Ursula Ehler (* 10. November 1939 in BambergLadislaus Buzás: Geschichte der Universitätsbibliothek München. Ludwig Reichert, Wiesbaden 1972, S. 313.; † 26. Februar 2024 in Berlin) war eine deutsche Schriftstellerin und Regieassistentin. Als Co-Autorin des Schriftstellers Tankred Dorst erarbeitete sie mit ihm ab 1970/71 eine Reihe von Dramen, Erzählwerken, Fernsehspielen und Kinofilmen.

Leben und Werk

Ursula Ehler studierte an der Akademie der Bildenden Künste München Bildhauerei, arbeitete von 1961 bis 1965 in der Bayerischen Staatsbibliothek in München als Bibliothekarin und war – ebenfalls in München – am studentischen Marionettenstudio Kleines Spiel tätig. Ab 1970/71 arbeitete sie als Co-Autorin mit dem Schriftsteller Tankred Dorst an Dramen, Erzählwerken, Fernsehspielen und Kinofilmen. Sie arbeitete auch an seiner Inszenierung des Ring des Nibelungen 2006 in Bayreuth mit.

Die Mitarbeit Ehlers wird als entscheidend bei der allmählichen Konkretisierung der Theaterstücke und Filme Dorsts beschrieben. Diese basieren auf Dorsts Entwürfen, auf Bildmaterial und Gesprächsfragmenten. Im Dialog des Autorenpaares würden die möglichen Facetten der entstehenden Geschichte analysiert und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Handlung überprüft. Das entstehende Werk werde so perspektivisch relativiert und in Distanz zum Urheber gesetzt. Dies spiele besonders bei der Schilderung und Führung dramatischer Figuren eine Rolle.Magdalena Kozarowicz: In Bildern schreiben. Zum Medienwechsel im Werk Tankred Dorsts. In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Tankred Dorst. (Text + Kritik 145). edition text + kritik, München 2000, S. 50–61, hier S. 59. In einem Interview beschrieb Ehler die Zusammenarbeit 1983:

Dass ihr Beitrag überwiegend nur am Rande gewürdigt und in Theaterkritiken kaum berücksichtigt wurde, quittierte Ehler mit der Bemerkung: „Die Theaterleute, die mit uns arbeiten, kennen meinen Anteil an den Stücken. Und was in der Zeitung steht, kann ich nicht beeinflussen. Ich ziehe aus solchen Erwägungen nicht mein ganzes Selbstwertgefühl.“

Tankred Dorst seinerseits hob in seinen Frankfurter Poetikvorlesungen die Distanz hervor, die durch die dialogische Mitarbeit Ehlers gerade dort gewahrt bleibe, wo der Stoff in seiner eigenen Familiengeschichte wurzele, wie bei den Deutschen Stücken.Iris Hermann: „Ich dachte, alles ist wichtig“. Diskontinuierliches Erzählen in Tankred Dorsts Roman Dorothea Merz. In: Ingrid Bennewitz u. Friedhelm Marx (Hrsg.): „Unser Leben ist ein Gespräch“. Beiträge zum Werk von Tankred Dorst und Ursula Ehler. Ergon, Baden-Baden 2020, ISBN 978-3-95650-656-7, S. 10.

Ursula Ehler war bis zu dessen Tod im Jahr 2017 mit Tankred Dorst verheiratet.

Auszeichnungen Zusammen mit Tankred Dorst 1996: E.-T.-A.-Hoffmann-Preis der Stadt Bamberg 1998: Friedrich-Baur-Preis 2005: Kultureller Ehrenpreis der Landeshauptstadt München 2008: Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken 2012: Deutscher Theaterpreis Der Faust

Werke (Auswahl) Als Mitarbeiterin von Tankred DorstQuelle: Tankred Dorst: Werkausgabe Bd. 1 (anno 1985), Bd. 2 (anno 1985), Bd. 5 (anno 1990), Bd. 6 (1995), Bd. 7 (anno 2002) und Bd. 8 (anno 2008). Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1975: Auf dem Chimborazo 1976: Dorothea Merz 1979: Klaras Mutter 1980: Die Villa, Mosch 1981: Merlin oder Das wüste Land 1985: Heinrich oder die Schmerzen der Phantasie 1986: Ich, Feuerbach 1987: Der verbotene Garten, Parzival 1988: Grindkopf, Korbes 1990: Karlos, Wie im Leben wie im Traum 1992: Fernando Krapp hat mir diesen Brief geschrieben 1994: Herr Paul, Nach Jerusalem 1995: Die Schattenlinie 1996: Die Geschichte der Pfeile 1997: Die Legende vom armen Heinrich, Was sollen wir tun, Harrys Kopf 1998: Wegen Reichtum geschlossen 1999: Große Szene am Fluß 2001: Kupsch 2002: Die Freude am Leben, Othoon 2004: Purcells Traum von König Artus 2005: Die Wüste 2007: Ich bin nur vorübergehend hier 2008: Künstler, Prosperos Insel

Literatur

Ingrid Bennewitz u. Friedhelm Marx (Hrsg.): „Unser Leben ist ein Gespräch“. Beiträge zum Werk von Tankred Dorst und Ursula Ehler. Ergon, Baden-Baden 2020, ISBN 978-3-95650-656-7. „Du sagst ja immer, wir sind ein Gespräch“. Vorlassbesichtigung bei Tankred Dorst und Ursula Ehler. = Marbacher Magazin 141, Marbach 2013. Weblinks

Quelle der biographischen Angaben (PDF; 36 kB)

Einzelnachweise

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