Corps Hubertia Freiburg zentriert|250px|Wappen des Corps Hubertia Freiburg Universität Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Gestiftet 29. Oktober 1868 in Karlsruhe Dachverband KSCV SC Freiburger Senioren-Convent (seit 1920) Wahlspruch Concordia parvae res crescunt, discordia maximae dilabuntur. Farben 65px|links Fuchsfarben 64px|links Zirkel 40px Adresse Fürstenbergstraße 23,Freiburg im Breisgau Homepage www.corps-hubertia.de
Das Corps Hubertia Freiburg ist eine Studentenverbindung im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV), einem der ältesten heute existierenden Dachverbänden deutscher Studentenverbindungen. Das Corps vereint Studenten und Alumni der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und anderer Hochschulen in Freiburg im Breisgau.Freiburger Hochschulen Die Freiburger Huberten haben in der forstwirtschaftlichen Geschichte Badens zentrale Bedeutung. Im Zeitraum von 2012 bis 2015 stellte das Corps Hubertia Freiburg mit Alexander Hartung den Ersten Vorsitzenden des mit über 13.000 Mitgliedern starken Verbandes Alter Corpsstudenten e. V., eines der einflussreichsten aller Korporationsverbände in Mitteleuropa.
Grundsätze
Den Grundsätzen seines Dachverbands, des Kösener Senioren-Convents-Verbands (KSCV), entsprechend vertritt das Corps Hubertia Freiburg das Toleranzprinzip. Das bedeutet, dass das Corps eine neutrale Haltung zu politischen Themen einnimmt und als Personenvereinigung keine einheitliche politische Richtung vertritt.
Das einzelne Corpsmitglied kann sich unabhängig davon privat politisch betätigen. Damit bekräftigt das Corps, dass jeder an einer Freiburger Hochschule immatrikulierte männliche Student ungeachtet von Ethnie, Nationalität, Religion und politischer Weltanschauung Mitglied werden kann. Was laut Eigenvorgabe zählt, sind Persönlichkeit und Charakterstärke.
Das Corps bekennt sich zur Mensur (Studentenverbindung); denn sie wird als Extremsituation verstanden, in der ein Corpsstudent mit kühlem Kopf einen klaren Standpunkt behält. Die Vorbereitung und Austragung einer solchen dient der Stärkung und Prüfung der Charakters eines jeden Mitglieds, woraus sich die Pflicht zur erfolgreichen Bewältigung mehrerer Mensuren ergibt, bevor ein Vollmitglied den Status eines Alten Herren (Alumnus) erreichen kann.
Des Corps vertritt des Weiteren das akademische Leistungsprinzip, was bedeutet, dass jedes Vollmitglied einen universitären Abschluss vorweisen muss, um nach Erfüllung seiner Pflichten im Corps in den Altherrenverband der Verbindung aufgenommen zu werden.
Entscheidungen werden im Corps gemeinsam auf regelmäßigen Konventen getroffen. Diese Konvente sichern und vermitteln als Meinungsfindungs- und Entscheidungsplattform das Demokratieverständnis und Toleranzprinzip eines jeden Corpsmitgliedes im täglichen Zusammenleben. Beschlüsse werden von allen getragen und vertreten. Konvente fördern und fordern die Fähigkeit klarer Stellungnahme, Kritik positiv an der Sache und nicht der Person zu äußern, sowie selbige entsprechend anzunehmen, um als gewählter Vertreter für die Gemeinschaft Verantwortung tragen zu können.
Couleur und Wahlspruch 140px|mini|Stürmer der Huberten Hubertia führt seit dem 7. Februar 1897 die Farben grün-gold-schwarz mit goldener Perkussion. Dazu wird eine dunkelgrüne Tellermütze oder der traditionelle (dunkelgrüne) StürmerErnst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 42. getragen. Die Füchse tragen ein grün-goldenes Band. Die seit 1877 getragene Kneipjacke erinnert nicht an die Kavallerieuniformen im 19. Jahrhundert, sondern an den Grünen Rock der elsässischen Oberförster. Dazu wird ein Hirschfänger getragen.
