mini|St. Marien-Kirche (2013) Die gotische St.-Marien-Kirche (auch St. Marien) gehört zur Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und ist eine der ältesten Kirchen im Landkreis Uelzen. Im Kirchenkreis Uelzen ist sie zentraler Mittelpunkt für regionale Gottesdienste und Veranstaltungen. Zur Kirchengemeinde gehören rund 4900 Gemeindeglieder aus der Uelzener Innenstadt und dem Stadtteil Königsberg sowie den Dörfern Hambrock, Halligdorf, Niendorf, Ripdorf und Woltersburg.
mini|hochkant|Ulenköperdenkmal Lage und Umgebung mini|hochkant|Turm der St.-Marien-Kirche (2007) mini|hochkant|Apostelkapelle, Turm mini|hochkant|Apostelkapelle mit dem Uelzener Annenaltar Die St.-Marien-Kirche steht in der Stadtmitte Uelzens an der kleinen Seitenstraße "An der Sankt-Marien-Kirche". Gegenüber der Kirche liegt die Stadtbücherei Uelzen. Vor der Kirche befindet sich ein gepflasterter Kirchplatz, der früher als Stadtfriedhof genutzt wurde, und in naher Umgebung erstreckt sich die Fußgängerzone. Außerdem steht dort das Martin-Luther-Haus, das als Gemeindehaus genutzt wird, gleich neben der Kirche. Vor der Kirche ist das Ulenköperdenkmal zu sehen.
Architektur Der im Verhältnis zur Stadtgröße beeindruckende Bau wurde zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert im Stil der norddeutschen Backsteingotik gebaut. Der genaue Baubeginn ist unbekannt. Die dreischiffige gotische Hallenkirche wurde im Jahre 1292 von dem Bischof von Verden geweiht und noch im selben Jahr zur Pfarrkirche erhoben. Gegenüber der Eingangstür erhebt sich der gotische Backsteingiebel der Propstei. Dieser stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Konstruktion Die Kirche wurde mit einem Holzgestell errichtet, um das eine Backsteinfassade errichtet wurde, sowie im Inneren der Kirche Backsteinsäulen. Anfangs existierte nur der niedrige Mittelteil des Langhauses als dreischiffige gotische Hallenkirche. Es wird vermutet, dass die hohen Gewölbe des Mittelschiffs einer Bauperiode noch vor 1300 angehörten. Im Laufe der Zeit wurde die Kirche immer weiter angehoben, damit Uelzener Bürger auf dem Friedhof, der sich um die Kirche herum befand, beerdigt werden konnten. Ursprünglich konnte man durch zwei Stufen aufwärts die Kirche betreten, heute sind es fünf Stufen abwärts.
Kirchturm Die Kirche besitzt einen 86 Meter hohen, quadratischen, wenig gegliederten Kirchturm, der erst nach der Vollendung des Hohen Chors gebaut wurde. Der Turm erhielt 1671 bis 1680 nach dem ersten großen Stadtbrand, bei dem auch ein Teil der Kirche sowie deren Bibliothek mit wichtigen Dokumenten ausbrannte, ein barockes Aussehen. Die Turmspitze brannte beim zweiten großen Stadtbrand 1945 ab und wurde 1954 neu errichtet. Der gemauerte Teil und der Knickhelm sind jeweils 42 Meter hoch, so dass der Kirchturm anders als Türme mit kleinerer Spitze schmal wirkt. Die Treppe zur Turmspitze ist sehr eng und die 196 Treppenstufen sind klein.
Dachstuhl Über eine Seitentür des ersten Abschnittes des Turmes gelangt man zu den gotischen Kirchengewölben der Kirche. Hierbei sieht man die Mauerungen und Fischgrätenmuster, die freihändig und ohne vorherige Schalung entstanden sind. Über eine Leiter, die sich weiter oben in dem Turm befindet, kommt man zu dem Dachstuhl. Dieser kann jedoch nur bei gutem Wetter besichtigt werden. Der Dachstuhl besteht komplett aus Holz und ist frei zugänglich.
Apostelkapelle Zum Gedächtnis an die vielen Toten der Pestepidemie von 1350 stiftete Propst Hermann Nigebuhr an der Südseite der Kirche die 1357 geweihte Apostelkapelle. Durch die zierlichen Formen und die farbige mittelalterliche Ausmalung steht die Apostelkapelle in Kontrast zur Hauptkirche. Die Apostelkapelle ist zudem Begräbnisstätte der Familie Ellendorf und wird deshalb häufig Ellendorfkapelle genannt.
Dreikönigskapelle Nach dem Anbau der Apostelkapelle erfolgte fast ein Jahrhundert später die Angliederung der Dreikönigskapelle an der Südseite des Turms. 1430 wurde dieser Anbau fertiggestellt und ist dient heute als Platz für Morgenandachten.
