mini|hochkant=2|Schadensplan der Braunschweiger Innenstadt vom Mai 1945:Legende: grau = vollständig zerstört; rot = erhalten Die Bunker in Braunschweig wurden ab November 1940 errichtet, da die Stadt Braunschweig zu den als besonders gefährdet geltenden Gebieten im Deutschen Reich eingestuft wurde. Braunschweig lag inmitten der Industrieachse Salzgitter-Fallersleben („Stadt des KdF-Wagens“) und wurde vom NS-Regime zu einem wichtigen Rüstungs- und Forschungszentrum ausgebaut.Die Luftschutzbunker in Braunschweig auf braunschweig.de, abgerufen am 11. November 2022.

Hintergrund Braunschweig lag strategisch günstig zu den neuen Industriestandorten bei Fallersleben, der „Stadt des KdF-Wagens“ und den „Reichswerken Hermann Göring“ in Salzgitter. Die Stadt besaß eine Vielzahl großer Industrieunternehmen. Das hatte zur Folge, dass Braunschweig für die alliierten Luftstreitkräfte zu einem wichtigen Angriffsziel wurde. In der Zeit vom 17. August 1940 bis zum 10. April 1945 wurde die Stadt über 40 mal bombardiert. Dass trotzdem im Verlauf dieser massiven Angriffe lediglich rund 2900 Todesopfer zu beklagen waren, ist auf die Vielzahl der vorhandenen Luftschutzbauten zurückzuführen. Die Bunker wurden nach den im Juli 1941 festgesetzten „Bestimmungen für den Bau von Luftschutzbunkern“ errichtet, in der die in Braunschweig entwickelte „Schutzbewehrung“ als einzige reichseinheitliche Bewehrungsart vorgeschrieben wurde.

Am 31. Oktober 1940 erteilte der Braunschweiger Oberbürgermeister Wilhelm Hesse den ersten Bauauftrag an eine Braunschweiger Baufirma. Durch diese sollten Luftschutzbunker errichtet werden, die sowohl Sicherheit gegen 300-kg-Bomben boten als auch gasdicht waren. Nach diesen Vorgaben wurden in der Stadt 22 Luftschutzbunker gebaut. Es waren 10 weitere geplant, die gegen 1000-kg-Bomben schützen sollten. Von diesen wurden jedoch nur 2 fertiggestellt. Die Bunkeranlagen mussten seit Anfang 1944 bei Alarmen teilweise das Fünffache an Schutzsuchenden aufnehmen. Durch die Lage Braunschweigs auf der Flugroute der Bomber nach Berlin wurde vorsorglich bei allen Überflügen Alarm gegeben. Teilweise hielten sich die Menschen für mehrere Stunden in den überfüllten Bunkeranlagen auf. Verheerend war der Bombenangriff auf Braunschweig am 15. Oktober 1944, der einen Flächenbrand in der Innenstadt und den Einschluss der dort befindlichen Bunker zur Folge hatte. Dadurch wurde der Sauerstoffgehalt der Atemluft innerhalb der gasdichten Räume knapp. Da die Gefahr bestand, dass durch die Belüftungsöffnungen Rauchgase ins Innere gelangen könnten, wurden diese verschlossen gehalten. Die Eingeschlossenen konnten erst nach mehr als 6 Stunden von der Feuerwehr gerettet werden. Diese hatte dafür Wassergassen mit einer künstlichen Beregnung eingerichtet, um die Hitze des Feuers zu mildern.

Die errichteten Bunker sollten rund 27.000 Menschen Zuflucht bieten, während der Bombardierungen suchten dort jedoch zeitweise etwa fünfmal so viele Personen Schutz. Für den Bau der Anlagen wurden mehr als 1000 Fremdarbeiter und Kriegsgefangene eingesetzt, denen jedoch die Nutzung selbst offiziell nicht gestattet war. (PDF; 5,8 MB, S. 10.) auf neue-braunschweiger.de, abgerufen am 12. Oktober 2013.

Maßnahmen für den Luftschutz Die gezielten Vorbereitungen zum Luftschutz in Deutschland begannen bereits vor dem Kriegsbeginn. Als erste Bomben über deutschen Städten niedergingen, wurde ein reichsweites Bunkerbauprogramm entwickelt und der Bau ziviler Luftschutzmaßnahmen eingeleitet sowie die Luftabwehr ausgebaut. Luftschutzkeller boten keinen ausreichenden Schutz für die Zivilbevölkerung, da sie weder bombensicher oder gasdicht waren noch ausreichenden Schutz vor den Auswirkungen von Bränden bieten konnten. Durch den Reichsluftschutzbund (RLB) wurden zudem Schulungen der Bevölkerung durchgeführt und die Hausgemeinschaften wurden dazu angehalten, dass sie einen Luftschutzwart, einen Ersthelfer und eine Hausfeuerwehr bereitstellen musste.Gerd Biegel, Peter Former: Bomben auf Braunschweig. In: Veröffentlichungen des Braunschweigischen Landesmuseums. 77. Braunschweigisches Landesmuseum, Braunschweig 1994, S. 10, .

