Die Bundesregierung Faymann I, eine große Koalition der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) mit der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), bildete sich nach der vorgezogenen Nationalratswahl vom 28. September 2008. Sie wurde am 2. Dezember 2008 von Bundespräsident Heinz Fischer ernannt und angelobt. Bundeskanzler wurde Werner Faymann (SPÖ), Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP). Bei der Regierungsumbildung im April 2011 schied Josef Pröll aus; Michael Spindelegger (ÖVP) wurde Vizekanzler.
Nach der Nationalratswahl 2013 wurde die Regierung von Bundespräsident Heinz Fischer am 1. Oktober 2013 mit der Fortführung der Geschäfte bis zur Ernennung einer neuen Regierung beauftragt. Die Ernennung der Bundesregierung Faymann II fand am 16. Dezember 2013 statt.
Regierungsbildung Bei der Wahl vom 28. September 2008 erhielt die SPÖ 29,26 % (minus 6,1 Prozentpunkte) und die ÖVP 26,0 % (minus 8,4 Prozentpunkte) der Stimmen. Die FPÖ erhielt 17,5 Prozent der Stimmen (plus 6,5 Prozentpunkte), das 2005 aus der FPÖ hervorgegangene Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) 10,7 % (plus 6,6 Prozentpunkte) und Die Grünen 10,43 % (minus 0,6 Prozentpunkte). Als Bundesvorsitzender der Partei mit den meisten Wählerstimmen erhielt Faymann am 8. Oktober 2008 von Bundespräsident Heinz Fischer den Auftrag zur Regierungsbildung.
Keine Partei hatte eine Mehrheit für eine Alleinregierung. Eine Koalition aus SPÖ und ÖVP war die einzig mögliche Zwei-Parteien-Koalition. Während Faymann sich von Beginn an für diese Variante aussprach und Koalitionsvarianten mit FPÖ und BZÖ ausschloss, waren Vertreter der ÖVP auch für eine ÖVP-FPÖ-BZÖ-Koalition bzw. für den Gang in die Opposition eingetreten. Die Finanzkrise seit 2007 und die Gefahr einer Rezession in Österreich waren Gründe, weshalb Faymann und der neue ÖVP-Bundesparteivorsitzende Josef Pröll rasch Koalitionsgespräche begannen und in relativ kurzer Zeit (56 Tagen) zur Einigung auf eine neue Große Koalition kamen.
Zusammensetzung Die Bundesregierung Faymann I wurde am 2. Dezember 2008 in folgender Zusammensetzung angelobt:
Die Ressortaufteilung wurde zum größten Teil von der Bundesregierung Gusenbauer übernommen. Nur das von Maria Berger geleitete Justizministerium wechselte von der SPÖ zur ÖVP und wurde der Richterin Claudia Bandion-Ortner unterstellt. Im Gegenzug erhielt die SPÖ das Gesundheitsministerium von der ÖVP (ehemalige Ministerin Andrea Kdolsky). Entgegen den Bedenken namhafter Verfassungsrechtler wurden die Ministerien für Inneres und Justiz durch Minister derselben Partei geleitet.Verfassungsexperten: Polizei und Justiz an ÖVP ist "Unfug". In: Der Standard vom 21. November 2008, abgerufen am 24. November 2008 Die bisherige Außenministerin Ursula Plassnik kündigte an, dass sie aus der Regierung ausscheiden werde. Als Grund gab sie Differenzen über die Frage an, ob künftige EU-Vertragsänderungen auf parlamentarischem Wege oder über Volksabstimmungen zu entscheiden sind.
Innerhalb der Ministerien gab es Umgruppierungen: Der Bereich Arbeit wurde vom Wirtschaftsministerium wieder an das Sozialressort abgetreten, der Sportbereich kam ins Verteidigungsministerium. Die Familien- und Jugendagenden wurden vom Gesundheitsministerium an das Wirtschaftsministerium übergeben. Gegenüber 2006 gab es nur noch vier statt sechs Staatssekretäre.
Gabriele Heinisch-Hosek wurde am 2. Dezember 2008 zur Bundesministerin ohne Portefeuille und am 18. Dezember 2008 zur Bundesministerin für Frauenangelegenheiten und öffentlichen Dienst ernannt. am 18. Dezember 2008
Claudia Bandion-Ortner wurde erst am 15. Jänner 2009 zur Bundesministerin für Justiz ernannt, da der BAWAG-Prozess (den sie als Richterin führte) in erster Instanz zuerst abgeschlossen werden musste. Zuvor war für diese Übergangszeit Wissenschaftsminister Johannes Hahn auch Justizminister. am 15. Jänner 2009 Sie wurde am 21. April 2011 durch Beatrix Karl ersetzt.
Verena Remler wurde am 26. November 2010 als Nachfolgerin von Christine Marek angelobt, die als Klubchefin der ÖVP in den Wiener Gemeinderat und Landtag wechselte.
Beatrix Karl wurde am 26. Jänner 2010 zur Bundesministerin am 26. Jänner 2010 für Wissenschaft und Forschung ernannt,Beatrix Karl angelobt. ORF am 26. Jänner 2010 da ihr Vorgänger Johannes Hahn in die Europäische Kommission (Barroso II) berufen wurde.
