Schornsheim ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Wörrstadt an.
Geographie Die Gemeinde ist ein Weinort in Rheinhessen. Nachbargemeinden sind Gabsheim, Udenheim, Undenheim und Wörrstadt.
Geschichte
Herkunft des Ortsnamens Der Name Schornsheim, 782 Scoronishaim, 815 Scornesheim, ca. 836 Scoranesheim, ca. 1230 Schornesheym, ca. 1520 Schornsheim ist mit dem Grundwort -heim gebildet, wie die meisten rheinhessischen Ortsnamen. Sein Bestimmungswort stellt jedoch eine Besonderheit dar, da es kein traditioneller germanischer Personenname oder ein Wort für eine naturräumliche Gegebenheit, sondern eine Standesbezeichnung und erst im übertragenen Sinn ein Personenname ist. Scoran („der Geschorene“, von der Tonsur herrührend) ist ein Wort für Priester oder Mönch und wurde als Name solchen Knaben gegeben, die für den geistlichen Stand bestimmt waren. Die Tonsur hatte seit langem als Zeichen geistlichen Standes gegolten. Der Name wird auf die Gründung eines Geistlichen zurückgeführt, der neben einer Kirche das Servitenkloster Schornsheim gegründet haben soll. Es ist anzunehmen, dass eine oder mehrere fränkische Siedlungen im Bereich der späteren Gemarkung Schornsheim bereits bestanden.
In der Urkunde Karls des Großen vom 28. Juli 782 nennt der König die Kirche und den Fiskus von Schornsheim sein Eigentum. Als Fiskus bezeichnete man damals die Gesamtheit des königlichen Vermögens oder eine Untereinheit davon. Wie der Herrscher ihn erworben hat, wissen wir nicht. Jedenfalls ist er der Besitznachfolger jenes Scoran, der einst die Kirche gegründet hatte.
Die heilige Lioba mini|Brunnendenkmal für die hl. Lioba Karl der Große gab die Kirche mit ihrer Ausstattung (mit Grund und Boden) und den Grundbesitz Schornsheim als Lehen an die Heilige Lioba. Sie wählte Schornsheim zu ihrem Alterssitz und starb dort am 28. September 782. Noch heute wird sie in Schornsheim verehrt. So wurde auf dem Dorfplatz ein Brunnen erbaut, in dessen Mittelpunkt sie steht.
Geschichte der Ganerbschaft Schornsheim Die Landschaft zwischen Rhein, Nahe und Donnersberg, das heutige Rheinhessen, bildete vor den Umwälzungen am Ende des 18. Jahrhunderts und der territorialen Neuordnung am Anfang des 19. Jahrhunderts keine staatliche Einheit. Kurpfälzische und kurmainzische, wild- und rheingräfische, nassauische und ritterschaftliche Rechte überschnitten sich in diesem Gebiet.
Wenn auch Kurpfalz sich als die bedeutendste Macht in diesem Bereich darzustellen vermochte, so war es ihr ebenso wenig wie Kurmainz gelungen, einen geschlossenen Herrschaftsbereich zu schaffen. Sehr oft wechselte der Ortsherr von einem Ort zum anderen und nicht wenig hatten mehrere Herrschaften gleichzeitig Besitzrechte. Die zum Ritterkanton Oberrhein inkorporierten vier Ganerbschaften Bechtolsheim, Mommenheim, Niedersaulheim und Schornsheim bildeten im Hinblick auf ihre geografische Lage das Rückgrat des reichsritterschaftlichen Besitzes in der Pufferzone zwischen den beiden rivalisierenden Territorien Kurpfalz und Kurmainz. Auch das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (540).
Im Zuge der Reunionspolitik beanspruchte König Ludwig XIV. von Frankreich in den Jahren ab 1680 die Oberherrschaft über die Ganerbschaften von Bechtolsheim, Mommenheim und Schornsheim zusammen mit weiten Teilen von Rheinhessen und der linksrheinischen Kurpfalz. Der französische König und seine Reunionskammern begründeten die Annexionen damit, dass die Orte in der Vergangenheit mit Gebieten verbunden gewesen wären, die im Westfälischen Frieden und dem Frieden von Nimwegen an Frankreich gefallen waren. Nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg musste Frankreich 1697 im Frieden von Rijswijk Schornsheim und alle anderen Reunionen außerhalb des Elsass an das Heilige Römische Reich zurückgeben.Altertumsvereins für Alzey und Umgebung (Hrsg.): Alzeyer Geschichtsblätter Band 22. Verlag der Rheinhessischen Druckwerkstätte, Alzey 1988, S. 62–65.