Am 23. August 1870 wurde der Wahlspruch Concordia parvae res crescunt, discordia maximae dilabuntur angenommen.dt. „Durch Eintracht wachsen kleine Dinge, durch Zwietracht zerfallen die größten“
Geschichte Gründungsjahre in Karlsruhe mini|Polytechnikum in Karlsruhe Hubertia wurde am 29. Oktober 1868 als Verein „unter Forstschülern“ am Polytechnikum der Forstschule Karlsruhe gegründet. Die Farben grün-gold-schwarz wurden zur Repräsentation der Verbindung festgelegt, jedoch zunächst noch nicht getragen. Der Wahlspruch Concordia parvae res crescunt, discordia maximae dilabuntur wurde 1870 festgelegt und gilt bis heute maßgebend für den Zusammenhalt innerhalb der Verbindung. Für Nichtforstleute wurde sie bereits am 18. Oktober 1874 geöffnet. Couleur wurde ab dem 7. Juni 1875 getragen, gefolgt von der Einrichtung eines Fechtclubs innerhalb der Verbindung ab 1876. Die unbedingte Satisfaktion wurde im Wintersemester 1886/87 in der Satzung festgeschrieben.Chr. Wehle (1979)
Als die Forstliche Abteilung von Karlsruhe nach Freiburg verlegt wurde, wandelte Hubertia sich am 27. November 1920 zum Corps. Sie renoncierte vom 3. Dezember 1920 an beim Freiburger Senioren-Convent und wurde am 2. Februar 1921 recipiert.P. Gladen (2007)
Aufnahme in den SC zu Freiburg mini|Kollegiengebäude in Freiburg
Im Sommersemester 1920 hatte Hubertia in Freiburg 14 Aktive. Diese waren ausschließlich Forststudenten, weil die anderen Aktiven aufgrund ihres Studienfaches in Karlsruhe verbleiben mussten. In den ersten Wochen nach Abschluss des Umzuges erfolgte der Abschluss eines Paukverhältnisses mit dem Freiburger Freiburger Senioren-Convent (SC) und der Turnerschaft Markomanno-Albertia. Das Paukverhältnis mit dem SC, der erste Schritt in Richtung einer SC-Aufnahme Hubertias, wurde vom Corps Rhenania Freiburg und vom Corps Suevia Freiburg unterstützt. Die Corps erhofften sich durch den hohen Anteil an Badenern bei Hubertia eine Stärkung des badischen Elements im SC, weil ab 1920 immer mehr norddeutsche Studenten nach Freiburg kamen und bei den ansässigen Korporationen aktiv wurden.
Am 29. November 1920 ermächtigten die Alten Herren den Corpsburschen-Convent, dem SC zu Freiburg ein Aufnahmegesuch einzureichen. Nach Prüfung von Hubertias Satzung und einer kurzen Renoncierungszeit wurde Hubertia am 2. Februar 1921 auf Antrag des Corps Rhenania Freiburg feierlich mit einem Festakt in den Freiburger SC rezipiert. Damit war Hubertia 53 Jahre nach ihrer Gründung Mitglied des KSCV.
Kontroversen um die Rolle in der badischen Forstverwaltung
Ende des 19. Jahrhunderts galt die badische Verwaltung reichsweit als vorbildlich. Der Begriff „Musterländle“ bezog sich damals auf Baden, nicht auf Württemberg!Karl Moersch, Peter Hoelzle Kontrapunkt Baden-W… Zur Vorgeschichte und Geschichte des Südweststaates, DRW Verlag, Leinfelden-Echterdingen 2002, ISBN 3-87181-478-4 Der relative Anteil der Waldungen war der größte aller deutscher LänderMeyers Konversationslexikon, Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892 2. Band: Atlantis – Blatthornkäfer, Seite 0230: „Baden (Viehzucht, Forstwirtschaft etc., Industrie)“ und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.Seite 0262: „Baden (Großherzogtum); Land- und Forstwirtschaft. Industrie und Handel“, Brockhaus’ Konversationslexikon, Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, 2. Band: Astrachan – Bilk. Die Beforstung der Wälder, hauptsächlich in Staatsdomänen wurde als mustergültig anerkannt, insbesondere aus dem unteren Schwarzwald wurden besonders hochgewachsene und wertvolle „Holländertannen“ für den Schiffbau in die Niederlande ausgeführt. Der Wert der Waldungen wurde 1896 auf 500 Mio. Mark veranschlagt; jährlich wurden etwa 2,25 Mio. Festmeter für etwa 20 Millionen Mark geschlagen.entsprechend einem Drittel des deutschen Marinebudgets bei Admiral Friedrich von Hollmann Mindestens ein Drittel davon ging in den Export. Die Besetzung und Führung der zugehörigen Forstverwaltung war von großer Bedeutung für die Wirtschaft des Landes und hatte auch überregionale Vorbildfunktion.