Ausstattung mini|hochkant|Die Kanzel aus dem Jahre 1900 mini|Hoher Chor mini|hochkant|Das „Goldene Schiff“ Kanzel Die Kanzel neugotischen Stils stammt aus dem Jahre 1900. Sie entstand, genauso wie der Hauptaltar, durch Conrad Wilhelm Hase. Sie befindet sich vor dem Hohen Chor der Kirche.
Hoher Chor und Krypta Der Hohe Chor und die Krypta der Kirche wurden 1385 erbaut. Als Vorbild für die Krypta diente die St.-Michaelis-Kirche. Man versuchte, im Hohen Chor die Hallenkrypta der St.-Michaelis-Kirche in Form einer kleinen Gruftkrypta nachzuahmen. Ebenfalls übernahm man aus der Choranlage der Lüneburger St.-Johannis-Kirche ein sich über der südlich angeordneten Sakristei zum Hohen Chor öffnendes Obergeschoss mitsamt den sich gegenüber liegenden Achteckpfeilern. Am Außenbau befanden sich die Blendfenster. Unter Verzicht auf die Krypta-Anlage ist die Chordisposition dann in zeitlicher Nähe mitsamt den Achteckpfeilern des Uelzener Hallenchors in Salzwedel für die Planung einer dortigen Kirche verwendet worden. Im Hohen Chor befindet sich der große Altar. Besonders auffällig sind hier die hohen Buntglasfenster, die rund um den Hohen Chor gehen. Kurz vor dem Chor befindet sich die Kanzel, und im Hohen Chor steht die kleine Chororgel. Oft finden hier die Gottesdienste, Trauungen und sonstige Feiern statt.
Kunstschätze Malereien Die Malereien im Chorgewölbe, die 1962 freigelegt und restauriert wurden, zeigen die zwölf Apostel, einen Gnadenstuhl und den thronenden Christus. Die farbigen Glasfenster stellen ebenfalls Szenen aus dem Leben der Apostel dar und wurden von Renate Strasser (1924–2012) entworfen.
Das „Goldene Schiff“ In einer Wandnische im Eingangsbereich steht das „Goldene Schiff“, das als Wahrzeichen der Stadt Uelzen gilt. Es wurde wahrscheinlich zur Zeit der Hanse nach Uelzen gebracht. Herkunft, Alter und einstige Verwendung sind nicht geklärt. Angeblich stellt das Goldene Schiff einen mittelalterlichen Tafelaufsatz dar und ist vermutlich ein Geschenk englischer Kaufleute. Wiederum wird behauptet, dass das Hansekontor des Stahlhofes 1598 von der britischen Königin Elisabeth I. geschlossen wurde und daraufhin der Sohn eines einstigen Bürgermeisters Uelzen den Tafelaufsatz mit in die Stadt brachte. Wahrscheinlich handelt es sich um ein ehemaliges Reliquiar. Heute befindet es sich in einer Mauernische neben der Turmhalle der Kirche. Ein Duplikat dieses Schiffes steht im Rathaus von Uelzen.
Der Annenaltar mini|hochkant|Uelzener Annenaltar aus dem Jahre 1506 Der Uelzener Annenaltar ist eine Lüneburger Schnitzarbeit gotischen Stils und wurde ursprünglich für die Uelzener St.-Viti-Kapelle angefertigt. Erst seit 1949 steht der Altar, der 1506 geschaffen wurde, in der Apostelkapelle von St. Marien. Insgesamt soll es zu der Zeit der Reformation in der St.-Marien-Kirche 17 Altäre gegeben haben. Durch Brände und weitere Umstände überdauerten diese Altäre die Zeit allerdings nicht.
Marienleuchter Der Marienleuchter stammt aus dem Jahre 1450. Er besteht aus Gelbguss und stellt eine gotische Doppelmadonna auf der Mondsichel dar und dient, neben den anderen Lampen in der Kirche, zur Beleuchtung. Er befindet sich in der Nähe der Kanzel, mittig in der Halle ausgerichtet.
Orgeln mini|Hauptorgel-Prospekt Die Orgel umfasst 53 Register und ist damit die größte Orgel der Lüneburger Heide. Sie befindet sich über dem Eingang zum Mittelschiff an der Westseite der Kirche und wurde am ersten Advent 2001 nach einigen Sanierungen wieder in Betrieb genommen. Insgesamt wurde die Orgel zwei Mal umgestellt und baulich verändert. Die Gründe für die Versetzung des Instrumentes waren der Platzbedarf für die großen oratorischen Aufführungen und der Bau der Seitenemporen im Mittelschiff. 1951 bis 1954 wurde die Orgel „barockisiert“, was gravierende Veränderungen am Pfeifenwerk zur Folge hatte. Ursprünglich stammen die Orgel und der Orgelprospekt von Johann Georg Stein aus dem Jahre 1756; der Orgelprospekt ist Steins größter erhaltener Orgelprospekt. 1960 bis 1966 baute eine Orgelbauwerkstatt aus Berlin eine neue dreimanualige Orgel mit 40 Registern. Die klangliche Konzeption orientierte sich an den Vorbildern norddeutscher barocker Orgelbauer.