Regierungsumbildung im April 2011 Josef Pröll erklärte am 13. April 2011 aus gesundheitlichen Gründen seinen bevorstehenden Rücktritt als Vizekanzler und Finanzminister wie auch als ÖVP-Obmann. Die ÖVP designierte Michael Spindelegger zum neuen Vizekanzler und für einige ihrer Ministerien neue Minister und Staatssekretäre. Die Entlassung der alten und Ernennung der neuen Minister und Staatssekretäre erfolgte am 21. April 2011.
Dabei wechselte Maria Fekter vom Innenministerium ins Finanzministerium. Neue Innenministerin wurde die bisherige niederösterreichische Landesrätin Johanna Mikl-Leitner. Claudia Bandion-Ortner schied aus der Regierung aus und wurde im Justizministerium durch die bisherige Wissenschaftsministerin Beatrix Karl ersetzt. Dieser folgte der bisherige Rektor der Universität Innsbruck Karlheinz Töchterle nach.
Mit der Regierungsumbildung wurden teilweise auch die Staatssekretäre anderen Ministerien zugeteilt. Im Außenministerium wurde Wolfgang Waldner und im Innenministerium Sebastian Kurz zu Staatssekretären ernannt. Der Vorsitzende der JVP, Sebastian Kurz, bisher Gemeinderat in Wien, wurde mit den Integrationsagenden betraut. Für diese beiden neu bestellten Staatssekretariate entfielen die bisher von Reinhold Lopatka im Finanzministerium und von Verena Remler im Wirtschaftsministerium besetzten Staatssekretariate.Team Spindelegger angelobt. Die Presse, 21. April 2011.
Regierungsumbildung im März 2013 Am 5. März 2013 gaben Bundeskanzler Faymann und Verteidigungsminister Norbert Darabos bekannt, dass Darabos am 11. März 2013 als Minister für Landesverteidigung und Sport zurücktritt und als Bundesgeschäftsführer in die Parteizentrale der SPÖ zurückwechselt. Sein Nachfolger wurde der steirische Fraktionsvorsitzende der SPÖ im Bundesrat, Gerald Klug.Ablöse von Darabos. diepresse.com
Übersicht + Bundesregierung Faymann I – 2. Dezember 2008 bis 16. Dezember 2013 Amt Foto Name Partei Staatssekretär Partei Bundeskanzler rahmenlos|zentriert|100px SPÖ Josef Ostermayer SPÖ Vizekanzler zentriert|rahmenlos|100px bis 21. April 2011 ÖVP zentriert|rahmenlos|100px ab 21. April 2011 ÖVP Europäische und Internationale Angelegenheiten zentriert|rahmenlos|100px ÖVP Wolfgang Waldner von 21. April 2011 bis 22. August 2012 ÖVP Reinhold Lopatka ab 11. September 2012 Inneres zentriert|rahmenlos|100px bis 21. April 2011 ÖVP zentriert|rahmenlos|100px ab 21. April 2011 ÖVP Sebastian Kurz ab 21. April 2011 ÖVP Justiz zentriert|rahmenlos|100px bis 15. Jänner 2009 ÖVP zentriert|rahmenlos|100px bis 21. April 2011 Parteilos (von der ÖVP nominiert) zentriert|rahmenlos|100px ab 21. April 2011 ÖVP Finanzen zentriert|rahmenlos|100px bis 21. April 2011 ÖVP Reinhold Lopatka bis 21. April 2011 ÖVP zentriert|rahmenlos|100px ab 21. April 2011 Andreas Schieder SPÖ Wirtschaft, Familie und Jugend rahmenlos|zentriert|100px ÖVP Christine Marek bis 26. November 2010 ÖVP Verena Remler bis 21. April 2011 Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz zentriert|rahmenlos|154x154px SPÖ Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft rahmenlos|zentriert|100px ÖVP Landesverteidigung rahmenlos|zentriert|100px bis 11. März 2013 SPÖ rahmenlos|zentriert|100px ab 11. März 2013 SPÖ Verkehr, Innovation und Technologie zentriert|rahmenlos|100px SPÖ Unterricht, Kunst und Kultur rahmenlos|zentriert|100px SPÖ Wissenschaft und Forschung rahmenlos|zentriert|100px bis 26. Jänner 2010 ÖVP zentriert|rahmenlos|100px bis 21. April 2011 ÖVP zentriert|rahmenlos|100px ab 21. April 2011 ÖVP Gesundheit rahmenlos|zentriert|100px SPÖ Kanzleramtsministerin für Frauenangelegenheiten und Öffentlichen Dienst rahmenlos|zentriert|100px SPÖ
Literatur und Quellen Regierungsprogramm der Regierung Faymann. (PDF 987 kB). Regierungserklärung, Erklärung der Bundesregierung (1/RGER) durch Werner Faymann. In: 6. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich. Stenographisches Protokoll, Mittwoch, 3. Dezember 2008, S. 31–44 (anschließend: Debatte) Weitere parlamentarische Materialien: Parlament aktiv >Alle Verhandlungsgegenstände: seit 28. Oktober 2008 XXIV. Gesetzgebungsperiode
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Einzelnachweise
Kategorie:Einzelne Bundesregierung (Österreich) 081208 Kategorie:SPÖ-Regierung Kategorie:ÖVP-Koalition Kategorie:2000er Kategorie:2010er