitam Nutr Res Suppl. 1985;27:225-45Biesalski HK, Nohr D New aspects in vitamin a metabolism: the role of retinyl esters as systemic and local sources for retinol in mucous epithelia.J Nutr. 2004 Dec;134(12 Suppl):3453S-3457S. 1995 gelang ihm der Nachweis, dass neben dem klassischen Verteilungsweg des Vitamins von der Leber als Retinol (Vitamin A1) gebunden an ein Retinol-bindendes Protein (RBP) ein alternativer, bisher nur von Karnivoren bekannter Stoffwechselweg über zirkulierende Retinylester existiert: Ein Geschwisterpaar mit einer Mutation des Gens für RBP und folglich nicht messbaren Retinolblutspiegeln zeigte, von geringen Hautveränderungen und einer Nachtblindheit abgesehen, keine sichtbaren Auffälligkeiten, die für einen Vitamin-A-Mangel typisch wärenBiesalski HK, Frank J, Beck SC, Heinrich F, Illek B, Reifen R, Gollnick H, Seeliger MW, Wissinger B, Zrenner E. Biochemical but not clinical vitamin A deficiency results from mutations in the gene for retinol binding protein. Am J Clin Nutr. 1999 May;69(5):931-6. Erratum in: Am J Clin Nutr 2000 Apr;71(4):1010Seeliger MW, Biesalski HK, Wissinger B, Gollnick H, Gielen S, Frank J, Beck S, Zrenner E. Phenotype in retinol deficiency due to a hereditary defect in retinol binding protein synthesis.Invest Ophthalmol Vis Sci. 1999. Tatsächlich hatten die beiden jungen Mädchen den Verteilungsweg der Carnivoren. Später befasste sich Biesalski mit Fragen der Erfassung und Behandlung des verborgenen Hungers (Mikronährstoffmangel)Jati IR, Vadivel V, Nöhr D, Biesalski HK. Nutrient density score of typical Indonesian foods and dietary formulation using linear programming.Public Health Nutr. 2012 Dec;15(12):2185-92Inayati DA, Scherbaum V, Purwestri RC, Wirawan NN, Suryantan J, Hartono S, Bloem MA, Pangaribuan RV, Biesalski HK, Hoffmann V, Bellows AC.Combined intensive nutrition education and micronutrient powder supplementation improved nutritional status of mildly wasted children on Nias Island, Indonesia.Asia Pac J Clin Nutr. 2012;21(3):361-73 und der Ernährungssicherheit sowie mit Fragen der Mikronährstoff-Defizite und ihrer Therapie (besonders Vitamin C) bei IntensivpatientenBiesalski HK. Parenteral ascorbic acid as a key for regulating microcirculation in critically ill.Crit Care Med. 2008 Aug;36(8):2466-8. Ein weiteres experimentelles Feld ist das von ihm erstmals näher beschriebene Nutritargeting, das ist die Entwicklung galenischer Formulierungen, die eine gezielte Organversorgung mit Nährstoffen erlaubenBiesalski HK, Tinz J. Nutritargeting. Adv Food Nutr Res. 2008;54:179-217.

Schwerpunkte der jüngsten wissenschaftlichen Arbeit Biesalskis sind u. a. Untersuchungen des Retinoid-Stoffwechsels sowie Studien zur Bedeutung von Vitaminen für die Gesundheit des Menschen. Er leitet bzw. ist beteiligt an Forschungsprojekten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zum Thema Welthunger und Lebensmittelqualität. Biesalski ist Herausgeber von vierzehn Büchern und publizierte 280 Arbeiten. 2013 erschien von ihm das Buch Der verborgene Hunger.

Auszeichnungen 1982 HERMES Vitamin-Preis 1993 Fritz-Wörwag-Preis 2017 Forschungspreis der Gesellschaft für Vitaminforschung 2017 Justus-von-Liebig-Preis für Welternährung 2022 Konrad-Lang-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM)

Mitgliedschaften Bis 2009 Mitglied der Expertengruppe des Global Food Security Boards (WHO/FAO) Bis 2004 Sprecher der Kommission Ernährung und Krebs der Deutschen Gesellschaft für Hämatologische Onkologie Bis 2010 Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der U.S Pharmacopeia. 2015–2019 Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Editor Nutrition and Metabolism in Oncology; European Editor: Nutrition, Nutrition and Metabolism.

Schriften Zum progredienten Verlauf von Schallempfindungsschwerhörigkeiten im Kindesalter. (Mainz, Univ., Diss., 1981). Vitamin A und Innenohr. Entwicklung und Anwendung biochemischer und elektrophysiologischer Untersuchungen. (Mainz, Univ., Habil.-Schr., 1986).

Publikationen (Bücher)

Hans-Konrad Biesalski Nahrung die schadet, Nahrung die heilt : [der unentbehrliche Ratgeber von A – Z] 1. Auflage 1997, Stuttgart / Zürich / Wien Hans Konrad Biesalski: From ancient diets to modern minds. The role of micronutrients for brain development and function. Springer, 2026

Weblinks Institut für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft, Universität Hohenheim Mitteilung des Deutschen Bundestages https://www.bundestag.de/parlament/buergerraete/buergerrat_th1/962864-962864

Einzelnachweise

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