Schornsheim und die Schneider Schornsheim ist ein Dorf, das hinsichtlich seines Wohlstands und der Erwerbstätigkeit seiner Bewohner mit vielen anderen Dörfern vergleichbar ist. Das war nicht immer so.
Noch vor hundert Jahren war Schornsheim als Schneiderdorf bekannt. Es gab über 130 Schneider, ganze Familien lebten von der Heimschneiderei, sie nähten für Fabriken in Mainz, Worms und Darmstadt.
Jeder Schneider hatte sich auf sein Spezialgebiet eingearbeitet. So gab es Schneider, die nur Hosen anfertigten. Andere stellten wiederum nur Jacken her. Einmal in der Woche wurden die fertigen Kleidungsstücke dann in der Fabrik abgeliefert. Die Schneider wohnten meist in kleinen einstöckigen Lehmhäusern mit zwei, drei, zuweilen auch nur einem Fenster zur Straßenseite, denn es wurde damals eine Fenstersteuer erhoben. Das frühere Wohnzimmer der Schneider war ihre Werkstatt, darin standen mehrere Nähmaschinen und ein großer Schneidertisch.
Vater, Mutter, Töchter und Söhne arbeiteten bis in die Nacht, damit sie sich durch ihre Arbeit ernähren konnten, denn als Schneider verdienten sie sehr wenig Geld. Sehr viele Röcke, Hosen und Westen mussten aus der Werkstatt hinauswandern, bis der Schornsheimer Heimarbeiter sich seines freien Eigentums an Haus und Grundstück erfreuen konnte.
Viele Schneider hatten zusätzlich ein Stück Feld, auf dem sie Kartoffeln und Getreide anpflanzten. Zu Hause hatten sie im Stall ein Schwein, das dann, wenn es groß war, geschlachtet wurde, oder eine Ziege für ihre Milch, die sogenannte Schneiderkuh. Da aber die Fabriken rationalisierten und somit billiger arbeiten konnten, gab es für die Schneider immer weniger Arbeit. Also mussten sie sich notgedrungen neue Arbeitsplätze suchen.
Viele suchten Arbeit in den Industriewerken von Mainz oder in den Opelwerken in Rüsselsheim, wo sie viel mehr verdienten und sich somit etwas Luxus erwarben. Heute gibt es im ganzen Dorf keine aktiven Schneider mehr, der Beruf ist somit ausgestorben.
Wenn man aber durch die Straßen geht, besonders in der Karl-Marx-Straße, so findet man noch ein paar typische Schneiderhäuser.
18. Jahrhundert mini|hochkant|Ehemaliger Pfarrhof, 18./19. Jahrhundert Armengeld Wir hören auch 1715, dass der Rechner Lorenz Tautphäus Tuchgeld einnahm. Gewisse Äcker in der Gemarkung waren mit diesem sogenannten Tuchgeld belastet. Mit diesen Geldern bekamen, wie schon das Wort sagt, die Ortsarmen Kleider gekauft.
Juden in Schornsheim Zwischen 1713 und 1738 wohnten neun Judenfamilien im Ort. Jede Familie musste 3 fl Judenschutzgeld bezahlen. Unter Judenschutzgeld verstand man eine den Juden auferlegte Sondersteuer. Nach der Bezahlung dieses Geldes waren sie berechtigt ungehindert in dem Dorf zu wohnen und ihren Geschäften nachzugehen. Manche Juden waren Händler, andere Metzger.
Die Nachtwächter In früheren Jahren war der Beruf des Nachtwächters ein wichtiger. Ihr Dienst war folgendermaßen 1712 festgelegt: »Sie haben zu blasen gegen Herrn Schultheißen Haus, an der Schmitt Brück, an Nikolaus Kneips Haus, an Jakobs Dielen Haus, am Pfarrhaus, am Pfaffenwälder Brunnen. Hierbei sollen die Nachtwächter an einem jeden Posten, wo sie abblasen, allemal die Stundt mit ansingen, wieviel die Uhr geschlagen, anmelden.«
Tagewächter Ein solcher wurde 1725 eingestellt. Dazu heißt es: »Von der gesamten Gemeinde wurde es für ratsam erachtet, daß ein Tagewächter, welcher den ganzen Tag in orth mit einem tragenden Spies herumb gehen solle undt waß an fremden Bettlern herein kombt, sogleich ab und forth zu weisen, so würde es auch in den umliegenden Orten geschehen. Der Tagewächter soll von jedem Gemeinsmann ein Brot und von der Gemeinde ein Paar Schuhe als Lohn bekommen.«
Schweinehirt 1713 wird Nikolaus Lademann zum Schweinehirten angenommen. Er bekommt als Lohn »7 Malter Korn und von jedem, der Schweine treibt, einen Laib brot, und soll derselbe die Schweine treiben wenn das Wetter gut ist.« 1722 bekommt der neue Schweinehirt von jedem Schwein, »so getrieben« 1/4 Brot. Er muss die Schweine hüten, solange man sie ihm »zutreibt«.