1997 wurden entschieden, die Orgel zu restaurieren, da es viele technische Defekte gab und die Orgel nur begrenzte klangliche Möglichkeiten hatte. Die restlichen historischen Teile der Orgel wurden dabei entfernt. Gleichzeitig wurde der Orgelprospekt restauriert und in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Die Restaurierungen beinhalteten die originalen Farbschichten der Marmorierung und die Retuschierung der Fehlstellen. Das mit Blattgold und Silber belegte Schnitzwerk wurde ebenfalls von Farbschichten befreit, freigelegt oder neu vergoldet. Als Vorlage diente die Beschreibung der Stein-Orgel in einer Festschrift aus dem Jahre 1756 und ein Foto von 1885, das die Orgel vermutlich im Originalzustand zeigte.
Der Spieltisch ist mit Kirschbaumholz belegt, die Registerzüge sind aus Nussbaumholz und die von Hand beschrifteten Manubrien aus Porzellan gefertigt. Dem Organisten steht die Setzeranlage mit 256 Kombinationen zur Verfügung und zusätzlich ein Diskettenlaufwerk zum Speichern der Setzer. Insgesamt wurden nur 23 der alten Register übernommen, die anderen 30 wurden neu hinzugesetzt. Durch die Restaurierungen können nun auch neue Elemente in das Konzept mit aufgenommen werden, zum Beispiel die große Setzeranlage. Durch die Restaurierung der Orgel können auf dem Instrument nun alle Stücke der letzten Epochen gespielt werden.Informationen zur Orgel
Die Orgelempore wird bei Auslastung aller Kirchenschiffe, zum Beispiel an Heiligabend, für Besucher freigegeben.
I Hauptwerk C–c41.Quintadena 16′2.Principal 8′3.Viola di Gamba 8′4.Rohrflöte 8′5.Oktave 4′6.Spitzflöte 4′7.Nasat ′,8.Groß Sesquialtera II 9.Oktave 2′10.Rauschpfeife II 11.Mixtur IV12.Trompete 16′13.Trompete 8′ II Schwellwerk C–c4 (–g4)14.Bordun 16′15.Geigenprinzipal 8′16.Gambe 8′17.Vox coelestis 8′18.Doppelflöte 8′19.Lieblich Gedackt 8′20.Fugara 4′21.Traversflöte 4′22.Piccolo 2′23.Quintflöte ′24.Terzflöte ′25.Harmonia aetheria III26.Trompete 8′27.Oboe 8′ Glockenspiel III Brustpositiv C–c428.Quintadena 8′29.Gedackt 8′30.Prinzipal 4′31.Salicional 4′32.Nachthorn 4′33.Oktave 2′34.Quinte ′35.Terz ′36.Mixtur IV37.Dulzian 16′38.Vox humana 8′ Pedalwerk C–g139.Untersatz 32′40.Prinzipal 16′41.Violon 16′42.Subbaß 16′43.Oktave 8′44.Cello 8′45.Bordun 8′46.Oktave 4′47.Nachthorn 2′48.Mixtur49.Posaune 16′50.Trompete 8′51.Klairon 4′52.Cornett 2′ Koppeln Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P Sub- und Superoktavkoppeln: II/II (nur Suboktavkoppel), III/I, III/II, III/III; II/II
Manualkoppeln mechanisch und elektrisch, Oktavkoppeln elektrisch, Glockenspiel von I, II und III anspielbar, Stimmung: *440 H, gleichstufig, Setzer mit 256 Kombinationen, Diskettenlaufwerk, Midianschluss.
In der Kirche wurde 1981 eine weitere kleine Orgel von einem Hamburger Orgelbauer erbaut, die bei Hochzeiten, Beerdigungen oder dem Tischabendmahl im Hohen Chor verwendet wird. Das Positiv dieser kleinen Orgel ist mit einigen Handgriffen herauszunehmen, so dass eine Verwendung als Continuo-Instrument möglich ist. Das Instrument hat 8 Register auf einem Manual (Gedackt 8′, Prinzipal 4′, Flöte 4′, Oktave 2′, Quinte ′, Sesquialter II (nur Diskant)) und Pedal (Subbass 16′, Oktave 4′).
Glocken