Der badische Kulturkampf war vom Freiburger Bischof Hermann von Vicari schon in den 1850er Jahren ausgelöst worden und hatte bis Ende der 1870er Jahre gravierende Auseinandersetzungen mit dem Großherzog und der liberal dominierten Badischen Ständeversammlung zur Folge. Hubertias Wechsel aus dem gemischtkonfessionellen und eher protestantischen Nordbaden an die (nach Wien zweite habsburgische) Universität im katholischen Südbaden bewahrte sie nicht vor konfessionellen Auseinandersetzungen.
Mit dem Ersten Weltkrieg war der Holzbedarf angestiegen. Außerdem löste die zunehmende Mechanisierung und Motorisierung der Forstbetriebe einen Modernisierungsschub aus. Zudem wirkte die politische Umwälzung sich auch auf die Personalpolitik aus.Axel Bader: Wald und Krieg – wie sich in Kriegs- und Krisenzeiten die Waldbewirtschaftung veränderte. Die deutsche Forstwirtschaft im Ersten Weltkrieg. Universitätsverlag Göttingen 2011, S. 273; Akademie Verlag 1997
mini|Huberten in Grünem Rock Von 227 lebenden Mitgliedern der Hubertia im Jahr 1920 waren 118 examinierte Forstleute. Von den 118 Altern Herren besetzten wiederum 83 ein staatliches oder privates Forstamt im Gebiet des heutigen Landes Baden-Württemberg. In beiden Ländern waren 1920 zusammen rund 240 Forstämter erfasst, so dass die Zahl der von Huberten geleiteten Ämter rund ein Drittel ausmachte. Nach Wilhelm Fabricius waren 1925 97 Aktive und 148 Inaktive beim Freiburger SC registriert.Die Deutschen Corps: eine historische Darstellung mit besonderer Berücksichtigung des Mensurwesens Wilhelm Fabricius, Thilo, 1918, S. 369 Aus den Reihen der Hubertia stammten aus der Zeit von 1919 bis 1936 41 Forstbeamte, davon fünf Forstdirektoren und drei Forstpräsidenten.Kösener Corpslisten 1996: Hubertia Freiburg In der gesamten zivilen Verwaltung des Großherzogtum Baden gab es (Stand 1900) nur 1.200 leitende Beamte. Bei den 5 Freiburger Corps waren in den Jahren der Weimarer Republik 70–130 aktive Mitglieder p. a. zu verzeichnen, sie stammten mit der Ausnahme von Hubertia mehrheitlich nicht aus Süddeutschland.Studenten und Politik 1918–1933: Der Fall Freiburg im Breisgau Wolfgang Kreutzberger, Vandenhoeck & Ruprecht, 12. Oktober 1972, S. 87 ff.
Im Deutschen Kaiserreich wurden Waffenstudenten in allen öffentlichen Ämtern gern gesehen. In der Weimarer Republik änderte sich das, auch in der Forstverwaltung, die nach Abschaffung der Monarchie einem erheblichen Reformdruck ausgesetzt war. In Landtag und Regierung war 1919 das Badische Zentrum die stärkste Partei geworden und stellte mit Heinrich Köhler den Finanzminister.M. Neuhaus (2013) Dieser forderte in aller Öffentlichkeit „die Ausrottung der Huberten aus dem badischen Staatsforstdienst“.
Köhler wollte dem hohen Anteil von Huberten in der Forstverwaltung entgegenwirken. Deshalb führte er einen Numerus clausus für das Forststudium ein. Zusätzlich prüfte er persönlich die Bewerber für das Forststudium in Freiburg und entschied eigenmächtig über ihre Zulassung. In den folgenden zehn Jahren zeigte diese Auslese Köhlers dramatische Auswirkungen bei Hubertia: 1920 waren 37 forstliche Nachwuchskräfte Mitglied bei Hubertia, 1938 hingegen nur noch sechs.
Köhler verdächtigte die Forstverwaltung, Katholiken nur zu akzeptieren, wenn sie der Hubertia angehörten. Der bedeutende Forsthistoriker Karl Hasel sah im Nachhinein keine gravierenden Nachteil aufgrund der entsprechenden Personalakten.