1722 wurden sechs Männer als Feuerläufer angenommen. Einer von ihnen war ihr Hauptmann. Sie hatten, wenn irgendwo ein Feuer ausbrach, bis drei Stunden von hier nach dem Feuer zu laufen, um dort zu helfen. Sie hatten aber von keinem Brand fortzugehen, bevor sie nicht ein Attest über ihre Bemühungen bekommen hatten. Jeder hatte seinen Ledereimer mitzunehmen. Wenn sie zurückkamen, sollten sie von der Gemeinde zwei Maß Wein und jeder für einen Albus Weck bekommen.
1731 heißt es: »Sie sollen dem Feuer nachgehen bis an den Rhein oder vier Stunds wegs weit und dann zurückbringen ein Attest, dann sollen sie von der Gemeinde haben 1 Viertel Wein und vor ein alb. Weck und Volpert Sandmann soll Feuerhauptmann sein.«
19. Jahrhundert mini|Blick in die Kirchstraße mini|hochkant|Katholische Kirche St. Wigbert 1840 Der evangelische Pfarrer Pfeiffer erklärt, dass seine Gemeinde die Kirchliche Trennung von der kathothische Gemeinde und die Erbauung einer evangelischen Kirche »längstens und sehnsüchtigst« gewünscht habe. Die Vernichtung von Mäusen, Hamstern und Wespen wird wieder bezahlt.
1848 Ludwig H., gebürtig und wohnhaft in Schornsheim, hat sich als Ortsbürger eintragen lassen und das Feuereimergeld bezahlt. Wegen seiner beabsichtigten Verehelichung legt der Rat Einspruch ein, weil der Genannte keinerlei Vermögen hat, weder ein Gewerbe ausübt, noch in der Landwirtschaft »eifrig« ist, und über die Vermögensverhältnisse der Frau nichts bekannt ist. »Man kann annehmen, daß derselbe diese Weibsperson mit ihren zwei unehelichen Kindern nicht ernähren kann, viel weniger, wenn sich diese Familie noch vermehren sollte«.
1850 Zum Bau der ev. Kirche will man keine Steine aus dem Flonheimer Steinbrüchen verwenden, weil für diese Steine Chausseegeld bezahlt werden muss. Man will die Steine aus den Oppenheimer Brüchen beziehen, da die Steine von dort von diesem Geld befreit sind.
1856 Die Hühner und Gänse werden wieder von Ludwig Höhler mit seiner Schwester zum Lohn von 30fl gehütet. Dazu bekommt er noch, wie üblich, 1 Pfd. Brot von dem Besitzer einer jeden Gans. Die Weinbergsschützen müssen jetzt jeden Tag gehen. Der Lohn beträgt für jeden pro Tag 24 xr.
1857 Philipp Georgi will zu seinem Sohn nach Zürich reisen, weil er dort bessere Kost und Pflege als in Schornsheim hat. Die Gemeinde ist bereit, ihm Geld für Kleidungsstücke und für die Fahrt zu geben. Sie verlangt aber als Sicherheit, dass das Reisegeld erst auf dem Bahnhof ausgezahlt wird, von dem aus er die Reise antritt. Sein Sohn ist Spengler in Zürich. Der Rat beschließt, dass am 23. Juni die Wiesen geöffnet werden. Das Gras soll sofort gemäht und abgefahren werden. Der Rat legt Widerspruch gegen die Verehelichung des Ortsbürgers Mathias Z. mit der Maria Chatharina J. aus Wörrstadt ein. »Z. genießt einen üblen Ruf und hat mit einer Person aus dem Herzogthum Nassau einen unsittlichen Wandel geführt und hat Kinder mit derselben erzeugt. Er ist ein Gotteslästerer und dem Trunke ergeben. Seine Verlobte besitzt auch einen leichtfertigen Charakter und habe schon mit einer anderen Person zwei uneheliche Kinder gezeugt.«