Die Maßnahmen zur Tarnung wie die Verdunkelung reichten nicht aus, um die Lage der Städte vor den Bombern zu verbergen. In Braunschweig gelang es jedoch durch den Bau zahlreicher Luftschutzanlagen, einen Großteil der Stadtbevölkerung während der schwersten Angriffe im Jahr 1944 zu schützen.Reinhard Bein: Zeitzeichen: Stadt und Land Braunschweig 1930–1945. Döring, Braunschweig 2000, ISBN 3-925268-21-9, S. 216.Schadenskarte mit Lage der Bunker im Stadtgebiet Braunschweig (Stand Mai 1945) auf vernetztes-gedaechtnis.de, abgerufen am 18. Oktober 2013.

Hochbunkeranlagen Örtlichkeit Belegung Baujahr NachnutzungEinleitung und Bauwerksliste auf amaot.de, abgerufen am 3. April 2018. KoordinateAlte Knochenhauerstraße 813 1940/41 Katastrophenschutzbunker Alte Waage 250 1940/41 Katastrophenschutzbunker Bebelhof – Borsigstraße 800 1941/42 im Februar 2001 abgerissen Bebelhof – Salzdahlumer Straße 986 1940/41 denkmalgeschütztes Wohnhaus Bockstwete 750 1941/42 Wohn- und Geschäftshaus Kaiserstraße 642 1940/41 Wohn- und Geschäftshaus Kalenwall – Bunker „Am Bahnhof“ 428 1940/41 Geschäftsgebäude Kralenriede 500 1941/42 denkmalgeschützte Bunkeranlage Ludwigstraße 236 1941/42 vorhanden Madamenweg 1500 1941/42 Wohngebäude Melverode – Glogaustraße 350 1941/42 2010 zu einem Wohnhaus umgebaut Methfesselstraße 1250 1941/42 denkmalgeschütztes Wohnhaus Münzstraße 400 1941/42 entfestigt, leerstehend Okerstraße 944 1940/41 Fundament für Hochhaus Rehnstoben – Bosselgraben 610 1940/41 Wohnhaus Ritterstraße 840 1944 Wohnhaus Rühme – Auerstraße 650 1941/42 gesprengt und beseitigt Sack 700 1940/41 im November 2007 abgerissen WerkluftschutzbunkerBültenweg (Ferdinand Schacht) – – vorhanden Hafenstraße 70 – vorhanden Hamburger Straße (Schmalbach-Lubeca) – – vorhanden Vossenkamp (Libra-Werk) – – vorhanden KrankenhausbunkerCeller Straße (I) 1020 1941 bis 1942 ungenutzt, vorhanden Celler Straße (II) 78 1941 bis 1942 Teil des Krankenhauses Holwedestraße 230 1944 bis 1945 Lagerräume und EDV

Alte Knochenhauerstraße mini|hochkant|Bunker Alte Knochenhauerstraße (2006)

In der Novemberpogromnacht am 9. November 1938 wurde die Braunschweiger Synagoge teilweise gesprengt und verwüstet. Sie wurde 1940 abgebrochen und an dem Ort wurde ein Luftschutzbunker errichtet. Der Bunker hat vier Etagen und war dafür ausgelegt, rund 820 Personen aufzunehmen. Während des Luftalarms war er teilweise jedoch mit bis zu 4000 Menschen überbelegt. Der Bunker entstand im Zuge des ersten Bauprogramms und sollte zur Straße hin mit einer Fachwerkfassade versehen werden, um ihn optisch an die übrigen Gebäude der Alten Knochenhauerstraße anzupassen. Diese Maßnahme sollte unter anderem der besseren Tarnung dienen.Der Bunker Alte Knochenhauerstraße auf amaot.de, abgerufen am 3. April 2018.

Von 1945 bis 1963 diente das Gebäude als Notunterkunft. 1975 erhielt es, anlässlich der hundertjährigen Synagogen-Weihe, eine Gedenktafel.Standort der Synagoge auf braunschweig.de, abgerufen am 11. November 2022.

Der Bunker wurde zum Zweck des zivilen Luftschutzes für den Katastrophenschutz ausgebaut. Er dient dem Schutz der Bevölkerung vor Brandeinwirkung (Hitze, Rauch), vor konventionellen Waffen, vor radioaktiven Niederschlägen (Fallout), vor biologischen und chemischen Waffen.

Alte Waage Der Bunker wurde in den Jahren 1941 bis 1942 errichtet und sollte 250 Personen Schutz bieten. Er befindet sich nahe dem Fachwerkhaus Alte Waage und wurde in den 1970er Jahren während des Kalten Krieges zum Katastrophenschutzbunker umgebaut. Dieser Bunker stellt für 625 Personen Sitz- und Liegeplätze bereit. Er ist mit einfachen Klappsitzen, Liegepritschen und Gepäckablagen ausgestattet, besitzt sanitäre Einrichtungen, eine Kochgelegenheit und eine Ambulanz sowie zwei Belüftungssysteme gegen Gaseintrag und chemische Angriffe. Die vorgesehene Aufenthaltsdauer ist auf bis zu 10 Tage ausgerichtet. Die Brauchwasserversorgung wird durch einen Brunnen bereitgestellt.Der Bunker Alte Waage auf amaot.de, abgerufen am 3. April 2018.

Bebelhof mini|hochkant|Salzdahlumer Straße – Bebelhof (2006) Der Hochbunker an der Salzdahlumer Straße im Bebelhof wurde 1941 für rund 990 Personen errichtet. Er konnte durch eine Flakstellung für die Flugabwehr genutzt werden, besaß 9 Stockwerke, einen Fahrstuhl, eine Gebäudedecke mit einer Stärke von 1,60 m und 1,30 m dicke Außenwände.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Fensteröffnungen in die Wände gesprengt, und er wurde als Ausländerwohnheim genutzt.

Das Gebäude weist im unteren Teil eine neoklassizistische Gestaltung mit Rundbögen, einem umlaufenden Fries und großen Steinblöcken auf. Im Jahr 1999 wurden im ehemaligen Bunker Eigentumswohnungen mit großzügigen Balkonen und Geschäftsräume eingerichtet.Der Bunker Bebelhof auf vernetztes-gedaechtnis.de, abgerufen am 6. Oktober 2013.Der Bebelhof auf braunschweig.de, abgerufen am 11. November 2022.

Der Bunker an der Borsigstraße wurde in den Jahren 1941 bis 1942 für rund 800 Personen angelegt. Er wurde im Jahr 2001 abgerissen, stattdessen wurde hier ein Einkaufsmarkt errichtet.Nachnutzung der Bunker auf amaot.de, abgerufen am 3. April 2018.

Bockstwete Der Bunker wurde in den Jahren 1941 bis 1942 errichtet, um rund 750 Personen Schutz zu gewähren.

Nach dem Ende des Krieges wurde er entfestigt und ab 1948 von Kurt Eichstätter zum Hotel „Central“ umgebaut. In diesem gab es Tanz- und Varietéveranstaltungen, und Künstler wie Chris Howland oder Klaus Kinski logierten hier. Auch die „Barbarina-Bar“ befand sich in diesem Bunker. In den 1960er Jahren wurde das Hotel geschlossen. Das Gebäude beherbergt kleinere Geschäfte und Wohnungen.Bunker: verdrängte Zeitzeugen vernetztes-gedaechtnis.de, abgerufen am 6. Oktober 2013.

Kaiserstraße mini|hochkant|Kaiserstraße (2007) Der Bunker Kaiserstraße ist ein Hochbunker mit mehreren Geschossen, der in den 1940er Jahren rund 640 Personen in 98 Räumen Schutz bieten sollte. Er wurde nach Plänen von Herman Flesche errichtet und sollte eine Fachwerkfassade erhalten, um ihn aussehen zu lassen wie ein gewöhnliches Wohnhaus. Dies ist noch an den Kragsteinen erkennbar. Zusätzlich sollte er ein Satteldach erhalten, um die Tarnung zu vervollständigen.

Nach dem Ende des Krieges wurden Teilbereiche des Bunkers als Lagerräume vermietet, andere dienten zeitweilig als illegale Wohnräume. Da er jedoch weder über ausreichend Fenster noch sonstige Lüftungsmöglichkeiten verfügte, wurde er 1960 vom Wohnungsamt der Stadt Braunschweig wegen Seuchengefahr geschlossen. Das Deutsche Rote Kreuz und der Bundesverband für den Selbstschutz nutzten den Bunker anschließend für Ausbildungszwecke.Der Luftschutzbunker Kaiserstraße auf stuecksicht.de, abgerufen am 6. Oktober 2013.

Im Jahr 1990 wurde der Bunker für eine Weiternutzung als Katastrophenschutzbunker umgebaut. Die ehemalige Raumaufteilung in einzelne Zellen wurde beibehalten.Der Bunker Kaiserstraße auf vernetztes-gedaechtnis.de, abgerufen am 6. Oktober 2013. Der Bunker wurde ab 2020 in ein Mehrparteien-Wohnhaus umgebaut. Die Arbeiten wurden 2022 abgeschlossen.Informationen mit Fotos zum Bunker Kaiserstraße 30. Norbert Jonscher: Kaiserstraße: Bunker erhält neues Gesicht. In: Braunschweiger Zeitung vom 13. Mai 2019.

Kalenwall mini|hochkant|Rückseite Kalenwall (2006)

Der Bunker am Kalenwall wurde auch als Bunker „am Bahnhof“ oder als Bunker „am Adolf-Hitler-Wall“ bezeichnet. Er sollte rund 430 Personen Schutz bieten.